Faktencheck

Keine Hinweise, dass Hochwasser-Spendengelder von „Aktion Lichtblicke“ in Wahlkampf von Armin Laschet fließen

Auf Facebook kursieren Falschinformationen über Armin Laschet und „Aktion Lichtblicke“. Es wird behauptet, der Verein habe 6,6 Millionen Euro Spendengelder für Betroffene des Hochwassers gesammelt – davon sei jedoch nichts bei diesen Menschen angekommen. Stattdessen werde das Geld für Laschets Wahlkampf aufgewendet. Diese Anschuldigungen sind falsch.

von Till Eckert

Verleihung 24. Erich-Kästner-Preis
Susanne und Armin Laschet bei der Preisverleihung des Erich-Kästner-Preises in Dresden. Aktuell wird aufgrund der Schirmherrschaft Susanne Laschets bei dem Verein „Lichtblicke“ suggeriert, Hochwasser-Spendengelder würden für Armin Laschets Wahlkampf aufgewendet. (Symbolbild: Robert Michael / DPA / Picture Alliance)
Behauptung
Der Verein „Aktion Lichtblicke“ habe 6,6 Millionen Euro Spendengelder für Hochwasser-Betroffene gesammelt, nichts davon habe diese jedoch erreicht. Stattdessen werde das Geld für Armin Laschets Wahlkampf verwendet.
Bewertung
Falsch. „Aktion Lichtblicke“ hat für Hochwasser-Betroffene rund vier Millionen Euro an Spenden gesammelt. Einige Menschen und Initiativen haben auch bereits Geld erhalten. Dafür, dass die Spenden für Armin Laschets Wahlkampf verwendet würden, gibt es keine Hinweise.

Die Meldung auf Facebook kommt mit einem konspirativen Unterton: Woher Armin Laschet wohl Millionen für den Wahlkampf habe, wird gefragt. Dann wird behauptet, der Verein „Aktion Lichtblicke“, der seit 1998 Familien in Not mit Spendengeldern unterstützt, habe bislang 6,6 Millionen Euro Spenden für die Betroffenen der Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erhalten – und nichts davon sei bislang bei den Menschen gelandet. „Rein zufällig“ sei Laschets Ehefrau Susanne Schirmherrin bei dem Verein. 

Suggeriert wird so, „Aktion Lichtblicke“ gebe die Spendengelder nicht den Hochwasser-Opfern, sondern finanziere stattdessen den Wahlkampf des CDU-Spitzenkandidaten Armin Laschet. Auf Facebook kursieren mehrere Beiträge mit diesem Text, sie wurden Hunderte Male geteilt (hier, hier oder hier). 

Wir haben mit Betroffenen des Hochwassers sowie Initiativen gesprochen, die bereits Geld von „Aktion Lichtblicke“ erhalten haben. Laut dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), einer unabhängigen Organisation, welche solche Spendenorganisationen prüft, gibt es zudem keine Hinweise darauf, dass der Verein Spendengelder für andere Zwecke verwendet. Es handelt sich demnach um eine Falschinformation.


„Aktion Lichtblicke“ dementiert Verbindung zu Armin Laschets Wahlkampf 

„Aktion Lichtblicke“ veröffentlichte bereits auf seiner Webseite eine Stellungnahme zu den Behauptungen und dementierte die angebliche Verbindung zu Armin Laschets Wahlkampf: „Bei dieser Meldung handelt es sich um jeglicher Wahrheit entbehrende Fake-News, die von bestimmten Gruppen in den Sozialen Medien böswillig gestreut werden. Wir distanzieren uns als Aktion Lichtblicke e. V. von den verbreiteten Unwahrheiten und widersprechen diesen auf das Schärfste.“ 

Der Verein agiere seit seiner Gründung vor über 23 Jahren „politisch völlig neutral und ist keiner Partei verpflichtet“. Es würden „in keiner Weise Parteien oder sonstige politische Organisationen“ finanziert. Der Verein mit Sitz in Nordrhein-Westfalen kooperiert mit Radio NRW und der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Schirmherrin der Organisation ist Susanne Laschet. 

Verein erhielt bislang rund vier Millionen Euro Spendengelder für Hochwasser-Betroffene

Wir haben „Aktion Lichtblicke“ mit der Behauptung konfrontiert. Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Ina Pfuhler, widersprach am 28. Juli per E-Mail. „Bei der Aktion Lichtblicke ist es seit Gründung der Spendenaktion vor 23 Jahren üblich, dass die Ehegatten/Ehegattinnen der jeweils in NRW amtierenden Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen die Schirmherrschaft angetragen bekommen. Ob sie sie annehmen, steht im eigenen Ermessen und hat nichts mit dem Parteibuch zu tun.“

Pfuhler schrieb uns weiter: „Bisher sind rund vier Millionen Euro an Spenden für die Geschädigten und mehrere hundert Anträge auf finanzielle Unterstützung eingegangen.“ Innerhalb von elf Tagen habe der Verein so viele Spenden erhalten wie sonst in einem ganzen Jahr. „Da erklärt es sich von selbst, dass die Verteilung der Spendengelder an die von der Flutkatastrophe betroffenen Familien aus organisatorischen Gründen eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt“, sagte Pfuhler. 

Die Spendenzahl auf der Webseite zeige die Spenden des Jahres 2021 insgesamt an. Aktuell sind dort rund 8,4 Millionen Euro verzeichnet (Stand 29. Juli). 

Die ersten Überweisungen „an hilfesuchende Familien sowie Kinderferien-Projekte in den betroffenen Gebieten in NRW“ wurden laut Pfuhler bereits getätigt. Eine Verbindung zu Armin Laschets Wahlkampf dementierte sie uns gegenüber noch einmal: „Es gibt keinerlei Verbindungen zwischen der Aktion Lichtblicke und dem Wahlkampf von Armin Laschet.“ 

Betroffene bestätigen den Eingang von Spendengeldern

Wir erhielten von „Aktion Lichtblicke“ die Kontaktdaten von Betroffenen, an die Geld überwiesen worden sei und die zustimmten, zum Thema befragt zu werden. 

Darunter ist der Radiomoderator Christian Terhoeven aus Bad Münstereifel, der für den WDR tätig ist – im Grunde also einer Konkurrenz des Senders Radio NRW, der mit „Lichtblicke“ kooperiert. Im Telefongespräch mit uns berichtete Terhoeven, eine junge Familie bei sich aufgenommen zu haben, die ihr Haus durch das Hochwasser verloren habe, und diese aktuell zu unterstützen. Die Familie sei derzeit zu aufgelöst, um sich um Organisatorisches zu kümmern. Er habe demnach auch Einsicht in ihr Konto und bestätigte gegenüber CORRECTIV.Faktencheck, dass bereits Spendengeld von „Aktion Lichtblicke“ eingegangen seien.

Wir haben zudem die Theaterschule Nettersheim kontaktiert, die von „Aktion Lichtblicke“ Geld für ein Ferienprojekt erhalten hat, „damit Kinder von betroffenen Familien ein bisschen Ablenkung von ihrem im Moment sehr stressigen und tristen Ferienalltag haben“. Die Leiterin, Heidrun Grohe, bestätigte den Eingang des Geldes uns gegenüber per E-Mail.

Auch Julia Schröder von der Caritas Hagen bestätigte uns per E-Mail den Eingang von Spendengeld von „Aktion Lichtblicke“.

DZI: Keine Hinweise darauf, dass Gelder für Wahlkampf aufgewendet würden

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das „Aktion Lichtblicke“ ein sogenanntes Spendensiegel bescheinigt, teilte uns mit, dass der Verein „Aktion Lichtblicke“ bisher nicht damit aufgefallen sei, Spendengelder für andere Zwecke aufzuwenden. Es lägen auch keine Hinweise vor, dass Geld für Armin Laschets Wahlkampf verwendet werde.

„Die Aktion Lichtblicke e.V. trägt seit 14 Jahren auf ihren freiwilligen Antrag hin ohne Unterbrechung und im Ergebnis der intensiven jährlichen Überprüfung durch das DZI das DZI Spenden-Siegel. Die Organisation erfüllt damit alle strengen Siegel-Standards, unter anderem hinsichtlich einer guten Organisationsführung (funktionierende Leitung und Aufsicht), hinsichtlich geordneter, transparenter Finanzen, hinsichtlich wahrhaftiger Werbe- und Informationsarbeit und insgesamt hinsichtlich eines transparenten Geschäftsgebarens,“ schrieb uns das DZI. 

Geschäftsführer des DZI, Burkhard Wilke, sagte uns außerdem noch einmal telefonisch, dass es normal sei, wenn Spendengelder nicht sofort überwiesen würden. Dahinter stecke ein erheblicher Organisationsaufwand, um Gelder an die bedürftigsten Stellen zu verteilen. 

Fazit: Der Verein „Aktion Lichtblicke“ erhielt bislang nicht 6,6 Millionen Euro an Spenden für Hochwasser-Betroffene, sondern rund vier Millionen. Anders als behauptet wurden bereits Gelder an Betroffene überwiesen. Dafür, dass vom Verein Geld für den Laschet-Wahlkampf aufgewendet würde, gibt es keine Hinweise.

Redigatur: Steffen Kutzner, Alice Echtermann





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