Politik

Nein, Merkel sagte nicht, sie habe Migranten ins Land geholt, um Rechtsextreme zu stoppen

Zu einem Interview aus dem März 2026 wird Angela Merkel eine Aussage über Migration unterstellt, die sie so nicht getätigt hat.

von Gabriele Scherndl

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Angela Merkel bei einer Lesung im März 2026 (Bild: Malte Ossowski / Sven Simon / Picture Alliance)
Behauptung
Angela Merkel habe vor laufender Kamera zugegeben, dass sie Deutschland absichtlich mit muslimischen Migranten „überschwemmt“ habe, um „die extreme Rechte zu stoppen“.
Bewertung
Falsch. In dem Interview, auf das sich die Behauptung bezieht, sagt Merkel nicht das, was ihr unterstellt wird. Sie spricht darüber, dass sie sich wünsche, dass alle deutschen Staatsbürger – auch jene mit Migrationsgeschichte – gegen die AfD zusammenhalten würden.

Aktuell wird in Sozialen Netzwerken ein Ausschnitt aus einem Interview des Hessischen Rundfunks mit der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel geteilt. Dazu heißt es, sie habe vor der Kamera zugegeben, dass sie Deutschland absichtlich mit muslimischen Migranten „überschwemmt“ habe, um „die extreme Rechte zu stoppen“. Die Beiträge kursierten in unterschiedlichen Sprachen. Auch AfD-Chefin Alice Weidel teilte einen englischsprachigen Beitrag dazu, der eine Million mal angesehen wurde.

Doch die angebliche Aussage von Merkel fällt weder in dem Ausschnitt des Interviews, noch in der vollen Fassung.

Merkel spricht über Zusammenhalt der deutschen Staatsbürger

Der Videoausschnitt, der vor allem auf X verbreitet wird, stammt aus der ARD-Sendung „Freiheit Deluxe“ vom 6. März 2026. Der Ausschnitt beginnt bei Minute 24. Merkel sagt zunächst, dass sie auf Wahlkampfveranstaltungen von der AfD „niedergebrüllt“ worden sei und spricht dann über deutsche Staatsbürger mit Migrationsgeschichte. Sie sagt, sie wünsche sich, „dass sie doch auch so viel Bindung an Deutschland haben, dass sie sagen, wir tun uns mit denen zusammen, die eben nicht gemeinsame Sache mit der AfD machen.“ 

Denn die AfD versuche das Staatsvolk in ein „richtiges“ und ein falsches zu unterteilen, diese Vorstellung der Partei sei mit dem Grundgesetz aber nicht vereinbar – CORRECTIV berichtete bereits mehrfach über diese Positionen innerhalb der AfD. Merkel sagt im Interview, es sei egal „ob ein deutscher Staatsbürger jetzt seit zwei Jahren deutscher Staatsbürger ist oder seit vier Tagen, oder […] die gesamte Familie schon drei Generationen lang. […] Wir sind das deutsche Volk, das Volk, auf das sich das Grundgesetz bezieht. Und wir müssen dann auch darin zusammenhalten, wenn man gegen Menschen vorgehen muss, die ganz andere Vorstellung über unsere Zukunft haben.“

In 70-minütigem Interview geht es auch um Migration

Davon, dass sie absichtlich Personen ins Land geholt hätte, wie online nun behauptet wird, spricht sie nicht. Auch darüber, „die extrem Rechten“ zu stoppen, wie es in den Beiträgen teils in Anführungszeichen heißt, spricht sie an keiner Stelle des etwa 70 Minuten langen Interviews. Um Einwanderung geht es aber an einigen Stellen, so sagt sie etwa: „Wenn es sich um Arbeitsmigration handelt, dann muss ein Land natürlich gucken: welche Menschen können wir willkommen heißen, wer kann uns helfen.“ 

Schon im März wurde das Interview in Sozialen Netzwerken aufgegriffen und durch den britischen rechtsextremen Tommy Robinson verzerrt wiedergegeben – nun wurde die Aussage noch weiter entfremdet. Wer die Falschbehauptung zuerst aufgestellt hatte, ist unklar, ein besonders viraler Verbreiter antwortete nicht auf eine Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck. Auch Weidel antwortete nicht. 

Redigatur: Matthias Bau, Sara Pichireddu