Russland/Ukraine

US-Botschaft in Kiew wurde nicht evakuiert – Grok und Community Notes liegen bei KI-Fake falsch

Ein Bild soll zeigen, wie Mitarbeiter im Mai 2026 die US-Botschaft in Kiew evakuieren. Elon Musks KI-Programm Grok hält das Bild für authentisch. Aber es ist mit KI generiert.

von Max Bernhard

Rally for extradition of businessman Ihor Kolomoiskyi to US in Kyiv
Ein Foto von 2020 zeigt die US-Botschaft in Kiew – Ende Mai 2026 verbreitet sich ein angebliches Bild einer Evakuation (Archivfoto: Photoshot / Picture Alliance)
Behauptung
Die US-Botschaft in Kiew sei im Mai 2026 evakuiert worden. Das belege ein Bild.
Bewertung
Falsch. Das Bild ist nicht echt, es wurde mit Künstlicher Intelligenz generiert. Die US-Botschaft dementierte die Behauptung und es finden sich keine Medienberichte zu der angeblichen Evakuierung.

Am 25. Mai warnte das russische Außenministerium vor geplanten Raketenangriffen auf die Ukraine und riet der USA und anderen Ländern zur Evakuierung ihrer Botschaften und Vertretungen. „Die US-Botschaft in Kiew evakuiert seit einer halben Stunde ihr Personal!“ oder „Die Amerikaner ziehen aus Kiew ab. Man glaubt den Warnungen Russlands“, heißt es wenig später in Beiträgen auf X. Ein Bild dazu zeigt Menschen, die mit Koffern ein Gebäude verlassen. Soldaten stehen an einem Tor, das offenbar die Botschaft zeigen soll. Am Horizont steigt eine Rauchschwade auf.

Die Behauptung mit dem Bild verbreitet sich ab dem 26. Mai auf Englisch, Russisch und in weiteren Sprachen auf Facebook, Telegram und X. Teilweise kursierte sie ohne Verweis auf das Bild. Unter anderem der deutsche verurteilte IT-Unternehmer Kim Schmitz, auch als „Kim Dotcom“ bekannt, teilte das Bild auf X mit seinen 1,7 Millionen Followern. Schmitz ist für die Verbreitung von pro-russischer Desinformation bekannt.

Anders als die Community Note behauptet, ist das Bild in dem X-Beitrag nicht alt, sondern KI-generiert (Quelle: X; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Kein echtes Bild: Grok und Community-Notes liegen falsch 

Viele der Beiträge mit dem Bild auf X haben inzwischen eine sogenannte Community Note (auf Deutsch nennt X diese „Kollektive Anmerkungen“). Mit diesen Anmerkungen können Nutzerinnen und Nutzer einer Behauptung Kontext hinzufügen oder auf Falschbehauptungen hinweisen. Ein großer Teil dieser Hinweise stamme aber inzwischen von KI-Anwendungen, wie Indicator berichtet.

In der Community Note zu den Beiträgen heißt es, das verwendete Bild sei alt und von Mai 2022. Als Beleg ist unter anderem eine Antwort von Grok verlinkt, der KI-Anwendung von X- Inhaber Elon Musk: Demnach stammt das Bild vom Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022. Laut X wurde alleine diese Community Note fast 60.000 Mal angezeigt. Aber auch diese Information ist falsch.

Laut Google wurde das Bild zuerst am 26. Mai 2026 von der Suchmaschine indexiert, also erkannt. Wir fanden auch anderweitig keine Berichte oder frühere Einträge mit dem Bild.

Grok behauptet, das verwendete Bild sei alt, aber authentisch. Das ist falsch, es wurde mit einer KI erstellt. (Quelle: X; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Bild von angeblicher Evakuierung der US-Botschaft in Kiew ist KI generiert 

Anders als von Grok und Community Notes behauptet, ist das Bild nicht authentisch, sondern mit KI generiert. Laut Googles KI Gemini enthält es ein digitales Wasserzeichen, die „SynthID“. Damit werden Bilder gekennzeichnet, die von Googles KI oder mit ChatGPT erstellt oder bearbeitet wurden.

Die echte US-Botschaft in Kiew sieht zudem deutlich anders aus, wie ein Vergleich mit Bildern von Google Streetview und Agenturfotos zeigt. Anders als auf dem KI-generierten Bild ist der Haupteingang für Autos von einem Zaun umgeben und nicht von einer Mauer. Ein anderer Eingang der Botschaft hat zwar eine Mauer, aber wiederum keine Einfahrt, die im KI-Bild zu sehen ist. Auch die Straßen um die Botschaft herum sind nicht mehrspurig.

Auf Google Streetview finden sich keine Bilder der Botschaft, die mit dem KI-generierten Bild übereinstimmen (Quelle: Google Maps; Screenshots und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)
Auch auf Satellitenbildern der Botschaft ist der Ort nicht zu erkennen, der in der KI-generierten Aufnahme zu sehen ist (Quelle: Google Earth Pro; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Einige Merkmale im Bild wirken zudem unnatürlich: Dass die Bäume im Mai komplett kahl sind, erscheint äußerst unwahrscheinlich. Der Koffer, den ein Mann in der Hand hält, scheint zu schweben.

Zu der angeblichen Evakuierung Ende Mai 2026 finden sich – abgesehen von Faktenchecks – keine Medienberichte. Die Botschaft erklärte am 28. Mai auf X: „Die US-Botschaft ist geöffnet. Es gibt keine Änderungen in unserem Betrieb, und anderslautende Meldungen sind falsch.“

Redigatur: Sophie Timmermann, Sarah Thust