Szene von in Einkaufswagen „eingesperrten“ Polizisten war gespielt
Ein Video sorgt international für Empörung. Angeblich hätten Schüler einen Polizisten in einen Einkaufswagen eingesperrt. Die Aufnahmen aus England sind jedoch nicht echt. Dahinter steckt wohl ein bekannter Prankster.
„Respektlos“, das ist einer von vielen Kommentaren unter einem Video, das angeblich zeigt, wie ein Polizist von Schülern in einen Einkaufswagen gesperrt wurde und erst frei kam, als ein Außenstehender eingriff. Sichtlich aufgelöst steigt der vermeintliche Beamte dann in sein Polizeiauto und fährt vom Parkplatz.
Das Video geht international viral. Auf Tiktok erreichten Beiträge, die teilweise auch die „Befreiung“ zeigen, millionenfache Aufrufe. Teils steht „USA news“ im Titel. Die Aufmachung soll wohl einen Nachrichtenbeitrag vortäuschen. Auf Deutsch finden sich Beiträge auf Facebook, Youtube und Tiktok, teils mit dem Zusatz „Eilmeldung“.
Das Video zeigt jedoch keinen echten Vorfall. Wie das herauszufinden ist, erklären wir im Faktencheck.

Hinter dem Video steckt ein britischer Witzbold
Der früheste Beitrag, den wir auf Tiktok finden können, stammt vom 9. April. Schon der Titel im Video macht stutzig: In der Beschreibung steht der Zusatz „Final“. Auf dem Account finden wir weitere Ausschnitte der Szene mit dem Zusatz „Part 2“, also Teil 2. Stutzig macht auch, dass auf dem Account viele weitere ähnliche Videos über angebliche Polizeivorfälle mit Beschriftungen wie „Teil 1 von 5“ zu sehen sind.
Hinter dem Account steckt Daniel Jarvis, ein bekannter Internet-Prankster aus Großbritannien, bekannt unter dem Namen „Jarvo 69“. Das Video veröffentlichte er auch auf Facebook. Jarvis hat in den vergangenen Jahren immer wieder aufsehenerregende Streiche bei Sportveranstaltungen veranstaltet. Zum Beispiel reihte er sich bei einem Rugbyspiel auf dem Spielfeld neben der australischen Mannschaft ein.
Video entstand vor einem Supermarkt im Süden Englands
Dass das Video nicht in Deutschland entstanden ist, lässt sich durch Details nachvollziehen: Auf dem angeblichen Polizeiauto, das neben dem Einkaufswagen geparkt ist, steht „Police“, auf Schildern im Hintergrund lassen sich die Worte „parking“ oder „Hand Car Wash“ erkennen. Und ein Schild mit dem Wort „Asda“ – das ist eine britische Supermarktkette.
Aus einem Artikel einer Lokalzeitung aus Kent geht hervor, dass Jarvis aus Gravesend, im Süden Englands, stammt. Mit diesem Hinweis können wir den Aufnahmeort des Videos finden: Auf dem Parkplatz eines Asda vor Ort.
Über Bilder auf Google Street View von 2022 lässt sich der Aufnahmeort mit Ausschnitten aus dem Video abgleichen, etwa durch die Waschanlage (grüne Markierung), das McDonalds-Schild, sowie weiße Schild darunter (rote Markierung) und das grüne Parkschild (gelbe Markierung). Sie alle tauchen im Video auf.

Polizeiauto im Video trägt das Logo einer fiktiven britischen Krimiserie
Gravesend fällt in die Verantwortung der Polizei Kent. Auf Nachfrage heißt es, es handle sich um keinen ihrer Polizisten. Auch sonst habe es keinen Vorfall gegeben, bei dem Polizisten in einen Einkaufswagen gesperrt worden seien.
Ein genauerer Blick auf das Polizeiauto macht ebenfalls deutlich, dass es sich nicht um einen echten Einsatzwagen handelt. Beim Wegfahren ist ein Logo zu erkennen: „Northumberland and City Police“. Doch das ist keine echte Polizeibehörde, und nicht zu verwechseln mit der Northumbria Police im Norden Englands – Gravesend liegt im Süden.
Das Logo gehört zu der fiktionalen britischen Serie „Vera“, benannt nach ihrer Hauptkommissarin, die bei der fiktiven Northumberland & City Police arbeitet. In einem Fanforum finden sich mehrere Fotos vom Polizeilogo zum Abgleich.

Die Serie wurde von dem britischen Sender ITV produziert und ist mittlerweile eingestellt.
Laut dem Artikel von Kent Online wurde Daniel Jarvis Ende April für seinen Stunt während des Rugbyspiels zu 15 Monaten Haft verurteilt. Demnach hatte er für den Zugang zum Rugby-Stadion einen falschen Ausweis genutzt. Auf eine Anfrage reagierte Jarvis nicht.
Redigatur: Steffen Kutzner, Max Bernhard
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