In mehreren Tiktok-Videos heißt es, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kaufe die Privatinsel Santa Cristina in der Lagune von Venedig. Zu Beginn eines Videos, das mehr als 160.000 mal auf Tiktok angezeigt wurde, ist Selenskyj zu sehen, wie er ein Flugzeug verlässt. Anschließend werden Luftaufnahmen des Anwesens eingeblendet. Ein Sprecher behauptet dazu, Selenskyj kaufe die Insel Santa Cristina, die rund 20 Bootsminuten von Venedig entfernt liege. Sie habe zuvor der Familie Swarovski gehört und koste 24 Millionen Euro.
Swarovski-Insel steht für 24 Millionen Euro zum Verkauf
Die Privatinsel Santa Cristina liegt im Norden der Lagune von Venedig, nahe den Inseln Torcello, Burano und Mazzorbo. Sie umfasst laut Medienberichten 29,4 Hektar und ist nur per Boot erreichbar. Auf der Insel stehen laut Medienberichten eine Villa mit neun Schlafzimmern und ebenso vielen Badezimmern, ein Salzwasserpool, eine Kapelle, landwirtschaftliche Gebäude, ein Weinberg und mehrere Bootsanleger. Eine Suche zeigt, dass die Bilder aus dem Tiktok-Video aus einem drei Jahre alten Youtube-Video über das Anwesen auf der Insel stammen.
Bereits im Juni 2026 meldeten Medien, dass die Insel für etwa 24 Millionen Euro zum Verkauf steht. Die Immobilienagentur Venice Sotheby’s International Realty listet die Insel auf ihrer Webseite. Am 21. Oktober 2026 war das Inserat noch online, der Preis jedoch nur auf Anfrage einsehbar.
CNN schreibt: Der österreichische Unternehmer Gernot Langes-Swarovski erwarb die Insel 1986. Er war Urenkel des Swarovski-Gründers Daniel Swarovski. Nach seinem Tod 2021 habe die Familienstiftung Segnal das Anwesen übernommen.
tirol.orf.at/santacristina
orf.at/santacristina
youtube.com/santacristina
perma.cc/inseratsothebys
edition.cnn.com/santacristina
diepresse.com/santacristina
Verkäuferseite und ukrainische Pressestelle widersprechen
CORRECTIV.Faktencheck fragte bei Venice Sotheby’s International Realty nach, ob Selenskyj ein Kaufangebot für Santa Cristina gemacht habe. Außerdem erkundigten wir uns nach dem aktuellen Verkaufsstatus und möglichen anderen Interessenten. Bis zur Veröffentlichung blieb eine Antwort aus.
Berichte nennen die Segnal Privatstiftung als Verkäuferin der Insel. Die Stiftung sitzt in Wattens, Tirol. Ihr Vorstand Christoph Völk erklärte CNN in einer Stellungnahme sinngemäß, es sei an der Zeit, die Verantwortung für Santa Cristina einem neuen Eigentümer zu übergeben. Einen Käufer nannte er nicht.
Auf Nachfrage von CORRECTIV.Faktencheck wies Völk die Behauptung zum Kauf durch den ukrainischen Präsidenten zurück. Er kritisierte zudem den Kontext der Behauptung, da sie Selenskyj implizit Korruption unterstelle. Dies sei nicht nur für Selenskyj, sondern auch für die Verkäuferseite „höchst kreditschädigend“. Die Stiftung prüfe rechtliche Schritte gegen den Verbreiter.
Auch die Pressestelle des ukrainischen Präsidenten wies entsprechende Behauptungen auf Anfrage zurück. Sinngemäß hieß es: „Alle Behauptungen, Präsident Selenskyj habe eine Insel gekauft oder plane dies, sind völlig falsch.“ Die Pressestelle betont: Informationskrieg sei ein Bestandteil des russischen Angriffskrieges.

bei Venedig (Quelle: Tiktok; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck).
evi.gv.at/segnalprivatstiftung
Schon mehrfach falsche Behauptungen über angebliche Immobilienkäufe durch Selenskyjs
Mehrere Tiktok-Accounts, die die Behauptung teilten, antworteten bis zur Veröffentlichung nicht auf eine Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck.
Es ist nicht das erste Mal, dass in Sozialen Netzwerken behauptet wird, Selenskyj oder seine Familie hätten teure Immobilien im Ausland erworben. Im Februar 2025 kursierte beispielsweise die Behauptung, Selenskyj habe das Kehlsteinhaus in Bayern für 14,2 Millionen Euro gekauft. Ein Faktencheck von CORRECTIV.Faktencheck zeigte, dass dies falsch war. Als falsch erwies sich auch die Behauptung, dass Selenskyj oder seine Frau Olena ein Fünf-Sterne-Hotel auf Zypern gekauft hätten.
correctiv.org/kehlsteinhaus
correctiv.org/hotelzypern
Diesen Faktencheck haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redigatur: Gabriele Scherndl, Viktor Marinov