Justiz und Polizei

Organisierte Kriminalität: Mehr Gangster aus Russland in der EU

Der Krieg in der Ukraine führt nach Angaben des Bundeskriminalamts zu einer Verlagerung von russischen Kriminellen nach Deutschland und in die EU. Gegenüber CORRECTIV heißt es, hierzu lägen „gesicherte polizeiliche Erkenntnisse“ vor.

von Gabriela Keller

pexels-cottonbro-8369520
Laut der Polizei sind die Gruppierungen aus Russland und anderen Staaten der Region vor allem in den Bereichen Drogenhandel, Cyber- und Schleuserkriminalität sowie Finanzdelilkten aktiv. Foto: Pexels / Cottonbro Studio

Infolge des Ukraine-Krieges ziehen offenbar Kriminelle aus Russland nach Deutschland. Wie ein Sprecher des Bundeskriminalamts (BKA) auf Anfrage von CORRECTIV mitteilt, lasse sich seit Beginn des Krieges eine „Verlagerung von Strukturen“ der Organisierten Kriminalität mit Bezug zu Russland in Richtung Westen feststellen. Zielort sei nicht nur Deutschland, sondern die Europäische Union insgesamt. Hierzu lägen „polizeilich gesicherte Erkenntnisse“ vor, teilt das BKA mit, ohne Zahlen zu nennen.

Die Polizei spricht von Russisch-Eurasischer organisierter Kriminalität. Das bezieht sich auf Akteure aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Neben Russland gehören dazu etwa die Ukraine, Kasachstan oder Georgien. Laut Polizeistatistiken sind die Gruppierungen vor allem in den Bereichen Drogenhandel, Cyber- und Schleuserkriminalität und Finanzdelikten aktiv. Das BKA stehe mit Blick auf die Verschiebungen in Richtung Deutschland und EU „in engem Kontakt“ mit Ermittlungsbehörden im In- und Ausland.

Nach Recherchen von CORRECTIV sollen sich seit 2022 insbesondere hochrangige, prominente Vertreter der russischen Mafia in Deutschland angesiedelt haben. CORRECTIV hat kürzlich in einer internationalen Recherche mit sieben Partnermedien in vier Ländern über den Cannabis-Betrugsfall Juicy Fields berichtet und aufgedeckt, wie mutmaßliche Serienbetrüger aus Russland europäische Anleger abzocken. Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine gibt es praktisch keinen regelmäßigen Austausch mehr zwischen deutschen Ermittlungsbehörden und Russland.

Kein Bock mehr? Lass uns machen. Nachrichten können gerade das Gefühl vermitteln, dass ohnehin nichts mehr zu ändern ist. Doch Aufgeben hilft denen, die davon profitieren, wenn niemand mehr hinschaut, nachfragt oder widerspricht.

Wir bei CORRECTIV glauben an etwas anderes: Veränderung durch Aufklärung.

Deshalb recherchieren wir. Wir decken Missstände auf, prüfen Behauptungen, machen Netzwerke sichtbar und veröffentlichen, was andere lieber verborgen halten würden. Nicht, weil eine einzelne Recherche die Welt rettet. Sondern weil Veränderung damit beginnt, dass Menschen wissen, was passiert.

Weil aus Wissen Handlung entstehen kann.

CORRECTIV gehört weder Investoren noch Konzernen. Wir arbeiten gemeinwohlorientiert und finanzieren unsere Recherchen durch Spenden. Recherchen wie diese hier gibt es nur durch Menschen, die unabhängigen Journalismus möglich machen.

Wenn Sie nach diesem Artikel denken: Davon brauchen wir mehr – dann helfen Sie uns.

Ihre Spende ermöglicht unseren Journalistinnen und Journalisten, weiter zu recherchieren, nachzufragen und dranzubleiben – auch wenn eine Recherche Monate dauert, mächtige Interessen berührt oder unbequem wird.

Wir können nicht vorhersagen, was als Nächstes passiert. Aber wir können dafür sorgen, dass Menschen informiert sind, wenn es darauf ankommt.

Lassen Sie uns machen. Gemeinsam.