Gefährliche Keime

Tödliche Keime – Kooperation mit der Zeit

Jedes Jahr sterben in Deutschland tausende Menschen an multiresistenten Erregern. An Keimen, die nicht mehr auf Antibiotika anspringen und dem Patienten deshalb immer öfter keine Überlebenschance mehr lassen. Die Wunden entzünden sich, schließen nicht mehr. Irgendwann stirbt der Patient an multiplem Organversagen oder einer Lungenentzündung. Wissenschaftler bezeichnen multiresistente Keime als einen Tsunami, langfristig sogar als […]

von Daniel Drepper

Jedes Jahr sterben in Deutschland tausende Menschen an multiresistenten Erregern. An Keimen, die nicht mehr auf Antibiotika anspringen und dem Patienten deshalb immer öfter keine Überlebenschance mehr lassen. Die Wunden entzünden sich, schließen nicht mehr. Irgendwann stirbt der Patient an multiplem Organversagen oder einer Lungenentzündung.

Wissenschaftler bezeichnen multiresistente Keime als einen Tsunami, langfristig sogar als ein größeres Problem als den Klimawandel.

Die Keime entstehen, weil in vielen Krankenhäusern einfachste Hygieneregeln nicht eingehalten werden. Weil Tierärzte und Fleischbarone noch immer tonnenweise Antibiotika ins Futter kippen. Und weil die Beteiligten bislang das Problem nicht entschlossen genug angehen.

Gemeinsam mit der ZEIT, ZEIT ONLINE und der FUNKE-Mediengruppe haben wir heute eine mehrmonatige Recherche veröffentlicht.

>>> Hier geht es zur Recherche: mrsa.correctiv.org

Wir haben uns mit genau diesen Keimen beschäftigt. Wir haben Abrechnungsdaten von allen deutschen Krankenhäusern analysiert und können zeigen, dass die Gefahr seit Jahren wächst. Deutsche Krankenhäuser rechnen manche gefährlichen Erreger heute 50 Prozent häufiger ab als noch vor vier Jahren.

Wir waren gemeinsam mit den Reportern unserer Kooperationspartner in Tiermastanlagen und auf Schlachthöfen, wir waren undercover im Krankenhaus und wir haben mit hunderten Experten und Betroffenen gesprochen.

Die Abrechnungsdaten der Krankenhäuser haben wir auf einer interaktiven Karte Landkreis für Landkreis visualisiert.

>>> Hier geht es zur Karte <<<

Die Recherche ist unser bislang größtes Projekt. Die Geschichten finden sich auch als Titelgeschichte in der ZEIT, bei ZEIT ONLINE und in den Zeitungen und Web-Portalen der FUNKE-Mediengruppe. Den Veröffentlichungen könnt Ihr auch bei Twitter unter dem Hashtag #tödlichekeime folgen – oder Euch dort an der Diskussion beteiligen.

Dazu berichten heute zahlreiche weitere Regionalzeitungen und Internetportale. Gestern Abend lief bereits ein Beitrag in den heute-Nachrichten des ZDF. In den kommenden vier Wochen werden unsere Kooperationspartner und wir immer wieder zu diesem Thema berichten.

Wir glauben, dass die Bekämpfung multiresistenter Keime zentral ist für unsere Gesundheit in den kommenden Jahrzehnten. Gehen wir fahrlässig mit diesem Problem um, stehen wir vor einer mittelalterlichen Zukunft, in der Menschen an Zahninfektionen und Blasenentzündung sterben.

Deshalb gehen wir bei CORRECTIV dieses Problem langfristig und international an. Wir stehen bereits in stetigem Austausch mit Reportern aus mehreren europäischen Ländern. Keime machen nicht an der Landesgrenze halt. Wer nichts verpassen will, abonniert unseren Newsletter.

Dazu können wir Unterstützung gebrauchen. Wer selbst Erfahrungen mit Hygiene-Problemen in Gesundheitseinrichtungen oder multiresistenten Keimen gemacht habt, kann seine Erlebnisse oder die seiner Bekannten und Verwandten in einem extra von uns entwickelten Fragebogen teilen. Wir sammeln diese Erfahrungen in strukturierter Form und veröffentlichen mittelfristig Geschichten dazu. Damit wollen wir den Betroffenen eine Stimme geben und die Missstände möglichst umfassend aufdecken.

Wer sich mit uns und anderen über multiresistente Keime und Hygienemängel in Gesundheitseinrichtungen austauschen möchte, kann unserer Facebook-Gruppe beitreten. Dort wollen wir einen Raum schaffen für Updates, Informationen, Diskussionen und Hilfestellung.

Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!

Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.

Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.