Klima

Meeresspiegel steigt auch in Sydney – Fotovergleich sagt nichts aus

Fotovergleiche von Stränden werden immer wieder herangezogen, um den Anstieg des Meeresspiegels infrage zu stellen. Doch die Datenlage ist klar, der Meeresspiegel steigt – auch in Sydney.

von Sara Pichireddu

Bondi Beach Summer Heat in Sydney, Australia - 25 Jan 2026
Bondi Beach ist ein beliebter Strand in Sydney, Australien (Symbolbild: Ye Myo Khant / Zumapress / Picture Alliance)
Behauptung
Vom Meeresspiegel-Anstieg sei auf Fotos vom „Big Rock“ am Bondi Beach in Sydney nichts zu sehen. Aus den Pegelmessdaten ergebe sich allenfalls ein Anstieg von 60 Millimetern zwischen 1912 und 2026.
Bewertung
Falsch. Fotovergleiche sind nicht geeignet, um einen Anstieg des Meeresspiegels zu be- oder widerlegen. Messdaten belegen, dass der Meeresspiegel in Sydney zwischen 1915 und 2024 um etwa 80 Millimeter gestiegen ist – vergleichbare Daten für die Jahre zuvor liegen nicht vor.

Aus der Reihe „Meeresspiegel Anstieg den man nirgendwo sieht“ seien die beiden Bilder in seinem Beitrag, schreibt ein deutschsprachiger Nutzer auf Facebook Ende Februar 2026. Zu sehen auf den Bildern, beschriftet mit den Jahreszahlen 1912 und 2026, ist der sogenannte Big Rock am Bondi Beach in der australischen Großstadt Sydney. Auf den ersten Blick ist der Wasserstand auf beiden Bildern sehr ähnlich. Ein Beweis, dass der Anstieg des Meeresspiegels harmlos ist, ist das jedoch nicht.

In dem Facebook-Beitrag werden die Bilder von Big Rock sowie Screenshots der Meeresspiegel-Messdaten aus Sydney geteilt, jedoch falsch wiedergegeben (Quelle: Facebook; Fotos: J. W. Tremain / Journal and proceedings of the Royal Society of New South Wales (Ausgabe XLVI, 1912), Craig Kelly / X, National Oceanography Centre; Screenshots und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

Bereits im Januar 2026 kursierten Bilder eines australischen Strandabschnittes, die die selbe Behauptung belegen sollten. Schon damals konnten wir zeigen, dass sie falsch ist. Auch Aufnahmen aus Rio de Janeiro in Brasilien, New York in den USA und der deutschen Insel Rügen mussten bereits für solche Behauptungen herhalten.

Meeresspiegel bei Sydney seit 1915 um etwa acht Zentimeter gestiegen

Der deutsche Facebook-Beitrag mit der „Big Rock“-Collage wurde am 27. Februar in einer Facebook-Gruppe namens „Fakten gegen Klimahysterie“ veröffentlicht – er allein wurde mehr als 1.800 Mal geteilt.

Der Nutzer ist nicht der erste, der den Bildvergleich teilt, er ergänzt jedoch auch Messwerte des National Oceanography Centre, also des Ozeanografischen Zentrums Australiens, das an verschiedenen Messstellen in Sydney den Meeresspiegel überwacht. Da es am Strand Bondi Beach  keine Messstation gibt, sind  im Facebook-Beitrag Daten von der Messstation „Port Denison 2“ im Hafen der Stadt zu sehen.

Ein Liniendiagram des durchschnittlichen Meeresspiegels pro Jahrr in Sydney
Abgebildet ist der durchschnittliche Meeresspiegel pro Jahr an der Messstelle „Port Denison 2“ (Quelle: National Oceanography Centre; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Der Facebook-Nutzer schreibt dazu, der Pegelstand sei im Schnitt „lediglich“ um „nur“ 60 Millimeter zwischen 1912 und 2026 gestiegen. Das ist falsch.

Die Messdatenreihe startet erst im Jahr 1915 mit einem Pegelstand von 7.011 Millimeter (einem außergewöhnlich hohen Wert im Vergleich zu den nachfolgenden Jahren, wie in der Grafik zu erkennen ist) und endet 2024 mit einem Pegelstand von 7.091 Millimeter, also einem Unterschied von 80 Milimetern (umgerechnet acht Zentimeter).

Auch das australische Bureau of Meteorology hat Daten zum Meeresspiegel, die das Royal Melbourne Institute of Technology für einen Faktencheck auswertete. Sie zeigen für den Hafen von Sydney einen Meeresspiegelanstieg von acht Zentimetern zwischen 1914 und 2019. Eine Auswertung der Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten bestätigt diese Zahlen. Sie zeigt einen Anstieg des Meeresspiegels aktuell um etwa 0,8 Millimeter pro Jahr im Hafen von Sydney.

Das ist laut einem Bericht der Europäischen Umweltagentur weniger als der globale Anstieg, der von 1900 bis 2020 bei durchschnittlich 1,7 Millimetern pro Jahr lag – insgesamt bei 21 Zentimetern. Zu ähnlichen Zahlen kam auch der Weltklimarat im Jahr 2023 (PDF, Seite 12).

Seit den 1990er-Jahren steigt der Meeresspiegel laut den Daten schneller an, Hauptursache ist laut der Europäischen Umweltagentur der Einfluss des Menschen. Der globale Meeresspiegel-Anstieg als Folge des Klimawandels gilt mittlerweile als wissenschaftlich gesichert.

Gezeiten und Klimawandel wirken sich auf den Meeresspiegel aus

Verfolgt man die Bildcollage vom „Big Rock“ mit einer Bilder-Rückwärtssuche zurück, gelangt man zu einem X-Profil im Namen des australischen Politikers Craig Kelly. Das X-Profil hatte den Bildvergleich am 24. Februar 2026 geteilt – es bedankte sich bei „den beiden jungen Männern“, die ihm bei dem aktuellen Foto angeblich geholfen hätten. Darüber zu sehen: eines der ältesten Bilder vom „Big Rock“, das im Jahr 1912 in einem wissenschaftlichen Magazin veröffentlicht wurde.

Einmal online, verbreiten sich solche Bildvergleiche oft über einen langen Zeitraum. So auch im aktuellen Fall: Etliche englische Profile teilen die „Big Rock“-Collage aktuell weiter.

So ein Bildvergleich lässt jedoch stets außer Acht, dass der Meeresspiegel über das Jahr hinweg und auch an einem Tag stark schwanken kann, etwa durch Gezeiten. Deswegen sind solche Fotovergleiche nicht sinnvoll. Im Fall von Sydney zeigen mehrere Webseiten, dass der Unterschied zwischen Ebbe und Flut dort an einem Tag mehr als einen Meter betragen kann.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von CORRECTIV.Faktencheck (@correctiv_faktencheck)

CORRECTIV beschäftigte sich bereits 2019 umfangreich mit dem Anstieg des Meeresspiegels. Alle Artikel der Serie „steigende Meere“ finden Sie hier.

Redigatur: Steffen Kutzner, Sarah Thust

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Meeresspiegeldaten für Sydney, Port Denison 2, National Oceanography Center, Stand 28. Mai 2026: Link (Englisch, archiviert)