Europa

Proteste in Frankreich: Feuerwehrmann in Bordeaux wurde nicht von Jugendlichen angezündet

Ein Bild von den Unruhen in Frankreich zeigt einen Feuerwehrmann in Flammen und im Hintergrund Jugendliche, die ihn angeblich in Brand gesteckt haben. Einen solchen Angriff hat es nicht gegeben.

von Steffen Kutzner

Französische Schüler protestieren momentan an vielen Orten gegen den maroden Zustand ihrer Schulen und geringe Lehrergehälter. Teilweise kommt es auch zu gewalttätigen Ausschreitungen. (Symbolbild: Alain Pitton / NurPhoto / Picture Alliance)
Behauptung
Ein Foto zeige, wie migrantische Jugendliche einen französischen Feuerwehrmann filmten, nachdem sie ihn in Brand gesetzt hätten.
Einordnung
Das Bild, das den Feuerwehrmann in Brand zeigen soll, ist authentisch. Es zeigt aber keinen Angriff von Jugendlichen, sondern eine Einsatzsituation, bei der der Mann leicht verletzt wurde.

Allein in einem X-Beitrag von Visegrád24 wurde das Bild sieben Millionen Mal gesehen: Ein Feuerwehrmann steht anscheinend inmitten von Flammen, während hinter ihm eine Gruppe Jugendliche das Geschehen mit ihren Handys aufnimmt. Die Jugendlichen hätten den Mann angezündet, heißt es in dem Beitrag, der die Umstehenden als „Migranten zweiter und dritter Generation“ bezeichnet.

Der US-amerikanische Milliardär Elon Musk, der selbst immer wieder fremdenfeindliche Aussagen auf X verbreitet, kommentierte den Beitrag – ebenso wie tausende deutschsprachige Nutzerinnen und Nutzer.

Der Beitrag von Visegrád24 wurde bis zum 8. Oktober 18.400 Mal geteilt und 74.000 Mal geliked (Quelle: X / Visegrád24; Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV.Faktencheck)

Diskussionen in Kommentarspalten, ob das Bild vielleicht KI-generiert ist, gibt es ebenfalls. Der Fotograf Guillaume Bonnaud bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass die Aufnahme authentisch sei; sie ist auch bei der Bildagentur Picture Alliance zu finden und dort nicht mit einem KI-Hinweis versehen. Sie zeigt aber keinen Angriff auf den Feuerwehrmann. Stattdessen ist sie eine Momentaufnahme aus einer Situation, bei der der Mann leicht verletzt wurde.

perma.cc/Beitrag-Visegrad24
perma.cc/Screenshot-des-Beitrags
picture-alliance.com


Feuerwehrmann wurde nicht in Brand gesetzt

Der französische Nachrichtensender BFM zeigt dieselbe Situation in einem Video. Darin ist deutlich zu erkennen: Niemand hat den Mann in Brand gesteckt. Laut einer Pressemitteilung der zuständigen Präfektur verletzte sich der Feuerwehrmann, als eine Spraydose platzte, die in einem Feuer lag. Das zeigt auch das Video: Der Mann geht auf das kleine Feuer in der belebten Innenstadt zu. Plötzlich schießen Flammen in die Höhe, erlöschen aber sofort wieder. Im Anschluss sieht man den Feuerwehrmann mehrere Meter zurück laufen – er brennt dabei nicht.

Als sich der Feuerwehrmann dem kleinen Feuer nähert, explodiert plötzlich eine Spraydose. Dass er von protestierenden Jugendlichen in Brand gesteckt worden ist, ist erfunden. (Quelle: BMF; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Dem Bericht von BMF zufolge wurde er ins Krankenhaus gebracht und einige Tage krankgeschrieben. In einer zweiten Aufnahme aus einem anderen Blickwinkel, die unter anderem Le Figaro veröffentlichte, ist zu sehen, dass er das kleine Feuer offensichtlich austreten wollte, also die Spraydose plötzlich explodierte.

perma.cc/Beitrag-BFM
perma.cc/Pressemitteilung-Praefektur
Tiktok-Beitrag Le Figaro


Jugendliche in Frankreich protestieren gegen marode Schulen

Seit Ende September kommt es bei Demonstrationen in Frankreich immer wieder zu Ausschreitungen. Die Proteste richten sich an die Regierung und sollen auf Missstände im Bildungssystem hinweisen. Es geht um marode Schulgebäude, denen etwa Klimaanlagen, Wasser oder Toilettenpapier fehlen, überfüllte Klassen und geringe Lehrergehälter, während die Regierung gleichzeitig Geldmittel aufwendet, um Handyverbote an Schulen durchzusetzen. Dazu hatte auch die CORRECTIV-Jugendredaktion Salon 5 berichtet. Bei den Unruhen wurden hunderte Menschen verletzt, wie etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete.

instagram.com/Salon5-Beitrag
faz.net

Redigatur: Sara Pichireddu, Matthias Bau