Der Oberbürgermeister von Dortmund, Ulrich Sierau (SPD), hat ein Büro. Das nennt sich Koordinierungsbüro für Vielfalt, Toleranz und Demokratie. Es residiert am Friedensplatz 1.
Dieses Büro haben wir angefragt mit der Bitte, die Ausstellung zur grafischen Reportage „WEISSE WÖLFE“ zu unterstützen, die wir derzeit gemeinsam mit dem Theater Dortmund durchführen. Die Ausstellung selber kostet insgesamt etwa 3600 Euro – wenn man alles zusammenrechnet. Wir hatten das Koordinierungsbüro für Vielfalt, Toleranz und Demokratie gebeten, die Ausstellung mit rund 1800 Euro zu fördern.
Im Moment tragen wir, das Recherchebüro CORRECTIV, alle Kosten alleine – und das Theater Dortmund bezahlt die Räume und die Auf- und Abbauarbeiten.
Bitte nehmen Sie sich einen Moment Zeit.
Nachrichten und Recherchen sind unerlässlich, damit Sie sich eine Meinung bilden können. Aber die derzeitigen Bedrohungen der freien Presse und der Medienlandschaft sind alarmierend.
Wir fordern die Bundesregierung auf, Pressefreiheit und die Medienvielfalt in Deutschland umfangreich zu schützen. Machen Sie mit.
Das Koordinierungsbüro für Vielfalt, Toleranz und Demokratie hätte uns unterstützen können. Das Amt hat für diesen Zweck Geld. Und wir sind eine gemeinnützige Organisation, die Spenden entgegennehmen darf.
Zu unserer Überraschung hat das Koordinierungsbüro für Vielfalt, Toleranz und Demokratie allerdings unseren Antrag abgelehnt. Der Grund: es dürften nur Projekte unterstützt werden, die „in einem möglichst frühen Stadium der Planung mit uns abgestimmt werden“.
Gut, das haben wir nicht getan. Das wissen wir.
Wir wollen eben unabhängig bleiben. Wir wollten frei unsere Kritik am Oberbürgermeister von Dortmund Ulrich Sierau (SPD) äußern, der das Nazi-Problem in seiner Stadt in der Vergangenheit damit abtat, dass in Dortmund nur wegen der „günstigen Verkehrslage“ viele Nazis aufmarschieren.
Wer weiß. Wir dachten jedenfalls, dass die Stadtspitze in Dortmund nach den ganzen Ereignissen rund um die Neonazis in der Gemeinde besser sensibilisiert ist, was wichtig ist und was nicht. In Berlin hatten Galerien Angst unsere Grafiken auszustellen, in Dortmund will die Stadt vorab die Hand drauf legen. Was soll es.
Wir machen – auch ohne Unterstützung des Koordinierungsbüros – weiter mit der nächsten Veranstaltung im Theater Dortmund.
Titel: Blackbox NSU — Was läuft in München
Thema: Mehmet Kubaşık wurde am 4. April 2006 in Dortmund ermordet. Wir wollen nun mit den Anwälte seiner Angehörigen sprechen, mit Antonia von der Behrens und Carsten Ilius von der Berliner Anwaltsgemeinschaft Kottbusser Damm. Wir wollen wissen, wie der Prozess gegen die Mörder des NSU in München läuft. Antonia von der Behrens und Carsten Ilius wollen erklären, was dort im Gerichtssaal aufgedeckt werden kann und was nicht. Sie werden zum Schweigen von Zschäpe sprechen und berichten was sich hinter den vielen Beweisanträgen verbirgt. Fragen der Zuhörer sind ausdrücklich erwünscht.
Beginn: 21. Mai um 20.00 Uhr im Theater Dortmund.
Dauer: 90-120 Minuten.
Wer uns helfen will, kann uns gerne Geld spenden: Wir sind auf Unterstützung unabhängiger Bürger angewiesen, um selbst unabhängig zu bleiben.
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.
