Nach der jüngsten CORRECTIV-Recherche passen erste Energieunternehmen ihr Angebot an: So teilen mehr als 20, vor allem kommunale Gasversorger auf CORRECTIV-Anfrage mit, ihre klimaneutralen oder Ökogas-Tarife zu überprüfen oder sogar vorläufig einstellen zu wollen. Darunter die EVD Energieversorgung Dormagen, Logo Energie mit Sitz in Nordrhein-Westfalen und weitere kommunale Stadtwerke.
Stadtwerke erwägen rechtliche Schritte
Die Stadtwerke Oberursel wollen sogar noch weitergehen und erwägen rechtliche Schritte, wie das Unternehmen gegenüber CORRECTIV mitteilt: „Wir prüfen, ob wir gegebenenfalls rechtliche Schritte gegen unseren namhaften Dienstleister einleiten“, so die Stadtwerke. Bei diesen habe man „nach bestem Wissen und Gewissen die Zertifikate gekauft“.
Weitere drei Gasversorger entfernten Werbung für klimaneutrale oder Ökogastarife kommentarlos von ihrer Webseite. Auch die lokalen Medienpartner von CORRECTIV, die die Recherche für ihre Region aufgriffen, berichten über erste Reaktionen von Energieunternehmen. Laut dem Radiosender Emscher Lippe wollen auch die Stadtwerke Kamp-Lintfort ein Ende ihrer Kompensationsgeschäfte prüfen.
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Andere Energieversorger wie der Energieriese Eon oder die Eprimo GmbH wollen weiterhin an kompensiertem Erdgas festhalten. So teilt Eon auf Anfrage mit, dass das Produktportfolio regelmäßig evaluiert werde. „Eine glaubwürdige, faire und verständliche Kommunikation rund um unsere Produkte ist uns selbstverständlich sehr wichtig, daher entwickeln wir auch diese ohnehin kontinuierlich weiter.“
Ökogas: Linke kritisieren Geschäftsmodell
Der Lobbyverband BDEW, der die Interessen der deutschen Energiebranche vertritt, antwortet nicht auf die Anfrage von CORRECTIV nach Konsequenzen aus der Recherche. Der Verband wirbt bei seinen Mitgliedern mit klimaneutralem Erdgas. Stattdessen teilt der BDEW mit, dass die „Nutzung von fossilem, nicht dekarbonisiertem Erdgas bis 2045 bedeutungslos“ werde.
Kritik an den Gasversorgern und ihren Geschäftspraktiken kommt von Ralph Lenkert, Obmann der Linken im Ausschuss für Klimaschutz und Energie im Bundestag: „Kompensationen wurden eingeführt als gute, freiwillige Idee für den Klimaschutz.“ Gasunternehmen machten daraus ein profitables Geschäftsmodell, „bei dem es um Geld und nicht um Klimaschutz“ gehe, so Lenkert gegenüber CORRECTIV.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband erneuert gegenüber CORRECTIV die Forderung nach einem expliziten „Verbot der Werbung mit Klimaneutralität“. Echte Klimaneutralität könne „auf Produkt- oder Unternehmensebene nicht erreicht werden.“
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.
