Faktencheck

Nein, ein Nasenabstrich beim PCR-Test verursacht bei korrekter Durchführung keine Verletzungen

Eine auf Facebook verbreitete Grafik zeigt den Schädel eines Kindes, bei dem für einen PCR-Test ein Nasenabstrich genommen wird. Sie suggeriert, der Test verursache Entzündungen und Verletzungen. Doch aus medizinischer Sicht passiert das nicht, wenn der Abstrich korrekt durchgeführt wird.

von Uschi Jonas

Diese Grafik verbreitet sich auf Facebook mit der Behauptung, ein PCR-Test könne Krankheiten und Entzündungen verursachen. Das stimmt nicht, wenn er korrekt durchgeführt wird.
Diese Grafik verbreitet sich auf Facebook mit der Behauptung, ein PCR-Test könne Krankheiten und Entzündungen verursachen. Das stimmt nicht, wenn er korrekt durchgeführt wird. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)
Behauptung
Ein Nasenabstrich im Rahmen eines PCR-Tests könne Verletzungen, Entzündungen oder Krankheiten verursachen.
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Fehlender Kontext
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Fehlender Kontext. Ein Nasenabstrich im Rahmen eines PCR-Tests kann keine Verletzungen, Entzündungen oder Krankheiten verursachen, wenn er korrekt durchgeführt wird.

Eine große Hand führt ein langes dünnes Stäbchen durch die Nase eines Kindes ein. Die Grafik ist beschriftet mit „COVID-19 Test, Diese Stelle verletzen. Auf Entzündung warten und krank werden“ und verbreitet sich auf Facebook. Immer wieder werden im Netz Behauptungen aufgestellt, der PCR-Test könne zu Verletzungen und Entzündungen führen. Seit Anfang September auch die beschriebene Zeichnung eines Kindes, zum Beispiel hier oder hier. Das Bild wurde mehrere hundert Mal geteilt.

Es suggeriert, der COVID-19-Test sei gefährlich. Es handle sich dabei um „Schwere Körperverletzung“, behauptet ein Facebook-Nutzer. Diese Recherche von CORRECTIV.Faktencheck zeigt: Es fehlt Kontext. Bei einer richtigen Durchführung des Abstrichs durch medizinisches Fachpersonal für den sogenannten PCR-Test kann es zu keinen Verletzungen kommen.

Nasenrachenabstrich bei Corona-Test wird vom RKI empfohlen

Wer engen Kontakt zu einer mit Covid-19 infizierten Person hatte, Symptome zeigt oder in einer Risikoregion war, sollte sich auf das Coronavirus testen lassen. So sieht es die Nationale Teststrategie des Robert-Koch-Instituts (RKI) vor. 


Um auf das Coronavirus zu testen, empfiehlt das Robert-Koch-Institut, dass „möglichst Proben parallel aus den oberen und den tiefen Atemwegen“ entnommen werden. Diese dienen der PCR-Diagnostik zum direkten Erregernachweis. PCR steht für Polymerase-Ketten-Reaktion und ist eine Methode, die zur Diagnostik von Infektionskrankheiten eingesetzt wird.

Für die Entnahme der Proben schlägt das RKI jeweils verschiedene Möglichkeiten vor. Für die oberen Atemwege solle entweder ein Rachenabstrich (Oropharynx) oder ein Nasenrachenabstrich (Nasopharynx) oder eine Nasenrachenspülung erfolgen. Das Deutsche Ärzteblatt schreibt, dass die aktuelle wissenschaftliche Literatur zeige, dass ein Nasenrachenabstrich einem Rachenabstrich vorzuziehen sei, denn „die Erregerkonzentration im Abstrich des Nasenrachens (Nasopharynx) [ist] im Vergleich 10 bis 100-fach höher“.

Auch bei MERS-CoV und Influenza sind Nasenabstrich üblich

Nasenrachenabstriche wurden auch 2018 bei der Diagnostik des Coronavirus MERS-CoV durchgeführt und sind auch bei Influenza üblich. Dafür müssen Tupfer entlang der Nasenscheidewand „tief in die Nase bis zur Rachenwand“ eingeführt werden, dann dort wenige Sekunden belassen und in rotierender Bewegung herausgezogen werden, wie das RKI schreibt. 

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Peter Berlit, Neurologe und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, schrieb CORRECTIV bereits im Juli in einer E-Mail, schmerzhaft könne das Einführen des Stäbchens für den Nasopharynx-Abstrich zwar sein: „Die Nasenschleimhaut ist empfindlich, vor allem bei Entzündungen.“ Aber der Test könne keinerlei Schaden verursachen, erklärt Berlit.

Neurologe: Corona-Test kann keine gesundheitlichen Schäden verursachen

Auch könne der Corona-Test keine Schädigung der Schädeldecke verursachen: „Zwischen Gehirn und Nase sind unter anderem Knochen und Hirnhaut – eine Schädigung durch Abstrichröhrchen ist unmöglich.“ 

Lediglich bei einer Verletzung der Schädelbasis, zum Beispiel durch einen Verkehrsunfall, könne es zu einer Verbindung zwischen Nasen- und Nervenwasserraum kommen. „Dies birgt das Risiko von Hirnhautentzündungen.“ Eine solche Beschädigung könne nur dann dazu führen, dass Bakterien ins Gehirn gelangen, wenn der Knochen kaputt sei und ein Leck entstehe – nicht durch den Abstrich mit einem Stäbchen für den Corona-Test, sagt Neurologe Berlit.

Bei korrekter Durchführung keine Gefahr durch Abstrich

Wir haben zudem den österreichischen HNO-Arzt Wolfgang Luxenberger kontaktiert, der gemeinsam mit einer HNO-Ärztin eine Anleitung für die richtige Durchführung des Nasenrachen-Abstrichs für medizinisches Fachpersonal verfasst hat. Darin wird auch vor Verletzungen gewarnt. „Das Ziel der Publikation ist es, die korrekte Technik zu erklären, aber keinesfalls Angst vor Abstrichentnahmen zu verbreiten. Wird ein Abstrich korrekt durch den unteren Nasengang ausgeführt, birgt er nahezu gar keine Risiken, ist wenig unangenehm und selbst geringes Nasenbluten tritt nur äußerst selten auf, schreibt Luxenberger in einer E-Mail an CORRECTIV.Faktencheck. 

Der Grund zur Publikation sei gewesen, dass auf vielen Fotos in den Medien zum Thema Abstrichentnahme die Nasenrachen-Abstriche in die falsche Richtung durchgeführt würden, nämlich nach oben Richtung Schädelbasis mit weit zurückgelehntem Kopf anstatt gerade in die Nase hinein in Richtung der Höhe des Gehörgangs. Die Gefahr einer Verletzung der Schädelbasis durch einen weichen Abstrichtupfer sei äußerst gering, betont der HNO-Arzt. Dennoch sollte der Abstrich vom Nasenrachen und eben nicht von der Schädelbasis entnommen werden. Bisher wurde meines Wissens ein Fall einer Schädelbasisverletzung nach Abstrichentnahme publiziert. 

Update 23. Dezember 2020: Ursprünglich hatten wir die Behauptung als „falsch“ eingestuft. Aufgrund neuer Informationen haben wir die Bewertung zu „fehlender Kontext“ geändert. Wir haben den Faktencheck um eine Einschätzung des HNO-Arztes Wolfgang Luxenberger ergänzt.

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