Faktencheck

Chemtrails? Nein, diese Tanks sind lediglich Ballast für Testflüge von Flugzeugherstellern

Auf Facebook werden Fotos von Tanks an Bord von Flugzeugen als Beleg präsentiert, dass es sogenannte Chemtrails gäbe. Tatsächlich sind die Tanks aber einfach nur Ballast für Testflugzeuge großer Hersteller wie Airbus oder Boeing.

von Alice Echtermann

Angela Merkel auf der ILA
Eines der Fotos auf Facebook zeigt Angela Merkel in einem Flugzeug mit runden Tanks (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung
Fotos von Tanks im Inneren von Flugzeugen seien Belege für Chemtrails.
Bewertung
Falscher Kontext
Über diese Bewertung
Falscher Kontext. Die Fotos zeigen Ballasttanks für Testflüge. 

Auf Facebook verbreitete ein Nutzer am 18. April Fotos, die angeblich belegen sollen, dass es sogenannte Chemtrails gibt.  

Hinter dem Begriff Chemtrails steckt der seit Jahren bekannte Verschwörungsmythos, dass Kondensstreifen am Himmel, die durch Wasserdampf aus den Düsen von Flugzeugen verursacht werden, in Wahrheit Chemikalien seien. Diese würden angeblich versprüht, um das Klima zu beeinflussen. Das Umweltbundesamt hat sich bereits 2011 ausführlich dazu geäußert und erklärt, dass diese Behauptungen unglaubwürdig sind.

Die Fotos in dem Facebook-Beitrag belegen zudem nicht die Existenz von Chemtrails. Mehrere davon zeigen Tanks an Bord von Flugzeugen – diese enthalten aber keine Chemikalien zum Versprühen, sondern sind Ballast, um das Gewicht von Ladung oder Passagieren bei Testflügen zu simulieren.


Fotos zeigen Angela Merkel auf der ILA in Berlin 2014

Zwei der Fotos (hier und hier) zeigen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer Gruppe Personen im Inneren eines Flugzeugs, in dem viele runde Behälter stehen. 

Die Aufnahmen entstanden nach unseren Recherchen 2014 bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin, die Merkel eröffnete. Das Flugzeug ist den Informationen auf der Webseite der Bundesregierung zufolge ein neuer Airbus A350. 

Eines der Fotos von Angela Merkel bei der ILA 2014 auf der Webseite der Bundesregierung (Quelle: Bundeskanzlerin.de / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Weitere Fotos in dem Facebook-Beitrag (hier, hier, hier und hier) zeigen ganz ähnliche runde Tanks mit rotem Deckel. 

Eines der Fotos von den Tanks (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Tanks sind Ballast für Testflüge

Eines der Fotos fanden wir zum Beispiel auf der Webseite „Airliners“. Dort wird erklärt, dass es sich um Wassertanks handelt, um bei Testflügen das Gewicht von Passagieren oder Ladung zu ersetzen. Es gibt auch Medienberichte (hier und hier) darüber, dass der Flugzeughersteller Airbus Wassertanks als Gewichte einsetzt, um neue Flugzeuge zu testen. 

Fotos von Ballasttanks sind offenbar sehr beliebt in Chemtrail-Foren. Auf der Webseite „Chemtrail-Fragen“, die sich mit Fakes rund um den Verschwörungsmythos beschäftigt, findet sich eine große Sammlung solcher Fotos, die zweckentfremdet wurden, um die Existenz von Chemtrails zu beweisen. Auf der Webseite „Metabunk“ wird ebenfalls ausführlich erklärt, was es mit den Tanks auf sich hat. 

Die Behälter können unterschiedlich aussehen, erfüllen jedoch den gleichen Zweck. Bei einem weiteren Foto aus dem Facebook-Beitrag liefert „Chemtrail-Fragen“ zum Beispiel den Hinweis, dass es sich um einen Ballasttank in einer Boeing 787 handelt. 

Das Foto zeigt einen Ballasttank in einer Boeing 787 (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Ein weiteres Foto zeigt offenbar Ballasttanks in einer Boeing 747-8. 

Weitere Ballasttanks in einer Boeing 747-8 (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Ganz ähnliche Bilder finden sich in einem Medienbericht von Wired von 2010 über das damals neue Testflugzeug. Darin wird erklärt, dass die Tanks mit Wasser gefüllt seien. 

Auszug aus einem Artikel von „Wired“ von 2010 mit dem Titel „Take a Peek Inside the 747-8 Test Plane“ (Quelle: Wired / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Fazit: Die Tanks an Bord von Flugzeugen enthalten keine Chemikalien, um sie in der Atmosphäre zu versprühen. Sie sind Gewichte, mit denen Hersteller neue Flugzeuge testen, ohne gleich Passagiere an Bord zu nehmen. 

Die weiteren Fotos aus dem Facebook-Beitrag haben wir in Faktenchecks hier überprüft. 

Redigatur: Steffen Kutzner, Till Eckert





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