Gesellschaft

Nur Laden für Berufskleidung verschont? Bild zu Ausschreitungen in Berlin ist manipuliert

Ein Foto soll angeblich Plünderungen in Berlin zeigen – nur ein Geschäft für Arbeitskleidung sei heil geblieben. Doch das Bild ist KI-generiert; es kursierte schon mit Bezug auf Frankreich und die Niederlande.

von Gabriele Scherndl

Ki-generiertes Bild einer teilsweise zerstörten Ladenzeile.
Ein Bild, das mal Berlin, mal Paris zeigen soll, ist eine Manipulation. (Quelle: gs-forum.eu; Screenshot, Collage und KI-Hinweis: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung
Ein Bild zeige eine Reihe geplünderter Geschäfte in Berlin. Nur ein Laden für Arbeitsbekleidung sei bei den Ausschreitungen am 31. Oktober verschont geblieben.
Einordnung
Das Bild ist eine Manipulation und zeigt keine geplünderte Ladenzeile in Berlin. Es kursierte bereits zuvor mit Bezug auf andere Städte.

„Damit können die nichts anfangen“, kommentiert jemand auf Tiktok und meint damit Arbeitskleidung. Denn ein Bild soll zeigen, dass Demonstrierende bei den Gen-Z-Protesten in Berlin zwar Modeketten und einen Schuhladen ausgeraubt hätten, ein Geschäft für Berufskleidung jedoch verschont hätten. 

In den Kommentaren sind außerdem rassistische Bemerkungen, die offenbar die Erzählung stärken sollen, es seien hauptsächlich Migranten für die Ausschreitungen in einigen deutschen Städten in der Halloween-Nacht verantwortlich. 

Alleine auf Tiktok erreichen die Beiträge Hunderttausende. Das Bild wird auch vielfach auf Facebook und Instagram geteilt. 

perma.cc/behauptung1
perma.cc/behauptung2
deutschlandfunk.de/ausschreitungen 


Bild wurde auch mit französischer und niederländischer Aufschrift geteilt

Das Bild ist weder neu noch echt. Es kursiert bereits seit Wochen, teils als Meme, und wurde auch schon mit Bezug auf Frankreich oder die Niederlande geteilt. Dabei unterscheiden sich die Aufschriften über dem Geschäft für Arbeitskleidung: Mal sind sie auf Deutsch, mal auf Französisch oder Niederländisch. 

Auf einigen Bildversionen sind zudem KI-Merkmale zu erkennen, etwa verzerrte Schrift. Einzelne Details im Bild sehen unnatürlich aus, etwa die gleichmäßig zerbrochenen Scheiben der vier Geschäfte. Eine Überprüfung mit dem SynthID Detector von Open AI und Google ergibt für Versionen des Bilds in allen drei Sprachen, dass sie mit einem KI-Tool von Open AI erstellt wurden. Manche Beiträge sind mit einem KI-Hinweis versehen.

perma.cc/behauptung1
perma.cc/behauptung2 
perma.cc/behauptung3


Abgebildete Parfümkette hat keine Filialen in Deutschland

Ein weiteres Detail spricht gegen die angebliche Aufnahme aus Berlin: Auf dem Bild ist eine Filiale der Parfümkette ICI Paris XL zu sehen, die nach eigenen Angaben keine Filialen in Deutschland hat. 

Wer es zuerst geteilt hat, ist unklar. Der älteste auffindbare Beitrag führt zu einem französischsprachigen Threads-Account, der für Rückfragen nicht erreichbar war.  

web.archive.org/iciparisx
perma.cc/threads


Ausschreitungen nach Jugend-Demos führten zu Debatte über Migration

Nach zunächst friedlichen Jugendprotesten am 31. Oktober 2026 kam es in mehreren deutschen Städten zu Ausschreitungen. Die Berliner Polizei meldete etwa brennende Mülltonnen, Schüsse mit einer Schreckschusspistole und einen Einbruch in ein Bekleidungsgeschäft. In Frankfurt kam es zu Plünderungen.

Die Ausschreitungen lösten in der Politik eine Debatte darüber aus, welche Gruppen dafür verantwortlich waren. Fachleute warnten etwa in einem Bericht des MDR davor, ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht zu stellen. 

web.archive.org/polizeimeldung
zeit.de/krawalle
dw.com/bildung
mdr.de/migration


Redigatur: Caroline Lindekamp, Viktor Marinov