Faktencheck

Doch, gegen Covid-19 geimpfte Menschen dürfen Blut spenden

In Sozialen Netzwerken kursiert die Falschinformation, das Rote Kreuz in den USA erlaube Covid-19-Geimpften nicht mehr, Blut zu spenden, weil die Impfung angeblich die natürlichen Antikörper zerstöre. Das Rote Kreuz hat jedoch lediglich die Spenden von sogenanntem Rekonvaleszenz-Plasma eingestellt – und das hat nichts mit den Impfungen zu tun.

von Uschi Jonas

Wer sich gegen Covid-19 hat impfen lassen kann in der Regel direkt wieder Blut spenden (Symbolbild: Unsplash/ Nguyễn Hiệp)
Wer sich gegen Covid-19 hat impfen lassen kann in der Regel direkt wieder Blut spenden (Symbolbild: Unsplash/ Nguyễn Hiệp)
Behauptung
Das US-amerikanische Rote Kreuz habe Blutspenden von Menschen, die gegen Covid-19 geimpft sind, verboten, weil die Impfung die natürlichen Antikörper zerstöre.
Bewertung
Falsch. Blutspenden ist für Covid-19-Geimpfte weiterhin erlaubt, sowohl in den USA als auch in Deutschland.

Auf Facebook und Telegram kursiert die Behauptung, das US-amerikanische Rote Kreuz habe mitgeteilt, geimpfte Menschen dürften kein Blut spenden, da der Impfstoff ihre natürlichen Antikörper vollständig zerstört“. Als Quelle wird in einigen der Beiträge ein der Ausschnitt eines TV-Beitrags verlinkt. 

Die Behauptung ist falsch. Sowohl das Rote Kreuz in den USA als auch in Deutschland teilen mit, dass Covid-19-Geimpfte weiterhin Blut spenden dürfen.

Das amerikanische Rote Kreuz schreibt auf seiner Webseite, dass es sich bezüglich gegen Covid-19 geimpften Menschen, die Blut spenden, an die Richtlinien der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittelüberwachung (FDA) halte. Wenn Sie einen Covid-19-Impfstoff erhalten haben, müssen Sie den Namen des Herstellers angeben, wenn Sie zur Spende kommen. 


In den meisten Fällen gebe es keine Sperrfrist für Geimpfte, die Blut spenden wollen – sofern man sich zum Zeitpunkt der Spende gesund fühle und keine Symptome von Impfnebenwirkungen zeige, heißt es weiter. Eine Sperrfrist von zwei Wochen gebe es nur dann, wenn Spendenwillige nicht wissen, welche Art von Covid-19-Impfstoff sie erhalten haben, oder für Personen, die einen Lebendimpfstoff erhalten haben. Einen solchen Lebendimpfstoff gibt es jedoch aktuell nicht gegen Covid-19. 

Diese Hinweise zu Blutspenden hat die FDA in einer Mitteilung im Januar 2021 veröffentlicht.

Beiträge wie dieser kursieren auf Telegram und Facebook und verbreiten fälschlicherweise die Behauptung, das US-amerikanische Rote Kreuz habe Blutspenden von Covid-19-Geimpften untersagt (Quelle: Telegram / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Beiträge wie dieser kursieren auf Telegram und Facebook und verbreiten fälschlicherweise die Behauptung, das US-amerikanische Rote Kreuz habe Blutspenden von Covid-19-Geimpften untersagt (Quelle: Telegram / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Auch in Deutschland ist das Blutspenden für Covid-19-Geimpfte erlaubt

Diese Regeln gelten auch in Deutschland. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schreibt auf seiner Webseite: Nach einer Impfung mit den zugelassenen SARS-CoV-2-Impfstoffen ist keine Spenderrückstellung erforderlich. Bei Wohlbefinden können Sie am Folgetag der Impfung Blut spenden. 

Auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) schrieb in einer Mitteilung von März 2021, dass Blutspenden für Covid-19-Geimpfte ganz normal möglich seien.

„Eine Covid-19-Impfung hindert nicht am Spenden, egal ob Blut oder Plasma“, erklärt Patric Nohe, Sprecher des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes, im Telefongespräch mit CORRECTIV.Faktencheck. 

In dem geteilten Video geht es um Rekonvaleszenz-Plasma

Im Gegensatz zu den Behauptungen in Sozialen Netzwerken ging es in dem als Quelle geteilten TV-Beitrag nicht um Blut-, sondern um sogenannte Rekonvaleszenz-Plasma-Spenden. So sagt die Sprecherin in dem Beitrag: Das Rote Kreuz sagt, dass jeder, der einen Covid-19-Impfstoff erhalten hat, kein Konvaleszenz-Plasma spenden kann, um anderen Covid-19-Patienten in Krankenhäusern zu helfen.

Blutplasma ist der nicht-zelluläre Anteil des Blutes und besteht großteils aus Wasser und zu etwa zehn Prozent aus darin gelösten Substanzen wie zum Beispiel Elektrolyten, Nährstoffen, Plasmaproteinen oder Hormonen. Plasmaspenden bilden die Basis für viele Arzneimittel, zum Beispiel gegen Krebs- oder Autoimmunerkrankungen, oder auch zur Behandlung neurologischer Krankheiten und Wunden. 

Rekonvaleszenz-Plasma wird zur Behandlung für schwer erkrankte Covid-19-Patienten erprobt

Rekonvaleszenz ist der medizinische Fachbegriff für „Genesung“. Rekonvaleszenz-Plasma von Menschen, die Covid-19 hatten und genesen sind, enthält hohe Konzentrationen an Antikörpern gegen SARS-CoV-2. Dieses Blutplasma wird zur Behandlung schwer erkrankter Covid-19-Patienten erprobt, wie das Ärzteblatt berichtet. 

Das PEI listet die Behandlung mit dem Blutplasma Covid-19-Genesener als Therapiemöglichkeit auf und schreibt: „Um diese Therapie strukturiert zu prüfen und zu zugelassenen Arzneimitteln zu entwickeln, sind klinische Prüfungen zwingend erforderlich.

Das Informationsportal Blutspenden.de schreibt, dass konkrete Wirkungsnachweise aus aktuellen Studien aktuell noch nicht vorlägen. Bisherige Beobachtungsstudien und Fallserien würden allerdings erste Hinweise geben, dass eine Behandlung mit Blutplasma den Zustand schwer erkrankter Covid-19-Patienten verbessern könne. 

Aufgrund sinkender Nachfrage hat das US-amerikanische Rote Kreuz Spenden von Rekonvaleszenz-Plasma eingestellt

Zu Rekonvaleszenz-Plasma-Spenden schreibt eine Pressesprecherin des amerikanischen Roten Kreuzes auf Nachfrage von CORRECTIV.Faktencheck: Die Behauptung, dass das Rote Kreuz keine Spenden von Rekonvaleszenz-Plasma von Geimpften annehme, weil der Impfstoff die Antikörper zerstöre, sei falsch. 

Das National Institute of Health (NIH), eine Behörde des US-Gesundheitsministeriums, hatte Versuche mit Rekonvaleszenz-Plasma allerdings Anfang März 2021 gestoppt, nachdem die Behandlung zwar als sicher, aber wenig wirksam eingestuft wurde.

Daraufhin habe das US-amerikanische Rote Kreuz diese Spenden am 26. März eingestellt, erklärt uns die Pressesprecherin. Das habe aber nichts mit den Covid-19-Impfungen zu tun. Als Begründung nennt die Sprecherin stattdessen vor allem die sinkende Nachfrage. Nachzulesen ist das auch auf der Webseite des US-amerikanischen Roten Kreuzes. 

Das Rote Kreuz teste aber alle Blutspenden auf Covid-19-Antikörper, erklärt die Sprecherin: Plasma aus routinemäßigen Blut- und Thrombozytenspenden, die positiv auf hohe Antikörperspiegel getestet wurden und andere Anforderungen erfüllen, können als Rekonvaleszenz-Plasma verwendet werden, um den potenziellen zukünftigen Bedarf von Covid-19-Patienten zu decken. 

Dürfen Geimpfte Rekonvaleszenz-Plasma spenden?

Tatsächlich dürfen Menschen, die nur gegen Covid-19 geimpft wurden und die Krankheit selbst nicht hatten, in den USA kein Rekonvaleszenz-Plasma spenden. Das legt die Food and Drug Administration (FDA) so fest (PDF, Seite 6-7).

Auch das US-amerikanische Rote Kreuz verweist auf seiner Webseite auf diese Regel und erklärt: Damit soll sichergestellt werden, dass die von den Spendern gesammelten Antikörper in ausreichender Menge vorhanden sind, die in direktem Zusammenhang mit ihrer Immunantwort auf eine Covid-19-Infektion und nicht nur auf den Impfstoff stehen, da Antikörper aus einer Infektion und Antikörper aus einem Impfstoff nicht dieselben sind.

Es geht also nicht um eine Gefahr durch das Plasma der geimpften Menschen, sondern darum, dass ihre Antikörper für den Therapiezweck nicht ausreichen könnten.

Carsten Watzl, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der TU Dortmund, erklärt auf Nachfrage von CORRECTIV.Faktencheck per E-Mail, dass es tatsächlich Unterschiede zwischen dem Rekonvaleszenz-Plasma Genesener und Geimpfter geben könne: „Geimpfte haben häufig höhere Antikörperspiegel als Genesene. Dagegen richten sich aber die Impfantikörper alle gegen das Spike-Protein (weil dagegen ja geimpft wird), wogegen sich bei Genesenen auch andere Antikörper (z. B. Anti-Nukleokapsid-Antikörper) finden. Es gibt aber meines Wissens nach keinen Vergleich, welches Plasma besser wäre.“ Aktuell werde diesbezüglich lediglich nach der Menge der neutralisierenden Antikörper gefragt, und die sei bei Geimpften oft höher.

Impfungen zerstören nicht die natürlichen Antikörper

Es gibt zudem – anders als in den verbreiteten Beiträgen in Sozialen Netzwerken behauptet – keine Belege dafür, dass Covid-19-Impfungen „natürliche Antikörper zerstören“ würden. 

Immunologe Carsten Watzl erklärt: „Immunologisch versteht man unter ‚natürlichen Antikörpern‘ zum Beispiel die Antikörper gegen Blutgruppenantigene. Die gehen sicher nicht verloren.“ Generell sei die Behauptung, durch eine Impfung gingen Antikörper verloren, falsch: „Es kommen durch die Immunreaktion neue Antikörper dazu. Und da unterscheidet sich die Covid-19 Impfung in nichts von anderen Impfungen oder Infektionen.“ 

Ähnliche Gerüchte verbreiteten sich auch in den USA und wurden von den Faktencheckern von Reuters und USA Today ebenfalls als falsch eingestuft.

Redigatur: Alice Echtermann, Steffen Kutzner

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Hinweise des US-amerikanischen Roten Kreuzes zu Blutspenden Covid-19-Geimpfter: Link (Englisch)
  • Hinweise des Deutschen Roten Kreuzes zu Blutspenden Covid-19-Geimpfter: Link
  • Mitteilung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zum Thema Blutspenden und Covid-19-Impfung: Link
  • Artikel im Ärzteblatt zu Rekonvaleszenz-Plasma im Zusammenhang mit Covid-19: Link
  • Hinweise des PEI zu Rekonvaleszenz-Plasma im Zusammenhang mit Covid-19: Link




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