Angebliches Ukraine-Werbeplakat in Indien ist eine Fälschung
Ein Plakat in Indien wirbt angeblich dafür, in die Ukraine zu ziehen, um dort eine Familie zu gründen oder zu arbeiten. Doch es handelt sich um eine Fälschung. Sie passt in eine seit Monaten stattfindende pro-russische Kampagne.
Online kursiert ein Bild eines angeblichen Werbebanners in Indien, auf dem Inder dazu ermutigt werden, in die Ukraine zu ziehen, um dort „eine Familie zu gründen“ oder zu arbeiten. Das Bild mit Text und einer abgebildeten Frau in Tracht verbreitet sich seit Anfang Juni international, etwa in russisch– und englisch-sprachigen Beiträgen. Die Behauptung erreichte hunderttausende Ansichten.
Auch Alina Lipp, eine deutsche Bloggerin, die schon häufig mit pro-russischer Desinformation aufgefallen ist, griff sie auf. „Die Ukraine beginnt mit der Einfuhr von Ersatzmännern für ihre Toten“, schrieb sie im Juli auf X. In manchen Beiträgen heißt es, die ukrainische Regierung habe für die Werbung bezahlt.

Mehrere Ungereimtheiten im Bild vom Werbebanner auf Hindi
Das Bild ist offenbar manipuliert. So ist etwa die Perspektive im Bild am unteren Ende des Werbebanners falsch, die beiden Ränder würden bei einem echten Foto aufeinander zulaufen und sich in einem zentralen Fluchtpunkt treffen. Im Bild sind sie aber parallel. Auch wirkt das Plakat im Unterschied zum oberen grauen Rand sehr hell, was darauf hinweisen kann, dass es nachträglich eingefügt wurde.

Mutmaßlich wurde für das Bild Künstliche Intelligenz (KI) genutzt. Einen Hinweis darauf liefert die sogenannte „SynthID“. Unternehmen wie Google oder OpenAI betten in Inhalte, bei denen ihre KI zum Einsatz kam, dieses digitale Wasserzeichen ein, das für Menschen nicht zu sehen ist. Wer prüfen möchte, ob ein Bild so ein verstecktes Wasserzeichen enthält, kann dieses bei OpenAI oder Googles Gemini hochladen. In diesem Fall enthält die Aufnahme laut Open AI eine „SynthID“.

Wie und ob KI genutzt wurde, bleibt jedoch unklar, denn die KI-Tools sind fehleranfällig und KI könnte beispielsweise auch nur genutzt worden sein, um das Bild zu verkleinern.
Das Bild zeigt jedoch weitere Ungereimtheiten: Die auf dem Werbeplakat angegebene Webseite visitukraine.today hat andere Schriftzüge. Es handelt sich um ein Informationsportal für Touristen, Geflüchtete und Ausländer, das unter anderem über ukrainische Einreiseregeln aufklärt und rechtliche Unterstützung bei Visa und Immigration bietet. Auf der Webseite finden sich keine Hinweise zu einer Anwerbekampagne in Indien. Gegenüber der AFP und der Faktencheck-Redaktion von Stopfake bezeichnete die Organisation das Bild als „Fotomontage“ und „Falschmeldung“.
Indische Behörde bezeichnet Werbebanner als fake
Laut einigen Beiträgen in Sozialen Netzwerken soll das Werbebanner in der Stadt Mumbai hängen. Doch das dort zuständige Ministerium für Information und Öffentlichkeitsarbeit schrieb am 22. Juni auf Instagram: „Die Behauptung, in Mumbai seien Plakatwände aufgestellt worden, auf denen Inder dazu aufgefordert würden, zur Arbeitssuche in die Ukraine auszuwandern, ist falsch.“ Auch das staatliche Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation in der Ukraine warnte vor der Verbreitung der betreffenden Bilder.
Die Bloggerin Alina Lipp antwortete auf Nachfrage von CORRECTIV.Faktencheck bis zur Veröffentlichung nicht.
Gefälschtes Werbebanner-Bild passt zu größerer pro-russischer Desinformationskampagne
Das Bild passt in eine größere pro-russische Desinformationskampagne, die seit Beginn des Jahres vor einem angeblichen großen Zustrom von Migranten in die Ukraine warnt. Darüber berichteten unter anderem das ukrainische Zentrum für die Bekämpfung von Desinformation als auch The Kyiv Independent. Dabei wird das Narrativ verbreitet, dass ausländische Arbeitsmigranten die Bevölkerung der Ukraine ersetzten, während Ukrainer an der Front kämpften. Dadurch soll laut Experten Unsicherheit und Spaltung in der ukrainischen Bevölkerung erzeugt werden. Im Fokus: Länder wie Indien, Pakistan oder Bangladesh.
Die Ukraine ist zwar tatsächlich durch Geburtenrückgang und Fluchtbewegungen ins Ausland durch den Krieg stärker als andere Länder von einer demographischen Krise betroffen. Allerdings hat die Arbeitsmigration in die Ukraine durch den russischen Angriffskrieg nachgelassen, nicht zugenommen. So arbeiteten Ende November 2025 laut Angaben der Webseite visitukraine.today, die sich auf die Leiterin des ukrainischen staatlichen Migrationsdienstes bezieht, etwa 11.346 Ausländer und Staatenlose mit Aufenthaltstiteln in der Ukraine, davon 659 indische Staatsangehörige. Nach Angaben des indischen Außenministeriums lebten im Januar 2026 1.150 Inderinnen und Inder in der Ukraine.
Einen Überblick mit allen Faktenchecks von uns zum Krieg in der Ukraine finden Sie hier.
Redigatur: Sophie Timmermann, Steffen Kutzner