Mehrere Tiktok-Videos verbreiten eine Meldung, über die angeblich schon ab Oktober 2026 diskutiert werden soll. Demnach müssten Menschen Geflüchtete aufnehmen – pro 75 Quadratmeter Wohnfläche mindestens eine geflüchtete Person, bei größeren Wohnungen entsprechend mehr.
Das Video ist widersprüchlich – einerseits heißt es, dass über die Regelung schon diskutiert werde, andererseits aber, dass sie schon geplant sei. Ganz am Ende sagt die Sprecherin im Video: „Das ist noch Spekulation, nicht offiziell bestätigt“.
tiktok.com/video-behauptung-wohnungen
Keine Belege für neue Pläne zur Unterbringung von Geflüchteten
Stichwortsuchen zu einer möglichen Diskussion oder konkreten Plänen zur Aufnahme von Geflüchteten in Privatwohnungen ab 75 Quadratmetern führen zu keinen Ergebnissen. Weder Medienberichte noch Seiten der Bundesregierung oder kommunaler Behörden liefern Hinweise darauf, dass die Behauptung stimmt.
Geflüchtete werden bei ihrer Ankunft in Deutschland in der Regel in Erstaufnahme-Einrichtungen untergebracht – dafür sind die Bundesländer zuständig. Danach werden die Menschen innerhalb der Bundesländer auf die Kommunen aufgeteilt, die unterschiedliche Wohnungsformen anbieten: Von Container-Wohnungen über Sammelunterkünfte bis hin zu privat angemieteten Wohnungen, für die die Kommune aufkommt.
Manche Menschen nehmen darüber hinaus privat und freiwillig Geflüchtete auf – bei Mietwohnungen müssen sie für einen längeren Aufenthalt die Erlaubnis vom Vermieter einholen, wie Übersichtsseiten der Städte Köln und Berlin zeigen.
bpb.de/unterbringung-geflüchtete
stadt-koeln.de/aufnahme-geflüchtete
berliner-mieterverein.de/aufnahme-geflüchtete
Video benutzt alte Aufnahmen, etwa von einer Demo im Jahr 2023
Mehrere Ausschnitte im Video haben mit der Behauptung nichts zu tun – ein weiterer Hinweis darauf, dass das Video nicht vertrauenswürdig ist. Mit Bilder-Rückwärtssuchen fanden wir heraus, dass die Szenen teilweise jahrealt sind. Ab Sekunde 19 ist etwa ein Ausschnitt aus einem Treffen zwischen Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vom Mai 2025 zu sehen. Bei dem Gespräch ging es einem Tagesschau-Bericht zufolge darum, inwiefern Deutschland die Ukraine mit Waffen unterstützt.
Ab Sekunde 35 ist ein noch älteres Bild zu sehen, das während der Regierungszeit des ehemaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz entstanden ist. Was er mit einer aktuellen Regelung zu tun haben sollte, bleibt unklar.
Weiter in die Vergangenheit geht es ab Sekunde 40: Dort werden Bilder von einer Demonstration gegen hohe Mieten im Berliner Viertel Prenzlauer Berg gezeigt. Die Demo fand im März 2023 statt.
tagesschau.de/merz-selenskyj-treffen
welt.de/scholz-stühle
morgenpost.de/demo-mieten-berlin
Tiktok-Accounts verbreiten Behauptung seit Monaten mit unterschiedlichen Datumsangaben
Durch eine Suche bei Tiktok fanden wir mehrere Videos, in denen die Behauptung immer wieder vorkommt – lediglich das Datum ist unterschiedlich. Mal soll die neue Regelung schon ab Mai in Kraft treten, mal ab dem 15. September. In einer leicht abgeänderten Version heißt es, dass leere Zimmer in großen Wohnungen an Obdachlose per Zwang untervermietet werden sollten. Auch das ist frei erfunden.
Offenbar nutzen die Kanalbetreiber solche Videos, um mit vermeintlich schockierenden Eilmeldungen Aufrufe zu generieren. Wir fragten zwei der Verbreiter, ob sie eine Quelle für die Behauptung haben und was sie mit dem Video erreichen wollen. Von beiden bekamen wir bis zur Veröffentlichung keine Antwort.
web.archive.org/behauptung-15-September
web.archive.org/behauptung-Mai
Redigatur: Matthias Bau, Gabriele Scherndl
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