Fußballdoping

Beckenbauer und Völler: Schwimmen im Sportstudio

50 Jahre "Aktuelles Sportstudio", am Samstag wurde im ZDF gefeiert. Das Jubiläum wird jetzt auch hier ein Thema: Im Video werden Franz Beckenbauer und Rudi Völler mit ein paar Dopingfragen konfrontiert. Und beide Ex-Profis geraten dabei vor laufenden Kameras ordentlich ins Schwimmen.

von Jonathan Sachse

50 Jahre „Aktuelles Sportstudio“, am Samstag wurde im ZDF gefeiert. Das Jubiläum wird jetzt auch hier ein Thema: Im Video werden Franz Beckenbauer und Rudi Völler mit ein paar Dopingfragen konfrontiert. Und beide Ex-Profis geraten dabei vor laufenden Kameras ordentlich ins Schwimmen.

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Das Transkript der entscheidenden dreieinhalb Minuten:

Steinbrecher wendet sich Beckenbauer zu: „Sie haben ja diese Woche auch schon was zum Thema Doping gesagt, zu dieser Studie, zu den 66er Weltmeistern, dass sie damals — ich sage das mal sinngemäß — gar nicht wussten, was Doping war. In diesem Jahr 77, als es diese Doping-Diskussion gab, bei Harry Valérien, den sie sehr gut kennen, da gab es eine Offenheit untern Sportlern über dieses Thema zu reden und genau in dieser Zeit haben Sie auch einen Artikel geschrieben. Im STERN im Mai — genau zu dieser Zeit der Doping-Diskussion — und da haben sie geschrieben: Medizinisch ist heute in der Bundesliga noch alles erlaubt, was den Spieler zu Höchst- und Dauerleistung treibt. Dann erklären sie, warum sie das für bedenklich halten und sagen dann ganz klar: Nicht alles, was heute mit Fußballprofis gemacht wird, ist harmlos. Die Grenzen zum Doping sind fließend. Warum kann man das nicht auch im Nachhinein einfach offenlegen, offen darüber reden, wenn das früher offensichtlich so war?“

Beckenbauer: „Das habe ich gesagt?“

Steinbrecher: „Das haben sie gesagt. Ja. Ich kann ihnen den Artikel zeigen. Das hier ist die Kopie.“

Beckenbauer: „Kann es sein, dass ich einen Doppelgänger habe?“

Steinbrecher: „Das haben Sie gesagt. Das ist ihr Foto, ihre Kopie im STERN.“

Beckenbauer: „Also… ja… ich bin natürlich überrascht über dieses Kunstwerk, aber ich war ja immer der Meinung: Doping im Fußball…“

Einblendung Völler, der zustimmend den Kopf schüttelt.

Beckenbauer: „…macht keinen Sinn, weil du alle zwei… dritten, vierten Tag hast du’n Spiel. Und man weiß ja, wenn Du dich dopst, ist es ja eine leistungssteigernde Wirkung, die du damit erzielst. Also braucht der Körper eine gewisse Zeit, um sich zu erholen. Aber das…“

Steinbrecher: „Sie haben damals auch gesagt, was ist vor wichtigen Spielen, wenn es um Millionen geht. Da muss man aufpassen, weil da können Vereine und Manager sagen: Jetzt könnte es sich lohnen.“

Beckenbauer: „Also ich habe dies, ich habe dies… ich war 20 Jahre Profi. Ich wurde noch von keinem — ob das der Manager war, ob das der Trainer war oder der Vereinsarzt war — irgendwie genötigt, etwas zu nehmen, was ich nicht wusste, was das ist. Natürlich haben wir auch unsere Vitaminspritzen bekommen. Ja Vitaminspritzen… keine Ahnung… Doktor hat gesagt, das ist eine Vitaminspritze…“

Zuschauer lachen.

Steinbrecher: „Aber so genau wusste man es nicht…“

Beckenbauer: „Aber ist eine Vitaminspritze Leistung steigernd oder ist das Doping? Ich weiß es nicht. Was iss’n Doping?“

Steinbrecher: „Sie haben was bekommen, aber wussten nicht genau, was drin war?“

Beckenbauer überlegt kurz. Dann: „Im, im… ich bin kein Arzt. Natürlich haben wir auch unsere Vitaminspritzen bekommen…“

Publikum lacht. Beckenbauer schaut rüber zu den Zuschauer und Gast Kürten. Reagiert.

Beckenbauer: „Naja, was ist da jetzt so…“

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Steinbrecher: „Rudi, übertragen wir das jetzt mal auf die heutigen Zeiten…“

Völler: „Ich bin noch die Generation… ich glaube Franz, als Du aufgehört hast Da gab es noch gar keine Dopingkontrollen… das fing ja erst so Mitte, Ende der Achtziger an. Ich glaube meine erste Dopingkontrolle habe ich 86 gemacht bei der WM in Mexiko?“

Beckenbauer: „Ja“

Völler: „Da gab es die ersten Kontrollen und da war ich auch schon 26. Ich habe die zweite Hälfte meiner Kontrollen mit Dopingkontrollen verbracht. Ich bin nach Italien, die waren ein bisschen weiter noch. Da wirst du auch bei jedem zweiten, dritten Spiel kontrolliert. Ich bin ja schon die Generation wie die Jungs heute. Du warst ja permanent in der Kontrolle… Du musstest ja schon aufpassen, gehst du irgendwo hin essen. Dann tut da irgendwer — ein Koch von der anderen Mannschaft — irgendetwas ins Essen rein. Soweit haben wir dann manchmal schon gedacht. Also wir waren da schon sehr vorsichtig und wie der Franz schon sagt: Aus meiner Umgebung, in den Mannschaften, in denen ich gespielt habe — Nationalmannschaft sowieso nicht — da gab es so etwas gar nicht.“

Steinbrecher: „Das Thema wird uns natürlich weiterhin begleiten. Denn der Sport ist athletisch und es gibt natürlich viele, die sich fragen, warum — wenn es in anderen Sportarten Thema ist — nicht auch im Fußball?“

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Ja, warum eigentlich nicht im Fußball? Wer das Blog hier ein wenig verfolgt, muss sich mit der Frage nicht mehr beschäftigen. Natürlich wird auch im Fußball gedopt.

Es lohnt sich die oben protokollierten Minuten zusätzlich im Video anzuschauen. Denn die non-verbalen Reaktionen von Völler und Beckenbauer sprechen schon Bände. Formulieren wir es hier mal vorsichtig: Beide fühlen sich in diesen Minuten der lockeren Jubiläumssendung gar nicht wohl in ihrer Haut.

Und Beckenbauer und Völler sprechen Sätze aus, die hier schnell widerlegt werden können.

Alle 3-4 Tage ein Spiel. Wer dann dopt, hat nicht genügend Zeit zur Erholung?

Das Gegenteil ist der Fall: Wer dopt, kann besser regenerieren. In anderen Sportarten ist der Rhythmus zudem noch viel extremer.

Beckenbauer nahm nichts, was er nicht kannte

Hier widersprach sich Beckenbauer ein paar Sätze später selber. Auf die Nachfrage von Steinbrecher zu den Inhalten der Spritzen, antwortet Beckenbauer „Ich bin kein Arzt.“

Ab 1986 Dopingkontrollen bei der WM? Zu Beckenbauers aktiven Zeiten keine Kontrollen?

Nein. Seit 1966 testet die Fifa bei Weltmeisterschaften. Beckenbauer wurde 1966 sogar selbst kontrolliert (Ergebnis war negativ). In Deutschland wird allerdings erst seit 1988 in Wettbewerben getestet. Die ersten Trainingskontrollen werden seit 1995 in Deutschland genommen. Das sind nur die Zahlen. Über die Qualität der Dopingkontrollen sagt das allerdings nichts aus, eines der Dauerthemen hier im Blog.

In den Mannschaften von Rudi Völler gab es kein Doping?

Glatteis. Es genügt der Blick auf Völlers sportliche Laufbahn. Von 1992-1994 spielte Völler für Olympic Marseille, ein Verein, indem jede Menge Doping-Hinweise inklusive Geständnisse bis hin zu systematischen Dopingpraktiken existieren (siehe Zusammenfassung cycling4fans). Vorher kickte Völler in Italien. Ebenfalls kein Land, indem von einem sauberen Umfeld gesprochen werden kann.

Über Twitter bekamen wir eben noch einen wichtigen Hinweis:

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Nicht ganz. Beckenbauer trainierte Marseille in der Saison 90/91 knapp vor Völlers Wechsel nach Frankreich. Zu Beckenbauer-Völler-Marseille empfehlen wir diesen Artikel.

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