Mafia

Autoschieber mit Verbindungen zur Camorra: Ermittlungen in Nrw

Eine Bande mit Verbindungen zur italienischen Camorra hat im großen Stil Autos in Italien gestohlen und in Deutschland verkauft. Nun sind erste Täter verurteilt, weitere Ermittlungen laufen.

von Jonas Mueller-Töwe

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Eine Autoschieber-Bande mit Verbindungen zur Camorra ist durch Ermittlungen in Baden-Württemberg, Hessen und NRW aufgeflogen. Wie Staatsanwaltschaften und Polizei nun bestätigten, sind bereits mehrere Angeklagte zu langen Haftstrafen verurteilt worden — einige Ermittlungsverfahren laufen hingegen noch. Dass der Drahtzieher ein in Italien verurteilter Camorrist ist, wurde allerdings nur in einem Prozess am Rande erwähnt.

Das Vorgehen war so simpel wie erprobt. In Italien unterschlugen die Autoschieber größtenteils teure Luxuskarossen der Marken BMW, Audi und Mercedes, deren Besitzer die Wagen geleast hatten und die Versicherungssumme beanspruchen konnten. In Deutschland meldeten die Täter dann die Autos mit gefälschten Kfz- und Personalpapieren an und verkauften sie per Internet-Annoncen an Privatleute.

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Der 37-jährige Camorrist – in Italien 2004 wegen Zugehörigkeit zu einer Mafiaorganisation zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt und Anfang des Jahres in Caserta verhaftet – kaufte dazu ein Haus im Raum Esslingen (Baden-Württemberg), das als Kulisse für die Verkäufe diente. Die bürgerliche Fassade wurde durch einen 76-jährigen deutschen Strohmann perfekt, der vorgab die Autos verkaufen zu wollen, in Wahrheit aber nur einige Hundert Euro pro Verkauf erhielt.

Die Bande agierte im Raum Esslingen, sowie im Raum Kassel und in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens. Nachgewiesen wurden den insgesamt bislang sechs Tätern Dutzende Verkäufe mit einem Umsatz in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro. Der laut Staatsanwaltschaft Stuttgart als Haupttäter und „Drahtzieher im Hintergrund“ geltende Camorrist wurde im August vor dem Landgericht Stuttgart zu fünf Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt, zwei weitere Italiener zu Haftstrafen in Höhe von einem Jahr sowie vier Jahren. Der 76-jährige Strohmann erhielt zwei Jahre auf Bewährung.

Einer der Angeklagten wurde Ende Oktober auch mit zwei weiteren Tätern aus Italien vor dem Landgericht Kassel verurteilt. Dort war die Bande ähnlich vorgegangen, hatte eine Wohnung angemietet und die Wagen mit gefälschten Personalien und Kfz-Papieren angemeldet. Noch sind diese Urteile nicht rechtskräftig. In NRW bildete Wülfrath offenbar zum Teil die Operationsbasis für die Verkäufe, beispielsweise in Essen, Oberhausen und Tecklenburg. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal ermittelt noch.