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Die Faktencheck-Community-Redaktion

Wir wollen dazu beitragen, dass Diskussionen auf Fakten basieren. Weil im Netz unzählige falsche und halbfalsche Meldungen kursieren, wollen wir mehr Menschen dafür sensibilisieren und mehr Faktenchecks veröffentlichen. Dafür bilden wir Interessierte zu Faktencheckern aus. Hier könnt Ihr Euch über das Projekt informieren.

Nein, die Symptome einer an Alzheimer erkrankten Frau sind nicht allein durch eine Ernährungsumstellung verschwunden

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Beitrag der Webseite „Bewusst-Vegan-froh“ (Screenshot: CORRECTIV)

Die Webseite „Bewusst-Vegan-froh“ behauptete in einem Beitrag vom 24. Februar 2019, eine an Demenz erkrankte 82-Jährige habe nach einer Ernährungsumstellung ihr Gedächtnis zurück erlangt. Stimmt das?

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptungen:

  • Eine Ernährungsumstellung habe nachweislich einen so starken Einfluss auf Sylvias Zustand gehabt, dass ihre Rezepte nun von der Alzheimer’s Society geteilt würden.
  • Demenzraten seien in Mittelmeerländern viel niedriger.
  • Die Aufnahme von Aluminium im Gehirn hänge direkt mit Demenz und insbesondere der Alzheimer-Krankheit zusammen.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind:  Teilweise falsch.

Worum geht es?

Die Webseite „Bewusst-Vegan-froh“ behauptete in einem Beitrag vom 24. Februar 2019, eine an Demenz erkrankte 82-Jährige habe nach einer Ernährungsumstellung ihr Gedächtnis zurück erlangt.

Behauptung 1:

Eine Ernährungsumstellung habe nachweislich einen so starken Einfluss auf Sylvias Zustand gehabt, dass ihre Rezepte nun von der Alzheimer’s Society geteilt würden.

Was stimmt?

Der Artikel der Webseite „Bewusst-Vegan-froh“ basiert in Teilen auf einem Blogbeitrag der Rubrik „Real Stories“ der Alzheimer’s Society. Die Alzheimer’s Society ist eine Wohltätigkeitsorganisation für Demenzkranke und deren Betreuer im Vereinigten Königreich. In dem Beitrag schildert der Sohn Mark, wie nicht nur eine Ernährungsumstellung, sondern auch körperliche Bewegung, soziale Aktivität und kognitive Übungen zusätzlich zu der verschriebenen medikamentösen Behandlung seiner Mutter Sylvia beim Management ihrer Alzheimer Erkrankung helfen konnten.

Im Rahmen des Beitrags findet sich auch „Mark und Sylvias persönlicher Aktionsplan”. Dieser empfiehlt, bestimmte Lebensmittel vorzuziehen, bestimmte Lebensmittel zu vermeiden und eine Reihe anderer Aktivitäten, enthält aber keine Rezepte.

Am Ende des Beitrags lässt sich der Hinweis finden, dass eine gesunde Lebensweise Menschen mit Demenz bei der Bewältigung ihrer Symptome helfen könne, es aber keine eindeutigen Belege dafür gebe, dass dies die zugrunde liegenden Krankheiten, die Demenz verursachen, verlangsamen oder sogar aufhalten könne.

Hinweis unter dem Beitrag der Alzheimer’s Society (Screenshot: CORRECTIV)

Zusammengefasst hat also weder die die Alzheimer’s Society Sylvias Rezepte geteilt, noch hat demnach die Ernährungsumstellung allein einen starken Einfluss auf Sylvias Zustand gehabt.

Behauptung 2:

Demenzraten seien in Mittelmeerländern viel niedriger.

Was stimmt?

Das stimmt nicht. Der ADI (Alzheimer Disease International) ist der Dachverband von über 80 verschiedenen Alzheimer-Vereinigungen der ganzen Welt. Im Rahmen des World Alzheimer Report 2015 (Seite 19) veröffentlichte er Informationen zur Alzheimer-Prävalenzrate mehrerer EU-Länder. Die Prävalenzrate in Italien (1) diente als Referenzwert, da dort die meisten Studien durchgeführt wurden. Italiens Prävalenzrate ist höher als zum Beispiel die Prävalenzrate in Finnland (0,55), im Vereinigten Königreich (0,68), in den Niederlanden (0,76) oder in Schweden (0,78).

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz ist eine Selbsthilfeorganisation und hat als Bundesverband mehr als 130 angeschlossene Alzheimer-Gesellschaften. In ihrem Informationsblatt 1 auf Seite 4 berichtet sie, dass keine signifikanten Unterschiede in der Prävalenzrate von Alzheimer festgestellt werden konnten: „Zwischen den westlichen Industrieländern scheint es keine gravierenden Unterschiede im Vorkommen von Demenzen zu geben und auch innerhalb einzelner Länder, in denen mit identischer Methodik Untersuchungen in verschiedenen Landesteilen durchgeführt wurden, beobachtete man keine signifikanten regionalen Schwankungen.”

Behauptung 3:

Die Aufnahme von Aluminium im Gehirn hänge direkt mit Demenz und insbesondere der Alzheimer-Krankheit zusammen.

Was stimmt?

Dafür gibt es keine Belege. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) berät Bundesregierung und Bundesländer bezüglich Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit und betreibt eigene Forschung. In einer Stellungnahme aus dem Jahr 2007 berichtete das Bundesinstitut: „ Ein Zusammenhang zwischen einer erhöhten Aluminium-Aufnahme aus Lebensmitteln inklusive Trinkwasser, Medikamenten oder kosmetischen Mitteln und einer Alzheimer Erkrankung wurde bisher wissenschaftlich nicht belegt. Weder bei Dialyse-Patienten, noch bei Aluminium-Arbeitern – beides Personengruppen, die in großem Umfang mit Aluminium in Kontakt kommen – wurden die für Alzheimer typischen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn überdurchschnittlich oft beobachtet. Das BfR sieht deshalb keine Gesundheitsgefahr für Verbraucher durch eine Aluminiumaufnahme aus Lebensmittelbedarfsgegenständen und kosmetischen Mitteln.”

Im Juni 2017 veröffentlichte das BfR ein aktualisiertes Merkblatt mit dem Hinweis: „Verschiedene Studien versuchen einen Zusammenhang zwischen der Aluminiumaufnahme und einer Alzheimer-Krankheit nachzuweisen. Sie lassen aber aufgrund der uneinheitlichen Datenlage derzeit noch keine wissenschaftliche Beweisführung zu.“

Merkblatt des BfR (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit:

Der Titel suggeriert, dass sich die Symptome einer Alzheimer-Erkrankung (unter anderem Gedächtnisverlust) bei einer 82 Jahre alten Frau durch eine Ernährungsumstellung nicht nur verbessern, sondern eliminieren lassen konnten.

Das stimmt laut dem als Quelle genutzten Artikel jedoch nicht. Demnach haben sich die Symptome ihrer Alzheimer-Krankheit nicht nur durch gesunde Ernährung, sondern eine generell gesunde Lebensweise (gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, soziale Interaktion, kognitive Übungen) verbessert. Dafür, dass eine gesunde Lebensweise die zugrunde liegenden Krankheiten, die Demenz verursachen, verlangsamen oder sogar aufhalten könnte, gibt es keine Belege.

Die Behauptung, Demenzraten seien in Mittelmeerländern viel niedriger, ist falsch. Die Behauptung, die Aufnahme von Aluminium im Gehirn hänge direkt mit Demenz und insbesondere der Alzheimer-Krankheit zusammen, ist unbelegt.

Von Eva Wirtz, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Nein, der EU-Abgeordnete Guy Verhofstadt forderte keine „Vereinigung von Afrika und Europa“

BELGIUM-BRITAIN-POLITICS-EU-BREXIT
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Der EU-Abgeordnete Guy Verhofstadt bei einer Pressekonferenz am 29. März 2017 im Europäischen Parlament. (Foto:Emmanuel Dunand/AFP)

Am 7. März 2019 erschien auf der Webseite „Journalistenwatch“ ein Artikel, der behauptet „EU-Abgeordneter Guy Verhofstadt will die Vereinigung von Afrika und Europa“. Was steckt dahinter?

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptungen:

  • Der EU-Abgeordnete Guy Verhofstadt wolle die „Vereinigung von Afrika und Europa“.
  • Auf ein Freihandelsabkommen zwischen zwei Ländern oder zwei Staatenbünden folge langfristig auch freier Personenverkehr.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind:  Teilweise falsch.

Worum geht es?

Am 7. März 2019 erschien auf der Webseite Journalistenwatch ein Artikel mit dem Titel „EU-Abgeordneter Guy Verhofstadt will die Vereinigung von Afrika und Europa“. Der dazugehörige Artikeltext stammt laut Quellenangabe von der Webseite Young German und erschien dort wortgleich, jedoch mit anderer Überschrift.

Behauptung 1:

Der EU-Abgeordneter Guy Verhofstadt wolle die „Vereinigung von Afrika und Europa“.

Was stimmt?

Der Artikel basiert auf einem Tweet des EU-Abgeordneten und Fraktionsvorsitzenden der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) Guy Verhofstadt vom 1. März 2019, in dem er einen einheitlichen euro-afrikanischen Wirtschaftsraum forderte.

Tweet des EU-Abgeordneten Guy Verhofstadt

Auf einem von ihm zum Text veröffentlichten Bild ist er selbst auf der 14. Konferenz der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa und Gruppe der afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten (ALDEPAC) in Kapstadt zu sehen. Die Konferenz fand vom 1. bis 3. März 2019 statt und stand unter dem Thema „Towards a Free Trade Agreement between Africa and the European Union” (Auf dem Weg zu einem Freihandelsabkommen zwischen Afrika und der Europäischen Union).

Guy Verhofstadt forderte also ein Freihandelsabkommen zwischen Afrika und der Europäischen Union, keine generelle Vereinigung.

Behauptung 2:

Auf ein Freihandelsabkommen zwischen zwei Ländern oder zwei Staatenbünden folge langfristig auch freier Personenverkehr.

Mutmaßungen ohne Belege im Artikel von „Journalistenwatch“

Was stimmt?

Die World Trade Organisation (WTO) zählt momentan insgesamt 294 regionale Handelsabkommen (z.B. Freihandelsabkommen, Zollunion). An 43 dieser Handelsabkommen ist die Europäische Union beteiligt. Insgesamt bestehen Freihandelsabkommen mit 17 Ländern der Afrikanischen Union (Algerien, Ägypten, Botswana, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Lesotho, Madagaskar, Marokko, Mauritius, Mosambik, Namibia, Seychellen, Südafrika, Swasiland, Tunesien und Zimbabwe).

Übersicht der World Trade Organization (abgerufen am 18. April 2019, Screenshot: CORRECTIV)

Der freie Personenverkehr hingegen gilt nur für Mitgliedsstaaten des Schengener Abkommens. Das sind aktuell: Deutschland, Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik und Ungarn.

Erklärung auf der Webseite des Auswärtigen Amtes (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit:

Guy Verhofstadt wirbt als Fraktionsvorsitzender der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) für ein Freihandelsabkommen zwischen Afrika und der EU. Dies ist nicht mit einer generellen „Vereinigung“ gleichzusetzen.

Von Eva Wirtz, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Foto von hinterlassenem Abfall: Street Parade 2016 statt aktueller Klimademo

Müll3
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Müll3
Facebook-Beitrag mit falscher Behauptung (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Auf Facebook kursiert ein Bild, das angeblich große Mengen Müll nach einer Klimademo zeigen soll. Das ist falsch. Das Bild wurde nach einer Technoparty in Zürich aufgenommen.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

Auf Facebook wird ein Bild geteilt, das zeigt, wie zwei Personen große Mengen Abfall vor einem Bahnhofseingang in einen Abfallcontainer entsorgen. Das Bild ist am 7. April mit dem Text „So sah es dach der Klimademo aus. Ich bin stolz auf die Jugend, denn sie wissen um was es geht” von einem privaten Nutzer gepostet worden und unterstellt, dass Teilnehmer einer Klimademo große Mengen von Abfall hinterlassen haben. Der Beitrag wurde 2.590 Mal geteilt

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist:  Völlig falsch.

Was stimmt?

Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google und Bing ergab keinen eindeutigen Treffer. Allerdings war über TinEye ein ähnliches Bild zu finden. Der abgebildete Ort scheint identisch zu sein, ebenso die Arbeitskleidung und die Abfallcontainer. Das Bild gehörte zu einem Artikel der Schweizerischen Bundesbahnen, SBB, auf deren eigener Internetseite.

Screenshot der TinEye Bilder-Rückwärtssuche

In dem Artikel geht es unter anderem um die Beseitigung des Abfalls, der durch die jährlich in Zürich stattfindende Techno Party „Street Parade“ im August 2018 entstand. Eine Suche mit den Begriffen „Street-Parade“ und „SBB“ führte dann zu einem Artikel auf der Webseite 20min.ch vom 15. August 2016 mit dem Titel „SBB sammeln täglich den Abfall einer Street-Parade“. Dort fand sich auch das ursprüngliche Foto.

Artikel aus dem Jahr 2016 über den Abfall nach der Street Parade in Zürich

Mittlerweile wurde unter dem Facebook-Eintrag ein Artikel des Online-Magazins persönlich.com verlinkt. In dem Blogeintrag vom 12. April 2019 mit dem Titel „Wenn Bilder plötzlich lügen“ schildert Marco Meroni von der Werbeagentur „Rod Kommunikation“ die Entstehung des Bildes. Demnach wurde das Foto am 13. August 2016 zu Werbezwecken für die SBB durch die Mitarbeiter Stefan Erdin und den Fotografen Bruno Augsburger aufgenommen worden sei. Weiter schreibt Meroni: „Nun ist das Bild wieder da. Und schlägt im Gegensatz zu seiner Erstverwendung geradezu tsunamische Wellen. Es zirkuliert, tausendfach geteilt, seit einigen Tagen in den sozialen Medien und will dort als Beweisfoto die Bigotterie von Klimademonstrierenden belegen“.

Artikel des Online-Magazins „persönlich.com“ zur Entstehung des Bildes

Auf ihrer Facebooks-Seite hat „Rod Kommunikation“ in einem Beitrag vom 11. April 2019 noch einmal Stellung dazu genommen und bestätigt, dass das Bild am Bahnhof Stadelhofen in Zürich aufgenommen worden sei und die Beseitigung des Abfalles zeige, der durch die Street-Parade entstanden sei.

Stellungnahme der Werbeagentur „Rod Kommunikation“ zum Foto

Fazit:

Das Bild wurde zu Werbezwecken für die Schweizerische Bundesbahnen, SBB, am 13.08.2016 am Bahnhof Stadelhofen in Zürich aufgenommen und zeigt die Beseitigung des Abfalles, der durch die Street-Parade 2016 verursacht wurde. Die Unterstellung, die Teilnehmer einer Klimademo hätten diesen Abfall hinterlassen, ist falsch.

Von Melek Kosar, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Falsches Bild zu Fridays for Future-Demo in Köln

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Dieses Bild wurde nicht in Köln, sondern in Zürich aufgenommen. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

In Sozialen Netzwerken wird ein Bild geteilt, das angeblich Müll nach einer Klimaschutz-Demonstration in Köln zeigen soll. Doch das Bild ist bereits einige Jahre alt und zeigt Zürich, nicht Köln.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

  • Ein Foto belege, dass Teilnehmer der „Fridays for Future“-Demo am 15. März 2019 in Köln die Stadt vermüllt hätten.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Völlig falsch.
Facebook-Beitrag mit falscher Behauptung (Screenshot: CORRECTIV)

Was stimmt?

Eine Rückwärts-Bildersuche mit Google zeigt uns schnell identische Fotos und wann sie hochgeladen wurden. Das Ergebnis der Suche zeigt uns, dass das Bild bereits 2015 und 2016 im Internet zu finden war.

Ergebnis der Bilderrückwärtssuche bei Google

Das Bild wurde außerdem als „StreetParadeZurich2011Trash.jpg“ bereits im September 2011 auf Wikipedia Commons hochgeladen. Der Fotograf hat darauf nach eigenen Angaben die Verschmutzung nach einer Technoparade in Zürich festgehalten.

Bild mit dem Titel „StreetParadeZurich2011Trash.jpg“
Das Bild wurde 2011 hochgeladen. (Screenshot: CORRECTIV)

Mit Hilfe von Google Maps und Street View finden wir den Ort, von dem aus das Foto gemacht wurde. Mit den Kirchtürmen und dem Starbucks-Café als Anhaltspunkte (die Café-Filiale ist in der Limmatquai-Straße 4, Ecke Krug-Gasse in Zürich) lässt sich feststellen: Das Foto wurde auf der Limmatquai Straße in 8001 Zürich aufgenommen.

Fazit:

Das Bild wurde in Zürich aufgenommen und ist mindestens seit 2011 im Netz zu finden.
Von Micha Nelkner, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Nein, diese Bilder belegen nicht, dass das Krematorium im KZ Auschwitz erst nach dem Krieg gebaut wurde

Bildschirmfoto 2019-03-29 um 18.29.26
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Facebook-Post vom 20. Februar 2019, der suggeriert, in Auschwitz habe es keine Gaskammer gegeben

Am 20. Februar 2019  veröffentlichte eine Facebook-Nutzerin eine Bildcollage, die suggeriert, in Auschwitz habe es keine Gaskammer gegeben. Erst nachträglich, im Jahr 1946, sei ein Schornstein gebaut worden. Warum das nicht stimmt, erklärt unser Faktencheck.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

  • Der Schornstein im KZ Auschwitz stehe erst seit dem Jahr 1946 auf dem Gebäude. Implizit wird behauptet, es habe keine Krematorien und/oder Gaskammern im KZ Auschwitz unter den Nationalsozialisten gegeben.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Falsch.

Worum geht es?

Am 20. Februar 2019  veröffentlichte eine Facebook-Nutzerin eine Bildcollage, die suggeriert, in Auschwitz habe es keine Gaskammer gegeben. Erst nachträglich, im Jahr 1946, sei ein Schornstein gebaut worden.

Facebook-Post vom 20. Februar 2019, der die Existenz einer Gaskammer in Auschwitz anzweifelt

Was stimmt?

Auf eine Presseanfrage von Checkjetzt zu dem Bild, antwortete die Pressestelle der Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau folgendermaßen: „Was Sie uns zugesandt haben ist ein von Holocaustleugnern erstelltes Meme, das fälschlicherweise versucht zu beweisen, dass es in Auschwitz I kein Krematorium gegeben habe.“

Antwort der Pressestelle der Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau

Weiter führt die Pressestelle aus: „Vor dem Krieg diente das Gebäude als Munitionsbunker. Nachdem die Nazis dort das Konzentrationslager Auschwitz I errichteten, nutzte die SS das Gebäude vom 15. August 1940 bis Juli 1943 als Krematorium.“ Im Herbst 1941, sei der größte Raum des Gebäudes, der als Leichenhalle entworfen gewesen sei, zur ersten Gaskammer in Auschwitz umfunktioniert worden. „Dort wurden tausende Juden  mit Zyklon B von der SS ermordet […]. Sowjetische Kriegsgefangene und kranke Gefangene seien dort ebenfalls auf diese Weise ermordet worden.

Zu dem Schornstein schreibt die Pressestelle, die deutsche Firma Topf und Söhne aus Erfurt habe alle in Auschwitz errichteten Schornsteine geliefert. Ursprünglich sei das Krematorium Auschwitz I mit drei doppelten Schornsteinen ausgestattet gewesen. Nach der Errichtung von zwei weiteren Gaskammern in Auschwitz II – Birkenau im Frühling und Sommer 1942 hätten die Nazis die Vergasungen in der ersten Gaskammer in Auschwitz I gestoppt.

Weiter schreibt die Pressestelle: „Als die Nazis im Juli 1943 die Bauarbeiten an den insgesamt vier speziell angefertigten Gaskammern mit dazugehörigen Krematorien in Auschwitz II-Birkenau beendeten, stellten sie auch die Verbrennung von Leichen im Krematorium Auschwitz I ein. Das Gebäude diente ab Juli 1943 als Lager und Luftschutzbunker der SS. Die Verbrennungsöfen, Schornsteine und Teile der Mauern wurden abgerissen und die Löcher im Dach der Anlage, durch die die SS Zyklon B in die Kammer leitete, wurden versiegelt. Aus diesem Grund sind auf Bildern, die direkt nach dem Krieg aufgenommen wurden, keine Schornsteine mehr zu sehen. Nach dem Krieg entschieden sich die Überlebenden dazu, zwei Verbrennungsöfen und den Kamin mit Originalmaterial zu rekonstruieren. um Besuchern die Möglichkeit zu geben, das Originalgebäude zu sehen, wo die erste Gaskammer eingerichtet wurde“.

Die Pressestelle weist außerdem darauf hin, dass das untere Bild der Bildcollage nicht von 1946 stammt und darauf ein Mülleimer zu sehen sei, der in der Gedenkstätte bis 2018 dort gestanden habe.

Fazit:

Die Behauptung, dass es keine Krematorien und/oder Gaskammern im KZ Auschwitz unter den Nationalsozialisten gegeben habe, ist falsch. Es handelt sich bei dem abgebildeten Gebäude um die erste und deshalb noch provisorisch errichtete Gaskammer mit Krematorium und Schornstein des KZ Auschwitz I. Auf Bildern, die direkt nach dem Krieg aufgenommen wurden, ist dieser Schornstein nicht zu sehen. Der Grund ist: Die Nationalsozialisten haben 1943 im KZ Auschwitz II-Birkenau vier weitere Gaskammern und Krematorien gebaut und daraufhin die provisorische Anlage im KZ Auschwitz I zu einem Lagerraum und Luftschutzbunker umgebaut. Nach dem Krieg wurde der Originalzustand des ersten Krematoriums wieder hergestellt.
Von Eva Wirtz, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Kita will im Fasching keine Kostüme verbieten, sondern auf Stereotype hinweisen

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Faschingskostüme erregen immer wieder die Gemüter. (Symbolbild: 5598375 / Pixabay)

Am 5. März veröffentlichte Sven Liebich, Betreiber der Webseite „Halle Leaks“, eine Behauptung über Fasching. Demnach habe eine Kita Indianer-Kostüme verboten. Das stimmt nur teilweise.

In diesem Faktencheck geht es um diese Behauptung:

  • Hamburger Kita verbietet Kindern sich im Fasching als Indianer zu verkleiden, da das Rassismus sei.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Teilweise falsch.

Worum geht es?

Screenshot vom Facebook-Post

Was stimmt?

Die Hamburger Kita hat vor der Faschingsfeier in einem Brief an die Eltern gebeten auf Verkleidungen, die Minderheiten verletzen könnten, zu verzichten.

Bei besagter Kita handelt es sich um die Kita Eulenstraße. Auf der Webseite des Kita-Trägers gibt es eine Stellungnahme zu einer ähnlichen Berichterstattung der Hamburger Morgenpost, wo der Titel lautete „Politisch korrekter Fasching: Hamburger Kita verbietet Indianer-Kostüme!“

Demnach hatte die Kita einen Brief an die Eltern geschickt, in dem darum gebeten wurde, auf „problematische“ Kostüme zu verzichten. Als Beispiel wurde die Indianer-Verkleidung genannt.

Die Stellungnahme des Kitaträgers bestätigt den Fall und erklärt, wie es dazu kam: Es gebe ein Projekt zum Thema Inklusion und kultursensibler Pädagogik. Dabei gehe es auch um Faschingskostüme. „Das Projekt erkennt an, dass man Stereotype braucht, um die Komplexität der Welt zu reduzieren, es soll aber sensibilisieren für Stereotype, die für die Betroffenen schmerzhaft, z.T. sogar entwürdigend sein können“, steht in der Stellungnahme. Und weiter: „Wenn man an früher durchaus übliche Verkleidungen als Afrikaner mit Baströckchen und Bananen als Kopfschmuck denkt, kann man die größere Vorsicht unserer Kitas gut nachvollziehen.“

Der Kitaträger hinterfragt aber auch, ob es sinnvol ist, Indianerkostüme als problematisch anzusehen. Für Kinder ist Fasching eine Gelegenheit, sich in jemanden zu verwandeln, den sie als Held sehen und der sie selbst gerne sein möchten.  Über die von der Kita gewählten Beispiele ‚problematischer‘ Kostüme kann man deshalb durchaus streiten.“

Allerdings weist der Träger den Vorwurf zurück, bestimmte Kostüme seien verboten gewesen: „Natürlich wären Kinder, die doch als Indianer oder Scheichs verkleidet zum Fasching gekommen wären, genauso willkommen gewesen.“

Fazit:

Die Kita hat also nicht verboten, dass die Kinder als Indianer oder Scheich verkleidet kommen dürfen, sondern hat eine Empfehlung ausgesprochen, damit Kinder für Stereotypen sensibilisiert werden.

Von Andrea Wojtkowiak, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Kinderzimmer in U-Bahn Station: keine Belege für Kinderhandel

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Facebook-Post mit unbelegten Behauptungen

Am 26. Februar 2019 teilte die Facebook-Seite „QArmy Deutschland“ ein Youtube-Video mit der Beschreibung „Kinderzimmer in U-Bahnstation in Deutschland“ mit dem Hashtag „ChildTrafficking“. Für diese Behauptungen gibt es keine Belege.

In diesem Faktencheck geht es um folgende zwei Behauptungen:

  • In einer U-Bahnstation in Deutschland sei ein verstecktes Kinderzimmer
  • Das Zimmer stehe in Zusammenhang mit Kinderhandel

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind: Unbelegt

Worum geht es?

Am 26. Februar 2019 teilte die Facebook-Seite „QArmy Deutschland“ ein Youtube-Video mit der Beschreibung „Kinderzimmer in U-Bahnstation mitten in Deutschland“ mit dem Hashtag „ChildTrafficking“. In dem Youtube-Video filmt eine Person, wie sie in einer U-Bahn-Station durch Gänge und Schächte klettert und in ein Kinderzimmer gelangt. Die Schnitte im Video zwischen U-Bahn-Station und Kinderzimmer sind so gehalten, dass das Zimmer überall sein könnte.

Facebook-Post vom 26. Februar 2019 mit unbelegten Behauptungen

Behauptung 1:

In einer U-Bahnstation in Deutschland sei ein verstecktes Kinderzimmer.

Was stimmt?

Sucht man bei Google nach dem Titel des Youtube-Videos ist einer der ersten Treffer ein Online-Artikel der österreichischen Webseite the gap. Der Artikel in der Rubrik „Kunst“ trägt die Überschrift „Maulwurf-Kunst im Wiener Untergrund“. Weiter steht dort: „Könnte ein unterirdisches Kinderzimmer in einer Wiener U-Bahn-Station tatsächlich existieren, ohne dass es jemand merkt? Offenbar ja. Der verantwortliche Künstler im Interview über das Projekt und seine Absichten.“ Im Interview berichtet eine anonyme Person über die Einrichtung eines Kinderzimmers in der Wiener U-Bahn als Kunstprojekt. Die Fotos im Artikel stammen offenbar aus dem Youtube-Video, das auch die Facebook-Seite „QArmy Deutschland“teilte.

Auf eine Presseanfrage von Checkjetzt zu dem Video und dem Facebook-Post antwortete der Verkehrsbetrieb Wiener Linien: „Vor ein paar Jahren ist eine unbekannte Person unbefugt in unsere Betriebsräume eingedrungen und hat dort ein Kinderzimmer eingerichtet – es wird vermutet, dass es sich um ein Kunstprojekt gehandelt hat. Wir haben Anzeige gegen Unbekannt erstattet.“

Antwortmail der Wiener Linien auf eine CheckJetzt Presseanfrage

Behauptung 2:

Das Zimmer stehe im Zusammenhang mit Kinderhandel.

Was stimmt?

Unbelegt. Der Post liefert dafür keine Belege. Der Verkehrsbetrieb Wiener Linien vermutet ein Kunstprojekt hinter dem Video.

Fazit:

Die Behauptungen im Facebook-Post von „QArmy Deutschland“ sind unbelegt. Das gezeigte Kinderzimmer befand sich mutmaßlich in Wien, nicht in Deutschland. Für einen Zusammenhang zu Kinderhandel werden keine Belege genannt.
Von Sarah Langner und Claudina Liedigk, Mitglieder der Checkjetzt-Redaktion

Nein, Bikini-Runde der Miss Germany Wahl nicht aus Rücksicht auf religiöse Minderheiten abgeschafft

Sommermode Beispiele Miss Germany - Melek Kosar
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Sommermode Beispiele Miss Germany - Melek Kosar
Sommermode Beispiele auf der Webseite der

Am 20. Februar 2019 veröffentlichte die Webseite „Halle Leaks“ einen Artikel, in dem behauptet wird, bei der Miss Germany Wahl werde in Zukunft auf Schaulaufen im Bikini verzichtet, um religiöse Minderheiten nicht in ihren Gefühlen zu verletzen. Das ist falsch.

In diesem Faktencheck geht es um folgende zwei Behauptungen:

  • Bikinis werden bei der Wahl der Miss Germany nicht mehr zu sehen sein, um die Gefühle durch Zeigen von zu viel Haut von sogenannten „religiösen Minderheiten“ nicht zu verletzen und keine Glaubenskriege in Berlin anzuzetteln.
  • „Miss Germany als Katze im Sack. Schönheitskönigin dicht verhüllt.“

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind: Falsch

Worum geht es?

Am 20. Februar 2019 veröffentlichte die Webseite Halle Leaks einen Artikel, in dem behauptet wird, bei der Miss Germany Wahl werde in Zukunft auf Schaulaufen im Bikini verzichtet, um religiöse Minderheiten nicht in ihren Gefühlen zu verletzen.

Artikelbild auf der Webseite „Halle Leaks“

Behauptung 1:

Bikinis werden bei der Wahl der Miss Germany nicht mehr zu sehen sein, um die Gefühle durch Zeigen von zu viel Haut von sogenannten „religiösen Minderheiten“ nicht zu verletzen und keine Glaubenskriege in Berlin anzuzetteln.

Was stimmt?

Der Verzicht auf den Bademoden-Durchlauf bei den Miss Germany Wahlen wird laut Pressemitteilung des Veranstalters mit fehlender Relevanz und einer Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen begründet. Der Fokus soll auf den Menschen hinter der Fassade gelenkt werden und somit auch Vorurteilen entgegen wirken. Die Entscheidung wurde nicht religiös motiviert getroffen.

Pressemitteilung der Miss Germany Corporation

Behauptung 2:

„Miss Germany als Katze im Sack. Schönheitskönigin dicht verhüllt.“

Was stimmt?

Die Alternative zu den Bademoden sind kurze Sommerkleider oder Jumpsuits. Die gezeigten Beispiele auf der Seite des Betreibers zeigen weiterhin viel unbekleidete Körperfläche.
Sommermode Beispiele auf der Webseite der Miss Germany Corporation

Fazit:

Die Aussage, dass die Abschaffung der Bikini-Runde aus Rücksicht auf religiöse Minderheiten erfolgt, ist falsch. Der Veranstalter will mit dieser Änderung den Fokus vom Körper auf den Charakter der Teilnehmerinnen legen. Ebenfalls falsch ist, dass die Teilnehmerinnen nur noch dicht verhüllt zu sehen sind. Die Alternativen zu den Bademoden ist kurze Sommerkleidung, die weiterhin sehr viel unverhüllte Haut zeigt.
Von Melek Kosar, Mitglied der CheckJetzt-Redaktion

Studie zu IQ-Werten von Wählern einzelner Parteien ist zweifelhaft

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Die Studie über IQ-Werte von Partei-Anhängern ist nicht aussagekräftig. (Screenshot: CORRECTIV)

Was ist dran an einer Studie über die IQ-Werte von AfD-Wählern? Unser Faktencheck ergibt: Nicht viel.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

AfD-Wähler haben im Durchschnitt einen geringeren IQ als die Wähler anderer Parteien.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Unbelegt

Worum geht es?

Die Facebook-Seite „Buntland Journal“ teilte am 12. März einen Artikel vom Presseportal mit dem Titel: „Studie zeigt: AfD-Wähler haben durchschnittlich einen geringeren IQ“. Dazu der Kommentar „#FakeNews“

Screenshot von Facebook

Der Link in dem Beitrag führt zu einer Pressemitteilung von September 2017. Demnach bescheinigt eine Studie den Wählern der AfD im Durchschnitt geringere IQ-Werte als den Wählern anderer Parteien. Im Internet fanden die Ergebnisse weite Verbreitung. Auch Politiker kommentierten die Studie in den sozialen Medien, zum Beispiel schrieb der Bundestagsabgeordnete der SPD, Karl Lauterbach am 8. März 2018 auf Twitter: „Studie erklärt sich selbst“. Die Ergebnisse der Studie sind jedoch zweifelhaft.

Was stimmt?

Im September 2017 veröffentlichte der Urheber der Studie, die Fabulabs GmbH, eine Pressemitteilung mit der Überschrift: „Studie zeigt: AfD-Wähler haben durchschnittlich einen geringeren IQ“. Der IQ-Wert von Wählern der AfD soll demnach im Durchschnitt bei 93 liegen. Das ist der niedrigste Wert im Vergleich mit anderen Parteien. Am besten schneiden die Wähler der Partei Die Linke ab. Ihr Durchschnitts-IQ liegt – der Studie zufolge – bei 105. Diese Ergebnisse hat eine Facebook-Seite Anfang März aufgegriffen und mit dem Hashtag “Fakenews” gekennzeichnet.

Wir haben den Geschäftsführer des Unternehmens Fabulabs GmbH kontaktiert. Patrick Konrad sagt im Gespräch: Die Studie ist nicht repräsentativ. Konrad räumte auch ein, dass die Studie nicht genau bestimmen könne, ob AfD-Wähler wirklich einen geringeren IQ-Wert haben. „Wenn wir es genau wüssten, würden wir sagen, sie ist repräsentativ“, sagte er.

In der Pressemitteilung heißt es aber an einer Stelle: „Die Ergebnisse gelten aufgrund der hohen Grundgesamtheit als repräsentativ.“ Laut Konrad beziehe sich diese Aussage allerdings auf einen generellen IQ-Test, der auf einer Website der Fabulabs GmbH schon seit geraumer Zeit abrufbar ist. Für die Studie zu den IQ-Werten gelte diese Aussage jedoch nicht.

Tanja Wolf ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaft und Soziologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Sie forscht zu rechtsextremen und rechtspopulistischen Parteien in Europa und bezeichnet die Studie der Fabulabs GmbH als „Humbug“. Der Versuch, eine Korrelation zwischen IQ-Wert und Wahlverhalten zu untersuchen, sei in der Wissenschaft bisher einzigartig, sagt sie. Zwar gebe es Publikationen, die dieser Frage nachgehen; sie würden statt des IQ-Wertes aber eher Indikatoren wie den Bildungsabschluss einer Person betrachten. Diese Studien zeigten, dass sich AfD-Wähler grundsätzlich nicht von den Wählern anderer Parteien unterscheiden, so Wolf weiter.

Fazit:

Einen wissenschaftlich fundierten Zusammenhang zwischen Wahlverhalten und IQ-Wert kann die Studie der Fabulabs GmbH nicht herstellen. Die Frage nach Unterschieden bei den IQ-Werten in der Wählerschaft einzelner Parteien kann abschließend nicht beantwortet werden.

Von Jonas Schneider, Mitglied der CheckJetzt-Redaktion

Gelbe Sporttrikots statt Gelbwesten: Dieses Bild entstand 2015, nicht 2019

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Screenshot des Originalbildes auf der Webseite „france bleu“ (Screenshot: CORRECTIV)

Ein Facebook-Post vom 23. Februar 2019 zeigt das Bild einer großen Menschenansammlung. Darüber steht „Paris, 23.02.2019 macht sprachlos“. Das Bild ist aus dem Kontext gerissen und schon vier Jahre alt.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

  • Am 23. Februar 2019 habe es in Paris eine große Demonstration gegeben. Gelbwesten werden im Beitrag nicht genannt, scheinen indirekt aber gemeint zu sein. 

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Falsch

Worum geht es?

Ein Facebook-Post vom 23. Februar 2019 zeigt das Bild einer großen Menschenansammlung. Darüber steht „Paris, 23.02.2019 macht sprachlos“.  Der Beitrag wurde 1.833 Mal geteilt.

Facebook-Beitrag mit falscher Behauptung vom 23. Februar 2019 (Screenshot CORRECTIV)

Was stimmt?

Das Bild zeigt Fans des französischen Rugbyvereins ASM Clermont Auvergne beim Public-Viewing-Event am 6. Juni 2015 auf dem place de jaude in Paris. Die Fans feierten in ihren Vereinsfarben Gelb-Blau den Sieg im Halbfinale des Champions Cup gegen den Verein Stade Toulousain. Die Webseite france bleu veröffentlichte das Foto am 10. Mai 2017. 
Screenshot des Originalbildes auf der Webseite „france bleu“ (Screenshot: CORRECTIV)
Bild von  Fans des französischen Rugbyvereins ASM Clermont Auvergne in ihren Vereinsfarben Gelb-Blau von der Webseite „l’express“ (Screenshot: CORRECTIV) 

Fazit:

Dieses Bild zeigt Fans eines Rugby-Vereins in den Vereinsfarben gelb-blau beim Public Viewing im Jahr 2015, keine Demo in Paris im Jahr 2019.
Von Micha Nelkner, Mitglied der CheckJetzt-Redaktion

Auch Ermittlungen gegen Tatverdächtige vom Anschlag auf AfD-Büro

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Ein Facebook-Post behauptet, das Recht werde zugunsten von nicht-Deutschen gebäugt. Seine Belege geben das aber nicht her. (Symbolbild: Ajel / pixabay)

Am 5. Januar 2019 veröffentlichte eine Facebook-Nutzerin eine Fotomontage. Sie geht um einen Vergleich zwischen zwei Anschlägen. Inzwischen wurde der Beitrag mehr als 2.700 Mal geteilt.

In diesem Faktencheck geht es um folgende drei Behauptungen:

  • Ein „rechtsradikaler“ Täter sei für einen Bombenanschlag auf eine Moschee zu 10 Jahren Haft verurteilt worden.
  • Die Staatsanwaltschaft habe keinen Antrag auf Haftbefehl gegen drei mutmaßlich linke Täter gestellt, die einen Anschlag auf ein AfD Büro verübt haben sollen.
  • Die Deutsche Justiz sei nicht unabhängig.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind: Teilweise falsch

Worum geht es?

Am 5. Januar 2019 veröffentlichte eine Facebook-Nutzerin eine Fotomontage. Sie geht um einen Vergleich zwischen zwei Anschlägen. Inzwischen wurde der Beitrag mehr als 2.700 Mal geteilt.

Screenshot von Facebook

Behauptung 1:

Ein „rechtsradikaler“ Täter sei für einen Bombenanschlag auf eine Moschee zu 10 Jahren Haft verurteilt worden (Bild 1 zeigt die beschädigte Tür der Moschee).

Was stimmt?

Der Angeklagte Nino K. wurde am 31.08.2018 durch die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Dresden zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und vier Monaten verurteilt. Den Hauptvorwurf bildete der Brandanschlag auf die Moschee (Bild 1). Am 26.09.2016 hatte Nino K. vor der Tür der Moschee eine Brand- und Sprengsatz deponiert und gezündet. Das Tatmotiv sei Hass gegen Muslime gewesen. Das Gericht fand den Angeklagten wegen versuchten Mordes in vier tateinheitlichen Fällen mit versuchter besonders schwerer Brandstiftung, vorsätzlichem Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, Sachbeschädigung und mit vorsätzlichem unerlaubten Herstellen und Führen eines Brand- und Sprengsatzes.

Behauptung 2:

Die Staatsanwaltschaft habe keinen Antrag auf Haftbefehl gegen drei mutmaßlich linke Täter gestellt, die einen Anschlag auf ein AfD Büro verübt haben sollen (Bild 2 zeigt das beschädigte AfD Büro in Döbeln).

Was stimmt?

Richtig ist, dass es zu keinem Haftbefehl gegen die drei Beschuldigten in dem Sprengstoffanschlag auf das AfD Büro (Bild 2) gekommen ist. Die Beschuldigten sind nach einer vorläufigen Festnahme und Vernehmung wieder auf freiem Fuß. Sie sind jedoch nach Auffassung des Oberlandesgerichts Dresden weiter dringend verdächtig, den Sprengstoffanschlag am 3.1.2019 auf das AfD Büro in Döbeln verübt zu haben.
Es stimmt jedoch nicht, dass die Staatsanwaltschaft Chemnitz keine Haftbefehle gegen die Beschuldigten gefordert hätte. Vielmehr wurden diese zunächst am 14.1.2019 vom Landgericht Chemnitz abgelehnt. Auch die Beschwerde der Staatsanwaltschaft wurde am 28.1.2019 vom Oberlandesgericht Dresden verworfen. Für den Erlass von Haftbefehlen müsse eine Wiederholungs-, Verschleierungs- oder Fluchtgefahr bestehen. Dafür gebe es bei den drei Beschuldigten keine Anhaltspunkte und sie würden alle in gesicherten sozialen Verhältnissen leben.
Laut Staatsanwaltschaft Chemnitz haben die Beschuldigten jedoch aufgrund der Beweislage zeitnah mit strafrechtlich Konsequenzen zu rechnen. Die Bildunterschrift suggeriert, dass gegen die Täter nicht ermittelt würde. Dem wiederspricht die Strafverfolgung durch die Staatsanwaötschaft und der dringende Tatverdacht gegen die drei Beschuldigten.

Behauptung 3:

Aus der Gegenüberstellung der zwei vorhergehenden Tatsachenbehauptungen wird gefolgert, dass die Deutsche Justiz nicht unabhängig sei.

Was stimmt?

Die Aussage bleibt unbelegt, weil es keine Hinweise darauf gibt, dass in der Strafverfolgung der zwei Anschläge zu Verfehlungen in den rechtsstaatlichen Verfahren beziehungsweise der Justiz gekommen ist.

Fazit:

Die Gegenüberstellung der zwei Fälle legt nahe, dass gegen die mutmaßlich linken Täter des Anschlages auf das AfD Büro nicht in gleichem Maße ermittelt worden sei, wie im Fall Nino K. Jedoch laufen die Ermittlungen gegen die drei Tatverdächtigen noch und ein Verfahren steht laut Staatsanwaltschaft Chemnitz bevor. Die Tatverdächtigen sind weiter dringend Tatverdächtig und sie müssen mit einer zeitnahen strafrechtlichen Verfolgung rechnen. Die Begründung gegen die Haftbefehle basiert auf den fehlenden Anzeichen einer Fluchtgefahr und ist nicht mit einer Einstellung der Ermittlungen gleichzusetzen, wie in der Aussage suggeriert wird. Aus den beiden Fällen ergeben sich somit keine Anhaltspunkte die Unabhängigkeit der Deutschen Justiz in Frage zu stellen.
Von Darius Reinhardt, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Gefälschtes Bild zur Postsdamer Klimademo auf Facebook im Umlauf

Bildschirmfoto 2019-03-28 um 11.41.06
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Bildschirmfoto 2019-03-28 um 11.41.06
Auf Facebook verbreitetes gefälschtes Bild (Screenshot CORRECTIV)

Auf Facebook verbreitet sich ein Bild, auf dem Jugendliche auf Plakaten eine Verteuerung von Strom und Benzin sowie die Abschaffung von Autos fordern. Es ist gefälscht.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

  • Kinder fordern auf Transparenten: Erhöhung der Strom und Benzinpreise; Rettung der Eisbären; Abschaffung der Autos

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Völlig falsch

Worum geht es?

Auf Facebook verbreitet sich ein Bild, auf dem Jugendliche auf Plakaten eine Verteuerung von Strom und Benzin sowie die Abschaffung von Autos fordern. Unter dem Bild wurde „Diese Kinder kann man nicht mehr retten… Endgültig verblödet!“ montiert.

Facebook-Post mit gefälschtem Bild (Screenshot: CORRECTIV)

Was stimmt?

Das Originalbild stammt aus einem Artikel der Märkischen Allgemeinen vom 18.01.2019. Dort wird über den Schüler-Streik für den Klimaschutz in Potsdam berichtet. Auf dem Originalbild fordern die Schüler „Schulstreik für das Klima“ und „It’s our future.“

Das manipulierte Bild ist inzwischen selbst Thema in der Märkischen Allgemeinen. Demnach sollen auch mindestens eine AfD-Webseite und ein AfD-Politiker das gefälschte Bild weiter verbreitet haben. Dort ist das Bild inzwischen jedoch nicht mehr auffindbar.

Der Ursprung der Fälschung lässt sich nicht finden. Klein auf dem gefälschten Bild ist unten rechts zu lesen „In Satira by Uwe Osterberg.“ Ob das Bild tatsächlich von ihm stammt, konnten wir nicht belegen. Laut mimikama.at wurde Uwe Osterberg Anfang 2017 zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt und ist bekannt für seine „Satire“-Fälschungen.

Originalbild in der „Märkische Allgemeine“ (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit:

Es handelt sich bei dem Bild um eine Fälschung. Die Schriftzüge der Transparente wurden offenbar retuschiert und ausgetauscht.

 

Von Jan Smendek, Mitglied der CheckJetzt-Redaktion