Faktencheck

Fehler auf Etikett: Deutsches Rind nicht in Bahrain geschlachtet

Online kursiert das abfotografierte Etikett einer Rindergulasch-Verpackung. Dort heißt es, das Tier sei in Deutschland aufgewachsen und in Bahrain geschlachtet worden, bevor es anschließend auf die bayerische Verkaufstheke kam. Doch die Angabe „Bahrain“ liegt an einem Fehler beim Etikettieren.

von Viktor Marinov

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Ein bayerisches Rind soll laut einem Etikett nach Bahrain zur Schlachtung transportiert worden sein, bevor es wieder im deutschen Supermarkt landete. Das stimmt nicht. (Symbolbild: Wolfgang Veeser / Picture Alliance / Imagebroker)
Behauptung
Ein Etikett auf einer Rindergulasch-Verpackung von der Supermarktkette Globus belege, dass das Rind in Deutschland großgezogen, aber in Bahrain geschlachtet und anschließend wieder in Deutschland verkauft worden sei.
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Größtenteils falsch. Auf dem Etikett steht zwar, dass das Rind in Bahrain geschlachtet worden sei. Laut Globus liegt das jedoch an einem Tippfehler beim Etikettieren, das Rind ist demnach in Bayern geschlachtet worden. Das deckt sich mit der auf dem Etikett angegebenen Kennzeichnung des Schlachtbetriebs. Der Betrieb bestätigt ebenfalls, er habe das Rind in Bayern geschlachtet.

Ein Foto von einem Supermarkt-Etikett für Rindergulasch regt online viele Menschen auf. Auf dem Aufkleber von der Supermarktkette Globus ist zu lesen, dass das Tier in Deutschland geboren und gemästet worden sei – geschlachtet worden sei es aber in Bahrain, einem Inselstaat im Persischen Golf. Danach landete es angeblich in einem bayerischen Supermarkt.

„So wird der Konsument heutzutage richtiggehend verarscht“, heißt es in einem Facebook-Beitrag dazu. Das sei „einfach nur krank“. Auch auf X und auf Tiktok teilen Nutzerinnen und Nutzer ihren Unmut – die Behauptung wurde allein auf X mehr als 190.000 Mal angezeigt. Doch sie ist falsch und beruht auf einem Tippfehler.

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Die falsche Behauptung über das angeblich in Bahrain geschlachtete Rind verbreitet sich unter anderem auf Facebook (Quelle: Facebook; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Supermarkt und Schlachthof bestätigen übereinstimmend: Rinder in Bayern geschlachtet

Einen ersten Hinweis auf den Fehler liefert das Etikett selbst. Denn dort steht zwar „Geschlachtet in: Bahrain“, doch die Kennzeichnung „BY 10504“ daneben widerspricht dem. Es handelt sich dabei um die Zulassungsnummer des Schlachtbetriebs. Auf der Webseite des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kann darüber der Produktionsbetrieb ermittelt werden. 

Die Nummer führt zu einem Schlachthof im bayerischen Waldkraiburg unter dem Dach der Vion Food Group. Der Globus-Supermarkt selbst befindet sich in Neutraubling, ebenfalls in Bayern, wie auf dem Etikett zu lesen ist.

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Auf der Webseite des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kann über die Zulassungsnummer der Produktionsbetrieb gefunden werden. Der liegt nicht in Bahrain, sondern in Bayern. (Quelle: BVL; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Auf Anfrage schreibt uns eine Pressesprecherin von Globus: „Beim händischen Etikettieren unseres ‚Rindergulasch geschnitten, vom Jungbullen‘ in unserer GLOBUS Markthalle in Neutraubling ist es am 09.02.2024 versehentlich und unbemerkt zu einem Fehler gekommen. Beim Vermerk ‚Bahrain‘ handelt es sich um einen Eingabefehler in die Etikettiermaschine, unsere Rinder werden in Bayern geschlachtet.“ 

Das bestätigt uns auch die Pressestelle der Vion Food Group: „Bei dem Etikett handelt es sich schlichtweg um einen Tippfehler.“ Die Jungbullen seien im Vion-Schlachthof in Waldkraiburg geschlachtet worden. 

Ein Export und ein anschließender Import von Rindern nach und aus Bahrain dürfte logistisch wenig Sinn ergeben: Der Inselstaat ist mehr als 5.000 Kilometer von Deutschland entfernt.

Redigatur: Paulina Thom, Kimberly Nicolaus