Apple und Google sollen iStories-App in Russland sperren
Die russische Aufsichtsbehörde Roskomnadzor will der unabhängigen Investigativplattform iStories den Zugang zum Publikum in Russland endgültig sperren. Sie forderte Apple und Google auf, die App von iStories aus ihren Stores zu entfernen. iStories-Chef Roman Anin warnt die Unternehmen davor, sich zum Instrument der russischen Zensur zu machen. iStories arbeitet aus dem Exil und ist Medienpartner von CORRECTIV.
Apple und Google sollen die App der unabhängigen Investigativplattform iStories aus ihren Stores entfernen. Das fordert die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadzor.
iStories ist eines der führenden russischen Investigativmedien und hat preisgekrönte Recherchen unter anderem zum Krieg Russlands gegen die Ukraine veröffentlicht. Das Medium und seine Mitarbeiter sind seit Anfang März 2022 beim Justizministerium in Moskau als „unerwünschte Organisation” gelistet. Die Website ist in Russland gesperrt.
Chefredakteur Roman Anin wurde Ende 2025 die russische Staatsbürgerschaft entzogen. Er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten aus dem Exil. iStories ist Medienpartner von CORRECTIV.
Warnung vor „gefährlichem Präzedenzfall”
„Wir hoffen, dass weder Apple noch Google zu Instrumenten der Zensur in den Händen eines blutigen autoritären Regimes werden, das für zahlreiche Kriegsverbrechen gegen Ukrainer und die Unterdrückung seiner eigenen Bürger verantwortlich ist”, sagt Anin.
Sollte die App gelöscht werden, wäre dies ein „gefährlicher Präzedenzfall”, es würde bestätigen, „dass sich Technologiegiganten trotz ihrer zahlreichen Erklärungen nicht um demokratische Werte und insbesondere um die Meinungsfreiheit scheren”, so Anin.
Geschützte Verbindung zur App
Falls sich Apple und Google der Forderung beugen, werde iStories rechtlichen Schutz in der EU und den USA suchen und eine weltweite Kampagne starten, um Menschen auf der ganzen Welt auf diese Situation aufmerksam zu machen, erklärt Anin.
iStories habe die App erst kürzlich gestartet. Sie verfüge über ein integriertes VPN – einer geschützten Verbindung zum sicheren und anonymen Surfen im Internet. Diese ermögliche es Nutzern, auf die Inhalte von iStories zuzugreifen, ohne ein eigenes VPN verwenden zu müssen.
Bereits Millionen Webseiten gesperrt
„Wenn Apple und Google den Forderungen der russischen Zensurbehörden nachkommen, werden Tausende von Russen den Zugang zu einer weiteren Quelle der Wahrheit verlieren”, warnt Anin. Die russischen Behörden hätten bereits Millionen Webseiten gesperrt und alle großen Social-Media-Plattformen im Land blockiert.
Die russischen Behörden versuchen zudem seit längerem, die Nutzung von VPN in Russland einzuschränken. Für Unmut sorgten in den vergangenen Wochen wiederholte Sperrungen des mobilen Internets auch in Großstädten wie Moskau und St. Petersburg.
Angeblich gesetzeswidrige Inhalte
Das US-Unternehmen Apple hat die Redaktion von iStories über die Forderung von Roskomnadzor informiert. In einem Schreiben der Behörde an Apple hieß es, der US-Konzern solle iStories umgehend auffordern, gesetzeswidrige Inhalte in seiner App zu entfernen. iStories verbreite „Fake News” und „destabilisiere” die gesellschaftspolitische Lage in Russland. Falls die Inhalte nicht entfernt würden, solle Apple die iStories-App löschen. Dass auch Google das Schreiben aus Russland erhielt, entnahm iStories einer Datenbank zu solchen Mitteilungen.
Apple hat auf Drängen von Roskomnadzor bereits Apps und Podcasts russischer Medien sowie der britischen BBC und des US-Senders Radio Free Europe/Radio Liberty entfernt. Apple selbst gab die Zahl der aus dem Store gelöschten Apps für den Zeitraum 2022 bis 2024 mit 190 an. Gegen Google verhängte Roskomnadzor mehrfach Geldstrafen wegen nicht entfernter Inhalte.
Gefährdete Öffentlichkeit
Reporter ohne Grenzen (RSF Deutschland) verweist auf die Bedeutung und damit die Verantwortung der US-Unternehmen: „Apple und Google sind nicht einfach nur private Unternehmen. Mit ihrem Geschäftsmodell schaffen sie über nationale Grenzen hinaus Öffentlichkeit im digitalen Raum und tragen deshalb eine besondere Verantwortung”, sagt Geschäftsführer Christian Mihr.
„Reporter ohne Grenzen fordert deshalb beide Unternehmen auf, sich gegen den Zensurversuch der russischen Medienaufsichtsbehörde Roskomnadzor zu wehren und die mobile App von iStories nicht zu entfernen.”
Roskomnadzor, der Föderale Dienst für die Aufsicht im Bereich Kommunikation, Informationstechnologie und Massenmedien, nutze Regulierung als Vorwand, um den gesamten russischen Informationsraum zu kontrollieren, so Mihr. Aus guten Gründen habe Reporter ohne Grenzen die russische Behörde in eine Liste mit „Feinden der Pressefreiheit” aufgenommen.
Roskomnadzor erhob die Forderung an Apple und Google kurz vor dem internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai.
