Volkswagen

VW-Vorstand plant Radikalkur – bis zu 100.000 Arbeitsplätze gefährdet

Der Autobauer könnte bis zu vier Werke schließen und bis zu 100.000 Stellen streichen. Zudem prüft der Vorstand eine Zerlegung des Konzerns.

von Martin Murphy

Volkswagen Werk in Wolfsburg
VW-Stammwerk in Wolfsburg. Firmenintern Hauptstadt genannt.(Foto: Melissa Erichsen / Picture Alliance / DPA)

Der Autohersteller Volkswagen steht vor dem größten Umbau seiner Geschichte. Zu Wochenbeginn habe Vorstandschef Oliver Blume seine Top-Führungskräfte über die aktuellen Planungen informiert und dabei drastische Einschnitte angekündigt, wie CORRECTIV von drei mit den Vorgängen vertrauten Personen erfahren hat. Demnach könnten vier Autofabriken geschlossen werden. Bis zu 100.000 Menschen könnten ihre Arbeit bei Europas größten Industriekonzern verlieren. Auch das Manager Magazin berichtet über den Radikalumbau.

Zu den von einer Schließung bedrohten Werken zählen Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm. Die Gewerkschaft IG Metall wie auch das Land Niedersachsen als zweitgrößter Aktionär lehnen Einschnitte ab. VW beschäftigt weltweit rund 650.000 Beschäftigte.

Das Unternehmen äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem geplanten Umbauprogramm. VW steckt in einer tiefen Krise, weil die Nachfrage in China eingebrochen ist und der Konzern zu langsam seine Modellpalette elektrifiziert und digitalisiert hat. VW-Chef Blume hatte daher schon im Vorfeld Bundeskanzler Friedrich Merz über drohende Einschnitte informiert, wie es im Umfeld des Kanzleramts hieß. Er habe dabei davon gesprochen, dass der Konzern in Gänze gefährdet sei.

Bei dem Treffen zu Wochenbeginn schwor Blume seine Top-Führungskräfte auf den Kurs ein. Diese mussten nach Prüfung der Unterlagen unterschreiben, dass sie hinter den Planungen des Konzernvorstands stehen, wie beteiligte Personen berichteten. „Das ist ein sehr ungewöhnlicher Schritt“, sagte einer der Menschen, die damit vertraut ist.

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Am 9. Juli will der Vorstand um Blume die Strategie dem Aufsichtsrat vorlegen. Dabei soll auch eine Neugliederung des Konzerns thematisiert werden. Die Kernmarke VW soll den Überlegungen zufolge verselbstständigt werden, hieß es in den Kreisen. Die Sonderrolle von VW würde damit beendet. Unter einer Holding würden dann die einzelnen Marken (Audi, Porsche, VW, Traton) gleichberechtigt aufgehängt werden.

Die Bildkombo zeigt Wolfgang Porsche (links) und Hans Michel Piëch, Aufsichtsräte bei VW und Sprecher ihrer Familie. Foto: Jan Woitas / Britta Pedersen / picture alliance / dpa

Mit der Neugliederung würde das Konzerngefüge geglättet und die übermächtige Position der Kernmarke VW bereinigt werden, sagte eine Person, die mit den Planungen vertraut ist. Die Familie Porsche/Piëch drängt als größte Aktionärin schon seit einiger Zeit darauf, dass die Struktur vereinfacht und damit ein Umbau des Herstellers vereinfacht wird, wie es im Umfeld der Familie hieß.

Der Nebeneffekt einer solchen Aufstellung aber wäre, dass praktisch das VW-Gesetz ausgehebelt wird. Dieses gibt dem Land Niedersachsen Mitspracherecht, wenn es um die Schließung von Standorten geht. Das Gesetz greift indes nur auf Konzernebene, nicht aber bei einer dann untergegliederten Marke VW. Die Entscheidungen würden dann in deren Führungskreis gefällt werden.

In der jetzigen Struktur wird der nun von Blume vorgeschlagene Radikalumbau nicht durchsetzbar sein. Eine Schließung von vier Werken dürfte kaum von Niedersachsen mitgetragen werden. Mit den Stimmen seiner beiden Vertreter im Aufsichtsrat und den Stimmen der Arbeitnehmerseite könnten damit 12 von 20 Aufsichtsratmitgliedern gegen den Umbau stehen. Er wäre abgelehnt.