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Falscher Vorwurf gegen die ARD: Schwimmdauer nach Ceuta schwankt

Die Tagesschau berichtete, es könne bis zu vier Stunden dauern, von Marokko nach Ceuta zu schwimmen. Rechte Politiker unterstellen eine Lüge. Doch die Dauer schwankt.

von Steffen Kutzner

Wie lange man von Marokko in die spanische Exklave Ceuta schwimmen muss, ist abhängig von der Route, die man wählt. Viele hatten Anfang August eine längere, indirekte Route gewählt und sind nicht direkt um den Grenzzaun im Bild geschwommen. Mittlerweile wurde eine weitere Barriere errichtet (rot im Bild). (Foto: Thomas Lukes / Hans Lucas / Picture Alliance)
Behauptung
Es dauere deutlich weniger als vier Stunden, von Marokko nach Ceuta zu schwimmen.
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Fehlender Kontext
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Fehlender Kontext. Die Schwimmstrecke ist abhängig davon, wo man startet. Der kürzeste Weg um den Grenzzaun führt nur wenige Meter durchs Wasser. Diesen Weg haben Ende Juli viele genutzt – es gibt aber auch deutlich längere Strecken.

„Bis zu vier Stunden kann es dauern, von der marokkanischen Küste aus nach Ceuta zu schwimmen.“ Das hatte die Tagesschau am 31. Juli geschrieben, als zehntausende Personen in die spanische Exklave Ceuta kamen. 

Unter anderem der ehemalige Berliner Landeschef der AfD, Georg Pazderski, und die seit Jahren nicht mehr in der Partei aktive AfD-Mitgründerin Frauke Petry verbreiteten einen Screenshot des Tagesschau-Textes auf X und stellen eine Grafik daneben, die zeigen soll, dass der Fluchtweg von marokkanischem Staatsgebiet nach Ceuta lediglich um einen kurzen Grenzzaun führt, also nicht vier Stunden lang sein könne. Die ARD verbreite Fake News, behauptet Petry, Pazderski spricht von Manipulation. 

Beide – und viele andere, die die Behauptung teilten – lassen dabei außer Acht, dass nicht alle Geflüchteten lediglich um den Grenzzaun herumschwimmen.

Tagesschau stützt sich auf unterschiedliche Quellen 

Die Tagesschau steht weiterhin zu dieser Formulierung. Eine Sprecherin schreibt uns, die Angabe basiere „auf unterschiedlichen Quellen wie beispielsweise der Nachrichtenagentur KNA und Augenzeugenberichten. […] Es gibt auch Augenzeugenberichte, die von anderen Zeiten sprechen.“ Durch die Formulierung „kann“ und „bis zu“ habe die Tagesschau in der Berichterstattung deutlich gemacht, dass die Zeit auch kürzer sein könne, schreibt uns.

Tatsächlich gehen die Zeitangaben auseinander. France24 etwa zitiert in einem Beitrag Geflüchtete, die von zwei Stunden Schwimmzeit sprachen. Die Nachrichtenagentur KNA, deren Meldung dazu unter anderem in der Frankfurter Rundschau erschienen ist, schrieb dagegen von vier Stunden: „Wer die spanische Stadt und ihre Strände Benzú und Tarajal erreichen will, muss vom marokkanischen Staatsgebiet aus unter Umgehung der Absperr-Einrichtungen im Meer fast vier Stunden schwimmen.“ Das britische Boulevardblatt The Sun gibt an, mit einem Geflüchteten gesprochen zu haben, der sogar sechs Stunden geschwommen sei.

Viele schwammen längere Strecke, um Grenzpolizisten zu entgehen

Der südliche Grenzzaun nach Ceuta beim Strandabschnitt Tarajal, auf den sich die Beiträge beziehen, ragt nur ein paar Meter ins Meer, wie Pressefotos zeigen. Die Erklärung für die unterschiedlichen Zeitangaben ist simpel: Je nachdem, wo man ins Meer steigt und wo genau in Ceuta man an Land gehen will, schwimmt man unterschiedlich lange. 

Das erklärt auf Anfrage auch die spanische Faktencheck-Organisation Maldita: An der schmalsten Stelle sei der physische Abstand zwischen marokkanischen und spanischen

Gewässern tatsächlich minimal, schreibt uns Coral García Dorado, Leiterin für Recherchen zu Desinformation bei Maldita. Es gebe aber auch eine deutlich längere Route, bei der Personen auf das offene Meer schwimmen würden. Darüber berichtete auch Focus. „Am 30. Juli wählte die Mehrheit die kurze Route, also jene nahe am Wellenbrecher“, schreibt García Dorado. Diese sei stärker überwacht, der Weg über das offene Meer hingegen sei gefährlicher und erfordere eine gute körperliche Verfassung. Es gibt in Ceuta auch einen zweiten Grenzzaun im Norden beim Strand Benzú, dieser sei Tarajal ähnlich, aber weniger von Bedeutung.

Nach den Ereignissen Ende Juli wurde die Grenzbarriere ausgebaut: Eine Grafik der DPA zeigt eine neu Seebarriere, die 500 Meter ins Meer ragt. 

Eine weiter ins Meer reichende Barriere soll einen weiteren Ansturm verhindern (Bild: DPA Infografik GmbH / DPA / Picture Alliance)

Bei den massenhaften Grenzübertritten an der Grenze von Marokko und Spanien waren Anfang August mindestens 100 Menschen gestorben. In dem Kontext wurden reihenweise Falschbehauptungen verbreitet. 

Redigatur: Gabriele Scherndl, Viktor Marinov