Ein verschwommenes Bild von Olena Selenska und ihrem Ehemann, dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, wird seit Ende Juli in Sozialen Netzwerken geteilt. Auf dem Foto sind die zwei anscheinend auf einer offiziellen Veranstaltung zu sehen, im Hintergrund ist ein Mann in Uniform mit weißen Handschuhen und Säbel zu sehen. In den Beiträgen dazu heißt es, das Bild sei beim Treffen der „Koalition der Willigen“ entstanden, ein Zusammenschluss von Ländern, die die Ukraine im Krieg gegen das angreifende Russland unterstützten.
Das entscheidende an dem Bild laut den Beiträgen ist der Schmuck von Olena Selenska: Um ihren Hals ist angeblich ein teurer, gestohlener Anhänger zu sehen. Es handle sich um den Anhänger „Libellenfrau“, der im Juli aus dem Lalique-Museum in der Nähe von Straßburg gestohlen worden sei. Ein englischsprachiger Beitrag auf X verbreitet dieselbe Geschichte im Videoformat – das Video trägt das Logo der BBC. Der X-Beitrag hat 4,5 Millionen Aufrufe, der Verbreiter ist allerdings als Parodie-Kanal gekennzeichnet. Der Profilinhaber war für eine Anfrage nicht erreichbar.
Selenska trägt auf Fotos vom Treffen keinen Halsschmuck
Tatsächlich gab es zwei Wochen, bevor die Beiträge erschienen waren, ein solches Treffen in Paris. Fotos von diesem Treffen, etwa eins mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Selenskyj, zeigen im Hintergrund Männer mit den gleichen Uniformen wie beim Foto mit Selenska.
Eine Bilder-Rückwärtssuche führt zu einem Foto von Reuters und einem Video der Associated Press. Auf beiden von ihnen ist zu sehen, wie Olena Selenska und ihr Ehemann zu einem Termin im Élysée-Palast kommen. Sie tragen dieselbe Kleidung wie in den Beiträgen zur „Libellenfrau“, im Hintergrund ist dieselbe Umgebung zu sehen, nur eins fehlt: die Libellenfrau selbst. In den Originalaufnahmen ist auf dem weißen Hemd der ukrainischen First Lady kein Schmuck zu sehen.
tagesschau.de
sueddeutsche.de
reutersconnect.com
youtube.com
BBC-Bericht zu Selenska und „Libellenfrau“ fingiert
Auch Faktenchecks von AFP und Stopfake konnten keine Aufnahmen aus dem Treffen finden, bei dem Selenska das Schmuckstück trägt. Die BBC schrieb der AFP auf Anfrage, das verbreitete Video sei eine Fälschung. Eine Suche von uns nach einem BBC-Beitrag zu Selenska und dem gestohlenen Schmuckstück liefert ebenfalls keine Ergebnisse.
stopfake.org
faktencheck.afp.com
27 Schmuckstücke im Wert von 4,5 Millionen Euro gestohlen
Der Diebstahl im Lalique-Museum im Osten Frankreichs geschah am 5. Juli, darüber gibt es viele Medienberichte. Auf der Seite des Museums heißt es: „Aufgrund eines Einbruchs ist das Lalique-Museum vorübergehend mindestens bis Ende September geschlossen“. Der Anhänger „Libellenfrau mit ausgebreiteten Flügeln“ gehört laut Seite des Museums zu den gestohlenen Gegenständen.
Ob der Anhänger wirklich 800.000 Euro wert ist, wie es in den Beiträgen in Sozialen Netzwerken heißt, ist unklar. Laut Le Figaro wurden 27 Schmuckstücke im Gesamtwert von 4,5 Millionen Euro gestohlen.
swr.de
lefigaro.fr
perma.cc
perma.cc
Muster der Desinformation: Erfundene Geschichten über angeblichen Luxus von Selenska kursieren immer wieder
Falsche Behauptungen über das angeblich luxuriöse Leben von Olena Selenska und ihrem Ehemann tauchen seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine immer wieder auf. Eine gefälschte Collage zeigte Selenska etwa im Privatflugzeug mit Louis-Vuitton-Tasche und Rolex. Andere erfundene Geschichten handeln von Luxus-Immobilien oder teuren Juwelier-Einkäufen.
correctiv.org
faktenforum.org
correctiv.org
Diesen Faktencheck haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Viktor Marinov; Redigatur: Gabriele Scherndl, Steffen Kutzner
CORRECTIV im Postfach
Lesen Sie von Macht und Missbrauch. Aber auch von Menschen und Momenten, die zeigen, dass wir es als Gesellschaft besser können. Täglich im CORRECTIV Spotlight.
Mit der Anmeldung willigen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung ein.
