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Pestizide, Quecksilber, Blei: Wie sauber ist Ihr Badesee wirklich?

Offiziell gelten die meisten Badestellen als sauber. Doch Recherchen von CORRECTIV offenbaren eine Lücke im Kontrollsystem. Unsere Karte zeigt: chemische Schadstoffe belasten EU-weit tausende Badegewässer – teils mit Gesundheitsrisiken.

von Lilith Grull , Rose Mintzer-Sweeney , Marius Münstermann , Frida Thurm

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Offiziell “ausgezeichnet”, aber belastet: In Proben aus Badegewässern findet sich teils ein regelrechter Cocktail chemischer Schadstoffe. Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV, Fotos: unsplash.com & KI-generiert

Das Wichtigste in Kürze

Direkt zur Karte springen

• Die 22.000 offiziellen Badestellen an Seen, Flüssen und Küsten in der EU werden lediglich auf zwei Arten von Bakterien untersucht.

• Chemische Schadstoffe hingegen werden bei der Bewertung der Badegewässerqualität nicht berücksichtigt. Fachleute fordern, das offizielle Monitoring auszuweiten.

• Eine exklusive Datenanalyse von CORRECTIV wertet erstmals die Belastung von Badegewässern mit Schadstoffen wie PFAS, Schwermetallen oder Pestizidrückständen aus.

Es ist ein heißer Freitag im Juni 2026. Gegen Mittag füllt sich das Strandbad am Filzteich im sächsischen Schneeberg, Kinder rutschen und planschen, während ihre Eltern knietief im Wasser stehen. Die Badestelle trägt die Bestnote des EU-weiten Rankings: „ausgezeichnete Badegewässerqualität“, drei Sterne, so steht es auf einem Aushang am Kassenhäuschen des Strandbads.

Dabei ist das Wasser des Filzteichs mit chemischen Schadstoffen belastet.

Die sächsischen Behörden und der Betreiber des Strandbads wissen das seit Jahren. Im Kleingedruckten auf dem Aushang am Kassenhäuschen wird auf eine Belastung des Sees mit gesundheitsschädlichen PFAS-Chemikalien hingewiesen. Doch die genauen Messergebnisse für die Badestelle halten Betreiber und Behörden unter Verschluss. Deshalb hat CORRECTIV eine eigene Probe analysieren lassen.

„Ausgezeichnete Badegewässerqualität“ – aber mit Schadstoffen belastet

Eine europaweite Datenanalyse von CORRECTIV zeigt: Der Filzteich ist bei Weitem nicht das einzige Badegewässer, das mit chemischen Schadstoffen belastet ist und dennoch offiziell als „ausgezeichnet“ gilt. EU-weit sind tausende Badestellen mit etlichen Schadstoffen belastet.

Nicht in all diesen Gewässern ist die Belastung ähnlich hoch wie im Filzteich – und nicht überall besteht ein Gesundheitsrisiko für Badegäste. Doch unsere systematische Auswertung legt einen blinden Fleck im Überwachungssystem der rund 22.000 offiziell ausgewiesenen Badestellen in der EU offen. Denn die europäische Badegewässerrichtlinie verpflichtet die Behörden lediglich, die Badestellen auf zwei Arten von Bakterien zu untersuchen – aber nicht auf chemische Schadstoffe (siehe Infobox zur Badegewässerrichtlinie).

Dabei ist seit Langem bekannt, dass die meisten Gewässer in der EU mit einer Vielzahl von chemischen Schadstoffen belastet sind. Das gilt auch für Seen, Flüsse und Strände an den Küsten, an denen es tausende Badestellen gibt, die offiziell als sauber gelten.

Interaktive Karte: Ist das Wasser an Ihrer Lieblingsbadestelle wirklich sauber?

Für diese Recherche hat CORRECTIV deshalb die Daten aus dem offiziellen Ranking der Badegewässerqualität mit einem zweiten Datensatz kombiniert: dem EU-weiten Monitoring der Wasserrahmenrichtlinie. Mit diesem Regelwerk sollen Behörden den Zustand der Ökosysteme in ihren Gewässern überprüfen. Die Wasserproben, die sie zu diesem Zweck nehmen, werden auf ein deutlich umfangreicheres Spektrum von Dutzenden chemischen Schadstoffen analysiert – darunter Schwermetalle von Arsen bis Zink, Pestizidrückstände und Industriechemikalien wie PFAS. Bisher werden diese Daten jedoch nicht zur Beurteilung der Badewasserqualität herangezogen.

Auf dieser Karte können Sie Badestellen in Ihrer Region oder an Ihrem Urlaubsort finden und abgleichen: Wie bewerten die Behörden die Badewasserqualität? Und wo gilt Schwimmen offiziell als unbedenklich, obwohl im Wasser Schadstoffe festgestellt wurden?

Was unsere Datenanalyse zeigt
Unsere Datenanalyse ermöglicht es, Badestellen zu identifizieren, die offiziell als zum Baden geeignet gelten – die sich jedoch an Gewässern befinden, in denen erhöhte chemische Belastungen festgestellt wurden.

Welche Datensätze wir verwendet haben
Für diese Analyse haben wir zwei Datensätze kombiniert:
1. Daten mit Angaben zum Ranking aller rund 22.000 offiziell ausgewiesenen Badestellen in der EU, die von den regional zuständigen Behörden regelmäßig entsprechend den Vorgaben der Badegewässerrichtlinie untersucht werden. Die Badegewässerrichtlinie schreibt vor, dass Badestellen auf zwei mikrobakterielle Parameter beprobt werden müssen.
2. Daten mit Angaben zum chemischen Zustand aller Oberflächengewässer in der EU, die gemäß den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie kontrolliert werden. Die Wasserrahmenrichtlinie sieht vor, dass die Behörden die ausgewiesenen Gewässer u.a. auf ein breites Spektrum von chemischen Schadstoffen untersuchen müssen.

Wie wir die Datensätze kombiniert haben
Die Datensätze der Badegewässerrichtlinie und der Wasserrahmenrichtlinie enthalten keinen gemeinsamen Identifikator. Daher haben wir die Badestellen anhand geografischer Informationen den jeweiligen Gewässern zugeordnet. Mithilfe der offiziellen Koordinaten haben wir jede Badestelle räumlich dem entsprechenden Fluss-, See-, Küsten- oder Übergangsgewässer zugeordnet, das im Datensatz der Wasserrahmenrichtlinie enthalten ist.

Badestellen werden durch Breiten- und Längengrade identifiziert. Diese haben wir mit öffentlich verfügbaren Geodaten zu den nach der Wasserrahmenrichtlinie ausgewiesenen Oberflächenwasserkörpern abgeglichen:

Badestellen an Seen und Küsten wurden als Treffer gewertet, wenn sie innerhalb von 100 Metern zum nächstgelegenen, nach der Wasserrahmenrichtlinie ausgewiesenen See- oder Küstengewässerpolygon lagen.

Badestellen an Flüssen wurden als Treffer gewertet, wenn sie innerhalb von 50 Metern zur nächstgelegenen, nach der Wasserrahmenrichtlinie ausgewiesenen Flusslinie lagen.

Manuelle Prüfungen deuten darauf hin, dass diese Zuordnungen selbst bei Distanzschwellen von bis zu 250 Metern noch zu mehr als 90 Prozent korrekt sind. Dennoch haben wir die Zuordnung bei Polygonen auf 100 Meter begrenzt, da damit bereits die große Mehrheit der Badestellen erfasst wird. Für Flüsse haben wir einen noch strengeren Grenzwert von 50 Metern gewählt, um der höheren Komplexität von Verschmutzungen in Fließgewässern Rechnung zu tragen (beispielsweise um zu vermeiden, dass Badestellen an einem oberhalb gelegenen Flussabschnitt, für den Daten zu einer nachgewiesenen chemischen Belastung vorliegen, mit einem unterhalb Abschnitt flussabwärts verknüpft werden). Da Flüsse im Datensatz der Wasserrahmenrichtlinie als einzelne Linien dargestellt werden, umfasst ein Abstand von 50 Metern in den meisten Fällen bereits die Distanz von der Flussmitte bis zum Ufer.

Nach der Verknüpfung der Datensätze identifizierten wir Badestellen, die
gemäß den Vorgaben der Badegewässerrichtlinie als „ausgezeichnet“, „gut“ oder „ausreichend“ eingestuft wurden (womit sie als badetauglich gelten); und sich zugleich an einem Wasserkörper befanden, der gemäß der Wasserrahmenrichtlinie den guten chemischen Zustand verfehlte, weil die behördlich gemessenen Werte für einen oder mehrere Schadstoffe die geltenden Umweltqualitätsnormen (Ecological Quality Standards) überschritten. Anschließend haben wir – soweit diese Informationen in den Daten verfügbar waren – die jeweiligen Schadstoffe identifiziert, für die in den behördlichen Proben derart erhöhte Konzentrationen nachgewiesen wurden, dass das beprobte Gewässer den “guten chemischen Zustand” gemäß Wasserrahmenrichtlinie verfehlte.

Ein schlechter chemischer Zustand bedeutet nicht automatisch ein Gesundheitsrisiko für Badegäste
Unsere Analyse erlaubt keine pauschale Aussage dazu, ob das Baden an einer bestimmten Badestelle ein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellt. Wenn ein Gewässer gemäß der Wasserrahmenrichtlinie keinen guten chemischen Zustand erreicht, bedeutet dies, dass die behördlich nachgewiesenen Werte für einen oder mehrere Schadstoffe die geltenden Umweltqualitätsnormen (Ecological Quality Standards) überschreiten. Diese wurden allerdings in erster Linie zum Schutz aquatischer Ökosysteme und wildlebender Tiere festgelegt. Diese Grenzwerte sind also nicht speziell dafür ausgelegt, Risiken im Zusammenhang mit dem Baden in diesen Gewässern abzuschätzen.

Unsere Analyse hilft vielmehr dabei, Gewässer zu identifizieren, in denen erhöhte Schadstoffbelastungen nachgewiesen wurden. Um Rückschlüsse auf mögliche Gesundheitsrisiken für Badegäste ziehen zu können, müssen allerdings weitere Fragen beantwortet werden:
Welche Schadstoffe wurden gefunden?
In welcher Konzentration belasten diese Schadstoffe das Wasser?
Was bedeuten diese Werte für die Gesundheit von Badegästen?

Viele Gewässer sind chronisch belastet

In einigen Ländern (Österreich, Belgien, Deutschland, Niederlande, Schweden, Luxemburg, Lettland und Slowakei) liegen alle in unserer Analyse erfassten Badestellen an Gewässern, die den guten chemischen Zustand gemäß der Wasserrahmenrichtlinie nicht erreicht haben. Dies bedeutet keinesfalls, dass an allen Badestellen in diesen Ländern zwangsläufig ein Gesundheitsrisiko besteht. Vielmehr spiegelt dieses Ergebnis wider, dass die meisten Oberflächengewässer in diesen Ländern – oder, wie im Fall von Deutschland, sogar alle – chronisch belastet sind.

In Europa sind vor allem zwei Schadstoffgruppen dafür verantwortlich, dass viele Oberflächengewässer den guten chemischen Zustand gemäß der Wasserrahmenrichtlinie verfehlen: Quecksilber und polybromierte Diphenylether (PBDE). Beide sind langlebig, reichern sich in der Umwelt, in Nahrungsketten und auch im menschlichen Körper an. Beide gelten als stark gesundheitsschädlich. Die Quecksilberbelastung in Europas Gewässern stammt vor allem aus Kohlekraftwerken, aber auch aus den Schloten anderer Industrieanlagen, wobei es sich teils um historische Emissionen handelt. PBDE wurden früher als Flammschutzmittel in zahlreichen Alltagsprodukten eingesetzt. Sie wurden in der EU zwar längst weitgehend verboten beziehungsweise stark eingeschränkt. Dennoch finden sich diese Stoffe bis heute in der Umwelt. 

Daten zur Konzentration der gefundenen Schadstoffe sind nur sehr begrenzt verfügbar
Eine der größten Einschränkungen in den Monitoring-Daten der Wasserrahmenrichtlinie besteht darin, dass die meisten Länder nicht die konkreten Messwerte angeben, die von den Behörden in ihren Wasserproben nachgewiesen wurden.

Diese Messergebnisse (also konkrete Werte, etwa in µg/l) liegen zwar bei den Behörden vor, die diese Gewässer beprobt haben. Allerdings übermitteln die meisten Mitgliedsstaaten diese Daten nicht an die EU. Deshalb sind diese entscheidenden Angaben nicht in den aggregierten europäischen Datensätzen enthalten.

Detaillierten Angaben zur Konzentration einzelner Substanzen liegen nur für wenige Länder vor: für Österreich, Belgien, Tschechien, Dänemark, Estland, Malta und Rumänien aus dem Jahr 2023, für Deutschland aus dem Jahr 2021, für andere Länder teilweise aus noch weiter zurückliegenden Jahren. Zudem ist die Datenabdeckung selbst innerhalb dieser Länder nicht immer vollständig.

Für die meisten Gewässer in der EU können wir deshalb lediglich angeben, ob sie den “guten chemischen Zustand” gemäß Wasserrahmenrichtlinie erreicht oder verfehlt haben – und welche Schadstoffe gegebenenfalls dazu geführt haben, dass das Gewässer bei der Bewertung durchfiel. Um potenzielle Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit bewerten zu können, müssten die zugrunde liegenden Überwachungsdaten bei den regional zuständigen Behörden in den Mitgliedsstaaten angefordert werden (s. oben).

Unterschiedliche Berichtsjahre und ungleichmäßige Überwachung
Die aktuellsten Daten zur Bewertung der Badegewässerqualität basieren auf Proben, die in der Badesaison 2025 genommen wurden. 

Die aktuellsten Daten zur Bewertung des chemischen Zustands der Gewässer gemäß Wasserrahmenrichtlinie hingegen wurden in den Mitgliedsstaaten zu teils unterschiedlichen Zeiten erhoben. Berichtszyklen und Datenverfügbarkeit variieren daher.
Darüber hinaus unterscheidet sich der Umfang der Überwachung erheblich zwischen den Mitgliedstaaten. Nicht alle Oberflächengewässer werden gleichermaßen auf sämtliche Schadstoffe untersucht. Die Europäische Kommission weist darauf hin, dass einige Länder Messdaten nur für einen Teil ihrer Wasserkörper melden. Finnland beispielsweise erklärte, dass Messdaten für prioritäre Stoffe nur für einen Teil seiner vielen Gewässer vorliegen.
Daher sollte das Fehlen eines schlechten chemischen Zustands in unserem Datensatz nicht automatisch als Beweis dafür gewertet werden, dass ein Gewässer frei von chemischer Belastung ist.

Unsicherheiten bei der räumlichen Zuordnung
Die Datensätze der Badegewässerrichtlinie und der Wasserrahmenrichtlinie verfügen nicht über einen gemeinsamen Identifikator, mit dem sich Badestellen automatisch den überwachten Gewässern zuordnen ließen.
Badestellen werden über geografische Koordinaten identifiziert, die wir mit öffentlich verfügbaren Geodaten zu den gemäß der Wasserrahmenrichtlinie überwachten Gewässern abgeglichen haben. Für Seen und Küstengewässer haben wir eine Distanzschwelle von 100 Metern angewendet, für Flüsse 50 Meter.
Unsere manuelle Überprüfung deutet darauf hin, dass diese Zuordnungen in mehr als 90 Prozent der Fälle korrekt sind. Dennoch bleibt ein Fehlerrisiko. Beispielsweise könnte eine Badestelle fälschlicherweise einem von zwei nahegelegenen Seen zugeordnet worden sein. Dies gilt es im Einzelfall mit Blick auf unsere Karte und einen Abgleich mit den offiziell angegebenen Koordinaten der Badestelle zu überprüfen.

Chemische Belastungen können innerhalb eines Gewässers variieren
Die Überwachung gemäß der Wasserrahmenrichtlinie dient der Bewertung ganzer Wasserkörper. Die Messstellen, an denen die Proben zur Bewertung des chemischen Zustands entnommen werden, liegen häufig nicht unmittelbar an den Badestellen.
Ein Gewässer, in dem erhöhte Schadstoffwerte festgestellt wurden, weist zudem nicht zwangsläufig überall dieselbe Belastung auf. Die Schadstoffkonzentrationen variieren, vor allem in Fliessgewässern. Die gemessenen Konzentrationen hängen außerdem von Faktoren wie den Strömungsverhältnissen, Wetterereignissen und saisonalen Einflüssen ab. So sind etwa Pestizideinträge aus der Landwirtschaft in der Regel im Frühjahr am höchsten.

Daher sollte der chemische Zustand, der für ein gesamtes Gewässers ermittelt wird, nicht automatisch auf eine lokale Badestelle an diesem Gewässer übertragen werden.

Künftige Verbesserungen der Datenverfügbarkeit
Mit den im Mai 2026 verabschiedeten Änderungen der europäischen Wasserrechtsvorschriften werden die Mitgliedstaaten verpflichtet, der Europäischen Umweltagentur (EEA) detailliertere Daten aus ihren Monitoring-Programmen zu übermitteln.
Sobald diese neuen Berichtspflichten von den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden, sollten künftige Analysen dieser Art auf umfassendere und besser vergleichbare Daten zurückgreifen können. Erst dann gäbe es einen genaueren Überblick über die chemische Belastung in Europas Gewässern.

Die vorliegende Analyse sollte daher als eine erste Annäherung an eine EU-weite Bewertung der chemischen Belastung von Badegewässern verstanden werden. Sie identifiziert Badestellen an Gewässern, in denen die offizielle Überwachung erhöhte Konzentrationen chemischer Schadstoffe festgestellt hat. Sie stellt jedoch keine abschließende Bewertung der möglichen Gesundheitsrisiken für Badegäste dar.

Wichtig ist: Die Dosis macht das Gift. Eine chemische Belastung bedeutet deshalb nicht zwangsläufig ein Gesundheitsrisiko für Badegäste. Für Badestellen an Gewässern, die von den Behörden auf chemische Belastungen untersucht werden, zeigt die Karte zwar, welche Schadstoffe gefunden wurden – aber nicht, in welcher Konzentration.

Denn diese genauen Messwerte aus ihren Wasserproben geben nur einige wenige Länder auf EU-Ebene weiter. Hinzu kommt, dass die Angaben aus den Mitgliedstaaten äußerst lückenhaft und teils viele Jahre alt sind. Deshalb haben wir diese Daten nicht in unsere Analyse aufgenommen (siehe Limitierungen). Verlässliche Messwerte zur Höhe der Belastung können bislang nur mit großem Aufwand einzeln bei den regional zuständigen Behörden erfragt werden.

Umgekehrt gilt aber auch: Wenn auf der Karte für eine Badestelle „chemische Belastung unbekannt“ angezeigt wird, ist das leider keine klare Entwarnung. In diesem Fall konnten die Badestellen entweder geografisch keinem Gewässer zugeordnet werden (siehe Methodik) – oder das Gewässer wird von den Behörden im Zuge der Wasserrahmenrichtlinie gar nicht beprobt. Das trifft vor allem auf viele kleine Gewässer wie den Filzteich in Sachsen zu.

Wie wird die Badegewässerqualität offiziell bewertet? 

Für die offizielle Bewertung der Badewasserqualität schreibt die EU-Badewasserrichtlinie den Behörden in den Mitgliedsstaaten vor, an den über 20.000 offiziell ausgewiesenen Badestellen Wasserproben zu nehmen und diese auf zwei Arten von Bakterien zu untersuchen: Escherichia coli (E. coli) und intestinale Enterokokken.

Sie gelten als Indikatoren für fäkale Verunreinigungen – etwa, wenn durch einen Starkregen die Kanalisation überläuft oder Gülle vom Acker in Bäche und Seen gespült wird. Außerdem gibt es in Europa noch immer Klärwerke, die unzureichend gefilterte Abwässer in Flüsse einleiten. 

Wer beim Baden derart belastetes Wasser schluckt, riskiert Durchfall und Erbrechen, in schlimmeren Fällen drohen Infektionen der Atemwege oder der Nieren.

Die Europäische Umweltagentur (EEA) veröffentlicht jedes Jahr eine Übersicht über die Badegewässerqualität. Laut dem aktuellen Bericht, basierend auf Messwerten aus der Badesaison 2025, erfüllen 96 Prozent der Badestellen die Mindestanforderungen, 85 Prozent wurden sogar als „ausgezeichnet“ bewertet.

Bei der Europäischen Umweltagentur (EEA) laufen die Daten zur Wasserqualität zusammen. Sie betont: Die Grenzwerte der Wasserrahmenrichtlinie, deren Daten wir für diese Auswertung genutzt haben, sind für den Schutz von Wasserorganismen ausgelegt. So sollen die empfindlichsten Arten geschützt werden. Zwar können chemische Schadstoffe im Wasser laut EEA durchaus auch für Menschen relevant sein. Das gelte jedoch typischerweise nur für den Verzehr von belastetem Fisch aus solchen Gewässern.

Der Toxikologe Hans-Jörg Martin von der Uni Kiel sieht in den Ergebnissen der Auswertung hingegen einen Hinweis auf eine Lücke im bisherigen Überwachungssystem der EU. Martin kritisiert, dass die Behörden ihre Proben für das offizielle Monitoring der Badegewässerqualität lediglich auf die beiden Bakterienarten untersuchen lassen, “das ist ein Mangel in der aktuell gültigen Richtlinie.” Er ist überzeugt: Würden die Behörden bei der Bewertung der Badewasserqualität auch chemische Parameter berücksichtigen, fänden sie belastete Badegewässer – mit potentiellen Folgen für die menschliche Gesundheit.

Für die meisten Gewässer gibt es keine EU-weiten Angaben dazu, in welchen Konzentrationen chemische Schadstoffe nachgewiesen wurden. Foto: Margo Evardson / unsplash.com
Getrübtes Badevergnügen? Für die meisten Gewässer, wie hier in Kroatien, übermitteln die Behörden der Mitgliedsstaaten auf EU-Ebene keine konkreten Messwerte zur Konzentration der Schadstoffe, die sie in ihren Proben gefunden haben. So bleibt unklar, wie stark die Badegewässer belastet sind – und ob womöglich Gesundheitsrisiken für Badegäste drohen. Foto: Margo Evardson / unsplash.com

Giftiger Müll: Altlast kontaminiert Badesee

Der Chemiker Markus Große Ophoff, Mitglied des Gremiums zur Bewertung der Relevanz von Spurenstoffen, einer Expertenkommission des Umweltbundesamts, sagt: „Selbst wenn bei den meisten Badegewässern in Europa von einer geringen chemischen Belastungen ausgegangen werden kann, sollte man chemische Parameter in die Bewertung der Badegewässerqualität einbeziehen. Das gilt insbesondere rund um bekannte Altlastenstandorte, an denen von einer möglichen erhöhten Belastung mit bestimmten Schadstoffen ausgegangen werden kann.“ 

Eben eine solche Altlast kontaminiert auch den Filzteich im sächsischen Schneeberg. Unweit des Badesees wurde vor Jahren giftiger Müll abgeladen: zehntausende Tonnen Abfall-Schlämme aus der Papierindustrie. Aus diesen Müllhaufen sickert seither schadstoffbelastetes Wasser über einen Bach in den Badesee.

„Die Ablagerungen der Altlast-Deponie“ seien „mittlerweile deutlich in der Wasserqualität des Badegewässers nachweisbar“. So steht es auf dem Aushang am Eingang zum Badestrand. Und dennoch: Die Badestelle erhält bis heute die Bestnote, „ausgezeichnete Badegewässerqualität“.

Tausende Badestellen an belasteten Gewässern

Unsere Analyse zeigt: Der Filzteich ist kein Einzelfall. EU-weit liegen 7866 Badestellen, die gemäß den Vorgaben der Badegewässerrichtlinie als sauber gelten, an Gewässern, die nachweislich mit chemischen Schadstoffen in erhöhten Konzentrationen belastet sind.

Die meisten solcher Badestellen gibt es in Italien, Deutschland, Dänemark, Ungarn und Frankreich. 

CORRECTIV.Europe: Unser europaweites Recherche-Netzwerk

CORRECTIV.Europe ist ein Netzwerk von mehr als 500 europäischen Lokaljournalistinnen und -journalisten. Mit unseren gemeinsamen datenjournalistischen Recherchen fördern wir eine informierte Öffentlichkeit und leisten einen Beitrag zur Stärkung der lokalen Demokratie.

Ein genauerer Blick auf die Daten verrät: In Deutschland sind alle Gewässer, deren chemischer Zustand von den Behörden überwacht wird, chronisch belastet – kein einziges dieser Gewässer erfüllt die Anforderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Deshalb fallen hierzulande tatsächlich alle kontrollierten Gewässer durch.

In weiten Teilen Europas fällt der Befund ähnlich dramatisch aus. Für das schlechte Abschneiden sind vor allem zwei Schadstoffgruppen verantwortlich, die flächendeckend verbreitet, besonders langlebig und noch dazu stark gesundheitsschädlich sind: Quecksilber und eine Reihe von Flammschutzmitteln. Quecksilber wird vor allem aus den Schloten von Kohlekraftwerken in die Umwelt geblasen. Die Flammschutzmittel aus der Gruppe der PBDE wiederum wurden früher in vielen Alltagsprodukten eingesetzt. Wegen ihrer Gesundheitsgefahren ist ihr Einsatz in der EU zwar längst verboten oder zumindest stark eingeschränkt. Dennoch finden sich auch diese Stoffe bis heute fast überall in der Umwelt.

„Monitoring muss mit wissenschaftlichen Erkenntnissen Schritt halten“

Angesichts dieser weit verbreiteten Schadstoffbelastung werden auch in der Politik Forderungen laut, die europäische Badegewässerrichtlinie zu überarbeiten. „Das Monitoring der Badegewässer in Europa muss mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen Schritt halten“, sagt Tiemo Wölken, SPD-Abgeordneter im EU-Parlament und Koordinator seiner Fraktion im Umweltausschuss. Die Bewertung der Badewasserqualität sollte nicht länger „grundlos auf mikrobielle Gefahrstoffe beschränkt werden.“ 

Zu diesem Ergebnis kam sogar die EU selbst. Sie hat ihre Badegewässerrichtlinie evaluieren lassen. Der Abschlussbericht aus dem Frühjahr 2025 bescheinigt der Richtlinie zwar, sie habe „ihr Hauptziel grundlegend erreicht, nämlich die Gesundheit der Badenden in der EU zu schützen – allerdings ausschließlich im Hinblick auf zwei spezifische bakteriologische Parameter.“ Und weiter: „Während sich die Öffentlichkeit angesichts chemischer Schadstoffe in Küsten- und Binnengewässern zunehmend Sorgen über mögliche Gesundheitsgefahren für Badegäste macht, konzentrieren sich Politik und Wissenschaft weiterhin vor allem auf mikrobielle Risiken.“

Der Bericht verweist auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Demnach sollten „neben den beiden derzeit von der Richtlinie erfassten bakteriologischen Parametern auch weitere Schadstoffe beziehungsweise Parameter berücksichtigt werden.“

Auf Anfrage betont die EU-Kommission zunächst, dass ihre Badegewässerrichtlinie die Gesundheit von Badegästen effektiv schütze. Den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, wonach auch chemische Schadstoffe bei der Bewertung der Badegewässerqualität berücksichtigt werden sollten, sei man sich bewusst. Die Kommission werde den Mitgliedstaaten „bald” in diesem Jahr Fragebögen zusenden, um zu erörtern, inwiefern einheitliche Richtlinien und weitere wissenschaftliche Forschung notwendig seien.

Die entscheidende Frage lautet in jedem Fall: Ab welcher Konzentration stellen Schadstoffe eine Gefahr für Badegäste dar?

Behörden in den Niederlanden warnen – und erteilen sogar ein Badeverbot

In den Niederlanden wurden bereits 2024 landesweit Richtwerte für PFAS in Badegewässern festgelegt. Begründung: Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigten, dass die Stoffe „bereits bei einer geringen Belastung gesundheitsschädlich sein können“. 

Der Toxikologe Hans-Jörg Martin findet die klaren Richtlinien in den Niederlanden sinnvoll. Die Belastung mit diesen Stoffen sei ohnehin zu groß, „die sind schon jetzt überall. Und deshalb ist eben jedes bisschen mehr ein bisschen zu viel.“  

Ursachen der Belastung: Chemiefabriken, Feuerlöscher, Schaumparties

In den Niederlanden informieren die Behörden die Bevölkerung aktuell über erhöhte PFAS-Werte in mehreren Badeseen. Eine Badestelle ist deshalb sogar komplett gesperrt. Laut den Behörden gelangten die Stoffe auf vielfältige Weise in die Gewässer: ein See wurde demnach durch eine nahegelegene Chemiefabrik belastet, ein anderer durch PFAS-haltige Feuerlöschschäume – und an einem Freizeitstrand sollen Schaumparties die Ursache der Kontamination gewesen sein.

Als besonders stark belastet gelten die Küsten – insbesondere im Meeresschaum haben Studien extrem erhöhte PFAS-Werte nachgewiesen. Behörden in den Niederlanden und Dänemark raten deshalb davon ab, mit Meerschaum zu spielen oder ihn zu verschlucken. Außerdem empfehlen sie, nach einem Bad im Meer zu duschen oder sich zumindest vor einem Picknick am Strand die Hände zu waschen. Für einen Ausflug an die deutsche Nordseeküste gibt die Kommune Borkum ihren Badegästen ähnliche Tipps

Meerschaum ist besonders stark mit PFAS belastet. An der deutschen Nord- und Ostseeküste fand Greenpeace 2025 in Proben Messwerte von von bis zu 160.000 Nanogramm pro Liter. Zum Vergleich: Diese Werte lagen etwa 4000-fach über dem Grenzwert von 40 Nanogramm pro Liter, der für Badegewässer in Dänemark gilt. 
Foto: Josemaria Bassig / unsplash.org
An der deutschen Nord- und Ostseeküste fand Greenpeace 2025 in Proben bis zu 160.000 Nanogramm PFAS pro Liter. Zum Vergleich: Diese Werte liegen etwa 4000-fach über dem Grenzwert von 40 Nanogramm pro Liter, der für Badegewässer in Dänemark gilt. Foto: Josemaria Bassig / unsplash.org

Auch andernorts in Deutschland wird inzwischen wegen kritischer PFAS-Befunde vor dem Baden gewarnt. In Baden-Württemberg, wo seit Langem eine starke PFAS-Belastung in der Region um Rastatt und Baden-Baden bekannt ist, informierten die Behörden im Juni über stark erhöhte Werte in zwei Badeseen. 

Proben weisen weitere Schadstoffe im Badesee nach

Auch der Filzteich im sächsischen Schneeberg ist mit PFAS belastet. Das belegen Analyseergebnisse von Proben aus dem See, die uns das Sächsische Landesamt für Umwelt auf Anfrage zuschickt. Diese Proben wurden außerhalb des EU-weiten Monitorings genommen, nachdem die Altlast in der Nähe bekannt wurde – allerdings nicht an der Badestelle selbst, sondern am gegenüberliegenden Ufer.

Das sächsische Gesundheitsministerium schreibt dazu auf Anfrage: Bei aktuellen Untersuchungen aus dem Frühjahr 2026 und auch aus den vergangenen zwei Jahren seien vereinzelt erhöhte PFAS-Werte festgestellt worden. Für die Gruppe von vier besonders schädlichen PFAS-Substanzen wurde an einigen Messstellen ein Wert überschritten, den das Umweltbundesamt empfohlen hatte (siehe Infobox), für die größere Gruppe von zwanzig PFAS-Substanzen seien hingegen keine Überschreitungen festgestellt worden. 

Konsequenzen ergeben sich aus diesen erhöhten Schadstoffwerten allerdings nicht – es wird lediglich im Kleingedruckten auf dem Aushang am Kassenhäuschen des Strandbads darauf hingewiesen.

Dieser schlichte Aushang am Kassenhäuschen des Strandbads Filzteich weist prominent auf die "hervorragende Badegewässerqualität" hin. Die PFAS-Belastung des Sees wird lediglich im Kleingedruckten erwähnt. Foto: Lilith Grull
Dieser schlichte Aushang am Kassenhäuschen des Strandbads Filzteich weist prominent auf die „hervorragende Badegewässerqualität“ hin. Die PFAS-Belastung des Sees wird lediglich im Kleingedruckten erwähnt.
Foto: Lilith Grull

Stadtwerke wollen Probenergebnisse nicht veröffentlichen

Die Betreiber des Strandbads, die Stadtwerke Schneeberg, haben zwar auch an der Badestelle selbst Proben nehmen lassen – doch die Ergebnisse veröffentlichen sie nicht. Das Baden im See sei „unbedenklich“, sagte die Geschäftsführerin der Stadtwerke im Mai 2023 gegenüber der Freien Presse. „Es sei denn, jemand kommt an den Filzteich und trinkt seine zwei Liter Wasser.“

Die Ergebnisse dieses „unternehmensinternen Monitorings“ habe man „freiwillig“ an das Gesundheitsamt des Erzgebirgskreises übermittelt. Uns will man die Messwerte nicht geben. Auch das Landratsamt des Erzgebirgskreises, dem das Gesundheitsamt untersteht, will uns die Ergebnisse der Proben nicht verraten.

Deshalb haben wir an jenem heißen Freitag im Juni selbst eine Wasserprobe am Ufer des Strandbades am Filzteich genommen. Die Analyse in einem Fachlabor ergibt: Betrachtet man die Summe der PFAS-4, die zu den weltweit am strengsten regulierten Chemikalien gehören, bleibt das Ergebnis aus unserer Probe zwar knapp unterhalb eines Werts, den das Umweltbundesamt vor einigen Jahren empfahl (siehe Infobox). Setzt man jedoch die strengeren Vorgaben aus Dänemark an, überschreitet unsere Probe diesen Richtwert fast um das Zehnfache. Vor allem die Messwerte für zwei besonders gesundheitsschädliche PFAS-Substanzen sind in unserer Probe deutlich erhöht: PFOA mit 0,15 Mikrogramm pro Liter und PFOS mit 0,12 Mikrogramm pro Liter.

Wir haben sowohl das zuständige Landratsamt als auch den Betreiber der Badestelle um eine Stellungnahme zu unseren Probenergebnissen gebeten. Beide teilten mit, sie seien nicht imstande, sich bis Redaktionsschluss inhaltlich zu äußern.

PFAS in Badegewässern: Wo gelten welche Richtwerte?

Anders als in den Niederlanden und Dänemark gibt es in Deutschland keine bundesweit gültigen Richtwerte, mit denen die Behörden eine PFAS-Belastung von Badegewässern bewerten können.

Zwar hat sich Deutschlands oberste Umweltbehörde, das Umweltbundesamt (UBA), bereits 2024 mit der Frage beschäftigt, ab welchen Konzentrationen PFAS im Badewasser gefährlich werden. In einem Schreiben an den Bund-Länder-Arbeitskreis Badegewässer empfahl das UBA damals für die Gruppe der PFAS-20 Höchstwerte von 2 Mikrogramm pro Liter und von maximal 0,4 Mikrogramm pro Liter für die Gruppe der PFAS-4. 

Beide Angaben sind deutlich weniger streng als jene Richtwerte, die in Dänemark und den Niederlanden gelten. Auf Anfrage will das UBA seine damalige Einschätzung nicht öffentlich machen, „um keine möglicherweise überholten Informationen zu verbreiten.“ Die Diskussion sei nicht abgeschlossen, weitere Untersuchungen im Rahmen von interdisziplinären Studien seien notwendig, „um fundierte Bewertungsgrundlagen in diesem Bereich zu erhalten.“ 

In Baden-Württemberg wiederum orientierten sich die Behörden an einem Wert, der im Nachbarland Bayern ermittelt wurde. Allerdings beruht diese Empfehlung auf Werten, die nur etwa halb so streng sind wie jene, die das Umweltbundesamt empfohlen hatte – und noch deutlich weniger streng als die Vorgaben, die in den Niederlanden und Dänemark gelten.

Warum wird in Schneeberg nicht gehandelt, obwohl die Belastung des Filzteichs seit Jahren bekannt ist?

„Bitte keine Panikmache. Aber wegschauen ist auch keine Lösung“ 

Das Sächsische Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt hält fest, es sei „behördenübergreifend unstrittig, dass nur ein Entsorgungskonzept für die Deponie die Ursache der Einträge dauerhaft unterbinden kann.“ 

Allerdings würde eine Sanierung der Altlast schätzungsweise rund 12 Millionen Euro kosten. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Wolfram Günther (Grüne) hervor. Günther, Sachsens ehemaliger Umweltminister, sagt: „Bitte keine Panikmache. Aber wegschauen ist auch keine Lösung.” Die Behörden seien überfordert. „Die Landkreise haben gar nicht die Ressourcen, um diese Probleme angemessen anzugehen, deshalb schieben sie das Thema vor sich her. Wir dürfen die Verantwortlichen vor Ort damit nicht allein lassen.“ 

„Kritische Substanzen stärker regulieren“

Zugleich müsse das Thema auf EU-Ebene angegangen werden. Dabei dürfe es nicht nur um das Aufräumen von Altlasten wie in Schneeberg gehen – es dürften nicht ständig noch mehr Schadstoffe freigesetzt werden. „Wir müssen an der Wurzel des Problems ansetzen.“ Deshalb fordert Günther, „im ersten Schritt besonders kritische Substanzen wie etwa PFAS stärker zu regulieren und die Industrie in die Pflicht zu nehmen.“  

Im Strandbad am Filzteich steht eine Frau bis zu den Knöcheln im kühlen Wasser. Vor ihr eine kleine Rutsche, neben ihr plantscht ihr Kind. Den Aushang am Eingang, der auf die erhöhten PFAS-Werte hinweist, habe sie nicht gesehen. „Das würde mich jedoch auch nicht davon abhalten, hier schwimmen zu gehen“, sagt sie, zu schön sei es am See. Aber informieren wolle sie sich später trotzdem, denn von diesen Chemikalien habe sie noch nie etwas gehört. Und dann erwähnt sie etwas, das mehrere der Badegäste im Gespräch mit CORRECTIV sagten: Sie vertraue darauf, dass die Verantwortlichen schon entsprechend reagieren würden, wenn mit dem Filzteich etwas wäre.

Text und Recherche: Lilith Grull, Marius Münstermann, Frida Thurm
Daten: Rose Mintzer-Sweeney
Design: Mostafa Negm
Redaktion: Martin Böhmer, Gesa Steeger, Justus von Daniels
Faktencheck: Martin Böhmer, Johannes Gille, Gesa Steeger