Gesellschaft

KI-Video eines weinenden Lehrers in Frankreich schürt Rassismus

Personen fordern die Abschiebung von Schülerinnen und Schülern, weil sie angeblich ihren Lehrer in Frankreich zum Weinen gebracht hätten. Doch die Szene ist KI-generiert.

von Kimberly Nicolaus

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Auf Tiktok kursiert aktuell ein KI-generiertes Video, angeblich soll es einen weinenden Lehrer in Frankreich zeigen. Die Kommentare zeigen, dass einige Nutzerinnen und Nutzer den Fake offenbar nicht erkannt haben. (Symbolbild: Bernd Weißbrod / Picture Alliance)
Behauptung
Ein Video zeige Schülerinnen und Schüler, die einen Lehrer in Frankreich ausgelacht und zum Weinen gebracht hätten.
Bewertung
Manipuliert. Das Video ist nicht echt, sondern KI-generiert.

Die sofortige Abschiebung von Kindern fordert ein Nutzer in der Kommentarspalte unter einem Tiktok-Video, das über eine Million Aufrufe hat. Darin ist vermeintlich ein Lehrer namens „Monsieur Morel“ in Frankreich zu sehen, der von seinen Schülerinnen und Schülern ausgelacht wird und weint. Auf X behauptet jemand, die Schüler in dem Video seien „ausländische Kinder“. Diese Behauptung hat auch  die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Eva Herman, die seit Jahren Falschinformationen verbreitet, auf Telegram geteilt. Zehntausende sahen den Beitrag. Später löschte sie ihn.

Weitere Nutzer kommentieren zu dieser Szene Beleidigungen und Flugzeug-Emojis, die als rechte Chiffre genutzt werden, um sich für Abschiebungen auszusprechen. Doch den Vorfall gab es nicht, das Video ist KI-generiert.

Video mit Lehrer in Frankreich wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt

Das Video enthält mehrere logische Fehler. Die Hand des Lehrers greift durch den blauen Ordner hindurch. Die Anordnung der Tisch- und Stuhlbeine ergibt keinen Sinn und auf dem Handy des Jungen, der vermeintlich den Lehrer filmt, ist überwiegend eine weiße Wand zu sehen.

Das KI-Video enthält mehrere logische Fehler (Quelle: Tiktok / @frenchi.a; Screenshots, Markierungen und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)
Das KI-Video enthält mehrere logische Fehler (Quelle: Tiktok / @frenchi.a; Screenshots, Markierungen und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

Mutmaßlicher Urheber des KI-Videos ist ein Tiktok-Profil namens „frenchi.a“, sein Wasserzeichen ist in den Videos zu sehen. Die beiden letzten Buchstaben des Namens „i.a“ können bereits als Hinweis auf Künstliche Intelligenz gedeutet werden, da dies der französischen Abkürzung für „intelligence artificielle“ entspricht. Zuvor berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Auf dem Tiktok-Profil sind zudem viele weitere solche KI-Videos sichtbar. Eine entsprechende Kennzeichnung, dass es sich um KI handelt fehlt, obwohl das laut Tiktoks Community-Richtlinien Pflicht ist. Auf eine Anfrage dazu reagierte die Person hinter dem Tiktok-Profil nicht. Eva Herman hat nach unserer Anfrage ihren Telegram-Beitrag gelöscht. An CORRECTIV.Faktencheck schreibt sie, sie bedauere den Fehler und bittet Leserinnen und Leser um Entschuldigung. 

Immer wieder kommt es vor, dass Nutzerinnen und Nutzer KI-Videos in Sozialen Netzwerken für echt halten. So schürte beispielsweise auch ein KI-Video über Sozialhilfe Hass und Rassismus. Dieses Video war zwar als KI-generiert gekennzeichnet, doch der Hinweis ging bei der weiteren Verbreitung verloren.

Redigatur: Gabriele Scherndl, Max Bernhard

Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!

Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.

Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.