Flucht & Migration

Razzia gegen Hintermänner der „Schwarzen Flotte“

Schrottreife Kähne, überfüllt mit Flüchtlingen – jetzt haben Ermittler in Deutschland und der Türkei zu einem Schlag gegen die Schleuser ausgeholt. Correctiv.org recherchiert ausführlich zu diesem Thema. Und ist bereits auf ein kriminelles Netzwerk gestoßen, das Drogen, Waffen, Flüchtlinge transportiert

von Frederik Richter

Der Flüchtlingsfrachter Blue Sky M

Der Flüchtlingsfrachter Blue Sky M© Nunzio Giove/ AFP

Ermittler in Deutschland und der Türkei haben am Mittwoch eine Schleuser-Organisation ausgehoben, die syrische Flüchtlinge nach Europa brachte. 15 Verdächtige wurden verhaftet, fünf von ihnen in Deutschland. 16 Wohnungen wurden bundesweit durchsucht.

Hintergrund: Im vergangenen Winter waren vor allem von der türkischen Hafenstadt Mersin aus 14 alte, rostige Frachter in See gestochen, die mit bis zu 800 Flüchtlingen gefüllt waren. Pro Fahrt verdienten die Schmuggler mehrere Millionen Euro.

CORRECTIV hat im vergangenen Jahr ausführlich über die Hintermänner dieser „Schwarzen Flotte“ recherchiert – und war auf eine mysteriöse Briefkasten-Reederei in Piräus, Griechenland gestoßen. Und ein loses Netzwerk von fünf syrischen Reederfamilien, das in den Schmuggel von Flüchtlingen, Waffen und Drogen involviert ist.

Ob die Verhafteten zu diesen fünf Familien gehören, sagten die Ermittler nicht. Drei der in Deutschland Festgenommenen rechnen die Ermittler der Führungsebene der Schleuserorganisation zu, sagte Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, gegenüber correctiv.org. Der Kopf der Organisation sei in der Türkei verhaftet worden.

Erst im Frühjahr 2015 war es den türkischen Behörden gelungen, die Abfahrt der Schiffe zu unterbinden. „Das war eine Zäsur für die Schleuser“, sagte Klein. „Daraufhin haben sie ihr Geschäftsmodell umgestellt und stattdessen auf den Landweg über den Balkan gesetzt.“

Wie schwer es ist, zu den Hintermännern des Schmuggels vorzudringen, erlebten auch die Rechercheure von CORRECTIV im vergangenen Sommer. Die Schmuggler gründen immer neue Briefkastenfirmen, zwischen denen sie Schiffe hin- und herschieben.

Hier gibt es ganze Recherche von correctiv.org, die in vier Sprachen veröffentlicht wurde. In Kooperation mit dem RTL Nachtjournal entstand zudem diese Fernseh-Reportage.

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