Mafia

Anschlag auf Italiens Innenminister vereitelt

Italiens Innenminister Angelino Alfano plant, die Haftbedingungen für verurteilte Mafiosi zu verschärfen. Jetzt verhaftete Italiens Polizei sechs Männer – die offenbar einen Anschlag auf Alfano planten.

von Margherita Bettoni

© Angelino Alfano von EPP Group unter Lizenz CC BY-ND 2.0

Innenminister Alfano stammt selbst aus Sizilien. Einige Mafiosi warfen ihm vor, mit den Stimmen der Cosa Nostra gewählt worden zu sein und seine „Freunde“ dann vergessen zu haben. Für Unmut sorgten auch Alfanos Pläne, den Strafrechtsartikel 41bis zu verschärfen, welcher schon jetzt harte Haftbedingungen für Mafiosi vorsieht. Deswegen verdiente Italiens Innenminister Angelino Alfano in den Augen der Mafia offenbar den Tod.

Sechs Mafiosi, die nach Ermittlungen der Polizei einen Anschlag auf ihn planten, wurden vergangene Woche auf Sizilien verhaftet. Lange Zeit hatte die Polizei im Rahmen der Operation „Grande Passo 3“ (Großer Schritt 3) die Bewegungen der Männer beobachtet und ihre Gespräche abgehört. „Dieser Angelino Alfano ist ein Schwein“, sagten sie am Telefon – und diskutierten darüber, wo man ihn am Besten umbringen könne. Zuerst war von Rom die Rede, dann sprachen sie von Alfanos Wahlkampagne für die anstehenden Regionalwahlen auf Sizilien.

Die Ermittler gehen zwar davon aus, dass die Mafiosi keine konkrete Pläne für einen Anschlag hatten, doch in den vergangenen Wochen sprachen die Männer am Telefon offenbar immer häufiger darüber, Waffen zu verstecken. Das führte zu den Festnahmen.

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Vom Hirten zum Mafia-Boss

Die sechs Verhafteten gelten als neue Bosse von Corleone. Die Kleinstadt in der kargen Hügellandschaft in Inneren Siziliens ist die Heimat der inhaftierten Totò Riina und Bernardo Provenzano, einst die Oberbosse der Cosa Nostra. Bereits Oberboss Riina hatte vor zwei Jahren in einem abgehörten Gesprächt mit einem anderen Inhaftierten gesagt, Alfano sei ein Gauner.

An der Spitze des Clans aus Corleone stand Rosario L. B., 62, ein enger Vertrauter von Provenzano. Wie viele andere Mafiosi arbeitete L.B als Hirte. Bereits 2008 war er verhaftet worden. Die anderen fünf Verdächtigen standen Totò Riina nahe. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen sie, unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung und wegen illegalen Waffenbesitzes.

Vergleich mit John F. Kennedy

In einem der abgehörten Gespräche verglichen die Bosse Innenminister Alfano mit dem ermordeten Präsidenten der Vereinigten Staaten, John F. Kennedy. Auch er, sagten die Mafiosi, sei zunächst mit den Stimmen der Cosa Nostra gewählt worden, habe danach aber der Mafia den Rücken zugekehrt.

Innenminister Alfano lässt sich von den Bedrohungen nicht einschüchtern: „Meine Heimat von diesen Verfluchten zu befreien, ist mir wichtiger als mein eigenes Leben“, sagte er nach den Verhaftungen.