Ein auf Facebook kursierendes Foto, offensichtlich im Hochwassergebiet aufgenommen, zeigt ein vom Wasser freigespültes Rohr. Damit sei ein Bach unterirdisch umgeleitet worden, „falsch berechnet und gebaut“, wird im Beitragstext behauptet. Das sei die „wahre Ursache“ für die Katastrophe. Offenbar soll so ein Einfluss des Klimawandels auf das Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bestritten werden. Der Beitrag wurde bisher mehr als 3.200 Mal geteilt.
Wir haben das Landratsamt und die zuständige Stadtverwaltung kontaktiert. Die Stellen widersprechen der Behauptung: Es handele sich um einen normalen Abwasserkanal.
Stadt Erftstadt: Mit dem Rohr wird kein Bach umgeleitet
Über eine Google-Bilderrückwärtssuche stießen wir auf etliche Medienberichte, in denen das Foto verwendet wurde, so etwa in einem Liveblog des Westfälischen Anzeigers. Als Bildquelle wird die DPA und der Fotograf David Young angegeben. In der Bilderdatenbank Picture Alliance fanden wir damit das Originalfoto. Dieses wurde laut den Bilddaten am 16. Juli 2021 in Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen aufgenommen.

Wir fragten das Landratsamt und die Stadtverwaltung Erftstadt, um was für ein Rohr es sich konkret handelt und ob damit wirklich ein Bach unterirdisch umgeleitet wurde. Ein Sprecher der Pressestelle Erftstadt schrieb per E-Mail: „Diese Information ist grober Unfug. Das Rohr ist ein ganz normales Kanalrohr.“
Ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreis verwies außerdem auf eine Pressemitteilung mit Stellungnahme vom 21. Juli zum Thema: „Es handelt sich um einen Mischwasserkanal mit einem Durchmesser von 1,20 Metern. Er gehört zur städtischen Kanalisation und dient der Wasserableitung. […] Es handelt sich hier somit nicht um einen unterirdischen verrohrten Fluss.“
Diese Stellungnahme teilte die Stadt Erftstadt auch auf Facebook.
Redigatur: Steffen Kutzner, Tania Röttger
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Artikel wie diese sind nur möglich, weil wir unabhängig recherchieren können. Investigative Recherchen wie diese, die Sie gerade gelesen haben, kosten viel Zeit und Geld. Deshalb machen sie immer weniger. Eine gesellschaftlich relevante Recherche sollte allerdings nicht daran scheitern, dass sie aufwendiger wird als zunächst erwartet.
Falls Ihnen dieser Artikel gefallen hat: Recherchen und Artikel wie diesen können Sie unterstützen. Denn genau jetzt brauchen unabhängige Redaktionen Rückhalt. Spenden geben uns die Möglichkeit, zusätzliche und größere Recherchen anzugehen und unsere journalistische Arbeit langfristig abzusichern. Unabhängig davon, welches Thema morgen die Schlagzeilen bestimmt.
Seien Sie bei unserer aktuellen Spendenaktion dabei.
Unterstützen Sie unabhängige Recherchen und machen Sie weitere Artikel wie diesen möglich.
CORRECTIV im Postfach
Lesen Sie von Macht und Missbrauch. Aber auch von Menschen und Momenten, die zeigen, dass wir es als Gesellschaft besser können. Täglich im CORRECTIV Spotlight.
Mit der Anmeldung willigen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung ein.