Klima

Historisches Niedrigwasser am Rhein ist kein Beleg gegen den Klimawandel

Historische Aufnahmen zeigen einen niedrigen Rheinpegel im Jahr 1949. Aber sie widerlegen nicht den Zusammenhang zwischen aktuellen Extremereignissen und dem Klimawandel.

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Extremes Niedrigwasser am Rhein im Sommer 2026 (Quelle: Foto: Lennard Birmanns / CORRECTIV)
Behauptung
Wetterextreme wie Dürre und Niedrigwasser habe es schon immer gegeben. Heutige Extremwetterereignisse würden genutzt, um Ängste vor dem Klimawandel zu schüren.
Einordnung
Die Aufnahmen sind authentisch, 1949 gab es extremes Niedrigwasser am Rhein. Das widerspricht aber dem menschengemachten Klimawandel nicht: Eine Folge der allgemeinen Erderwärmung sind häufiger auftretende Extremwetterereignisse wie Dürre, aber auch Starkregen.

Ein Instagram-Beitrag vom 3. August zeigt Ausschnitte einer historischen Nachrichtensendung in schwarz-weiß. Es geht um den niedrigen Wasserstand am Rhein und der Sprecher berichtet unter anderem von Einschränkungen für die Schifffahrt. Die Aufnahmen, versehen mit dem Logo des Bundesarchivs, sollen die „Dürre des Sommers 1949“ dokumentieren – und laut Beitrags-Text belegen, dass Wetterextreme mit Hochwasser und Dürre nichts Neues seien. Aktuelle Berichte über Hitze und Trockenheit seien dagegen Panikmache rund um den Klimawandel.

perma.cc


Die historischen Aufnahmen sind authentisch

Das Filmmaterial ist authentisch und lässt sich im Digitalen Lesesaal des Bundesarchivs (verlinkter Beitrag ab Minute 1:22) aufrufen. Laut Bundesarchiv stammt es aus der Nachrichtensendung „Welt im Film“ und wurde im Jahr 1949 produziert.

digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de


Extremes Niedrigwasser am Rhein 1949

Neben dem Beitrag aus dem Bundesarchiv belegen auch andere Quellen, dass der Rheinpegel in dem besagten Jahr außergewöhnlich niedrig war. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde dokumentiert auf einer Projektseite für „Extremereignisse im Rheingebiet“ im Oktober und November 1949 extremes Niedrigwasser am Rhein.

undine.bafg.de/rhein/extreme


Frühere Dürren widerlegen Klimawandelfolgen nicht

Anders als es der Beitrag behauptet, bedeuten vergangene Dürren und Niedrigwasser nicht, dass es den menschengemachten Klimawandel nicht gibt. Entscheidend ist nicht, ob die Extreme früher schon vorkamen, sondern wie stark oder häufig sie auftreten. 

Das Umweltbundesamt nennt als Faktoren für Dürren unter anderem fehlenden Niederschlag, stärkere Verdunstung und geringere Bodenfeuchtigkeit. Der Klimawandel begünstige all diese Faktoren. Steigende Temperaturen führten zu höheren Verdunstungsverlusten und damit zu trockenen Böden. Geringere Bodenfeuchtigkeit wiederum vermindere die Wassermenge, die in Flüsse gelangt. Das Umweltbundesamt schreibt: „Klimaextreme wie Dürren können wissenschaftlich immer besser auf den menschlichen Einfluss zurückgeführt werden.“

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) schreibt dazu: „Neun der zehn wärmsten Jahre seit 1881 traten seit 2000 auf“ und verweist in einem Faktenpapier auf eine Zeitreihe von Temperaturanomalien. Natürliche Schwankungen würde das nicht erklären, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler formulieren ausdrücklich: „Eine derart außergewöhnliche Häufung von Rekordjahren der Temperatur ist nur durch die menschengemachte globale Erwärmung erklärbar.“

Höhere Temperaturen sorgen für mehr Trockenheit – auch wenn im Jahresdurchschnitt nicht unbedingt weniger Regen fällt. Der DWD erklärt, dass durch „immer verdunstungsintesivere Sommermonate“ die Böden so stark austrocknen, dass sie sich in den feuchteren Monaten gar nicht erholen. Trockentage nehmen also zu und Trockenphasen werden häufiger: So habe sich seit 1961 die Zahl der Tage mit niedriger Bodenfeuchte deutlich erhöht. 

Länger andauernde Trockenheit lässt laut DWD auch die Wasserstände von Flüssen sinken – mit Folgen etwa für die Binnenschifffahrt. Für die weitere Entwicklung heißt es vom DWD: „Geht der Klimawandel ungebremst weiter, wird mit einer starken Zunahme von Trockenheit gerechnet.“

umweltbundesamt.de
dwd.de/Faktenpapier-Extremwetter
dwd.de/zeitreihen


Diesen Faktencheck haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Caro Lindekamp; Redigatur: Sara Pichireddu, Matthias Bau