Auf Instagram und Tiktok kursieren dutzende Videos, die angeblich zeigen, wie Street Food in Indien zubereitet werde. Häufig halten die vermeintlichen Köche ihre Füße in die Kochtöpfe, treten auf das Essen, oder reiben es sich in die Achselhöhlen. Es kursiert auch eine vermeintliche Anleitung im Netz, wie solche Videos mit Hilfe von Befehlen („Prompts“) erstellt werden können. Die KI-Videos verbreiten sich international und erreichen teils Millionen Aufrufe.
Schon 2024 berichtete Funk über den „Trend“, der damals etwa auf Parodien oder Schauspieler setzte. Rund ein Jahr später berichtete die indische Faktencheck-Organisation D-FRAC, dass im Zuge des „Trends“ auch KI-Videos genutzt werden, um Inder herabzuwürdigen. Wir erklären anhand von zwei viralen Beispielen, woran sich die KI-Videos als solche erkennen lassen.
Videos von unhygienischem Essen in Indien sind KI-generiert
Eines der Videos soll beispielsweise zeigen, wie ein Mann seinen Fuß in eine kochende Suppe hält. Allein diese Szene weist bereits einen Logikfehler auf, denn es ist eher ungewöhnlich, dass der Mann dabei keine Schmerzen zeigt.
Im Hintergrund sind zudem mehrere Personen sichtbar, die dem Mann beim Kochen zusehen. Ein Junge, der auf dem Arm einer Frau sitzt, sieht zunächst so aus, als hätte er einen Armstumpf, doch plötzlich wächst daraus eine Hand. Solche sogenannten „Glitches“ sind typische Anzeichen dafür, dass ein Video mittels KI generiert wurde.

Der mutmaßliche Erstverbreiter hat mit dem Video über 11 Millionen Aufrufe erzielt. Auf seinen Profilen in Sozialen Netzwerken finden sich dutzende weitere solcher Videos. Sie sind als KI-generiert gekennzeichnet. Sein Nutzername auf Youtube suggeriert, die Videos zeigten indisches Essen. Auf Nachfrage schreibt er uns, die Videos seien kein Abbild der Realität, sondern zu „Unterhaltungszwecken“ gedacht.
Ein anderer Instagram-Nutzer, der mit dem Video über 300.000 Aufrufe erzielte, titelte dazu „Original indische Käsesoße“. Dass das Video KI-generiert ist, habe er nicht gewusst, schreibt er uns und hat das KI-Label nachträglich ergänzt.
Verformte Finger sind typisches Merkmal für Bearbeitung mit Künstliche Intelligenz
Ein weiteres KI-Video, das auf Deutsch über 300.000 Aufrufe bei Tiktok erreichte, zeigt verschiedene Szenen. So ist zu Beginn angeblich ein Fuß sichtbar, der eine „indische Fleisch-Frikadelle“, wie es im Video heißt, platt drückt. Ungewöhnlich ist, dass der Fuß nur vier Zehen hat und dass die Ferse an einer Stelle mit der Frikadelle scheinbar verschmilzt. In den anderen Szenen sind meist Fehler an den Händen sichtbar. Zum Beispiel hat eine Person mehr als fünf Finger an einer Hand oder die Finger sind unnatürlich verformt.

Das Video enthält keinen KI-Hinweis. Damit verstößt es gegen Tiktoks Community-Richtlinien, die vorschreiben, dass „KI-generierte oder erheblich bearbeitete Inhalte, die realistisch wirkende Szenen oder Personen zeigen“, gekennzeichnet werden müssen. Auf unsere Anfrage dazu reagierte der Verbreiter nicht.
Redigatur: Steffen Kutzner, Sarah Thust
Kein Bock mehr? Lass uns machen. Nachrichten können gerade das Gefühl vermitteln, dass ohnehin nichts mehr zu ändern ist. Doch Aufgeben hilft denen, die davon profitieren, wenn niemand mehr hinschaut, nachfragt oder widerspricht.
Wir bei CORRECTIV glauben an etwas anderes: Veränderung durch Aufklärung.
Deshalb recherchieren wir. Wir decken Missstände auf, prüfen Behauptungen, machen Netzwerke sichtbar und veröffentlichen, was andere lieber verborgen halten würden. Nicht, weil eine einzelne Recherche die Welt rettet. Sondern weil Veränderung damit beginnt, dass Menschen wissen, was passiert.
Weil aus Wissen Handlung entstehen kann.
CORRECTIV gehört weder Investoren noch Konzernen. Wir arbeiten gemeinwohlorientiert und finanzieren unsere Recherchen durch Spenden. Recherchen wie diese hier gibt es nur durch Menschen, die unabhängigen Journalismus möglich machen.
Wenn Sie nach diesem Artikel denken: Davon brauchen wir mehr – dann helfen Sie uns.
Ihre Spende ermöglicht unseren Journalistinnen und Journalisten, weiter zu recherchieren, nachzufragen und dranzubleiben – auch wenn eine Recherche Monate dauert, mächtige Interessen berührt oder unbequem wird.
Wir können nicht vorhersagen, was als Nächstes passiert. Aber wir können dafür sorgen, dass Menschen informiert sind, wenn es darauf ankommt.
Lassen Sie uns machen. Gemeinsam.

CORRECTIV im Postfach
Lesen Sie von Macht und Missbrauch. Aber auch von Menschen und Momenten, die zeigen, dass wir es als Gesellschaft besser können. Täglich im CORRECTIV Spotlight.
Mit der Anmeldung willigen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung ein.