Polizei

„Cat in the Hat“-Video: Reale Vorfälle und KI-Fakes werden vermischt

Ein Tiktok-Video zeigt angebliche Sichtungen von „Cat in the Hat“ in Deutschland – eine als Kinderbuchfigur verkleidete Figur, die Menschen verfolgen soll. Manche der Vorfälle sind echt, andere unbelegt; einige Bilder sind KI-generiert.

von Leonie Jax

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Die Figur stammt aus dem Kinderbuch „Cat in the Hat“ von Dr. Seuss. (picture alliance / ZUMAPRESS.com / Keith Birmingham)
Behauptung
Aufnahmen würden Sichtungen von „Cat in the Hat“ in Deutschland zeigen.
Einordnung
In Deutschland wurden tatsächlich Vorfälle des Gruseltrends „Cat in the Hat“ gemeldet. Doch nicht alle kursierenden Bilder sind verlässliche Belege. Einige zeigen offenbar KI-generierte Inhalte.

In Sozialen Netzwerken verbreiten diverse Accounts Fotos und Videos einer ungewöhnlichen Gestalt: Menschen, verkleidet als Katze mit einem rot-weiß gestreiften Hut. Die Figur stammt ursprünglich aus dem Kinderbuch „The Cat in the Hat“, auf Deutsch „Der Kater mit Hut“, von Dr. Seuss. 

Die Katze taucht inzwischen in einem anderen Zusammenhang auf: Nutzerinnen und Nutzer veröffentlichen Aufnahmen der verkleideten Figur und behaupten, sie verfolge und bedrohe Menschen. Ein Tiktok-Video, das angebliche Sichtungen in Deutschland zeigt, wurde seit der Veröffentlichung am 24. September mehr als 2,5 Millionen Mal angesehen. Der Account veröffentlichte seitdem eine Reihe weiterer Videos zu dem Trend.

Tatsächlich sind in Deutschland Vorfälle mit Personen im entsprechenden Kostüm polizeilich dokumentiert. Ob die Bilder, die in sozialen Netzwerken kursieren, diese Ereignisse zeigen, lässt sich jedoch nicht immer nachvollziehen. Zudem verbreiten sich offenbar KI-generierte Bilder, die vermeintliche Sichtungen belegen sollen.

web.archive.org/behauptung


Angebliche Sichtung in Berlin-Charlottenburg lässt sich nicht belegen

Zwei Szenen im Video sollen Vorfälle in Deutschland zeigen. Die erste kommt aus einem Chatverlauf, den eine Nutzerin in den Kommentaren von einem anderen Video veröffentlicht hat. Darin behauptet sie, „Cat in the Hat“ habe vor der Haustür einer Freundin ihrer Tante gestanden. In den Chatnachrichten ist ein Foto der Figur und ein Hinweis auf den Ort: Berlin-Charlottenburg. 

Diese Chatnachricht mit einer vermeintlichen Sichtung von „Cat in the Hat“ taucht in einem Tiktok-Video auf (Quelle: Tiktok; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Wir fanden keine Medienberichte, die eine Sichtung von „Cat in the Hat“ in Berlin-Charlottenburg belegen. Die Berliner Polizei schrieb uns auf Anfrage: „‚Cat in the Hat‘ spielt als Phänomen für die Polizei Berlin bisher keine relevante Rolle.“ 

Eine Bilder-Rückwärtssuche führt zu einem Artikel des Express. Demnach wurde das Foto schon im Zusammenhang einer angeblichen Sichtung in Köln verbreitet. Das Bild sei aber mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt worden, heißt es beim Express. Details im Bild, wie die ungleich großen und teilweise verzerrten Bordsteine, erhärten diesen Verdacht. Die Zeitung zitiert die Polizei Köln mit der Angabe, dass ihnen bisher keine echten Vorfälle in der Stadt bekannt seien und sich auch niemand wegen der angeblichen Sichtung bei ihnen gemeldet habe. Auch die Polizei Berlin teilte uns mit, dass KI-generierte Inhalte im Zusammenhang mit dem Phänomen bekannt seien. 

express.de/sichtung-koeln


KI-Fakes werden mit Berichten über reale Vorfälle vermischt

Auch die österreichische Faktencheck Organisation Mimikama, sowie der rbb berichteten über Bilder von angeblichen Vorfällen, die mit Künstlicher Intelligenz erstellt worden seien. Darunter etwa ein KI-Bild aus Wittenberge in Brandenburg, ein weiteres aus Dessau in Sachsen-Anhalt: Beide bezeichnete auch die Polizei als KI-generiert. Auch ein Foto, dass „Cat in the Hat“ in Irland zeigen soll, hat die dortige Polizei als KI-generiert zurückgewiesen.

Dass nicht alle kursierenden Aufnahmen authentisch sind, bedeutet allerdings nicht, dass es keine realen Vorfälle gibt. In Sachsen-Anhalt wurden der Polizei mehrere Begegnungen mit einer Person im entsprechenden Kostüm gemeldet. Angegriffen wurde aber bisher niemand.

mimikama.org/cat-in-the-hat
rbb24.de/ki-bilder-cat
polizei.sachsen-anhalt/polizeibericht  


„Cat in the Hat“-Vorfall in Coswig: Person wartet mit „Knüppel“ vor Wohnhaus 

Ein anderer eingeblendeter Screenshot soll eine weitere Sichtung in Deutschland belegen. Darauf ist die Figur nachts in einer Stadt zu sehen, im Vordergrund sind Stühle und Tische zu sehen, im Hintergrund ein Turm mit Uhr. Anhand der Umgebung lässt sich der Aufnahmeort mithilfe von Google Maps jedoch auf den Marktplatz in Coswig in Sachsen-Anhalt eingrenzen.

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Ein Vergleich zwischen dem Tiktok-Video (oben) und Bildern aus Google-Maps (unten) zeigt, dass das Bild in der Schloßstraße in Coswig aufgenommen wurde. So stimmen beispielsweise die Schirme (rot), das Parkschild (blau), sowie das Straßenschild und der Blumenkübel (grün) überein. (Quelle: Tiktok, Google Maps; Screenshots, Collage und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Tatsächlich soll laut einem Bericht der Polizei Sachsen-Anhalt am 19. September 2026 gegen 23 Uhr eine Person im Katzenkostüm eine Anwohnerin in der Zerbster Straße, in der Nähe des Marktplatzes, in Coswig bedroht haben. Eine Person soll mit einem „Knüppel“ in der Hand fast eine halbe Stunde vor dem Wohnhaus der Frau gewartet haben. Die Polizei ermittelt jetzt gegen Unbekannt, auch um zu klären, inwiefern der Vorfall strafrechtliche Konsequenzen haben kann. 

Ob der Vorfall mit dem im TikTok-Video gezeigten Foto zusammenhängt, geht aus dem Polizeibericht jedoch nicht hervor. Ein Tiktok-Nutzer, dessen Account-Name auf dem Bild auftaucht, antwortete uns nicht auf eine Nachfrage zur Bildquelle. Auch der Tiktok-Nutzer, dessen Video 2,5 Millionen Aufrufe sammelte, antwortete nicht auf unsere Anfrage.

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Zwar erkennt ein KI-Tool ein digitales Wasserzeichen im Bild, das allein ist aber kein hinreichender Beleg dafür, dass es komplett mit KI erstellt wurde (Quelle: OpenAI; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Ob das Foto authentisch ist oder möglicherweise mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt beziehungsweise bearbeitet wurde, konnten wir nicht abschließend beurteilen. Zwar wurde bei der Überprüfung ein digitales Wasserzeichen einer KI erkannt. Das allein belegt jedoch nicht, dass das Foto mit KI erstellt oder bearbeitet wurde. Wir konnten keine weiteren Hinweise dafür finden, dass es sich um ein KI-Bild handelt.

google.com/maps-coswig-marktplatz
polizei.sachsen-anhalt.de/bericht-dessau


Auch in Haldensleben wurde ein Vorfall gemeldet

Ein weiterer Vorfall wurde in Haldensleben in Sachsen-Anhalt gemeldet. Laut Polizei teilte ein neunjähriges Mädchen am 12. Oktober 2026 mit, dass eine im Katzenkostüm verkleidete Person es verfolgt und bedroht habe. 

Eine so verkleidete Person sei schon im September im Stadtgebiet gesichtet worden, schreibt die Polizei. Auch dieser Polizeibericht stellt keinen Zusammenhang zu den im viralen Tiktok-Video gezeigten Bildern her.

polizei.sachsen-anhalt.de/bericht-haldensleben


In anderen deutschen Städten sind keine Sichtungen bekannt

Auch in anderen Bundesländern gibt es Berichte über den Trend. Laut hessenschau ermittelt die hessische Polizei in mehreren Fällen wegen mutmaßlicher Bedrohung. Konkrete Fälle, in denen Menschen in Katzenkostümen andere tatsächlich verfolgten, seien der Polizei jedoch nicht bekannt.

Die Polizei Berlin ordnet den Trend in eine Reihe ähnlicher Social-Media-Phänomene der vergangenen Jahre ein, etwa die sogenannten „Horror-Clowns“ von 2016. Dabei verkleideten sich Menschen als Clowns, erschreckten oder verängstigten andere und veröffentlichten Aufnahmen davon in Sozialen Netzwerken, um Klicks und Aufrufe zu erzielen.

hessenschau.de/trend-schulen-hessen
express.de/koeln-sichtung


Polizei warnt vor Bedrohungen

Wer andere gezielt verfolgt, bedroht oder ihnen Angst macht, kann sich laut Polizei strafbar machen. Die Polizei Sachsen-Anhalt rät deshalb, sich nicht an solchen Aktionen zu beteiligen und andere nicht gezielt zu erschrecken oder zu verfolgen. Bei konkreten Bedrohungen oder Gefahr sollte die Polizei verständigt werden. 

polizei.sachsen-anhalt.de/bericht-haldensleben


Diesen Faktencheck haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redigatur: Viktor Marinov, Sara Pichireddu