Angela Merkel fordere in ihrem Podcast Solidarität ein, appelliere an die Bevölkerung, die Regeln einzuhalten – und halte sich dann selbst nicht daran. Diese Behauptung hat ein Facebook-Nutzer gemeinsam mit einem Bild hochgeladen, das die Kanzlerin mit anderen europäischen Regierungschefs bei einem Bier in einer Gaststätte zeigt. Unter dem Foto steht: „Macron, Rasmussen, Battle, Michel und Merkel bei einem Bierchen in einem überfüllten Lokal ohne Abstand, Maske, usw.“
Das Bild samt Text wurde am 24. Oktober bei Facebook veröffentlicht und stellt im Text einen zeitlichen Zusammenhang zu einer Podcast-Folge der Kanzlerin und zu einem Brexit-Gipfel in Brüssel her. Das grenzt das angebliche Entstehungsdatum des Fotos auf den 15. Oktober 2020 ein, an dem Angela Merkel in Brüssel mit dem Europäischen Rat über die aktuelle Corona-Lage sowie den Brexit beraten hat. Die Podcast-Folge mit dem Appell an die Bürger, die Corona-Regeln einzuhalten, erschien am 17. Oktober 2020.
Wie unsere Recherchen zeigen, stammt das Foto aber schon aus dem Jahr 2018. Über das Treffen in der Kneipe berichtete unter anderem die Kölnische Rundschau am 18. Oktober 2018. Damals gab es noch keine Corona-Pandemie und somit keine Abstandsregelungen oder eine Maskenpflicht.
Foto von Angela Merkel in überfüllter Kneipe entstand 2018
Eine Bilderrückwärtssuche nach dem Foto ergibt zahlreiche Treffer. So wurde es beispielsweise von der Welt in einem Artikel mit der Überschrift: „Es war super. Wir hatten Fritten und ein Bier“ verwendet, ebenfalls am 18. Oktober 2018. Demnach saß Angela Merkel gemeinsam mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dem belgischen Regierungschef Charles Michel, Luxemburgs Premier Xavier Bettel und Dänemarks Premier Lars Løkke Rasmussen zusammen. Anlass für das Zusammentreffen der Regierungschefs war der Europäische Rat.
Laut dem Terminkalender von Angela Merkel fand dieser am 17. und 18. Oktober 2018 in Brüssel statt.
Die Behauptung, die Kanzlerin habe sich in Brüssel nach dem Gipfel zum Brexit mit europäischen Regierungschefs in einer Gaststätte getroffen, ohne auf die Corona-Regeln zu achten, ist demnach falsch.
Die AFP hat zu einer ähnlichen Behauptung über dasselbe Foto ebenfalls einen Faktencheck veröffentlicht. Es kursierte demnach auch mit französischem und englischem Text.
Redigatur: Alice Echtermann, Uschi Jonas
Update, 30. Oktober: In der ersten Version des Artikels hatten wir fälschlicherweise Staatsoberhäupter statt Regierungschefs geschrieben. Das haben wir korrigiert.
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.

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