Faktencheck

Liste mit angeblich im Jahr 2020 geschlossenen Krankenhäusern führt in die Irre

In Sozialen Netzwerken kursiert eine Liste mit 20 Krankenhäusern, die im Jahr 2020 geschlossen worden sein sollen. Unsere Recherche zeigt jedoch, dass die Angaben fehlerhaft sind: Viele dieser Krankenhäuser wurden lediglich verlegt oder nur teilweise geschlossen.

von Steffen Kutzner

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Angeblich wurden im Jahr 2020 20 Krankenhäuser geschlossen (Symbolbild: Picture Alliance / NurPhoto / Mayank Makhija)
Behauptung
Eine Liste zeige 20 Krankenhäuser, die 2020 in Deutschland geschlossen worden sind.
Bewertung
Teilweise falsch
Über diese Bewertung
Teilweise falsch. Die Angaben sind fehlerhaft und es fehlt sämtlicher Kontext. Von den Krankenhäusern haben viele nicht vollständig geschlossen.

In den Sozialen Netzwerken kursiert eine Liste, mit 20 angeblich im Jahr 2020 geschlossenen Krankenhäusern. Wir haben alle Angaben überprüft: Die Daten darauf stimmen teilweise nicht und es fehlt wesentlicher Kontext. 

In der Liste, die als Sharepic verbreitet wird, werden nur Daten und Ortsangaben genannt. Es wird nicht erklärt, welche Art von Krankenhäusern gemeint sind. Es ist jedoch naheliegend anzunehmen, dass damit ganz normale Plankrankenhäuser gemeint sind. Das sind allgemeine Krankenhäuser, die Versorgungsverträge mit den Krankenkassen haben und in den sogenannten Krankenhausplänen der Bundesländer zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung vorgesehen sind. 

In Sozialen Netzwerken kursierende Übersicht über angeblich im Jahr 2020 geschlossene Krankenhäuser.
Liste mit 20 angeblich im Jahr 2020 geschlossenen Krankenhäusern (Quelle: Twitter / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Wie viele Krankenhäuser gibt es in Deutschland?

Wie viele Krankenhäuser es in Deutschland gibt, wird vom Statistischen Bundesamt festgehalten. Für das Jahr 2020 liegen jedoch noch keine Daten vor. Der aktuellste Bericht ist der von 2019. Dieser kann hier heruntergeladen werden („Grunddaten der Krankenhäuser“, PDF-Version). Dort ist auf Seite 16 aufgeschlüsselt, dass es 2019 in Deutschland insgesamt 1.914 Krankenhäuser gegeben habe. 


1.576 davon waren sogenannte allgemeine Krankenhäuser (im Unterschied zu Bundeswehrkrankenhäusern, Tages- und Nachtkliniken und psychiatrischen Kliniken), von denen wiederum alle bis auf 165 einen Versorgungsvertrag mit den Krankenkassen hatten. 

Keinen Versorgungsvertrag haben reine Privatkliniken, die weder über die private noch über die gesetzliche Krankenversicherung abrechnen dürfen, sondern sich ausschließlich an Selbstzahler richten, erklärte uns eine Sprecherin des Statistischen Bundesamtes per E-Mail. Hauptsächlich seien das Einrichtungen für plastische Chirurgie, die für die allgemeine Versorgung der Bürger „praktisch keine Rolle“ spielten, erläutert uns ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein am Telefon.

Bei einer Schließung ist auch entscheidend, ob es sich um eigenständige Krankenhäuser handelt, oder lediglich um sogenannte Standorte, also Außenstellen, in denen oft spezifische Abteilungen untergebracht sind. Schließt ein Standort, etwa eine Geburtsklinik, bedeutet das nicht, dass das ganze Krankenhaus geschlossen hätte. 

So erklärt uns etwa ein Sprecher des Sozialministeriums Baden-Württemberg, dass von den drei angeblichen Krankenhäusern auf der Liste lediglich eines ein eigenständiges Krankenhaus war. „Die anderen genannten Einrichtungen sind Betriebsstellen von einheitlichen Krankenhäusern mit mehreren Standorten und zählen somit nicht als eigenständige Krankenhäuser“, schrieb der Sprecher.

Angeblich geschlossene Krankenhäuser im Jahr 2020

Wir haben zu jedem Haus in der Liste recherchiert: Von den 20 Krankenhäusern auf dem Bild, das in den Sozialen Netzwerken verbreitet wird, wurden nicht alle geschlossen, manche wurden verlegt und andere teilweise geschlossen. Dort werden teilweise weiterhin Behandlungen angeboten oder Fachabteilungen wurden lediglich verlagert. 

1. Winterberg in Nordrhein-Westfalen

Hier handelt es sich vermutlich um das St.-Franziskus-Hospital, das jedoch nicht geschlossen wurde. Es hatte einem Medienbericht zufolge im letzten Jahr Finanzierungsprobleme, es sei jedoch ein Investor gefunden worden. Auf der Webseite findet sich kein Hinweis darauf, dass es geschlossen hätte und auch in der Krankenhausdatenbank Nordrhein-Westfalen ist das Haus gelistet. In einer Pressemitteilung von März 2021 wurde erklärt, dass das Krankenhaus insolvent sei. Laut eines Sprechers der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen wurde diese Insolvenz jedoch abgewendet; das Haus sei „quicklebendig“, schrieb er uns in einer E-Mail. Die Zahl der Intensivbetten in dem Haus wurde laut WDR erhöht. 

2. Schneeberg in Sachsen

Das Bergarbeiterkrankenhaus in Schneeberg im Erzgebirge war einem Medienbericht zufolge am 15. Januar 2020 wegen Ärztemangels geschlossen worden. Das Haus hatte etwa 95 Betten und wird in ein Ambulanzzentrum umgewandelt. Bisher ist die Schließung jedoch noch nicht offiziell erfolgt. Es handelte sich laut sächsischem Innenministerium außerdem nicht um ein eigenständiges Krankenhaus, sondern um einen Standort des Klinikums Chemnitz – und das hat weiterhin geöffnet. 

3. Parsberg in Bayern

Das Kreiskrankenhaus in Parsberg musste wegen Patienten- und Ärztemangel vorzeitig schließen. Dadurch entfallen 30 Betten, wie es in einem Medienbericht heißt. Wie uns ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft Bayern mitteilte, erfolgte die Schließung schon Ende 2019. In dem Medienbericht ist von Januar 2020 die Rede.

4. Riedlingen in Baden-Württemberg

Das Krankenhaus wurde laut eines Medienberichts zugunsten eines größeren Zentralkrankenhauses geschlossen. Im etwa 25 Kilometer entfernten Biberach entsteht der Neubau der Sana Kliniken, der im September 2021 den Betrieb aufnehmen soll. Der Landkreis erhält also für das kleine Krankenhaus in Riedlingen ein größeres. Das Krankenhaus in Riedlingen war zudem ebenfalls kein eigenständiges Krankenhaus, sondern lediglich ein Standort der Sana Kliniken Landkreis Biberach, wie uns eine Sprecherin der Krankenhausgesellschaft Baden-Württemberg per E-Mail erklärte.

5. Waldsassen in Bayern

Das Krankenhaus in Waldsassen von der Kliniken Nordoberpfalz AG war schon 2019 geschlossen worden. Das bestätigte auch der Sprecher Krankenhausgesellschaft Bayern. Übrig geblieben war eine orthopädische Reha-Station, deren Schließung im April 2020 bekanntgegeben wurde.

6. Vohenstrauß in Bayern

Dieselbe Trägerfirma wie in Waldsassen verkündete am gleichen Tag, dass auch das Krankenhaus in Vohenstrauß schließen würde. Wie uns das Gesundheitsministerium Bayern per E-Mail mitteilte, wurde der Betrieb zum 31. Juli „faktisch eingestellt“. Das Krankenhaus sei jedoch erst zum Jahresende aus dem Krankenhausplan Bayerns entfernt worden.

7. Wedel in Schleswig-Holstein

Das Krankenhaus in Wedel wird geschlossen, es war jedoch kein eigenständiges Krankenhaus, sondern ein kleiner Standort der Regio-Kliniken ohne Notaufnahme, in dem spezifische Abteilungen untergebracht waren. Die Abteilungen sind laut einem Medienbericht umgezogen. „Die Fachabteilung Geriatrie inkl. der Tagesklinik ist nach Elmshorn umgezogen, die palliativmedizinischen Leistungen werden nunmehr in Pinneberg erbracht“, schrieb uns Pressesprecherin Birga Berndsen. Gründe für den Umzug der Abteilungen sei die bessere Verkehrsanbindung, wodurch für Patienten und Mitarbeiter kürzere Fahrzeiten entstünden und die Bildung eines Lungenzentrums in der Gegend, so Berndsen. 

8. Bochum-Linden in Nordrhein-Westfalen

Das Helios St. Josefs Hospital in Bochum-Linden wurde nicht vollständig geschlossen, wie uns ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen per E-Mail mitteilte. Das psychiatrische Angebot bestehe weiterhin. St. Josefs hatte einem Medienbericht zufolge 159 Planbetten. Weil es im näheren Umkreis sehr viele Kliniken und Krankenhäuser gebe, sei ein Teil des Hauses geschlossen worden. Das ist auch der Webseite des Hauses zu entnehmen. 

9. Havelberg in Sachsen-Anhalt

Das Krankenhaus in Havelberg hat geschlossen; es war einem Medienbericht zufolge massiv unterbelegt. Im April 2020 sei zeitweise kein einziges der 37 Betten belegt gewesen. Laut des Berichts soll es zu einem Seniorenheim umgebaut werden. Laut einer Sprecherin des Sozialministeriums Sachsen-Anhalt gab es in Havelberg keine Intensivstation. 

10. Weingarten in Baden-Württemberg

Das Krankenhaus 14 Nothelfer in Weingarten war zunächst im März 2020 vorübergehend geräumt worden, weil das Personal an anderen Orten dringender benötigt wurde. Im September wurde es dann wegen Patientenmangels ganz geschlossen, wie aus einem Medienbericht hervorgeht. Das Krankenhaus hatte laut einer Sprecherin der Krankenhausgesellschaft Baden-Württemberg 166 Betten. Schon im Sommer 2019 wurden die „dort erbrachten Leistungen an die Klinik Tettnang und das Klinikum Friedrichshafen gegeben“, heißt es in einem Medienbericht, auf den die Sprecherin uns verwies. Auch dieses Krankenhaus fiel also nicht ersatzlos weg, sondern wurde teilweise verlagert.

11. St. Goar und Oberwesel in Rheinland-Pfalz

Zwei Loreley-Kliniken in St. Goar und Oberwesel wurden Ende September geschlossen, heißt es in einem Medienbericht. Die Entscheidung dafür war schon Ende 2019 gefallen. Laut einer Pressesprecherin der Caritas hatten die beiden Häuser zusammen 183 Betten. Eine Sprecherin des zuständigen Ministeriums schrieb uns: „Seit Oktober findet unter geänderter Trägerschaft ein teilstationärer Betrieb mit 72 tagesklinischen Plätzen statt. Es gibt dort somit weiterhin ein Krankenhaus.“

12. Fürth in Bayern

Die Schön-Klinik in Fürth schloss Ende Oktober, wie einem Medienbericht zu entnehmen ist. Das bestätigte auch eine Sprecherin des Trägers, Astrid Reining per E-Mail. Die Klinik mit 180 Betten sei auf „Orthopädie und Adipositas-Chirurgie spezialisiert“ gewesen und behandelte dementsprechend „nur ganz vereinzelt Covid-19-Patienten“, so Reining.

13. Essen-Altenessen in Nordrhein-Westfalen

Schon Ende 2018 war bekanntgegeben worden, dass das Marienhospital im Essener Stadtteil Altenessen abgerissen und neu aufgebaut werden sollte. Laut einer Sprecherin der Caritas hatte das Marienhospital etwa 300 Betten. Ob es wirklich einem Neubau mit 700 Betten weicht, wie es zunächst geplant war, ist laut einem Medienbericht unklar. Die Fachabteilungen des Krankenhauses sind in ein anderes Essener Haus umgezogen, heißt es auf der Webseite des Krankenhauses. Seit dem 1. Oktober 2020 ist das Krankenhaus, das ein Standort des Katholischen Klinikums Essen ist, geschlossen, bestätigte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums Nordrhein-Westfalen per E-Mail. Ob das Bettenkontingent einem anderen Haus zugeschlagen werde, stehe noch nicht fest.

14. Mannheim in Baden-Württemberg

Die Klinik St. Hedwig in Mannheim hat zum 20. Dezember 2020 geschlossen. St. Hedwig war jedoch kein Krankenhaus sondern eine Geburtsklinik, die in ein anderes Krankenhaus verlagert wurde, wie es auf der Webseite heißt. Es handelte sich bei der St.-Hedwig-Klinik laut eines Sprechers des Sozialministeriums Baden-Württemberg nicht um ein eigenständiges Krankenhaus, sondern lediglich um einen Standort des Mannheimer Theresienkrankenhauses.

15. Lehnin in Brandenburg

Schon Ende 2019 wurde verkündet, dass das Diakonissen-Krankenhaus in Lehnin zum Teil schließen würde, heißt es in einem Medienbericht. Nicht das ganze Krankenhaus schließe, die palliativmedizinische Abteilung bleibe erhalten und die Reha-Klinik werde aufgestockt. Das Krankenhaus mit 55 Betten wurde jedoch nicht 2020 geschlossen, sondern zum Jahresanfang 2021, wie die Ärztezeitung schrieb. Wie uns eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums Brandenburg per E-Mail mitteilte, wurde im Kalenderjahr 2020 kein Krankenhaus in Brandenburg geschlossen.

16. Essen-Stoppenberg in Nordrhein-Westfalen

Das St. Vincenz Krankenhaus im Essener Stadtteil Stoppenberg hat zum 1. Januar 2021 geschlossen, wie auf der Webseite des Betreibers zu lesen ist. Das bestätigte uns auch eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums per E-Mail. Geplant ist ein Neubau, der das St. Vincenz und das Marienhospital, das ebenfalls geschlossen wurde (siehe Nummer 13), ersetzt, wie es in einem Medienbericht heißt. Laut einem Sprecher der zuständigen Krankenhausgesellschaft wurden die Fachabteilungen des Krankenhauses in ein anderes Krankenhaus in Essen verlagert. Es handelt sich um einen Standort des Katholischen Klinikums Essen, wie uns die Sprecherin des Gesundheitsministeriums per E-Mail mitteilte. Ob das Bettenkontingent einem anderen Krankenhaus zugeschlagen werden soll, stehe noch nicht fest.

17. St. Tönis in Nordrhein-Westfalen

Das Alexianer Krankenhaus in St. Tönis, einem Stadtteil von Tönisvorst, wurde ebenfalls nur zum Teil geschlossen, wie einem Medienbericht zu entnehmen ist: „Die stationäre Reha-​Klinik für Geriatrie, das ambulante Medizinische Versorgungszentrum und die Pflegeeinrichtungen bleiben erhalten.“ Laut Bericht war die Notaufnahme schon 2018 geschlossen worden. Das Krankenhaus mit etwa 60 Betten wurde zudem nicht 2020 geschlossen, sondern erst 2021. Das bestätigte ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen per E-Mail.

18. Ingelheim in Rheinland-Pfalz

Das Krankenhaus Ingelheim mit 133 Planbetten ist wegen Insolvenz seit Jahresende 2020 geschlossen, wie es in einem Medienbericht heißt. Das bestätigte uns auch eine Sprecherin der Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz. Die Betten seien weggefallen. 

19. Ottweiler im Saarland

Eine Sprecherin der Krankenhausgesellschaft Saarland bestätigte uns die Schließung der Marienhausklinik. Der Versorgungsauftrag sei von einem anderen Krankenhaus übernommen worden, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums Saarland. Die Marienhausklinik in Ottweiler werde jedoch nicht vollständig geschlossen. So sollen dort weiterhin ambulante Operationen durchgeführt werden. Außerdem stünden 20 teilstationäre Betten zur Verfügung. So steht es auch in einem Medienbericht

20. Losheim im Saarland

Auch dieses Krankenhaus hat nicht vollständig geschlossen. Die vollstationäre Versorgung und somit die Notfallversorgung wurden zwar zum Jahresende 2020 eingestellt, wie es auf der Webseite des Krankenhauses heißt, die 25 Betten sollen aber laut einem Medienbericht künftig als Tagesklinik genutzt werden. Die Bettenkapazitäten sowohl des Krankenhauses in Losheim, als auch des Krankenhauses in Ottweiler (siehe Nummer 19) wurden laut einer Sprecherin der Krankenhausgesellschaft Saarland „größtenteils“ auf andere Krankenhäuser übertragen.

Krankenhausschließung bedeutet nicht zwingend Reduzierung der Betten in der Region

Durch eine Krankenhausschließung muss sich also nicht unbedingt die Zahl der verfügbaren Betten in der Gegend reduzieren, da Bettenkontingente ganz oder teilweise auf andere Krankenhäuser übertragen werden können, soweit das laut Krankenhausplan erforderlich ist. Das bestätigten uns mehrere angefragte Ministerien und Krankenhausgesellschaften. 

Krankenhausbetten sind zudem nicht unbedingt auch Intensivbetten. Während bundesweit die Zahl der Krankenhausbetten zwischen 1991 und 2018 um 25 Prozent gesunken ist, nahm die Zahl der Intensivbetten um 36 Prozent zu, berichtet das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung

Reduziert sich die Zahl der Krankenhäuser in Statistiken, liegt das häufig nicht daran, dass Krankenhäuser schließen, sondern daran, dass deren Träger fusionieren oder Krankenhäuser zusammengelegt werden. 

Schließungen besonders von kleinen Krankenhäusern seien nicht pauschal etwas Schlechtes, erklärt uns ein Sprecher des Sozialministeriums Baden-Württemberg per E-Mail: „Das Problem ist: Ein kleines Haus, dass nur zu 55 Prozent ausgelastet ist, hat trotzdem das Personal für eine volle Belegung. Diese Ärzte und Pflegekräfte fehlen schlicht anderswo, und die kleinen Häuser schreiben Verluste.“

Aus diesem Grund, so erklärten mehrere Sprecher und Sprecherinnen, gebe es eine Tendenz dazu, eher große Zentralkrankenhäuser zu schaffen und kleine Häuser durch Gesundheitszentren oder Ärztehäuser zu ersetzen. Diese nehmen dann eine Lotsenfunktion ein und schicken die Patienten, die nicht vor Ort behandelt werden könnten, in die spezialiserten Zentralkrankenhäuser. 

Fazit 

Nicht alle 20 aufgelisteten Krankenhäuser haben 2020 tatsächlich geschlossen. Einige Krankenhäuser sind lediglich umgezogen oder wurden mit anderen Häusern zusammengelegt. Auch ein Wechsel des Trägers oder andere organisatorische Umstrukturierungen können dazu führen, dass ein einzelnes Krankenhausgebäude oder ein Standort schließt, nicht jedoch das ganze Krankenhaus.

Es handelt sich auch nicht bei allen Einrichtungen um eigenständige Krankenhäuser, sondern oft um Standorte spezifischer Fachabteilungen. Solche Schließungen von Außenstellen oder Abteilungen, wie einer Geburtsklinik, haben nicht unbedingt einen Einfluss auf die Gesamtversorgung in einer Region, besonders nicht hinsichtlich der Covid-19-Pandemie.

Und zuletzt bedeutet eine Schließung eines Krankenhauses nicht zwangsläufig, dass sich die Versorgungskapazitäten oder die Bettenzahl reduziert. Dazu, wie viele Krankenhausbetten 2020 insgesamt weggefallen sind, gibt es aktuell keine Daten.

Redigatur: Alice Echtermann, Matthias Bau

Update, 30. April 2021: In einer früheren Version des Textes hieß es, der Abstand zwischen Biberach und Riedlingen betrage etwa zehn Kilometer. Ein Leser wies uns darauf hin, dass die Entfernung tatsächlich etwa 25 Kilometer beträgt. Wir haben die Zahl ersetzt.