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Ein heißer Sommertag 1975 widerlegt nicht den Klimawandel

Zwar berichtete die Bild-Zeitung 1975 von großer Hitze, doch das sagt nichts über den Klimawandel aus. Forschung belegt: Hitze- und Dürreereignisse nehmen seit den 1970er Jahren deutlich zu.

Kein Schienenverkehr in Karlsruhe
Innenstädte heizen sich bei hohen Temperaturen besonders stark auf – 1975 wie heute (Bild: Uli Deck / DPA / Picture Alliance)
Behauptung
Die Bild-Zeitung berichtete am 5. August 1975 von 37 Grad. Das sei ein Beleg, dass es den Klimawandel nicht gibt.

Faktensammlung


Am 5. August 1975 titelte die Bild-Zeitung „37 Grad – Es bleibt so heiß!“. Diese Titelseite verbreitet sich aktuell in Sozialen Netzwerken, darunter steht häufig ein Zusatz, der den Klimawandel in Frage stellt: „Sommer 1975, Der Klimawandel war noch nicht erfunden und Greta war noch nicht geboren. CO2 war einfach ein Bestandteil der Atemluft.“ Tausende haben die Seite mit diesem Text etwa auf Facebook geteilt.

Eine kurze Internet-Recherche zeigt: Die Titelseite ist echt. Man findet sie etwa, wenn man auf Google mit den Stichworten „Bild 05.08.1975“ sucht. Die Seite wird auch auf Ebay für Sammler verkauft. Im Artikel heißt es, dass die 37 Grad am Vortag in deutschen Innenstädten gemessen wurden. Außerdem zählt er die Folgen der hohen Temperaturen auf: hitzefrei in Schulen, auf Autos gebratene Spiegeleier und eingestellter Flugverkehr, weil die Landebahn sich zu sehr aufgeheizt habe.

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Die in der Schlagzeile genannten 37 Grad „im Häusermeer deutscher Großstädte“ haben die Messstationen am 4. August 1975 in den im Artikel genannten Städten laut historischen Wetterdaten nicht ermittelt. In Hannover betrug die Höchsttemperatur 30,2 Grad, in Braunschweig waren es 29,9 Grad und am Flughafen in Frankfurt am Main stieg das Thermometer auf bis zu 32 Grad.

Das schließt jedoch nicht aus, dass an einzelnen Orten in Großstädten solche Temperaturen gemessen wurden. Offizielle Messstationen befinden sich nicht in Großstadtzentren, sondern „meist in relativ flachem Terrain, fernab von Gebäuden oder größeren Waldflächen.“ Die Orte sollen repräsentativ für die Umgebung sein, erklärt der Deutsche Wetterdienst: „Eine Messung über dunklem Asphalt oder Pflastersteinen würde beispielsweise die Temperatur negativ beeinflussen, da sich diese Beläge bei Sonneneinstrahlung stark aufheizen“.

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Einzelne Tage und Monate können außergewöhnlich kalt oder warm sein. Das ist der Unterschied zwischen Wetter und Klima – ersteres beschreibt die Temperaturen an einzelnen Tagen, zweiteres eine langfristige Entwicklung über Jahrzehnte hinweg. Erst wenn die Temperaturen eines Monats überdurchschnittlich oft vom langjährigen Durchschnitt abweichen, spricht man von einer Klimaveränderung. Die Weltorganisation für Meteorologie empfiehlt einen Zeitraum von 30 Jahren.

Für Aussagen zum Klimawandel sind aber nicht solche Ausreißer, sondern der langfristige Trend entscheidend. Der zeigt: Auch wenn der August 1975 überdurchschnittlich heiß war, steigen die Temperaturen im August besonders seit den 1990er Jahren stark an. Das langfristige Klima beeinflusst kurzzeitige Wetterereignisse. Sehr heiße Tage, tropische Nächte und Dürren haben seit den 70er Jahren zugenommen.

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Ähnliche Schlagzeilen von ungewöhnlich heißen Temperaturen Anfang August 1975 kursierten bereits in den letzten Jahren. Immer wieder stellen Menschen damit den Klimawandel in Frage. Faktenchecks zeigen: Manche dieser Messungen waren überzogen (zum Beispiel im Inneren einer Bahnhofsuhr), andere stammen von lokal existierenden Hitzephasen. Solche Ereignisse können den wissenschaftlichen Konsens, dass die Temperaturen global steigen, nicht widerlegen.

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Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Anna Süß; Redigatur: Viktor Marinov