Eine Menschenmenge läuft in der Nacht auf einer beleuchteten Straße, mal nach vorn, mal nach hinten. Rechts ist ein Ufer mit Gewässer, links ein Hügel. „Die Gerüchte scheinen sich zu bestätigen“, heißt es in einem Telegram-Beitrag vom 16. August; der „Sturm auf Europa“ habe begonnen. Mit Gerüchten sind Absprachen in Sozialen Netzwerken für eine Überquerung der Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta gemeint. Genau über diese Grenze waren Ende Juli rund 70.000 Menschen geflohen – vor einer Wiederholung am 15. August waren europäische Behörden laut Medienberichten besorgt.
Das Video von der Menschenmenge auf der Straße verbreitete sich am 16. August auf mehreren Plattformen und in unterschiedlichen Sprachen, etwa Englisch, Polnisch und Swahili. Zusammengenommen erreichte es Millionen Aufrufe. Auch Julian Adrat, AfD-Politiker und Kandidat bei der Wahl für das Abgeordnetenhaus in Berlin am 20. September, teilte das Video auf Facebook, X und Instagram.
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Video stammt vom 31. Juli 2026
Unter dem Beitrag von AfD-Politiker Adrat auf X findet sich ein Hinweis aus der Community. Dort heißt es, das Video stamme nicht vom 15., sondern vom 1. August. Dazu ist ein Facebook-Reel verlinkt, das tatsächlich dieselbe Aufnahme zeigt und schon 14 Tage vor dem vermeintlich erneuten Andrang auf Ceuta veröffentlicht wurde.
Weitere Beiträge zeigten dasselbe Video schon am 31. Juli. Darunter ist auch ein Beitrag der AfD-Politikerin Jana Witschetzky, die Ende Juli schreibt: „Diese Bilder stammen von heute Morgen, 5:30 Uhr, Fnideq“.
Aufnahmen zeigen Menschen in Fnideq, Marokko, nahe der Grenze zu Ceuta
Fnideq ist eine marokkanische Stadt, etwa fünf Kilometer von der Grenze zu Ceuta entfernt. Mit einer Stichwortsuche finden wir mehrere Bilder von Reuters vom 31. Juli aus Fnideq, die der Szene im Video sehr ähneln. Die Menschenmenge, das Licht am anderen Ufer, die Form der Straßenlaternen und die Hügel stimmen alle überein mit dem Video.
Das Video zeigt also den Versuch, von Marokko nach Ceuta zu gelangen. Allerdings geschah das am 31. Juli, darüber wurde umfassend berichtet. Die Aufnahme zeigt keinen zweiten solchen Versuch am 15. August. Faktencheck-Organisationen wie AFP und Maldita untersuchten das Video und kamen zum selben Ergebnis.
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faktencheck.afp.com
maldita.es
Kein massenhafter Grenzübertritt nach Ceuta am 15. August
Eine erneute Überquerung von tausenden Menschen, über die in den Tagen vor diesem Datum spekuliert wurde, gab es am 15. August nicht. Die Grenze war auf marokkanischer Seite mit dutzenden Polizeiwagen und Beamten gesichert, Spanien hatte Transportpanzer direkt am Grenzübergang stationiert. Mehrere hundert Migranten sollen trotzdem versucht haben, über die Grenze zu kommen, wurden aber laut Medienberichten zurückgetrieben, zum Teil mit Tränengas.
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Adrats Beiträge nach Community Note und Anfrage unverändert online
Wir fragten Julian Adrat, warum er trotz des Community-Hinweises und der veröffentlichten Faktenchecks seine Beiträge nicht überarbeitet hat. Er antwortete, dass er in einem Kommentar auf X darauf verwiesen habe. Dort heißt es: „Obacht! Das ist der Gegensatz zum Lügen ÖRR: X korrigiert, X hat Community Notes, es gibt keine Fakenews auf X. Deshalb wollen sie X verbieten.“ Sowohl auf X, als auch auf Facebook und Instagram sind Adrats Beiträge mit der falschen zeitlichen Zuordnung unverändert online (Stand: 26. August).
Diesen Faktencheck haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Viktor Marinov; Redigatur: Gabriele Scherndl, Steffen Kutzner
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