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Liebe Leserinnen und Leser,
an der Grenze zu Ceuta, der spanischen Exklave an Afrikas nördlichem Zipfel, herrschte am Wochenende angespannte Nervosität: In Sozialen Netzwerken war zu einem neuen Massenübertritt aus Marokko aufgerufen worden. Unser Reporter Max Bernhard war dort und hat die Lage beobachtet. Was er sah, war vor allem massive Präsenz von Polizei und Grenzbeamten. Sie verhinderte, dass Menschen aus Afrika in diesem Teil Europas Schutz suchen konnten.
Gleichzeitig herrscht in Ceuta zurzeit Not: Am Strand hausen bis zu 1.000 Jugendliche, es breiten sich Infektionskrankheiten aus. Mehr dazu im Thema des Tages.
Apropos Ceuta: Nach dem Massenübertritt Ende Juli tummelten sich dort einige Leute aus deutschen Rechtsaußen-Gruppierungen. Sie filmten und sie streamten im Netz. Ihr Ziel: Bildstark die Botschaft verbreiten, hier rolle eine bedrohliche „Welle“ von Menschen in Richtung Europa. Zu jenen, die dort filmten, und ein Banner mit der Aufschrift „Remigration“ ausrollten, gehörte das sogenannte „Filmkunstkollektiv“. Das ist eine rechtsextreme Aktivistengruppe, die auch für Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund arbeitet. Unser Reporter Martin Böhmer hat diesem Konstrukt in einem heute veröffentlichten Text auf den Zahn gefühlt.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und eine anregende SPOTLIGHT-Lektüre. Schreiben Sie mir gern, was Ihnen heute gefallen hat, und was nicht: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Mit Panzern gegen Menschen
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Faktencheck: Krabbeln Spinnen wieder aus dem Staubsauger?
CORRECTIV ganz persönlich: Auch Untätigkeit ist eine politische Entscheidung
Grafik des Tages: Psychische Erkrankungen eine der Hauptursachen für Krankschreibungen
Samstagnachmittag an der Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta: Unser Reporter beobachtet, wie Spanien mehrere Transportpanzer direkt am Grenzübergang platziert hat. Auch auf der anderen Seite der Grenze sieht es martialisch aus. Dort stehen Dutzende Polizeiwagen.
Der Grund:
Im Internet war seit ein paar Tagen zu einer neuen Massenwanderung in Richtung Grenze aufgerufen worden, und dagegen wollten sich die Sicherheitsbehörden – von beiden Seiten – nun wappnen. Tatsächlich versuchten dann am Samstag offenbar mehrere hundert Menschen, von der marokkanischen Stadt Fnideq aus die Grenze zu überqueren. Angesichts der abgesicherten Grenze gelang ihnen das aber nicht.
Was genau los war, können Sie in unserer aktuellen Reportage nachlesen.

Was in Ceuta gerade passiert:
Unser Reporter hat beobachtet, dass weiterhin viele Menschen am Strand hausen. Er hat außerdem mit Bewohnerinnen und Bewohnern Ceutas gesprochen, mit Polizisten, Ärztinnen, Vertretern von Hilfsorganisationen und Geflüchteten.
Max Bernhard sprach auch mit einem Mitarbeiter der Stadtreinigungsbetriebe in Ceuta – der an der Playa del Trampolin arbeitet. Das ist jener berühmt-berüchtigte Strandabschnitt von Ceuta, auf dem gerade viele junge Männer schlafen, die Ende Juli ankamen. Der Mitarbeiter schildert, seiner Schätzung zufolge würden hier mindestens 1.000 Menschen leben.
Die Geflüchteten am Strand sollen vor allem aus Subsahara-Afrika stammen. Das ist wichtig für die Bewertung der Lage. Denn wenn über die Ereignisse in Ceuta berichtet wird, entsteht oft der Eindruck, es seien lediglich Menschen aus Marokko über die Grenze gekommen – mit denen sich das Mitleid vieler konservativer Migrationskritiker in Deutschland in Grenzen hält. Man hält sie für nicht arm oder gefährdet genug.
Auch ich höre oft in Diskussionen mit Leuten aus meinem Bekanntenkreis, das seien doch „nur“ Wirtschaftsflüchtlinge. Das klingt, als wollten die Menschen aus Marokko einfach aus Opportunität zu uns kommen – weil es hier „noch“ bessere Verdienstmöglichkeiten gäbe.
Die Bundesregierung sieht das ähnlich:
In ihrem Koalitionsvertrag hat sie festgeschrieben, dass sie Marokko demnächst als sogenannten sicheren Herkunftsstaat einstufen will. Das bedeutet dann, dass es deutlich schwieriger wird, als Marokkaner dauerhaft in Deutschland bleiben zu können. Aber wie schon geschrieben: Es waren ja offenbar nicht ausschließlich Marokkaner, die Ende Juli nach Ceuta drängten, sondern auch Menschen aus noch ärmeren Ländern wie Tschad, Mali, Niger oder dem Sudan. Staaten also, in denen die Sicherheitslage aktuell extrem angespannt ist – aufgrund von Gewalteskalationen, Terrorgefahr oder gar Bürgerkrieg.
Prekär ist in Ceuta offenbar vor allem die medizinische Lage:
Mehrere Ärzte berichten von einem Epidemie-Ausbruch mit Fieber, Durchfall und Erbrechen, die Krankenhäuser seien voll – bisher untersuche die Stadtverwaltung aber nicht, woher die Infektionen stammten. Das Gesundheitssystem von Ceuta ist nach Darstellung der Mediziner überlastet.
Wie es weitergeht:
Das ist immer noch unklar. Die minderjährigen Schutzsuchenden könnte Spanien theoretisch aufs Festland bringen und ihnen Asyl gewähren. Das ist aber politisch gerade nicht sehr opportun. Ein Sprecher des spanischen Innenministeriums sagte gerade erst: Von den irregulären Flüchtlingen solle keiner aufs Festland gelangen.
Waldbrand im belgischen Naturschutzgebiet
Im Hohen Venn ist einer der größten Waldbrände in der Geschichte Belgiens ausgebrochen. Am Wochenende gab es die Sorge, die Flammen könnten auf deutsches Gebiet übergreifen. Am Sonntagabend mussten etwa 30 Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Monschau-Kalterherberg in Nordrhein-Westfalen ihre Häuser wegen starker Rauchbelastung verlassen. Auch im Hürtgenwald in der Eifel hatte es in den vergangenen Tagen gebrannt. Das Feuer sei inzwischen aber unter Kontrolle, teilte der Landrat mit.
zeit.de / spiegel.de
SPD: Klimaanpassung und Naturschutz soll im Grundgesetz verankert werden
Die SPD-Ministerien haben einen Vorstoß für einen nationalen Hitze-Aktionsplan verfasst. In dem Papier geht es auch um Änderungen im Bauplanungsrecht und darum, Beschäftigte vor den extremen Temperaturen zu schützen. Zudem unterstützen die SPD-Ministerinnen und -Minister den Plan von Umweltminister Carsten Schneider (SPD), die „Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung und Naturschutz“ im Grundgesetz zu verankern.
tagesschau.de
Jeder zehnte junge Mensch war 2025 weder berufstätig noch in einer Ausbildung
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war in Deutschland 2025 jeder zehnte Mensch zwischen 20 und 24 Jahren weder berufstätig noch in einer Ausbildung. Im Jahr 2022 waren es noch 8,8 Prozent. Damit steht Deutschland im europäischen Vergleich aber noch recht gut da. In den 27 EU-Staaten lag der Anteil bei durchschnittlich 12,9 Prozent.
zeit.de

Neueste CORRECTIV-Recherchen

Marschieren, inszenieren, kassieren: Identitäre produzieren Bilder für Siegmunds Wahlkampf
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund braucht Fotos und Videos für seine Inszenierung als freundlicher Kumpel-Typ. Die Bilder liefern rechtsextreme Aktivisten, die so von der AfD Geld kassieren – aber auf Ceuta auch gerne mal „Remigration“-Banner ausrollen.
correctiv.org

Schutz versprochen, Einreise offen: Viele gefährdete Menschen aus Afghanistan warten trotz deutscher Aufnahmezusage weiterhin auf ihr Visum. Die Kabul Luftbrücke spricht über ihren juristischen Kampf und den Widerspruch zwischen Aufnahmeversprechen und Abschiebungen.
tube.funfacts.de

Faktencheck

Spinnen können bei einigen Menschen Angst auslösen. Die rücken ihnen dann oft mit einem Staubsauger zu Leibe. Viele fragen sich: Bleiben die Spinnen im Beutel oder können sie wieder entkommen?
correctiv.org
So geht’s auch
Unkraut hat auf Straßen oder Gehwegen nichts zu suchen – zumindest nach herkömmlichem Verständnis. Ganz anders sieht das der spanische Stadtplaner Àngel Panero. Er meint: Das Grün zwischen den Pflasterritzen kann dem Stadtklima helfen. Denn es senkt die Bodentemperaturen merklich ab und nimmt Regenwasser auf.
watson.de
Endlich verständlich
Sollen Klimaanpassung- und Hitzeschutz in der Verfassung verankert werden? Darüber streitet aktuell die schwarz-rote Koalition. Eine solche Grundgesetzänderung würde dem Bund ermöglichen, Länder und Kommunen bei Maßnahmen zur Klimaanpassung zu unterstützen. SPD und Grüne sind dafür, aus der Union gibt es Bedenken (mehr dazu hier). Doch wie funktioniert eigentlich eine solche Grundgesetzänderung? Das erklärt die Bundeszentrale für politische Bildung hier:
bpb.de
Fundstück
Wie heiß ist dieser Sommer im Vergleich zu den Vorjahren? Auf dieser interaktiven Reuters-Grafik können Sie es nachschauen – für Ihren Wohnort, Ihr Urlaubsziel oder ganz Europa.
reuters.com
Deutschlands Flüsse trocknen aus, Wälder brennen, das RKI zählt Tausende Hitzetote – und die Union schweigt. Weder von Kanzler Friedrich Merz (CDU) noch von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kommt ein Signal aus der Sommerpause. Keine Idee dazu, wie Deutschland auf die aktuelle Krise reagieren soll.
Dabei fehlt es nicht an Lösungen. Länder und Kommunen drängen seit langem auf verlässliche Finanzierung, Fachleute fordern mehr Schutz für besonders gefährdete Menschen, einen Umbau der Wälder, einen ernsthaften Aufbruch in die Energiewende.
Selbst innerhalb der Regierung wächst der Druck: Die SPD will Klimaanpassung und Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankern. Doch die Union ist skeptisch und spielt auf Zeit. Mal wieder.
Das alles zeigt: Auch Untätigkeit ist eine politische Entscheidung. „Wenn wir als Union das Thema Klima groß machen, profitieren davon am Ende die Grünen“, sagte zuletzt die CDU-Abgeordnete und Mitglied der Klima-Union, Wiebke Weber, in einem Interview. Ein Satz, der offenlegt, wie sehr parteitaktisches Kalkül notwendige politische Antworten überlagert.
Das ist unverantwortlich und vor allem kurzsichtig. Wer die Klimakrise aus strategischen Gründen klein hält, nimmt ihre Folgen in Kauf – für Gesundheit, Umwelt, Landwirtschaft, Industrie und öffentliche Haushalte. Gerade eine Partei, die wirtschaftliche Vernunft für sich beansprucht, sollte wissen: Unterlassene Vorsorge wird am Ende teurer als entschlossenes Handeln.

Honorarkürzungen und gedeckelte Budgets bedeuten weniger Psychotherapie – das befürchten Therapeutinnen und Therapeuten. Doch die geplanten Kürzungen der Bundesregierung könnten nicht nur die Praxen finanziell treffen, sondern auch die Wirtschaft. Psychische Erkrankungen gehören etwa zu den häufigsten Ursachen für Fehltage. Das zeigt diese kürzlich veröffentlichte CORRECTIV-Geschichte.
correctiv.org
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Till Eckert und Sebastian Haupt.
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