Faktencheck

Feuerwehrmann aus Oberbayern starb an einem Herzinfarkt, nicht an der Corona-Impfung

In den Sozialen Netzwerken kursiert eine Sprachnachricht, in der suggeriert wird, ein Feuerwehrmann sei aufgrund einer Corona-Impfung gestorben. Dies wolle man angeblich „unter den Tisch kehren“. Doch die Behauptungen sind falsch, der Mann starb an einem Herzinfarkt.

von Sarah Thust

Symolbild Feuerwehrmann
Ein Feuerwehrmann in Oberbayern ist laut Obduktion an einem Herzinfarkt bei bestehender Herzvorerkrankung gestorben. Während seine Kollegen trauern, verbreiten sich im Netz Gerüchte von einer Corona-Impfung, die der Mann erhalten haben soll. (Symbolbild: Rico Löb / Pixabay)
Behauptung
Es wird suggeriert, die Covid-19-Impfung sei der Grund für den Tod eines Feuerwehrmannes in Wasserburg.
Bewertung
Falsch. Der Feuerwehrmann ist laut Obduktion an einem Herzinfarkt bei bestehender Herzvorerkrankung gestorben.

Am 6. Januar 2021 bricht ein 59-jähriger Feuerwehrmann der Feuerwehr Attel-Reitmehring  bei einem Einsatz in Wasserburg (Bayern) zusammen und stirbt. Lokale Medien berichten darüber – und in den Sozialen Netzwerken verbreitet sich ein Gerücht: Es bestehe ein Zusammenhang mit einer Corona-Impfung, die der Mann kurz vor seinem Tod erhalten habe, wird suggeriert (zum Beispiel hier, hier, hier und hier). 

Dazu wird teilweise eine Sprachnachricht von einer Frau geteilt, die behauptet, den Feuerwehrmann über ein paar Ecken persönlich zu kennen. „Da hat mich gerade meine Schwester angerufen und hat mir erzählt, da wo sie mit ihrer Kleinen hingeht zum Reiten, die Reitlehrerin, der ihre Freundin, dessen Papa ist das von dem Artikel“, sagt sie. 

Der Link auf Facebook führt meist zu einer Sprachnachricht von einer unbekannten Frau. Sie suggeriert, dass der Feuerwehrmann an einer Corona-Impfung gestorben sei.
Der Link auf Facebook führt meist zu einer Sprachnachricht von einer unbekannten Frau. Sie suggeriert, dass der Feuerwehrmann an einer Corona-Impfung gestorben sei. (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Sie erzählt, der Feuerwehrmann habe sich „am Sonntag“ (3. Januar) gegen Covid-19 impfen lassen, und danach habe sich sein Zustand „täglich“ verschlechtert. Später sei er dann im Einsatz verstorben. „Und jetzt ist es so, dass die das unter den Tisch kehren wollen und nicht sagen wollen, dass […] er geimpft worden ist“, sagt die unbekannte Sprecherin. „Und die Frau von dem Mann, sie sagt: Hey Leute, bitte verbreitet es, lasst euch nicht impfen.“


Es wird also suggeriert, dass die Impfung zum Tod des Mannes geführt habe. Das ist nach Aussagen der Polizei und Angaben in Nachrufen jedoch falsch 

Der Verstorbene wurde drei Tage zuvor gegen Covid-19 geimpft, doch er starb an einer natürlichen Todesursache

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd schrieb uns per E-Mail, der Feuerwehrmann sei am 6. Januar 2021 während Aufräumarbeiten nach einem Verkehrsunfall bei Wasserburg zusammengebrochen. Trotz Reanimationsmaßnahmen sei er gestorben. Der Verstorbene war drei Tage zuvor gegen Covid-19 geimpft worden. Hierzu bestehe jedoch kein Zusammenhang. 

„Im Rahmen der durchgeführten Obduktion beim Institut für Rechtsmedizin wurde festgestellt, dass der Todeseintritt eindeutig auf eine innere Ursache, nämlich einen Herzinfarkt bei bestehender Herzvorerkrankung, zurückzuführen ist. Ein Zusammenhang mit der Impfung wurde geprüft und im Ergebnis rechtsmedizinisch eindeutig ausgeschlossen. Es liegt ein natürlicher Tod vor.“

Auszug aus der E-Mail eines Sprechers des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd
Auszug aus der E-Mail eines Sprechers des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd (Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Auch in einem Nachruf heißt es, der Feuerwehrmann sei an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben

Die Freiwillige Feuerwehr Wasserburg am Inn, die Feuerwehr Attel-Reitmehring und die Kreisfeuerwehrverband Rosenheim veröffentlichten im Internet Nachrufe zum Gedenken an den verstorbenen Kollegen. In der Mitteilung aus Rosenheim heißt es, er sei an den Folgen eines Herzinfarkts verstorben.

Ein Nachruf zum Gedenken an den verstorbenen Feuerwehrmann
Ein Nachruf zum Gedenken an den verstorbenen Feuerwehrmann (Quelle: Kreisfeuerwehrverband Rosenheim / Screenshot, Schwärzungen und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Am Ende der Sprachnachricht der Frau, die in Sozialen Netzwerken kursiert, wird behauptet, die Familie des Verstorbenen bitte um die Verbreitung der Geschichte. Seine Ehefrau wolle angeblich, dass die Nachricht verbreitet werde, dass man sich nicht impfen lassen sollte.

Die Faktencheck-Redaktion des Bayerischen Rundfunks hat jedoch nach eigenen Angaben bei der Familie nachgefragt, und die Behauptung ist demnach falsch. Die Familie wolle ausdrücklich nicht, dass solche Falschbehauptungen in ihrem Namen verbreitet werden.

Redigatur: Alice Echtermann, Steffen Kutzner

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