Faktencheck

Corona-Demo in Köln: Nein, dieses Video zeigt keine WDR-Mitarbeiter mit einer Reichsflagge

Um Fernsehbilder zu inszenieren, hätten WDR-Mitarbeiter eine Reichsfahne zu einer Corona-Demonstration in Köln mitgebracht, behaupten Nutzer tausendfach in Sozialen Netzwerken. Das ist falsch. Bei den Männern, die in dem verbreiteten Video zu sehen sind, handelt es sich nicht um WDR-Mitarbeiter.

von Uschi Jonas

Diese beiden Männer seien WDR-Mitarbeiter und hätten eine Reichsflagge zu einer Demonstration mitgebracht, um TV-Bilder inszenieren, wird in Sozialen Netzwerken behauptet. Das ist falsch.
Diese beiden Männer seien WDR-Mitarbeiter und hätten eine Reichsflagge zu einer Demonstration mitgebracht, um TV-Bilder inszenieren, wird in Sozialen Netzwerken behauptet. Das ist falsch. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)
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Falsch. Das Video zeigt keine WDR-Mitarbeiter.

Zwischen zwei parkenden Autos kniet ein grauhaariger Mann, er befestigt eine Reichsflagge an einem Holzstab, ein zweiter Mann mit Kapuze steht neben ihm. Ein Video, das diese Szene zeigt, kursiert seit dem ersten Oktober-Wochenende in Sozialen Netzwerken. Die Behauptung: Es zeige angeblich zwei Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks (WDR), die bei einer Corona-Demonstration in Köln mit einer Reichsflagge Fernsehbilder inszenierten. 

Insgesamt wurde das Video mehr als 10.000 Mal auf Facebook geteilt, zum Beispiel hier, hier, hier oder hier. Zuvor wurde es bereits viral auf Twitter verbreitet.

Recherchen von CORRECTIV zeigen, dass die Behauptungen falsch sind. Bei den Männern handelt es sich nicht um WDR-Mitarbeiter.

 

Zusammen mit dem Video werden Fotos von zwei Männern veröffentlicht, die angeblich für den WDR arbeiten und in dem Video zu sehen seien. Es werden auch teilweise die Namen der Journalisten genannt. Demnach handele es sich angeblich um Jörg Andreas Herber, einen frei mitarbeitenden Redakteur, und Olaf Wollentarski, Fernsehredakteur in der Sendung Aktuelle Stunde des Westdeutschen Rundfunks. Diese Behauptung ist jedoch falsch.

Das Video dieser beiden Männer verbreitet sich seit dem Wochenende tausendfach auf Facebook. (Quelle: Facebook, Screenshot und Schwärzungen: CORRECTIV)
Das Video dieser beiden Männer verbreitet sich seit dem Wochenende tausendfach auf Facebook. (Quelle: Facebook, Screenshot und Schwärzungen: CORRECTIV)

Am 26. September fand tatsächlich eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung in Köln statt. Doch weder eine Google-Suche noch eine Suche auf der WDR-Webseite liefert Treffer für einen Bericht des Westdeutschen Rundfunks über eine Corona-Demonstration in Köln. 

Warum sich das Video erst am vergangenen Wochenende, folglich rund eine Woche nach der Demonstration verbreitete, ist nicht ersichtlich. Es finden sich keine Hinweise dafür, dass am ersten Oktober-Wochenende (3. oder 4. Oktober) eine weitere Corona-Demonstration in Köln stattgefunden hätte. 

Darauf, dass das Video in Köln aufgenommen wurde, deutet zum einen das Kölner Kennzeichen eines weißen Autos, das im Video zu erkennen ist, hin. 

Zum anderen ist im Hintergrund ein Fluss zu sehen, wobei es sich vermutlich um den Rhein handelt. Medienberichten und Pressefotos zufolge fand die Veranstaltung am 26. September direkt am Rhein statt. Sie verlief laut Polizei von der Deutzer Werft über die Severinsbrücke zum Heumarkt, und über die Deutzer Brücke, den Gotenring zurück zur Deutzer Werft.

Die beiden Männer im Video arbeiten laut WDR nicht für den Sender

Auf Nachfrage von CORRECTIV sagte eine Sprecherin des WDR am Telefon über das Video: Das sind nicht die benannten WDR-Mitarbeiter. Der WDR war mit einem anderen Reporter zur Recherche vor Ort, hat aber nicht darüber berichtet, und der Reporter ist auch nicht auf dem Video zu sehen. 

In einer Pressemitteilung vom 4. Oktober bezog der WDR Stellung zu den Vorwürfen. Darin heißt es, langjährige WDR-Mitarbeiter seien mit einem ursprünglich via Twitter (zum Beispiel hier) verbreiteten Video in Sozialen Medien diskreditiert worden. Es habe der Eindruck erweckt werden sollen, der WDR bringe Reichsflaggen zum Dreh einer Querdenken-Demo, um so bessere Bilder zu erzeugen. 

Ein anderer WDR-Reporter war bei der Demonstration vor Ort, berichtete jedoch nicht

Der Sender stellte klar: Die Behauptung, es handele sich um die im Netz namentlich genannten langjährigen Mitarbeiter des WDR, ist falsch. Der WDR hat keine Kenntnis darüber, wer die beiden Personen in dem Video sind.Dass mehrere Namen in verleumderischer Art verbreitet wurden, zeige das verzweifelte Bemühen, einen Skandal zu fabrizieren. Der WDR akzeptiert das nicht und behält sich deshalb vor, gegen üble Nachrede und Verleumdung rechtlich vorzugehen. 

Der Reporter, der zur Recherche bei der Demonstration vor Ort war, jedoch nicht berichtet habe, arbeite für die „Lokalzeit Köln“.

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Ein Blog-Autor berichtet zudem davon, dass sich der Mann mit der Reichsfahne bei ihm gemeldet habe. Er habe erklärt, er sei kein Mitarbeiter des WDR. Der zweite im Video zu sehende Mann sei zudem ein Bekannter von ihm, der ebenfalls nicht beim WDR tätig sei.

Redigatur: Kathrin Wesolowski, Alice Echtermann