Geschäfte mit der AfD

Die Immobilien-Deals der AfD: Tarnfirmen, Erpressungsvorwürfe und eine erfundene Adelige

Auf der Suche nach einer neuen Parteizentrale nutzt die AfD teils dubiose Firmenkonstrukte und hinterlässt verärgerte Geschäftspartner. Ein Vermieter spricht gar von Erpressung – und es gibt Verbindungen zu einer Adeligen, die gar nicht existiert.

von Dominik Lenze , Carli Bess Kutschera , Jean Peters

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Bei Immobiliendeals agiert die AfD teils über Mittelsmänner, um mögliche Verkäufer nicht abzuschrecken. KI-generiertes Symbolbild

Es wäre eine große Immobilie gewesen, mitten in Berlin, ein Gebäude, das schon durch seine Adresse Autorität beansprucht. Nach Informationen von CORRECTIV soll Kay Gottschalk, Gründungsmitglied der AfD und seit 2017 im Bundestag, im exklusiven China Club über den Dächern von Berlin mit einem Makler zusammengesessen haben. Bei dem Treffen soll es um ein mehrstöckiges Bürogebäude in der Berliner Friedrichstraße gegangen sein, das die AfD als Sitz für ihre Parteizentrale kaufen wollte.

Doch Ende Januar 2026 platzte der Immobiliendeal offenbar. Zwei Quellen aus dem Umfeld der Partei bestätigen das. Der Eigentümer der Immobilie dementiert, dass es dieses Treffen überhaupt je gegeben habe. Auch die Anwälte der AfD dementieren die vermeintliche Zusammenkunft gegenüber CORRECTIV. Sie schreiben: „Entsprechende Verhandlungen über einen Kauf und/oder den Standort und/oder einen Preis in Höhe von EUR 46 Mio. haben nicht stattgefunden.“ So ist das immer mit Treffen, die nicht stattgefunden haben. Wir wissen nicht, was wirklich stimmt. Wir haben nur die Aussagen der Quellen, die nah dran sind.

„Wenn’s ums Thema Immobilien geht: Am besten einen großen Bogen um diese Partei machen.“

Sicher ist: Die AfD besitzt bis heute keine größere Immobilie für ihren Parteisitz. Aber beim Versuch, eine zu kaufen, haben Vertreter der Partei eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Das sagen zumindest diejenigen, mit denen die Partei Geschäfte machte oder anbahnte und die darüber mit CORRECTIV sprachen. Im Gespräch klingen diese Leute, als hätten sie gerade vergorene Milch getrunken.

„Wenn’s ums Thema Immobilien geht: Am besten einen großen Bogen um diese Partei machen“, sagt uns eine beteiligte Person. Eine andere: „Ich habe es noch nie so bereut, einen Menschen kennengelernt zu haben.“ Ein Immobilieninvestor, zunächst verkaufsbereit, spricht von „Kriminellen“. „Die sächsische Mafia“, sagt er am Telefon – vermutlich, weil ein Kreis sächsischer AfD-Funktionäre das Firmen-Netzwerk und die Immobiliendeals der Partei maßgeblich vorantreibt. In den Gesprächen wird klar: Es geht hier nicht um unterschiedliche Auffassungen über Quadratmeterpreise. Die AfD-Anwälte weisen diese Aussagen als „völlig unkonkret“ zurück und betonen, dass auf eine so unspezifische Angabe „denklogisch keine Stellung genommen werden“ könne.

Verfolgt man die Immobilien-Geschäfte der AfD, entspinnt sich ein parteieigenes Firmen-Netzwerk mit einigen Kuriositäten. So fusionierte eine Firma aus Süddeutschland, welche die Partei als mutmaßliche Tarnfirma für einen Immobiliendeal übernehmen wollte, stattdessen plötzlich mit einer Firma zum Schutz vor Tauben. Eine andere AfD-nahe Firma wurde offenbar nach einer frei erfundenen Adeligen benannt. Und der Vermieter der aktuellen AfD-Parteizentrale erhebt gar den Vorwurf, er sei von hochrangigen Parteifunktionären erpresst worden. Seine Anzeige liegt CORRECTIV vor.

Eine mutmaßliche Tarnfirma aus Süddeutschland: Wie die AfD überlegte, für Verkäufer unsichtbar zu bleiben

Für ihre Immobiliengeschäfte gründete die AfD 2021 als alleinige Gesellschafterin die Alternita GmbH. Später kam diese Firma unter das Dach der ebenfalls parteieigenen Tauroggen Holding GmbH. 2022 sollte die Alternita GmbH eine Immobilie in Potsdam kaufen, ein Gebäude in der Behlertstraße. Allerdings nicht selbst. Stattdessen war für diesen Erwerb der Immobilie eine weitere, zwischengeschaltete Firma vorgesehen. Das geht aus internen Unterlagen hervor, die CORRECTIV vorliegen. Diese verschachtelte Konstruktion ergibt scheinbar nur dann Sinn, wenn Nachfragen vermieden werden sollen.

„Damit der Verkäufer nicht von der Identität des Käufers abgeschreckt wird“, schlug die beauftragte Notarin in einer Mail vom 14. Juli 2022 an Michael Zischka, den Fraktionsvorsitzenden der Berliner AfD vor, dass eine GmbH aus der Region Stuttgart, die wir hier nicht nennen, „als Käuferin auftritt“. Michael Zischka vertritt die AfD auch schon mal als Anwalt. Der Vorschlag der Notarin an Zischka klingt wie ein kleiner Trick aus der Immobilienbranche. Kann vorkommen, wenn rechtsextreme politische Parteien auf Einkaufstour gehen. Die Notarin und Anwalt Zischka ließen Anfragen dazu unbeantwortet.

Das AfD-Firmenkonstrukt

Die AfD hat seit 2021 eine parteieigene Unternehmensstruktur aufgebaut. Eine Holdinggesellschaft, die Tauroggen Holding GmbH, die sich vollständig im Besitz der Partei befindet, bündelt mehrere Tochterunternehmen mit unterschiedlichen Geschäftszwecken, darunter Immobilienverwaltung und parteiinterne Dienstleistungen. Geschäftsführer der Holding ist AfD-Bundesschatzmeister Carsten Hütter.

Die 2021 gegründete Alternita GmbH, die den Kauf der Immobilie in Potsdam abwickeln sollte, firmiert seit März 2023 als Alternita Dienstleistungs GmbH und erbringt parteiinterne Dienstleistungen. Castel del Monte, gegründet im April 2025, ist laut eingetragenem Unternehmenszweck für den Erwerb, die Vermietung und die Verwaltung von Immobilien zuständig. Die WLD betreibt offiziell den AfD-Fanshop, während die Schwarz Rot Gold Akademie GmbH laut Unternehmenszweck Fortbildungen für Parteimitglieder organisiert.

Unter Berufung auf die grundgesetzlich garantierte Parteienfreiheit (Art. 21 GG) bleiben die wirtschaftlichen Verflechtungen aller parteieigenen Firmen, also auch etwa der Druckereien der SPD, für staatliche Behörden weitgehend eine Blackbox. Da eine zu tiefe Durchleuchtung durch das Finanzamt als unzulässige staatliche Einmischung in die Parteiarbeit gewertet werden könnte, findet eine echte inhaltliche Kontrolle kaum statt. Einzig der jährliche Rechenschaftsbericht bringt etwas Licht ins Dunkel. Statt einer staatlichen Prüfung zertifiziert bei der AfD seit Jahren derselbe Wirtschaftsprüfer aus Dresden – Uwe P. Kerner von der USTB GmbH – die Finanzen der Partei und sorgt mit seinem Testat dafür, dass die Firmenstrukturen sowie Ein- und Ausgaben der Partei ohne nähere staatliche Aufsicht bleiben. Ob dieses Vorgehen verfassungsrechtlich geboten ist, bleibt in der Rechtswissenschaft umstritten, so die Juristin Sophie Schönberger von der FU Berlin – das Bundesverfassungsgericht jedenfalls hat in dieser Hinsicht noch keine Entscheidung getroffen.

Wie der Mailverkehr zeigt, verfolgten die Immobilienbeauftragten der Partei einen Plan: Die AfD-eigene Alternita GmbH würde sich am Unternehmen aus Filderstadt bei Stuttgart beteiligen. Dann würde die Stuttgarter Firma das Gebäude kaufen. „Über einen Geschäftsanteilsabtretungsvertrag soll abgesichert werden, dass die Alternita GmbH Gesellschafterin der [von der Redaktion anonymisierten] GmbH wird“, schrieb die Notarin.

Die Anwälte der AfD erklären dazu auf Anfrage von CORRECTIV, dass ein solcher „Share Deal“ ein „grundsätzlich üblicher Geschäftsvorgang“  sei, und weisen den Vorwurf von „Tarnfirmen oder gar Strohmann-Firmen“ zurück. Doch die internen Dokumente sprechen eine andere Sprache: Dort wird die Konstruktion ausdrücklich damit begründet, dass „der Verkäufer nicht von der Identität des Käufers abgeschreckt“ werden solle.

Ein Kaufvertrag lag bereits vor – mittlerweile auch CORRECTIV. Datiert ist er auf den 12. Juli 2022. Käuferin: Die Firma aus dem Stuttgarter Raum, vertreten durch ihre Geschäftsführerin. Nach Angaben der Notarin sollte die Alternita GmbH 95 Prozent der Anteile an der mutmaßlichen Tarnfirma halten. 

AfD-Notarin zum AfD-Anwalt: „Ihr Wunsch: nicht in Erscheinung treten.“

Es gab jedoch ein kleines Problem mit der Absicherung. Die Notarin warnte: „Bis zum vollständigen Abschluss des Grundstückskaufvertrages und der Geschäftsanteilsabtretung ist der Darlehensgeber nicht gesichert!!“ Die naheliegende Lösung – eine Grundschuld zugunsten der Kreditgeberin – kam nicht in Frage. Denn, so die Notarin: „Eine Finanzierungsgrundschuld soll ja nach Ihrem Wunsch gerade nicht gestellt werden, weil dann die Kreditgeberin in Erscheinung tritt.“ Diese Kreditgeberin war die Alternita GmbH – eine Firma, die zu 100 Prozent der AfD gehört. Die Partei wollte offenbar unsichtbar bleiben, eventuell sogar um den Preis der eigenen Absicherung.

Die Notarin empfahl stattdessen, mit offenen Karten zu spielen. Die Immobilie also direkt über die parteieigene Alternita GmbH zu kaufen. Weniger Kosten. Weniger Risiko. „Gegebenenfalls könnte für die Dauer des Erwerbs auch ein weiterer nicht so bekannter Geschäftsführer bestellt werden, der nach dem Erwerb wieder abberufen wird“, schlug die Notarin vor. Eine einfache Lösung. Man setze jemanden an die Spitze, den niemand kennt, und feuert ihn wieder, wenn das Geschäft abgeschlossen ist. Der Geschäftsführer der Alternita GmbH war zu dieser Zeit übrigens der AfD-Bundesgeschäftsführer Hans-Holger Malcomeß

Der Deal kam nicht zustande. Das bestätigt die Geschäftsführerin der Immobilienfirma aus dem Raum Stuttgart gegenüber CORRECTIV. Und fünf Tage nach der Mail der AfD-Notarin fusionierte ein Taubenbekämpfungsunternehmen mit der Firma, die zur Tarnung des AfD-Immobiliengeschäfts angedacht war. Im Handelsregister finden sich keine Hinweise auf eine Beteiligung der AfD oder ihrer Firmen an der fusionierten Immobilienfirma aus dem Raum Stuttgart. Manchmal lösen sich komplizierte Konstruktionen erstaunlich geräuschlos auf.

Die AfD-Bundesspitze wusste offenbar von der Geschäftsidee, eine Immobilie über eine Firma zur Tarnung zu kaufen, um die Identität des Käufers zu verschleiern. Denn die Notarin setzte bei ihrer E-Mail an Anwalt Zischka auch Hans-Holger Malcomeß und Carsten Hütter in Kopie – den Bundesgeschäftsführer und den Bundesschatzmeister der AfD. Wichtige Leute mit langen Titeln, die aber meist im Hintergrund agieren und einer breiten Öffentlichkeit so weitgehend unbekannt bleiben. Malcomeß leitete die E-Mail an „für Finanzen und Rechtsangelegenheiten zuständige Vorstandsmitglieder“ weiter. In der Mail, die CORRECTIV vorliegt, heißt es: „Einige Punkte hatten wir schon einmal bei der ursprünglichen Vertragsvorbereitung für eine mögliche ‘Share Deal’-Lösung vor ca. anderthalb Jahren im Bundesvorstand diskutiert“. Auf Anfrage von CORRECTIV schreibt ein Presseanwalt im Auftrag der Partei, das geheimnisvolle Vorgehen beim geplanten Immobiliendeal sei „ein grundsätzlich üblicher Geschäftsvorgang, etwa zu Vorteilen bei der Grunderwerbsteuer“. 

Vorwürfe von Provisionsforderungen, vermeintliche Drohungen – und wieder kein Abschluss

Ende 2022 versuchte es die AfD noch einmal mit einer anderen Immobilie. Am 5. Dezember 2022 wandte sich der Bundesgeschäftsführer Hans-Holger Malcomeß an Lukas Hufnagl – so jedenfalls stellt es Hufnagl selbst dar. Der Wiener Investor ist der Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft „Quercus Grund“ und Vermieter der aktuellen Bundesgeschäftsstelle der AfD. Inzwischen hat Hufnagl ein ganz eigenes Interesse, seine Sicht der Dinge öffentlich darzustellen. Viele der Vorwürfe, die der Vermieter erhebt, lassen sich nicht unabhängig überprüfen. CORRECTIV liegt jedoch seine Strafanzeige gegen ranghohe Funktionäre der AfD vor.

Nach Darstellung von Hufnagl fragte AfD-Bundesgeschäftsführer Malcomeß an, ob Hufnagl als Eigentümer des Gebäudes der AfD Teile der bereits angemieteten Flächen verkaufen könne. Wie, wenn man von einer Torte nur die Kirschen erwerben will. Hufnagl gibt an, er habe erklärt, dass das rechtlich nicht möglich sei. Stattdessen habe er Malcomeß und der AfD angeboten, sie könnten ja das ganze Haus kaufen.

Am 29. Dezember 2022 meldete sich Malcomeß dann per E-Mail und bekundete, dass der Bundesvorstand der AfD Interesse an dem Gebäude habe. Für den angebotenen Kaufpreis von 33,5 Millionen Euro müsse man jedoch „noch zusätzlich Investoren mit ins Boot nehmen“, so zitieren die Anwälte der AfD aus einer E-Mail gegenüber CORRECTIV. Aus Hufnagls Sicht klang das nach einem verbindlichen Geschäft. Fast schon erledigt. Die Anwaltskanzlei der AfD betont hingegen: „Zu keinem Zeitpunkt aber hat unsere Mandantschaft einem Kauf zugestimmt.“

Bei einem späteren gemeinsamen Essen am 11. Januar 2023 im China Club im Berliner Adlon – neben Hufnagl und Malcomeß sollen laut Hufnagl auch AfD-Bundesschatzmeister Carsten Hütter sowie Bundessprecher Tino Chrupalla teilgenommen haben – bat die Partei wiederum laut Hufnagl erneut um zusätzliche Zeit. Man saß also zusammen, aß gemeinsam, und wartete auf Geld, das noch nicht da war. 

Strafanzeige gegen AfD-Schatzmeister und Geschäftsführer: wegen angeblicher Erpressung und dem Versuch, sich persönlich zu bereichern

Auch dieser Immobilienkauf platzte. Und dann wurde es ungemütlich. Nach Berichten der BILD-Zeitung und von t-online erhebt Hufnagl gegen Hütter und Malcomeß den Vorwurf, sie hätten von ihm eine persönliche Provision verlangt und ihn zudem erpresst. CORRECTIV liegt eine Strafanzeige von Hufnagl gegen die beiden vor. Malcomeß und Hütter hätten nämlich im Zuge des Streits mit Hufnagl realisiert, dass die Finanzierung der Immobilie bald ausläuft, heißt es dort. 

Weil, das ist ja das Problem mit der AfD, wenn man es genau nimmt. Nicht für die AfD selbst, die hat andere Probleme, aber für den Hufnagl. Der hat das dem Hütter und dem Malcomeß auch erklärt, dass eine Partei wie die AfD als Mieterin, sagen wir mal so: nicht gerade ein Verkaufsargument ist, gegenüber Banken. Und Hufnagl, der ist ja nicht dumm, der hatte sich umgehört: In Deutschland, in Österreich, überall, wo Banken sind, und Banken gibt es viele. Aber eine Finanzierung für sein Gebäude, die fand er nirgends, sagt er. Nicht, solange die AfD drin sitzt. 

Laut Hufnagl versuchten Hütter und Malcomeß diese Situation als Druckmittel zu nutzen. Sie sollen ihm gesagt haben: Wir kaufen, aber wir zahlen nur 28 Millionen Euro. Aber wenn Hufnagl etwas „abdrücken“ könne, soll Hütter gesagt haben, werde er dafür sorgen, dass „beim Kaufpreis vorne eine drei steht“. Auch Malcomeß habe Hufnagl später ein ähnliches Angebot gemacht. Belegen kann Hufnagl das nicht, er verweist lediglich auf Anwälte, mit denen er sich im Anschluss unterhalten haben will. Fest steht: Hufnagl stellte gegen Hans-Holger Malcomeß und Carsten Hütter Strafanzeige wegen versuchter Erpressung.

AfD-Bundesgeschäftsführer Malcomeß, so heißt es in der Anzeige, die CORRECTIV vorliegt, „eröffnete das Gespräch grinsend mit dem hämischen Hinweis, dass er […] wisse, dass bald die Finanzierung auslaufe, die Immobilie ,mit der AfD im Objekt’ aber weder zu verkaufen noch zu refinanzieren sei.“ Zuvor heißt es in Hufnagls Anzeige: „Die Beschuldigten haben unserem Mandanten im Zuge von Verhandlungen […] verschiedentlich gedroht, um ihn dazu zu bringen, die Immobilie für rund EUR 5,5 Mio. weniger an die AfD als zuvor vereinbart […] zu verkaufen sowie ein erhebliches Schmiergeld bzw. einen ‚Kickback‘ zu zahlen.“ Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft den Sachverhalt derzeit. Hütter und Malcomeß weisen die Vorwürfe über ihre Anwälte zurück. “Für derart schwerwiegende Vorwürfe (die sich Herr Hufnagl ausgedacht hat) gibt es auch keine objektiven Anhaltspunkte”, schreiben die Anwälte der AfD. Zudem bezweifeln sie die Glaubwürdigkeit des Vermieters: Hufnagl verbreite ‚Munition‘ für den politischen Gegner; seine Unwahrheit sei in anderen Punkten bereits gerichtlich bestätigt worden.

Hufnagl stand tatsächlich unter Druck: Die Finanzierung für seine Immobilie lief aus, der Firma, der das Gebäude gehörte, drohte nach seiner Darstellung zwischenzeitlich die Insolvenz. Im Juli 2024 traf sich Hufnagl nach eigenen Angaben erneut mit Hütter und Malcomeß. Wenn er das Gebäude verliere, erklärte er, würde auch der AfD fristlos gekündigt. Vielleicht könne man sich doch noch über den Kaufpreis einig werden.

AfD weist zurück, eine Hausbesetzerpartei zu sein.

Und AfD-Schatzmeister Hütter, was soll der gesagt haben, als seiner Partei die Kündigung drohte? „Dann werden wir das Haus eben besetzen!“ Das behauptet zumindest Hufnagl in seiner Anzeige. Die AfD-Anwälte weisen diesen Vorwurf von Hufnagl als „tatsächlich natürlich gar nicht stattgefundene Bedrohung“ zurück. Carsten Hütter habe eine solche Äußerung nie getätigt. Sie stellen klar, dass „eine bundesweit begleitete ,Hausbesetzung’ auch politisch nicht im Interesse unserer Mandantin (AfD) als ,Rechtsstaatspartei’ wäre und daher völlig unglaubwürdig ist“. Und natürlich ist so eine Vorstellung absurd: Als ob man mit Muskeln das Mietrecht ändern könnte.

Und dann, wie das halt so ist, wenn man sich einmal streitet, dann streitet man sich gleich über alles. Vermieter Hufnagl schaute, was die AfD sonst so in seinem Haus treibt. Und siehe da, Partys haben sie gefeiert. Ohne ihn zu fragen. In den Räumen der Bundesgeschäftsstelle, wo normalerweise nur Akten und Kaffeetassen herumstehen und vielleicht ein paar müde Gesichter. Wer genehmigt schon Feiern im Büro? Hufnagl jedenfalls nicht. Also sprach er eine fristlose Kündigung aus – es folgte ein monatelanger Rechtsstreit. 

AfD-Co-Chef Chrupalla zumindest will offenbar mit den Handlungen seiner Kollegen nicht in Verbindung gebracht werden: Seine Anwälte schreiben, er hätte „zu keinem Zeitpunkt als ‚Aufsicht‘ oder ähnliches“ in Bezug auf die Arbeit von Malcomeß und Hütter fungiert. Und wie reagierten Hütter und Malcomeß darauf? Nachdem sich die beiden AfD-Funktionäre den Vermieter der Bundesgeschäftsstelle zum Feind gemacht hatten, wurde Kay Gottschalk eingesetzt, um weiter mit ihm zu verhandeln. Laut Anwalt der AfD war das alles „proaktiv (und freiwillig)“: Am 19. Mai 2025 habe der AfD-Bundesvorstand auf Antrag von Malcomeß und Hütter einen neuen Geschäftsbereich gegründet, eine Arbeitsgruppe Immobilienplanung.

Der Autohändler, der Goldhändler und die erfundene Adelige

Im April 2025 tauchte der Name der Notarin erneut auf. Notarinnen spielen eine zentrale Rolle, wenn Gesellschaften gegründet werden – und Carsten Hütter, Bundesschatzmeister der AfD, hatte offenbar erneut gesellschaftsrechtliche Pläne. Es ging um die Gründung einer neuen Tochtergesellschaft der AfD-Holding. Ihr Name: Castel del Monte Immobilien GmbH. 

Dieses Mal trafen sich Hütter und dieselbe Notarin an der Adresse des Maritim Hotels in Berlin-Mitte, direkt neben dem großen Dussmann-Buchhandel an der Friedrichstraße. Es wurde unterschrieben, gestempelt und protokolliert, wie es bei solchen Anlässen üblich ist. Am Ende war die Struktur klar: Hütter, ehemaliger Autohändler, wurde zum Geschäftsführer bestellt. Hans-Holger Malcomeß, lange Zeit im Goldhandel tätig, erhielt den Posten des Prokuristen. Ebenso Michael Zischka, jener Anwalt, der bereits beim gescheiterten Immobilienkauf in Potsdam eine zentrale Rolle gespielt hatte. Zusätzlich wurde noch eine dritte Prokuristin eingesetzt: Heike Hoffmann aus Schorfheide in Brandenburg.

Die 60-Jährige war bislang nicht als Akteurin in den Immobiliengeschäften der AfD in Erscheinung getreten. Auch sonst war sie bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht als Geschäftsfrau in dieser Branche in Erscheinung getreten. Auch ob sie AfD-Parteimitglied ist, ist unbekannt. Wie die AfD-Anwälte auf Anfrage erklären, sei Hoffmann „aufgrund Ihrer entsprechenden beruflichen Erfahrungen“ als Prokuristin bestellt worden. 

Welche Berufserfahrungen genau gemeint sind, bleibt dabei offen. Hoffmann ist Schatzmeisterin eines Schützenvereins in Brandenburg. Und Geschäftsführerin einer kleinen Unternehmergesellschaft mit einem Stammkapital von 1.000 Euro. Der Firmenname: Heidi von Greiffenberg UG. Eine Person mit diesem Namen existiert allerdings gar nicht. Die adlige Namensgeberin ist frei erfunden. Der Unternehmenszweck der Gesellschaft lautet laut Handelsregister: „Büroorganisation, Projektmanagement und Privatassistenz“.

Die Prokuristin der AfD-Immobilienfirma, ehemals wegen Untreue vor Gericht, arbeitete zuvor im CDU-Büro und ging „auf die Jagd“

Das Amtsgericht Stralsund, bei dem die Greiffenberg UG mit dem Namen der erfundenen Adeligen registriert ist, führte im Jahr 2022 ein Strafverfahren gegen Heike Hoffmann wegen des Vorwurfs der Untreue, wie ein Gerichtssprecher bestätigte. Das Verfahren wurde gemäß § 153a StPO gegen die Auflage einer Zahlung von 3.000 Euro eingestellt. Eine solche Einstellung erfolgt ohne Urteil und stellt weder eine Verurteilung noch einen Freispruch dar. Die Anwälte der AfD schreiben von „​​einem Strafverfahren, das ergebnislos blieb.“ 

Bis zu einer Anfrage von CORRECTIV wurde Hoffmann auch auf der Team-Seite eines CDU-Bundestagsabgeordneten geführt: Martin Plum. Dort war Hoffmann für die Organisation des Büros zuständig: „​​Dazu gehört, alle Termine und Mails zu managen, unsere Besucher und Praktikanten zu betreuen“, hieß es in ihrem Profil. Und: „Wenn ich nicht im Büro bin, bin ich auf der Jagd. Eigentlich kein großer Unterschied für mich.“

Auf Anfrage, zu welchen vertraulichen Daten bei der CDU seine ehemalige Mitarbeiterin bis zu ihrem Wechsel zur AfD-Immobilienfirma Zugriff gehabt habe, schrieb der CDU-Abgeordnete Plum, „eine sicherheitsempfindliche Tätigkeit sei ihr nicht übertragen worden.“ Er entfernte das Foto von der Website und teilte mit, die Darstellung sei mehrere Jahre alt und bilde sein aktuelles Team nicht mehr ab. Es wirkte ein wenig wie ein Familienfoto, das man noch hängen lässt, nachdem die Kinder längst ausgezogen sind.

Nur drei Tage nach unserer Anfrage endete Hoffmanns Karriere auch in der Immobilienwelt der AfD offenbar abrupt. Der Partei-Anwalt teilte uns knapp mit, Hoffmann habe „hervorragende Arbeitsergebnisse geliefert“ und ihre Tätigkeit „planmäßig im Januar 2026 beendet“ – nach nicht einmal einem Jahr Beschäftigung. 

AfD muss ihre Parteizentrale räumen

Worin genau die berufliche Expertise von Hoffmann bestand, blieb somit unklar. Eine rätselhafte Fähigkeit allerdings hat sie offenbar: Wenn man nach ihr fragt, verschwindet sie.

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Verschwinden muss auch die AfD – und zwar bis Ende des Jahres aus den Räumlichkeiten ihrer Bundesgeschäftsstelle in Berlin-Wittenau. So entschied das Landgericht Berlin im September letzten Jahres im Rechtsstreit mit Vermieter Hufnagl. Die ersten Büros muss die Partei schon bis zum 30. September räumen.

Einige der AfD-eigenen Firmen, oder zumindest deren Briefkästen, sind bereits umgezogen: in eine Villa im Berliner Stadtteil Dahlem. Die frühere Eigentümerin des Gebäudes, Helga Schwab, hatte es der AfD im Jahr 2021 testamentarisch vermacht. Zwei Jahre später verstarb sie. Zumindest mit dieser Immobilie ist der AfD eine Akquise ohne öffentlichen Streit gelungen: Bei einer Frau, die bereits verstorben ist.

Recherche: Dominik Lenze, Jean Peters, Marcus Bensmann, Carli Bess Kutschera
Redigat & Faktencheck: David Schraven und Marius Münstermann
Instagram: Katharina Roche

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