Faktencheck

Nein, die UN will Pädophilie nicht „legalisieren“ – sie verurteilt alle Formen der Gewalt gegen Kinder

Ein Online-Artikel behauptet, die UN wolle Pädophilie legalisieren. Das solle ein neu ernannter, unabhängiger Experte umsetzen. Den Experten gibt es, aber die „Legalisierung“ von Pädophilie gehört nicht zu den Zielen des Mandats.

von Steffen Kutzner

FilipFilipovic Pixabay
Symbolbild: Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York. (Quelle: Filip Filipovic/Pixabay)
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Größtenteils falsch. Die UN will Pädophilie nicht legalisieren.

Die Webseite Einreich behauptet in einem Beitrag vom 25. Mai, die Vereinten Nationen (UN) hätten das Ziel, „die Legalisierung und die uneingeschränkte Unterstützung des Transgenderismus zu erreichen, die auch die Legalisierung der Pädophilie beinhaltet.“ 

Wir haben recherchiert. Es zeigt sich: Ein erklärtes Ziel der UN ist es zwar, die Rechte von Transgendern zu stärken, aber nicht die von Pädophilen.

Um Homo-, Bisexuelle und Transgender vor Diskriminierung und Gewalt zu schützen, hatte der UN-Menschenrechtsrat den Posten eines unabhängigen Experten innerhalb der UN geschaffen. Darauf bezieht sich auch der Artikel von Einreich. Dort heißt es, der Menschenrechtsrat der UN habe „letzte Woche globale Empörung“ ausgelöst, „als er einen UN-Offiziellen ernannte, dessen Aufgabe es sein soll, die Normalisierung der Homosexualität und des Transgenderismus in der ganzen Welt zu überwachen.“ Diese Ernennung war aber nicht „letzte Woche“, sondern im schon Juni 2016, wie ein Protokoll des Menschenrechtsrates belegt.

Der Beitrag von Einreich gibt fälschlicherweise Aktualität vor, obwohl über dem Text eine Quelle verlinkt ist, die denselben Beitrag von derselben Autorin auf einer anderen Webseite enthält. Dort wurde der Text schon am 19. März 2019 veröffentlicht.

UN verurteilt alle Formen von Gewalt gegen Kinder – auch Pädophilie

In dem Protokoll des Menschenrechtsrates und auf einer Webseite des Hohen Kommissars für Menschenrechte der UN sind die Aufgaben des Mandatsträgers in sechs Punkten definiert. Bei allen geht es um die Stärkung der Rechte Homo- und Bisexueller und von Transgendern. Keine der Zielsetzungen befasst sich mit der „Legalisierung“ von Pädophilie.

Im Gegenteil „verurteilt“ die UN Pädophilie, wie es in einer im Dezember 2017 verabschiedeten Resolution der Generalversammlung heißt: „[Die Generalversammlung] verurteilt alle Formen der Gewalt gegen Kinder in allen Umfeldern, namentlich körperliche, seelische, psychische und sexuelle Gewalt, […] Pädophilie, Kinderprostitution, Kinderpornografie, Kindersextourismus…“ (Seite 10-11). 

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Das Amt des „Unabhängigen Experten für den Schutz vor Gewalt und Diskriminierung wegen sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität“ wurde 2016 für eine Periode von drei Jahren festgelegt. Erster Mandatsträger war der thailändische Menschenrechtsanwalt Vitit Muntarbhorn, der im Oktober 2017 zurückgetreten war. Sein Nachfolger ist seitdem Victor Madrigal-Borloz, Anwalt für Menschenrechte aus Costa Rica, der im Juli 2019 für weitere drei Jahre bestätigt wurde.

Fazit: Die UN hatte im Jahr 2016 einen eigenen Posten für einen unabhängigen Experten geschaffen, der den Schutz von Homosexuellen, Bisexuellen und Transgendern vorantreiben und sicherstellen soll. Pädophilie wird von der UN verurteilt.