Russland/Ukraine

Kretschmer lehnt Maßnahmen gegen Ableger des Russischen Hauses ab

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (CDU) hat sich öffentlich gegen die Russland-Politik der Bundesregierung positioniert: Die Schließung des Russischen Haus und des russischen Generalkonsulats in Bonn hält er für einen Fehler, Maßnahmen gegen eine russische Staatsimmobilie in Dresden lehnt er ab.

von Alexej Hock

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) im Sächsichen Landtag. Bezüglich der Russland-Politik gibt es Dissens mit der Bundesregierung. Foto: picture alliance/dpa | Katharina Kausche
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) im Sächsichen Landtag. Bezüglich der Russland-Politik gibt es Dissens mit der Bundesregierung. Foto: picture alliance/dpa | Katharina Kausche

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die Schließung des Russischen Hauses in Berlin kritisiert und Maßnahmen gegen einen Ableger in Dresden ausgeschlossen. Während einer Regierungsbefragung im Sächsischen Landtag am Donnerstag sagte Kretschmer, er halte die Schließung von Konsulaten und Kultureinrichtungen für den falschen Weg.

Vorausgegangen war eine Frage des Grünen-Abgeordneten Valentin Lippmann. Er nahm auf die Drohnen-Attacke am 4. August in Leipzig Bezug, die Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) Anfang September öffentlich Russland zugeschrieben hatte. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte als Reaktion die Schließung des Russischen Hauses in Berlin und des Generalkonsulats in Bonn verkündet. 

Lippmann wollte nun wissen, ob die Landesregierung Maßnahmen gegen eine russische Staatsimmobilie in Dresden plane, die nach Recherchen von CORRECTIV als Ableger des Russischen Hauses fungiert. Der Grünen-Politiker äußerte die Sorge, dass sich nach der Schließung der Zentrale in Berlin Aktivitäten nach Dresden verlagerten. 

„Nein, ich plane das nicht“, sagte Kretschmer nun im Landtag. „Wenn wir dafür sorgen, dass Begegnungen gar nicht mehr stattfinden können, dann wird sich die Situation in Russland nicht verbessern, sondern verschlimmern“, sagte er weiter. Daher seien solche Schritte „nicht das Mittel meiner Wahl“.

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Bei der Immobilie in Dresden handelt es sich um eine Villa, die die russische Staatsagentur Rossotrudnitschestwo verwaltet. Recherchen von CORRECTIV hatten gezeigt, dass Russland die Staatsimmobilie als Teil des Russischen Hauses betrachtet. Eine entsprechende vertragliche Vereinbarung mit der Landesregierung ist jedoch nie zustande gekommen. Auch ein Abkommen der Bundesregierung mit Russland von 2011 bezieht das Haus in Dresden nicht mit ein.

Vor der Bekanntgabe der Aufkündigung des Vertrages über das Russische Haus hatte CORRECTIV eine Recherche veröffentlicht, die den schwierigen Weg bis hin zur Schließung nachzeichnet. Daraus geht hervor, dass das Haus über viele Jahre als Ort für russische Propaganda- und Einflussaktivitäten diente. Es gibt auch Hinweise, dass die 64 Wohnungen im Haus auch von Personen mit kriminellen und geheimdienstlichen Verbindungen genutzt wurden. Trotz naheliegender Sanktionsverstöße konnte das Haus aufgrund eines fehlenden politischen Willens weiter operieren.

Redigatur und Faktencheck: Silvia Stöber

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