Bundestagswahl 2025

Tag nach der Bundestagswahl: DPA-Meldung über Vergabe des Innenministeriums ist erfunden

Einen Tag nach der Bundestagswahl berichtet das rechtspopulistische Internetportal Nius, der CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz überlasse das Innenministerium der SPD. Nius bezieht sich dabei auf eine Meldung der Nachrichtenagentur DPA, doch die hat es nie gegeben.

von Kimberly Nicolaus

dpa-nachrichtenagentur-fake-meldung-friedrich-merz-bundestagswahl-vergabe-innenministerium-spd
Das Bürogebäude der Deutschen Presse-Agentur in Friedrichshain-Kreuzberg, Berlin (Foto: Schoening / Imagebroker / Picture Alliance)
Behauptung
Die Nachrichtenagentur DPA habe am 24. Februar 2025 berichtet, dass Friedrich Merz der SPD das Innenministerium überlassen wolle.
Bewertung
Falsch. Eine solche DPA-Meldung gibt und gab es nicht. CDU-Chef Friedrich Merz sowie das rechtskonservative Magazin Junge Freiheit, das zuvor die Behauptung in seiner Berichterstattung aufgriff, bezeichnen die DPA-Meldung als „gefälscht“. Ein DPA-Nachrichtenchef dementiert, dass die Nachrichtenagentur eine solche Meldung veröffentlicht hat. Nius löschte seine Nachricht zu der gefälschten Meldung.

Das rechtspopulistische Internetportal Nius von Ex-Bild-Chef Julian Reichelt veröffentlichte am Tag nach der Bundestagswahl die Nachricht, CDU-Chef Friedrich Merz habe bei einer Präsidiumssitzung festgelegt, das Innenministerium der SPD zu überlassen. Das habe zuvor die Nachrichtenagentur DPA berichtet.

Dass es diese Nius-Meldung gab, obwohl sie inzwischen nicht mehr abrufbar ist, belegen mehrere Screenshots in Sozialen Netzwerken. Darunter eine archivierte Version des Nius-Beitrags auf Facebook sowie ein weiterer Facebook-Beitrag, der eine entsprechende Link-Vorschau zur Nius-Webseite zeigt. Andere Beiträge in Sozialen Netzwerken verbreiten die angebliche Nachricht weiter.

Die DPA-Meldung, die Nius als Quelle für seine Berichterstattung nutzt, ist jedoch erfunden.

Einer der Facebook-Beiträge, die zu der erfundenen Nachricht auf der Nius-Webseite verlinken (Quelle: Facebook; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)
Einer der Facebook-Beiträge, die zu der erfundenen Nachricht auf der Nius-Webseite verlinken (Quelle: Facebook; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

DPA-Nachrichtenchef dementiert, Meldung über Vergabe des Innenministeriums veröffentlicht zu haben

Froben Homburger, einer der Nachrichtenchefs der DPA, dementierte auf X: Die DPA habe keine solche Meldung veröffentlicht.

Froben Homburger, Nachrichtenchef bei der DPA, wies die Berichte über die DPA-Meldung als falsch zurück (Quelle: X; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Froben Homburger, Nachrichtenchef bei der DPA, wies die Berichte über die DPA-Meldung als falsch zurück (Quelle: X; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Zudem sprach Friedrich Merz bei einer Pressekonferenz am Tag nach der Bundestagswahl von einer „gefälschten Nachricht“ im Namen der DPA, in der es heißt: „Wir hätten angeblich über die Verteilung der Ressorts gesprochen.“ Diese angebliche Meldung geistere durch Soziale Netzwerke mit dem Zeitstempel 24. Februar 2025, 9:17 Uhr, so Merz weiter. Er stellt klar: „Wir haben kein einziges Wort über Personal verloren, weil das zum jetzigen Zeitpunkt einfach noch zu früh ist.“

Wäre eine DPA-Meldung über die angebliche Entscheidung des CDU-Chefs Friedrich Merz veröffentlicht worden, hätten viele Medienhäuser die Meldung übernommen und darüber berichtet. Davon ist auszugehen, weil Entscheidungen über die Verantwortlichkeiten von Ministerposten von öffentlichem Interesse sind. Mehrere Stichwortsuchen zeigen jedoch, dass es dazu keine Medienberichte gab.

Junge Freiheit entschuldigt sich für Veröffentlichung und bezeichnet DPA-Meldung als „gefälscht“

Auf Nachfrage, woher die angebliche DPA-Meldung stammt, antwortete uns Nius: „Die Meldung entstammt einer Whatsapp-Gruppe der CDU und wurde von der CDU selbst verbreitet.“ Darauf entgegnet CDU-Pressesprecher Armin Peter: „Wir äußern uns dazu nicht, denn uns ist nicht bekannt, auf welche Whatsapp-Gruppe hier Bezug genommen wird. Offizielle Accounts der CDU Deutschlands haben die gefälschte Meldung aber mit Sicherheit nirgendwo verbreitet.“

Weiter schreibt Nius, dass telefonisch bei der DPA niemand erreichbar gewesen sei, weshalb Nius die Meldung bereits nach wenigen Minuten aus dem Live-Ticker entfernt habe.

Auch das rechtskonservative Magazin Junge Freiheit veröffentlichte die von Nius verbreitete angebliche DPA-Meldung, doch bezeichnet sie inzwischen als „gefälscht“. Die Junge Freiheit entschuldigte sich in einer Richtigstellung bei seinen Leserinnen und Lesern: „Unser Versäumnis war es, nicht in die Gegenrecherche gegangen zu sein und zu überprüfen, ob das stimmen kann.“ 

Alle Faktenchecks rund um die Bundestagswahl 2025 lesen Sie hier.

Redigatur: Steffen Kutzner, Matthias Bau