Euros für Ärzte

„Euros für Ärzte“-Datenbank beendet

Unsere Recherche „Euros für Ärzte“ löste eine wichtige Debatte über die Verflechtungen zwischen Ärzteschaft und Pharmaindustrie aus. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Spiegel stellen wir die Datenbank jetzt ein.

von Frederik Richter

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Mit unserem Kooperationspartner Spiegel schalten wir die Datenbank zu der Recherche „Euros für Ärzte“ ab. Patienten konnten in der Datenbank von CORRECTIV und Spiegel konkret suchen, ob ihr Arzt von Pharmakonzernen Geld erhielt. Die Daten zu der Recherche stammen aus den Jahren 2016 und 2017 und können mangels Ressourcen nun nicht weiterhin aktualisiert werden. Zahlungen der Pharmaindustrie an Ärztinnen und Ärzte sind weiter auf den Webseiten der Konzerne einsehbar, die sich einer Transparenzinitiative der Branche angeschlossen haben.

Die Recherche löste 2016 in Deutschland eine wichtige Debatte über die Verflechtungen zwischen Ärzteschaft und Pharmaindustrie aus. Die Pharmaindustrie zahlt jedes Jahr Summen im zweistelliger Millionenhöhe an die Ärzteschaft. Dazu gehören Honorare für Vorträge bei Kongressen und Reisekosten. Der Großteil entfällt jedoch auf klinische Studien und umstrittene Anwendungsbeobachtungen. Dabei füllen Ärzte Fragebögen von Pharmakonzernen über die Wirkung der von ihnen verschriebenen Medikamente aus. Kritiker betrachten einige Auswüchse dieser Praktiken als eine Form von Korruption im Gesundheitswesen. Die Anwendungsbeobachtungen haben wissenschaftlich kaum Wert.

Dank der Recherche „Euros für Ärzte“ konnten Patientinnen und Patienten einfach überprüfen, ob ihr Arzt oder ihre Ärztin von Pharmakonzernen Gelder erhalten, deren Medikamente sie verschrieben. In einer eigenen Transparenzinitiative hatten Pharmakonzerne Ärzten die Möglichkeit gegeben, ihre Zahlungen transparent zu machen. Rund ein Drittel der Ärzte zeigt sich offen und stimmte der Veröffentlichung zu. Allerdings waren die Angaben so versteckt, dass Patienten kaum in der Lage waren, die Zahlungen an bestimmte Ärzte nachzuvollziehen.

Eine Kritik an der Recherche lautete, dass sie diejenigen aus der Ärzteschaft in den Fokus rückte, die nichts gegen Transparenz haben. CORRECTIV und Spiegel veröffentlichten daher auch die „Null Euro Ärzte“- Datenbank. Dort konnten sich Ärzte eintragen, die gar kein Geld von der Pharmaindustrie nahmen. Im folgenden Jahr sank die Bereitschaft von Ärztinnen und Ärzten leicht, die Zahlungen zu veröffentlichen. Im Jahr 2016 erhielten sie über eine halbe Milliarde Euro von der Pharmaindustrie, aber nur jeder vierte war bereit, Zahlungen zu veröffentlichen. Im Jahr davor waren es noch 31 Prozent gewesen.

Daher gibt es immer wieder Stimmen, die vom Gesetzgeber eine verbindliche Regelung über die Offenlegung der Zahlungen fordern. Mit der eigenen Transparenzinitiative scheint es der Pharmaindustrie jedoch gelungen zu sein, eine gesetzliche Offenlegungspflicht bisher zu verhindern. In den USA gibt es diese seit 2013.

In Folge der Recherche überzog ein Anwalt im Auftrag seiner Mandanten CORRECTIV und den Spiegel mit einer Klagewelle – in jedem einzelnen Fall erfolglos. Die Motive des Medizinrechtlers, der im Stile eines Abmahnanwalts agierte, sind unklar. Von 135 Verfahren entschieden die Gerichte 133 zugunsten von CORRECTIV und des Spiegel, zwei Urteile stehen noch aus. Auch diese Klagewelle band Ressourcen und brachte zunächst erhebliche finanzielle Risiken mit sich.

Die Ergebnisse der Recherche „Euros für Ärzte“ sowie die Auswertung der Datenbank bleiben selbstverständlich weiterhin online verfügbar. Die Debatte um verbindliche Transparenz für alle Zahlungen der Industrie an die Ärzteschaft geht weiter.

Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!

Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.

Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.