Gesundheit

Covid-19: Analyse von Peter McCullough zu Obduktionen ist unseriös

Anders als online behauptet, belegt eine Analyse des US-Mediziners Peter McCullough nicht, dass Impfungen gegen Covid-19 vermehrt zu Todesfällen geführt haben. McCullough fiel während der Corona-Pandemie durch die Verbreitung von Falschbehauptungen auf.

von Matthias Bau

Online wird mit einer unseriösen Studie Stimmung gegen Covid-19-Impfungen gemacht
Online wird mit einer unseriösen Studie Stimmung gegen Covid-19-Impfungen gemacht (Symbolbild: Walter Bieri / Keystone / Picture Alliance)
Behauptung
Eine Studie des US-Mediziners Peter McCullough belege, dass bei 74 Prozent der Covid-Todesfälle die Impfung die Todesursache war.
Einordnung
Die vermeintliche Studie wurde von mehreren Fachzeitschriften zurückgezogen, weil sie methodische und inhaltliche Mängel aufwies. Fachleute bezeichneten sie als unwissenschaftlich.

„Größte Autopsie-Studie enthüllt: 74 Prozent starben an den Impfungen“, so betitelt ein Instagram-Beitrag im August ein Video, in dem es um Covid-19 geht. Der Beitrag erreichte 104.000 Ansichten und wurde 786 Mal geteilt. Gleichzeitig wird darin für Nahrungsergänzungsmittel geworben.

Bereits während der Pandemie verbreitete sich die Behauptung, bei Obduktionen sei festgestellt worden, dass Impfungen gegen Covid-19 zum Tod geführt hätten. Vor allem der pensionierte Pathologe Arne Burkhardt wurde so bekannt, ebenso wie eine Veranstaltung namens „Pathologie-Konferenz“, die er ausrichtete. Gegenüber CORRECTIV.Faktencheck wiesen Fachverbände und Experten die Behauptungen und Untersuchungen Burkhardts immer wieder als unwissenschaftlich zurück. 

Ähnlich verhält es sich mit dem Mann im Video auf Instagram. Bei ihm handelt es sich um den US-Mediziner Peter McCullough, der während der Corona-Pandemie immer wieder Falschbehauptungen aufstellte. Nach unserer Anfrage löschte der Instagram-Account seinen Beitrag.

perma.cc/beitrag-instagram
correctiv.org/faktencheck-pathologiekonferenz-burkhardt
correctiv.org/bhakdi-burkhardt
correctiv.org/faktencheck-pathologiekonferenz


Video mit McCullough im Mai 2025 aufgenommen

Das Video wurde im Mai 2025 bei einer Anhörung eines Unterausschusses des US-Senats aufgenommen. Das Thema der Anhörung war: „So haben Repräsentanten des Gesundheitssystems Myokarditis [Entzündung des Herzmuskels, Anm. d. Red.] und andere unerwünschte Nebenwirkungen, die mit Covid-19-Imfpugen einhergingen, heruntergespielt und vertuscht.“ 

Herzmuskelentzündungen sind eine seltene Nebenwirkung von mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) schreibt. Laut RKI verlaufen die meisten Erkrankungen mild bis moderat. Schwere Krankheitsverläufe von Covid-19 machten eine Herzmuskelentzündung hingegen deutlich wahrscheinlicher. Betroffen sind vor allem Männer zwischen 12 und 30 Jahren. Während der Corona-Pandemie wurden vielfach Falschbehauptungen über Herzerkrankungen und Todesfälle nach Impfungen verbreitet.

youtube.com/anhoerung-mccullough
rki.de/faq-impfung-covid-19


Veröffentlichung von McCullough wurde mehrfach von Fachzeitschriften zurückgezogen

Zurück zur Anhörung. Auf Youtube veröffentlichte der Account „The Union Herald“ die Anhörung, der Ausschnitt von McColloughs Aussage, der auf Instagram kursiert, beginnt im Video ab 2:13:04. Geleitet wird die Sitzung vom republikanischen Senator Ron Johnson.

Johnson fragt McCollough: „Haben Sie irgendeinen Zweifel, dass die Covid-Impfungen Todesfälle verursacht haben? Ich meine, was denken Sie über die 38.607 Fälle, die jetzt bei VAERS [US-Datenbank zu unerwünschten Ergebnissen nach Impfungen, Anm. d. Red.] gelistet sind? Was denken Sie, was ist die tatsächliche Zahl? Und können Sie Studien nennen, die Ihre Ansicht stützen?“

Die Datenbank VAERS (Vaccine Adverse Event Reporting System) wurde während der Corona-Pandemie immer wieder genutzt, um zu behaupten, dass die Covid-19-Impfstoffe drastische Nebenwirkungen bis hin zum Tod hätten. Dabei wurde jedoch die Tatsache ausgeblendet, dass die Datenbank nicht verifizierte Berichte enthält. In Deutschland wurden ähnliche Behauptungen unter Berufung auf Daten des Paul-Ehrlich-Instituts aufgestellt. 

Es folgt die Passage, die aktuell auf Instagram kursiert, McCollough antwortet: Seiner Meinung nach, seien Obduktionen der beste Weg, um diese Frage zu beantworten. Er selbst sei Co-Autor einer der größten Studien zum Thema. In der Studie sei gezeigt worden, dass in 73,9 Prozent der Fälle, bei denen geimpfte Tote obduziert worden seien, die Impfung die Todesursache gewesen sei.

In der Veröffentlichung, auf die sich McCollough bezieht, haben er und weitere Autoren sich Obduktionsberichte angesehen, in denen ein Zusammenhang zwischen Covid-19-Impfungen und Myokarditis besteht. So habe man im Juli 2023 insgesamt 1.691 Berichte für eine weitere Auswertung gesammelt. Von diesen wurden 14 ausgewählt. In den Berichten geht es laut Angaben der Autoren um insgesamt 28 Obduktionen. Da McCollough und seine Co-Autoren mehrfach versuchten, ihre Untersuchung zu veröffentlichen, existieren davon verschiedene Versionen. Daher unterscheidet sich die Zahl der einbezogenen Obduktionsberichte, das Vorgehen hingegen bleibt identisch.

pmc.ncbi.nlm.nih.gov/veroeffentlichung-mccullough


Fachleute bezeichnen Veröffentlichung von McCullough als unwissenschaftlich

Ursprünglich war sie als sogenannter Preprint, also als Veröffentlichung, die noch nicht von anderen Fachleuten begutachtet wurde, bei der Fachzeitschrift The Lancet angemeldet. Er wurde jedoch wieder entfernt, das begründet die Zeitschrift mit den Worten: „die Schlussfolgerungen der Studie werden durch ihre Untersuchungsmethode nicht gestützt“. 

Auch ein weiterer Veröffentlichungsversuch bei Forensic Science International scheiterte. Dort heißt es über die zurückgezogene Studie, sie weise Mängel bei der Zitation und der Untersuchungsmethode auf. Außerdem enthalte sie Fehler und ungenaue Darstellungen und es fehlten Fakten, um die gezogenen Schlussfolgerungen zu stützen. 

Laut Forensic Science International reichten McCullough und Kollegen eine überarbeitete Version der Studie ein. Diese sei von zwei unabhängigen Gutachtern geprüft worden. Diese seien jedoch zu dem Schluss gekommen, dass die Kritiken bei der Überarbeitung nicht genügend berücksichtigt worden seien und empfahlen, die Arbeit nicht zu veröffentlichen. Laut Forensic Science International wiesen McCullough und Kollegen die Kritik zurück. Aktuell ist die Arbeit auf der Webseite der National Library of Medicine abrufbar, eine der größten medizinischen Bibliotheken der Welt. 

Über die Veröffentlichung und deren Schwächen berichteten verschiedene Faktencheckredaktionen. Darunter etwa FactCheck.org, die AFP, Lead Stories und Science Feedback. Gegenüber der AFP sagte Zhou Xing, Professor für Immunologie an der McMaster University, sie sei fehlerhaft, weil sie weder Vorerkrankungen noch das Alter der untersuchten Personen bei der Auswertung einbeziehe. Die Untersuchung bezeichnete er gegenüber der AFP als „unglaublich absurd“. Man müsse „kein Wissenschaftler oder Mediziner sein, um die gravierenden Mängel“ zu erkennen, so Xing.

archive.is/stellungnahme-the-lancet
archive.is/stellungnahme-forensic-science-international
factcheck.afp.com/faktencheck-mccullough
science.feedback.org/artikel-mccullough
leadstories.com/faktencheck-mccullough


Diesen Faktencheck haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert.

Redigatur: Steffen Kutzner, Gabriele Scherndl