Faktencheck

„Bildung kommt von Bildschirm“: Nein, Sawsan Chebli hat diese Aussage nicht getroffen

In einem Facebook-Beitrag wird der SPD-Politikerin Sawsan Chebli ein falsches Zitat in den Mund gelegt. Die Aussage stammt offenbar von dem bereits verstorbenen Kabarettisten Dieter Hildebrandt.

von Till Eckert

Rede von UN-Generalsekretär Guterres vor dem Deutschen Bundestag in Berlin
Sawsan Chebli bei einer Rede des UN-Generalsekretärs Guterres im Dezember 2020 im Deutschen Bundestag. (Archivfoto: Christoph Hardt / dpa)
Behauptung
Die Politikerin Sawsan Chebli habe gesagt: „Bildung kommt von Bildschirm, nicht von Büchern. Sonst würde es ja Buchung heißen.“
Bewertung
Falsch. Sawsan Chebli hat diese Aussage nicht getroffen – sie stammt offenbar von dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt.

Hat die SPD-Politikerin Sawsan Chebli gesagt, „Bildung kommt von Bildschirm, nicht von Büchern. Sonst würde es ja Buchung heißen“? Das wird in einem Facebook-Beitrag vom 26. Januar suggeriert, in dem ein Foto von Chebli mit dem angeblichen Zitat zu sehen ist. Der Beitrag wurde bisher mehr als 790 Mal geteilt. 

In den Kommentaren zum Facebook-Beitrag fragen sich Nutzer: „Das hat sie nicht gesagt, oder?“ Andere verunglimpfen die Politikerin als „hohl“ oder „Lachnummer“.

Chebli hat diese Aussage jedoch nicht getroffen, wie eine Recherche von CORRECTIV.Faktencheck zeigt. Eine Suche im Google-News-Archiv sowie der Pressedatenbank Genios liefert keine Ergebnisse. Die Politikerin teilte uns telefonisch mit: „Ich habe das natürlich nie gesagt.“


Der Facebook-Beitrag, in dem Sawsan Chebli ein falsches Zitat zugeschrieben wird (Screenshot vom 27. Januar: CORRECTIV.Faktencheck)

Das Zitat stammt offenbar von dem 2013 verstorbenen Kabarettisten Dieter Hildebrandt, wie unter anderem in einem Artikel des Tagesspiegel, bei der Nordwest Zeitung sowie auf verschiedenen Webseiten zu lesen ist, auf denen Zitate gesammelt werden (zum Beispiel hier). Korrekt lautet Hildebrandts Zitat demnach: „Bildung kommt von Bildschirm, nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung.“

Politikerinnen werden häufig Opfer von Falschmeldungen – falsch zugeschriebene oder erfundene Zitate werden dabei eingesetzt, um Ablehnung oder Hass gegen sie zu schüren. CORRECTIV.Faktencheck hat zu diesem Thema kürzlich einen Hintergrund-Bericht veröffentlicht. 

Redigatur: Sarah Thust, Alice Echtermann

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