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Faktencheck

Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: völlig falsch

Erfundenes Zitat – SPD Politikerin will Deutschen nicht das Recht auf Heimat absprechen

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Was ist Heimat? Karen Taylor will jedenfalls niemandem das Recht darauf absprechen (Symbolbild: Pexels / Pixabay)

von Tania Röttger

Ein Facebook-Post unterstellt der SPD-Politikerin Karen Taylor ein Zitat, das nicht von ihr stammt. Taylor sagte gegenüber CORRECTIV: „Ich kann niemandem das Recht auf eine Heimat nehmen.“

„Es gibt kein Recht auf Heimat für euch Deutsche“, soll Karen Taylor (SPD) gesagt haben, laut einem Bild, das die Facebook-Seite „Fuck the EU“ am 2. Dezember geteilt hat. Darauf steht auch: „Weißenhassende senegalesische SPD-Referentin verurteilt den ‘deutschen Kolonialismus’, betreibt aber die Kolonialisierung Deutschlands durch Afrikaner.“ Das Zitat stammt nicht von ihr. Außerdem hasst Taylor keine Weißen und ist keine Senegalesin.

Facebook Post vom 2. Dezember

Wer das angebliche Zitat bei einer Suchmaschine eingibt, stößt auf ein Interview, dass Taylor im August 2018 der Taz gab. Von dort stammt auch das Foto. Allerdings steht das Zitat nicht in dem Interview. Das Gespräch behandelte aber das Wort Heimat, das Taylor kritisierte, wenn Politiker es nutzten. Sie meinte, oft sei das Wort ausgrenzend.

Auf Anfrage von CORRECTIV schreibt Taylor per Email: „Wie Sie dem Taz-Interview entnehmen konnten, habe ich diesen Satz nie gesagt! Viele Hetzer*innen haben allerdings in Posts auf Twitter, Facebook und in YouTube Videos ihre eigenen Schlussfolgerungen aus dem Interview (das die meisten bestimmt nicht gelesen haben) gezogen und sind zu dieser verkürzten Interpretation gekommen.“

Wir haben auch bei Archive.org nachgeschaut, um zu prüfen, ob der Taz-Artikel eventuell nachträglich verändert wurde. Doch auch die Fassung vom 18. August, ein Tag nach dem das Interview erschien, enthält das Zitat nicht.

Folgen des Bildes

Nach dem Interview erschienen Bilder wie dieses, und Taylor erhielt Hasskommentare. Die SPD Friedrichshain-Kreuzberg veröffentlichte dazu eine Pressemitteilung in der sie ankündigte, alle Kommentare, die den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllten, zur Anzeige zu bringen.

Neben dem erfundenen Zitat enthält das Bild auch weitere falsche Behauptungen. Zum Beispiel wird Taylor als Senegalesin bezeichnet. Sie schreibt dazu: „Mein Chef im Bundestag kommt aus dem Senegal. Ich nicht. Ich bin in Berlin geboren. Selbst das Ursprungsland meiner Eltern ist nicht der Senegal.“ Taylor arbeitet für den Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby (SPD).

Und zu der Behauptung, Taylor betreibe die „Kolonialisierung Deutschlands durch Afrikaner“, schreibt sie: „Wie ich die Kolonialisierung Deutschlands durch Afrikaner vorantreiben wollen soll, ist mir ebenfalls vollkommen schleierhaft.“

Screenshot der Email von Karen Taylor an CORRECTIV

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Deutscher Kolonialismus

Deutscher Kolonialismus steht auf dem Bild in Anführungszeichen, was darauf hindeutet, dass der Urheber des Textes sich von dem Begriff distanzieren will. Dass es deutschen Kolonialismus gab, ist eigentlich nicht umstritten. Deutschland beanspruchte zwischen 1884 und 1914 die Macht über mehrere Staaten in Afrika und im Pazifik, von 1907 bis 1919 gab es dafür eine eigene Behörde, das Reichskolonialamt. Im Jahr 2016 zeigte das Deutsche Historische Museum die Ausstellung „Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“.

Taylor schreibt, sie spreche hin und wieder über das Thema Rassismus, und betone dabei immer wieder, dass „Deutschland seine koloniale Vergangenheit aufarbeiten muss“. Das sei aber kein Weißenhass. „Der ‘Weißenhass’, der mir unterstellt wird, ist frei erfunden.“

Unsere Bewertung:
Das Zitat hat Karen Taylor nicht gesagt, auch die anderen Behauptungen über sie stimmen nicht.

Bewertung: unbelegt

Keine Belege für „brutale“ Vergewaltigung in Arnstadt Mitte April

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Der Polizei ist der beschriebene Fall nicht bekannt. (Symbolbild: cocoparisienne/Pixabay)

von Hüdaverdi Güngör

Eine Facebook-Nutzerin behauptet, in Arnstadt sei ein 14-jähriges Mädchen „brutal“ vergewaltigt worden. Dafür gibt es keine Belege. Der zuständigen Polizeistelle ist kein solcher Fall bekannt.

Die Facebook-Nutzerin postete am 17. April einen Screenshot einer Textnachricht. Darin wird, untermauert von vielen wütenden und erbrechenden Emojis, behauptet: „Am Wochenende in Arnstadt wurde eine 14 Jährige so brutal vergewaltigt, dass man ihr die Gebärmutter rausnehmen musste“. Diese Informationen dürfe jedoch nicht an die Öffentlichkeit, um Aufstände wie in Chemnitz zu vermeiden. Es folgt die Bitte: „Verbreitet das bitte überall“. Der Screenshot wurde bisher mehr als 8600 Mal geteilt. Wir haben recherchiert, ob die Behauptung stimmt.

Die Aussagen sind nicht belegbar. (Screenshot: CORRECTIV)

Der verbreitete Screenshot ist der Landespolizeiinspektion Gotha, die für Arnstadt zuständig ist, bereits bekannt. Auf unsere Presseanfrage teilte uns die Polizei mit: „Im Bereich der Landespolizeiinspektion Gotha ist keine derartige Straftat angezeigt worden.“ In dem Zuständigkeitsgebiet der Landespolizeiinspektion seien in den letzten zwei Wochen auch keine „ähnlich gelagerten“ Vorfälle angezeigt worden. Der Facebook-Post selbst liefert keine Belege für die Behauptung.

Die Antwort der Landespolizeiinspektion Gotha auf unsere Anfrage. (Screenshot: CORRECTIV)

Unsere Bewertung:
Für die angebliche Vergewaltigung eines 14 jährigen Mädchens in Arnstadt gibt es keine Belege.

Bewertung: unbelegt

Notre-Dame: Warum das Bild mit den lächelnden Männern kein Fake ist

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Manche Medien meinten, das Bild sei eine Fälschung. (Foto: Sputnik)

von Tania Röttger

Nach dem Brand der Notre-Dame kursierte ein Foto zweier lächelnder Männer auf Facebook und Twitter. Einige Medien bezeichneten das Bild als Fake. Das stimmt aber nicht.

Wir veröffentlichten am 16. April einen Artikel über Gerüchte, die nach dem Feuer von Notre-Dame auf Facebook und Twitter kursierten. Darunter war auch das Bild von zwei Männern, die lächelnd eine Absperrung nahe Notre-Dame verlassen, das Feuer ist im Hintergrund zu sehen. Das Bild wurde mit dem angeblichen Kontext geteilt, die Männer seien Muslime und würden sich über den Brand freuen. Wir recherchierten die Quelle, ein Artikel auf der englischsprachigen Webseite von Sputniknews, und fanden keine Hinweise darauf, dass das Bild eine Fälschung war.

In unserem Artikel steht folglich: „Die Fotos sind offenbar echt, aber es handelt sich um eine nicht belegbare Unterstellung, dass die Männer sich über den Brand freuten. Der Kontext – zum Beispiel ob die Männer wegen der medialen Aufmerksamkeit oder etwas anderem lächelten – ist nicht bekannt.“

Weil andere Medien das Bild als Fake bezeichnen, und uns Leser immer wieder darauf hinweisen, beschreiben wir hier, wie wir zu unserem Urteil gekommen sind.

Forensiker einer Universität meinen, das Bild sei eine Montage

Kurz nach unserem Artikel veröffentlichte die US-Faktencheck-Organisation Politifact einen Artikel, laut dem das Bild ein Fälschung sei – die Organisation vergab die härteste Bewertung: „Pants on Fire“. In dem Artikel bezieht sich Politifact auf Forscher des Zentrums für Medienforensik der Universität Colorado. Sie sagten demnach, dass man mit bloßem Auge durch Heranzoomen an die rechte Wange des rechts stehenden Mannes erkennen könne, dass die beiden Männer in das Bild hineingeschnitten wurden. Außerdem sei das Bild schon auf Twitter erschienen, bevor Sputnik es veröffentlicht hatte.

Auch die Webseite Volksverpetzer bewertete das Bild daraufhin als Fälschung. Die Autoren kontaktierten laut ihrem Artikel dieselben Forscher, die das Bild gegenüber Politifact als Fälschung eingeschätzt hatten. In Bildmontagen verwiesen sie darauf, dass Teile der Ohren fehlen würden.

So begründet die Webseite „Volksverpetzer“ ihr Urteil, das Bild sei ein Fake.

Doch ähnliche Verzerrungen finden sich auch an anderen Stellen des Bildes, wenn man heranzoomt. Das liegt wohl an der schlechten Qualität.

(Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Was zeigen Forensik-Tools?

Daraufhin untersuchten wir das Bild noch einmal genauer. Unter anderem mit dem Tool Fotoforensics, mit dem man unter bestimmten Voraussetzungen herausfinden kann, ob ein Bild nachträglich bearbeitet wurde.

Zum Beispiel kann man damit die sogenannte Error Level Analysis anwenden. Sie speichert das Bild in einer komprimierten Fassung ab. So sollen Pixel sichtbar werden, die sich in ihrer Art unterscheiden, etwa weil zwei unterschiedliche Aufnahmen übereinander geschnitten wurden. Doch wenn das Bild nur in einer verarbeiteten Fassung vorliegt, weil es etwa auf Server geladen wurde, die Metadaten löschen oder das Bild komprimieren, sind diese Tools weniger aussagekräftig, so wie in diesem Fall.

Beim Umkehren der Farben erkennt man aber auch hier Details, die mit dem bloßen Auge schwer zu erkennen sind. Zum Beispiel werden so einzelne Haare sichtbar. Das per Photoshop zu fälschen, in der Schnelligkeit, wäre sehr schwierig. Auf Sputnik ist das Bild Teil eines Live-Tickers und wurde am 15. April um 21:29 Uhr eingebettet. Das Feuer war am frühen Abend ausgebrochen.

Screenshot des Tools Fotoforensics und Markierung: CORRECTIV

Beim Invertieren der Farben wird auch bei der Version, die Sputnik ursprünglich veröffentlicht hat, sichtbar, dass feine Haarsträhnen zu sehen sind.

Weiteres Material von Sputnik

Wir haben außerdem Sputnik angeschrieben. Die Presseabteilung schickte uns ein Video und das Originalbild. Auf dem Video erkennt man andere Personen, die auf dem Foto zu sehen waren. Außerdem möglicherweise einen der Männer, der gerade das abgesperrte Areal nahe der Kirche verlässt.

Screenshot aus dem Video, das Sputnik uns geschickt hat. (Markierung und Screenshot: CORRECTIV)

Die Presseabteilung erklärte außerdem: Die Fotos stammen von einer Sputnik-Reporterin, die nur mit einem Handy ausgestattet vor Ort war. Sie schickte Fotos und Videos an die Redaktion.

Das Originalbild enthält außerdem Metadaten, laut denen das Bild an dem Ort aufgenommen wurde, von dem es stammen soll.

Diese Metadaten hat das Tool Fotoforensic aus dem Foto ausgelesen, das Sputnik uns zugeschickt hat.

Metadaten können zwar auch gefälscht werden, aber sie sind Teil einer Reihe von Indizien, die zu unserem Fazit führt: Es gibt keine erkennbaren Hinweise darauf, dass das Bild gefälscht ist. Auch die Faktencheck-Organisationen Nieuwscheckers und Lead Stories kamen zu diesem Urteil. Und Politifact hat inzwischen den Titel ihres Artikels angepasst und die gegensätzlichen Bewertungen unter dem Text aufgeführt, wenn auch die Wertung nicht verändert.

Unsere Bewertung:
Unbelegt: Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Bild gefälscht ist.

Bewertung: völlig falsch

Gefälschtes „Fridays-for-Future“-Bild: Doch, die Demos finden auch in den Ferien statt

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„Fridays for Future“-Demonstration am 29. März 2019 in Berlin (Symbolfoto: Tobias Schwarz / AFP)

von Hüdaverdi Güngör

Eine Facebook-Seite veröffentlichte ein Foto einer „Fridays-for-Future“-Demonstration. Darauf wird behauptet, in den Ferien fänden keine Demos statt. Das Bild ist eine Fälschung.

Die Facebook-Seite „Fehler Im System“ postete am 15. April ein Foto. Darauf zu sehen sind mehrere Schüler, die verschiedene Plakate hochhalten. Auf einem der Plakate ist zu lesen: „Während den Schulferien findet unsere Klimademo nicht statt!“. Die Seite schreibt dazu: „Ja, wer hätte das für möglich gehalten.“ Insgesamt wurde das Bild mehr als 300 mal geteilt. Wir haben das Bild überprüft.

Die Seite „Fehler Im System“ veröffentlichte am 15. April das Foto. Screenshot: CORRECTIV

Einige Nutzer äußern Zweifel an der Echtheit des Plakats. Einer schreibt: „Interessant und verstörend wieviele auf diese Manipulationen reinfallen…“

Wir haben das Foto durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen und sind fündig geworden: Bei dem Foto aus dem Facebook-Post handelt es sich um eine Fälschung. Der Tagesspiegel veröffentlichte das Originalbild bereits am 8. Februar. Auf dem Plakat steht: „There’s no planet B“. Entstanden ist das Foto in Berlin.

Der Tagesspiegel veröffentlichte das Foto bereits im Februar. (Screenshot: CORRECTIV)

Keine „Fridays-for-Future“-Demonstrationen in den Ferien?

Wir haben recherchiert, ob die „Fridays for Future“ in den Schulferien stattfinden. Auf der Seite der Organisation sind die nächsten Streiktermine für mehrere Städte gelistet. Laut der Seite finden am Freitag, den 19. April, in mindestens zwölf Städten Demonstrationen statt. Darunter auch Berlin. Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Mitorganisatorin Franziska Wessel dies ebenfalls. Sie schreibt in einer Nachricht: „Natürlich streiken wir auch in den Ferien. Dadurch, dass diesen Freitag allerdings Karfreitag ist, sind nur kleine Sachen geplant.“

Auch an Karfreitag wollen junge Menschen demonstrieren. (Screenshot: CORRECTIV)

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Unsere Bewertung:
Bei dem Foto handelt es sich um eine Fälschung. Die „Fridays-for-Future“-Demonstrationen finden auch in den Ferien statt.

Bewertung: unbelegt

„Bild“ verbreitet unbelegte Behauptung über Mobbing durch „muslimische Mädchen“

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Hat eine Fünftklässlerin in Frankfurt die Schule wegen Mobbing gewechselt? (Symbolbild: Jake Ingle / Unsplash / CC0)

von Till Eckert

Ein Artikel der Bild wurde von einem AfD-Bundestagsabgeordneten zitiert und sein Facebook-Post tausendfach geteilt. Dabei gibt es keine Belege, dass der Fall sich so zugetragen hat.

Johannes Huber, AfD-Bundestagsabgeordneter, schrieb am 1. April in einem Facebook-Post: „Blonde Tochter wird von Muslimen gemobbt.“ Dazu zitierte er die angebliche Mutter des Mädchens, die durch „muslimische Mädchen“ derart gemobbt worden sei, dass ihre Eltern sie „zum Schutz“ aus der Schule nehmen mussten. Der Schulleiter habe dazu gesagt: „Ihre Tochter muss ja nicht sagen, dass sie Deutsche ist. Außerdem können Sie ihr ja ein Kopftuch geben!“

Der Post des AfD-Bundestagsabgeordneten Johannes Huber. (Screenshot: CORRECTIV)

Viele Nutzer kommentieren den angeblichen Fall empört, der Post wurde 5.617 Mal geteilt. Genau wie Huber zitiert auch die Seite „Wir Frauen für die AfD“ die angebliche Mutter, der Post wurde 1.251 Mal geteilt.

Post der Seite „Wir Frauen für die AfD“. (Screenshot: CORRECTIV)

Beide, der Politiker und die Facebook-Seite, geben als Quelle einen Artikel der Bild vom 26. März an. Der Text, überschrieben mit „Wie der Islamismus an die Grundschule Wassermaus kam: Der Zorn der Eltern“ ist ein Folgeartikel früherer Meldungen über religiöses Mobbing an Schulen. Die Bild schreibt einleitend, es hätten sich Eltern aus ganz Deutschland bei der Redaktion gemeldet, die „voller Zorn und Fassungslosigkeit von eigenen Erlebnissen“ berichteten. Der erste angebliche Fall ist der, der von Huber und „Wir Frauen für die AfD“ eins zu eins zitiert wird.

Aus dem „Bild“-Artikel vom 26. März. (Screenshot: CORRECTIV)

Hat sich der Fall wirklich so zugetragen? Im Artikel steht: „Von der betroffenen Schule war am Montag keine Auskunft zu erhalten.“ CORRECTIV kontaktierte den Autor der Artikels in der Bild-Politikredaktion telefonisch am 11. April, um die Schule zu erfragen, an welcher das Mädchen angeblich gemobbt wurde. Der Autor sagt gegenüber CORRECTIV, er habe zusammen mit einem Redakteur in Frankfurt an der Geschichte gearbeitet. Er wollte sich diesbezüglich zurückmelden.

CORRECTIV konnte den Autor anschließend telefonisch trotz mehrfacher Versuche nicht mehr erreichen.

„Fall von Amtsseite her nicht verifizierbar“

CORRECTIV kontaktierte das Staatliche Schulamt für Frankfurt am Main und bat um eine Überprüfung des angeblichen Falls – das Schulamt ist im Raum Frankfurt unter anderem für geplante Schulwechsel zuständig.

Der Leiter des Büros, Rolf Buchborn-Klos, teilte anschließend telefonisch mit, dass der Fall dem Schulamt nicht bekannt ist. Die Amtsleitung habe durch den Bild-Artikel davon erfahren, konnte den Fall allerdings nach weiterer Recherche nicht zuordnen und habe ihn dementsprechend nicht weiterverfolgt. „Der Fall vom März ist von Amtsseite her nicht verifizierbar“, sagt Buchborn-Klos.

Da auch die Bild laut des Artikels offenbar keinen Kontakt zur angeblich betroffenen Schule hatte und ihn bislang nicht um eine Stellungnahme dieser erweiterte, ist der angebliche Fall, auf den AfD-Politiker Huber und die Seite „Wir Frauen für die AfD“ sich beziehen, nicht belegbar.

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CORRECTIV.Faktencheck ist eine eigene Redaktion innerhalb des Recherchezentrums CORRECTIV. Wir arbeiten gezielt gegen Desinformation im Internet, recherchieren langfristig zu Missständen in der Gesellschaft, initiieren Bildungsprogramme und führen Klagen für Bürger- und Presserechte. Dieser Faktencheck wurde mit Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern realisiert. Fördern auch Sie unsere Arbeit!

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Unsere Bewertung:
Unbelegt. Die „Bild“ hat das Zitat der angeblichen Mutter offenbar veröffentlicht, ohne den Fall vorher zu überprüfen.

Bewertung: teilweise falsch

Doch, Bundestagsabgeordnete müssen für einen Großteil ihrer Einnahmen Steuern bezahlen

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Die Altersentschädigung für Abgeordnete hängt von ihrer Amtszeit im Parlament ab. (Foto: Pixabay / Tobias Golla / CC0 )

von Simon Wörz

Eine Bildmontage behauptet, dass jeder zweite Rentner in Deutschland monatlich weniger als 800 Euro erhalte, gleichzeitig aber die Gesetzgeber „kaum Steuern“ bezahlen müssten und „fette Pension“ bekommen würden. CORRECTIV hat die Aussagen überprüft.

Am 9. April teilte die Facebook-Seite „Wir Kinder der 70er und 80er Jahre“ eine Bildmontage, die behauptet, dass jeder zweite Rentner in Deutschland mit weniger als 800 Euro im Monat auskommen müsse. Des Weiteren würden „die, die diese Gesetze so gemacht haben […] nicht schwer arbeiten und statt einer gekürzten Rente eine fette Pension bekommen.“ Der Text der Montage schließt mit der Frage: „Nennt ihr das etwa Gerechtigkeit?“

Drei Tage nach der Veröffentlichung wurde der Beitrag mehr als 3.800 Mal geteilt und knapp 500 Nutzer kommentierten das Bild.

Der virale Beitrag auf Facebook (Screenshot: CORRECTIV)

Knapp die Hälfte der Renten lag 2016 unter 800 Euro

Auf Anfrage von CORRECTIV teilte das Bundesarbeitsministerium mit, dass im Jahr 2016 48 Prozent aller Rentenzahlbeträge nicht die Grenze von 800 Euro pro Monat überschritten. Der durchschnittliche Rentenzahlbetrag lag 2017 laut dem Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung bei monatlich 848,32 Euro. Die Behauptung, dass jeder zweite Rentner mit weniger als 800 Euro im Monat auskommen müsse, ist dementsprechend richtig.

Auch Bundestagsabgeordnete zahlen für den Großteil ihrer Einnahmen Steuern

Im nächsten Absatz heißt es: „Die Menschen, die diese Gesetze so gemacht haben, bezahlen kaum Steuern, arbeiten nicht schwer und bekommen statt einer gekürzten Rente eine fette Pension.“ Die Abgeordneten des Bundestags, welcher in Deutschland maßgeblich die Gesetzgebung bestimmt, müssen für ihre monatliche Entschädigung in Höhe von 9.780,28 Euro ganz normal Einkommensteuer entrichten.

Zusätzlich erhalten die Bundestagsabgeordneten eine monatliche Kostenpauschale in Höhe von 4.418,09 Euro, die „die durch die Ausübung des Mandats entstehenden Aufwendungen abdecken soll.“ Diese Pauschale ist steuerfrei. Von den insgesamt 14.198.37 Euro, welche die Abgeordneten im Rahmen ihrer parlamentarischen Tätigkeit erhalten, entfällt auf etwa 69 Prozent Einkommenssteuer. Die Behauptung, dass die Gesetzgebenden „kaum Steuern“ zahlen würden, ist also größtenteils falsch.

Der Bundestag informiert auf seinem Webauftritt über die Zahlungen an Abgeordnete (Screenshot: CORRECTIV)
Der Bundestag informiert auf seinem Webauftritt über die Zahlungen an Abgeordnete (Screenshot: CORRECTIV)

Ex-Abgeordnete erhalten erst Übergangsgeld und ab 67 eine Altersentschädigung

In der Bildmontage ist zudem von „fetten Pensionen“ die Rede, die den Abgeordneten ausgezahlt würden. Stimmt das? Scheidet ein Abgeordneter aus dem Bundestag aus, erhält er zunächst das sogenannte Übergangsgeld. Paragraf 18 des Abgeordnetengesetzes legt fest, in welcher Höhe und wie lange das Übergangsgeld ausgezahlt wird. Auf der Webseite des Bundestags wird die Regelung zusammenfassend erklärt.

Abgeordnete erhalten maximal 18 Monate Übergangsgeld (Screenshot: CORRECTIV)

Wie auch in der gesetzlichen Rentenversicherung, erhalten die Abgeordneten ab dem 67. Lebensjahr eine Altersentschädigung in Höhe von 2,5 Prozent der Abgeordnetenentschädigung. Voraussetzung dafür ist eine mindestens einjährige Mitgliedschaft im Bundestag für jedes weitere Jahr im Bundestag wächst der Betrag um jeweils 2,5 Prozent. Der Höchstbetrag der Altersentschädigung liegt bei 67,5 Prozent.

Die Altersentschädigungen setzen sich somit für jeden ehemaligen Abgeordneten individuell zusammen, genauso wie es auch bei der Rente normaler Arbeitnehmer der Fall ist. Die Aussage, nach der Abgeordnete „statt einer gekürzten Rente eine fette Pension“ bekommen, lässt sich nicht belegen.

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Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Jede zweite Rente in Deutschland beträgt weniger als 800 Euro. Bundestagsabgeordnete erhalten mit dem Renteneintrittsalter eine Entschädigung, die von der Dauer ihres Mandats abhängt. Dass Bundestagsabgeordnete kaum Steuern zahlen, stimmt nicht.

Bewertung: falsch

Falschmeldung über Zahlung von Jens Spahn an Anwälte

GERMANY-POLITICS-CDU-CONGRESS
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Eine Falschmeldung bringt Jens Spahn in Verbindung mit Millionen-Ausgaben für Anwälte. (Bild vom 7. Dezember 2018; John MACDOUGALL / AFP)

von Tania Röttger

Das Team Wallraff hat in einer Dokumentation Missstände in Psychiatrien aufgedeckt. In dem Zusammenhang kursiert seit Tagen die Meldung, Jens Spahn habe Millionen an Anwälte gezahlt, damit diese die Ausstrahlung verhindern. Das stimmt aber nicht.

Die RTL-Dokumentation „Undercover in Psychiatrien und Jugendhilfe“ vom 18. März erreichte ein Millionen-Publikum – viele waren entsetzt über die Zustände in den gezeigten Psychiatrien.

Am 19. März veröffentlichte ein Nutzer einen Facebook-Beitrag, laut dem Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) „ungefähr 2,5 Millionen Euro“ ausgegeben habe, um die Ausstrahlung der Sendung zu verhindern. Bisher wurde der Beitrag mehr als 2.600 Mal geteilt.

Screenshot vom Facebook-Post

Tatsächlich hatte Wallraff selbst erzählt, dass so viele Anwaltschreiben wie noch nie versucht hätten, die Sendung zu stoppen. „Aber wir senden ja jetzt erst recht“, so der Journalist.

Die Bild berichtete darüber – daher kommt auch ein Teil der Bildmontage in dem Facebook-Beitrag. Allerdings hat Jens Spahn oder das Ministerium damit nichts zu tun – sie haben kein Geld an Anwälte gezahlt. Das waren die Psychiatrie-Betreiber.

Artikel in der Bild (Screenshot: CORRECTIV)

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums wies die Behauptungen entschieden zurück. Auch RTL entkräftete das Gerücht per E-mail. So habe es ungefähr 30 Anwaltsschreiben gegeben, allerdings keines vom Gesundheitsministerium oder Jens Spahn. Die meisten kamen demnach von einem Vivantes Krankenhaus.

Email der RTL-Sprecherin
Unsere Bewertung:
Falsch. Jens Spahn hat keine Anwälte bezahlt, um die Wallraff-Dokumentation zu verhindern. Die Anwaltsschreiben kamen vor allem von im Beitrag genannten Krankenhäusern.

Bewertung: teilweise falsch

Irreführender Bericht über Gebühr für Bargeldabhebungen

Bildschirmfoto 2019-03-29 um 14.16.19
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Bildschirmfoto 2019-03-29 um 14.16.19
Artikel auf der Webseite „Die Männer Seite“ (Screenshot CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Kostet Geldabheben bald 15 Euro? Das behauptet die Webseite „Die Männer Seite“. CORRECTIV hat recherchiert, was dahinter steckt.

In Sozialen Netzwerken kursiert ein Artikel der Webseite Die Männer Seite mit der Überschrift „Banken führen neue Gebühr ein Geld abheben kostet bald 15 Euro“.

Müssen Bankkunden also bald zahlen, wenn sie Bargeld abheben? Weiter unten steht im Die Männer Seite-Text „Denn viele Banken führen nun eine neue Servicegebühr ein, die das Abheben von Geld teuer machen kann – besonders bei kleineren Beträgen!“ Der Hinweis „Erfahrt hier, welche Kunden betroffen sind!“ unter dem Artikel verlinkt nirgendwo hin. Auch sonst liefert der Artikel auf den ersten Blick keine Belege für die aufgestellten Behauptungen.

Nur wer genau hinsieht, entdeckt, dass der Artikel auf drei Seiten aufgeteilt ist. Eine klassische Form von Clickbait. Erst auf der zweiten Seite relativiert die Webseite: „Der Gang zum Geldautomaten könnte für einige Bankkunden demnächst teuer werden. Denn nun wollen die Banken Gebühren einführen, die bis zu 15 Euro gehen können. Vor allem bei kleineren Beträgen wird das angewendet.“ Auf Seite drei folgt eine weitere Relativierung: „Alternativ kann man sich das Geld aber auch in Supermärkten besorgen! Bei Rewe, Edeka und Aldi Süd kann man sich kostenlos Bargeld herausgeben lassen. Und das schon bei einem Einkaufswert von 10 oder 20 Euro.“

Die Überschrift des Artikels ist also gezielt irreführend gewählt und zugespitzt. Erst auf Seite zwei und drei wird der Leser aufgeklärt, dass es sich nicht um eine generelle Gebühr für alle Banken und Abhebungen handelt.

Was steckt hinter der Meldung?

Am 30. November 2018 veröffentlichte die Verbraucherzentrale eine Meldung, die vor „undurchsichtigen Preisstukturen“ von Direktbanken warnte. „Wir erhalten zahlreiche Beschwerden über eingeführte Mindestabhebebeträge und undurchsichtige Preisstrukturen bei einigen Direktbanken“, so die Verbraucherzentrale.

In der Meldung wird an einer Stelle auch eine 15-Euro-Gebühr erwähnt. Allerdings nur in einem konkreten Fall. Es geht um Direktbanken, die oft mit kostenlosen Girokonten und Kreditkarten werben. Die Verbraucherzentrale bemängelt: „Tatsächlich kostenlos bleiben die Girokonten einiger Direktbanken nur dann, wenn ein Mindestbetrag abgehoben wird.“

Als konkrete Beispiele nennt die Verbraucherzentrale die ING DiBa, DKB und Comdirect Bank. Wer zum Beispiel bei der ING DiBa Beträge unter 50 Euro abheben wolle, müsse dafür eine „kostenpflichtige ‘Kleinbetrags-Option’ hinzubuchen“. Kostenpunkt: zehn Euro. Wer weniger als 50 Euro auf dem Konto habe, könne jedoch kleinere Beträge auch kostenlos abheben. Die DKB verlange für die Option auf kleinere Abhebebeträge  15 Euro.

Meldung der Verbraucherzentrale vom 30. November 2018 (Screenshot CORRECTIV)

 Die DKB weist Kunden auf Ihrer Webseite auf die „Mini-Bargeld-Option“ hin:

Die ING DiBa schreibt in ihrem Preis- und Leistungsverzeichnis, dass das Abheben von Beträgen unter 50 Euro nur mit einer „Kleinbetrags-Option“ für 10 Euro monatlich möglich sei. Außer, wenn Kunden weniger als 50 Euro auf ihrem Konto hätten.

Preis und Leistungsverzeichnis der ING DiBa (Screenshot: CORRECTIV)

Überspitzte Darstellung in mehreren Überschriften

Die Überschrift auf Die Männer Seite suggeriert, dass es zukünftig eine generelle Gebühr von 15 Euro für Bargeldabhebungen gebe. Das ist falsch. Richtig ist: Einige Direktbanken erheben Gebühren, wenn ihre Kunden Beträge unter 50 Euro abheben möchten.

Ende 2018 berichteten Medien und mehrere Webseiten wie Focus, Chip.de und Finanzen.net über die neu eingeführten Gebühren einiger Direktbanken für Geldabhebungen unter 50 Euro. Während der Focus korrekt titelte „Geldabheben am Automaten: Erste Direktbanken führen Gebühren ein“, waren die Überschriften von Chip.de („Banken führen neue Gebühr ein: Geld abheben kostet bald 15 Euro!“) und Finanzen.net („Neue Gebühr eingeführt: 15 Euro fürs Geldabheben am Automaten“) ebenfalls irreführend.

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Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Es gibt keine neue generelle Gebühr aller Banken für Bargeldabhebungen. Einige Direktbanken verlangen von ihren Kunden zusätzliche Gebühren für Abhebungen unter 50 Euro.

Bewertung: unbelegt

Keine Belege dafür, dass Helmut Schmidt das über Muslime gesagt hat

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Helmut Schmidt bei einem Parteitag der SPD in Berlin im Dezember 2011. Foto: © John MacDougall / AFP

von Till Eckert

Ein angebliches Zitat von Helmut Schmidt wird hundertfach auf Facebook geteilt. CORRECTIV findet keine Belege dafür, dass Schmidt das so gesagt hat.

Ein Facebook-Nutzer verbreitet mit einem Post vom 25. März ein angebliches Zitat des 2015 verstorbenen Altkanzlers Helmut Schmidt ohne Quellenangabe. Demnach soll Schmidt gesagt haben, dass „Muslime“ sich „nicht in unsere Gesellschaft integrieren“ könnten und sie ihren Glauben aufgeben müssten, um „überhaupt integrierbar zu sein“. Im Posting-Text über der Bildmontage steht: „Was für ein Nazi und Rassist.“ Der Post wurde bisher 811 Mal geteilt.

Keine Belege: Posting mit angeblichem Schmidt-Zitat auf Facebook. Screenshot: CORRECTIV

Auch die AfD-Fraktion Wilmershaven und der AfD Ortsverband Heroldsberg-Eckental-Kalchreuth teilten den Post auf ihren Seiten. CORRECTIV hat den Ursprung der Bildmontage recherchiert.

Schmidt äußerte sich kritisch zu Muslimen, Zuwanderung und Integration – aber nicht mit diesen Worten

Eine Bilder-Rückwärtssuche leitet zur Quelle: Die Bildmontage tauchte in dieser Form erstmals auf der Webseite „Dr Coldwell Report“ auf.

Für die Fälschung wurde eine ältere Bildmontage verwendet, die dasselbe Foto von Schmidt zeigt, aber mit einem anderen Zitat versehen ist: „Wer die Zahlen der Moslems in Deutschland erhöhen will, nimmt eine Zunehmende Gefährdung unseres inneren Friedens in Kauf.“ Hier ist mit Helmut Schmidts Buch Außer Dienst von 2008 eine Quelle angegeben. Tatsächlich schreibt Schmidt das so auf Seite 236 und bestätigte in einem Interview mit Sandra Maischberger vom 14. Dezember 2010, dass das weiterhin seine Position ist.

Tweet von Erika Steinbach vom 19. März 2018. Screenshot: CORRECTIV

Die verfälschte Bildmontage muss nach einer Archivsuche im Netz zwischen dem 3. Januar, wo die Seite bei archive.org letztmalig archiviert wurde, und dem 28. März 2019, dem Zeitpunkt der Archivierung durch CORRECTIV, entstanden und dann bei „Dr Coldwell Report“ eingestellt worden sein.

Es gibt keine Belege dafür, dass Schmidt sich je so zum Thema geäußert hat, wie in dieser Bildmontage suggeriert. Das bedeutet jedoch nicht, das er im Laufe seines Lebens keine kritische und teils drastische Aussagen traf. So sagte Schmidt dem Spiegel in einem gemeinsamen Gespräch mit Gerhard Schröder 2013: „Ich bin sehr skeptisch, was die Einwanderung aus islamischen Kulturen angeht.“ Und weiter: „Bei den Türken, bei den Leuten aus dem Libanon und den islamischen Staaten insgesamt“ sehe er ein Problem, so Schmidt.

In einem Artikel des Focus von 2005 sagte Schmidt zum Thema Integration: „Die Zuwanderung von Menschen aus dem Osten Anatoliens oder aus Schwarzafrika löst das Problem nicht, schaffte nur ein zusätzliches dickes Problem.”

Aus einem Beitrag von „Focus“ vom 11. Juli 2005. Screenshot: CORRECTIV
Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Belege dafür, dass Helmut Schmidt diese Aussage so getroffen hat. Allerdings äußerte er sich inhaltlich in ähnlicher Weise in verschiedenen Interviews und in seinem Buch.

Bewertung: größtenteils richtig

Ja, ein Kardinal hat im Jahr 2002 gesagt, Abtreibung sei ein schlimmerer moralischer Skandal als sexueller Missbrauch

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Kardinal George Pell am 27. Februar 2019 auf dem Weg ins Gericht in Melbourne. © Con Chronis / AFP

von Tania Röttger

Das Zitat eines wegen Missbrauchs verurteilten Kardinals verbreitet sich auf Facebook. Da manche sich fragten, ob es stimmt, haben wir recherchiert.

Die Facebook-Seite „Politik und Zeitgeschehen“ veröffentlichte am 20. März 2019 eine Bildmontage mit einem Zitat: „Abtreibung ist schlimmer als Kindesmissbrauch“. Gesagt haben soll das Kardinal George Pell. Dazu der Text: „Sagt der, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde…. Leider werden diese widerlichen Wesen nie hart genug bestraft. Während die Opfer lebenslänglich bekommen.“ Der Beitrag wurde fast 3000 Mal geteilt. Nutzer haben ihn als potenzielle Falschmeldung gemeldet.

Screenshot von Facebook

Unsere Recherche ergab aber, dass das Zitat größtenteils stimmt. Der australische Kardinal George Pell hatte während des Weltjugendtages der römisch-katholischen Kirche in Toronto 2002  eine ähnliche Aussage im Jahr 2002 getroffen. Laut eines Berichts der kanadischen Zeitung The Globe and Mail vom 25. Juli 2002 habe er gesagt, dass Abtreibung ein „schlimmerer moralischer Skandal“ sei als der Missbrauchs-Skandal in der katholischen Kirche.

Es war eine Reaktion auf die Frage des  Jugendlichen Greg Rickert aus Kentucky, wie man reagieren solle, wenn man nach den Missbrauchs-Skandalen in der katholischen Kirche gefragt werde.

Der anwesende Journalist habe Pell danach gefragt, was er damit meine. Daraufhin habe Pell geantwortet: „Weil [Abtreibung] immer eine Zerstörung von menschlichem Leben ist.“

Medien: Pell bestätigte Aussage mit Statement

Im Anschluss berichteten Medien darüber, zum Beispiel der australische Sydney Morning Herald am 29. Juli 2002. Der Herald erhielt auch eine weitere Bestätigung des Zitats. Als der Kardinal am 2. August in Australien landete, sagte er demnach: „Ich rücke von meinen Aussagen nicht ab.“

Aus einem Text des Sydney Morning Herald. Screenshot: CORRECTIV

Zudem äußerte sich Pell in einem Statement zu der Kontroverse. Er meinte, seine Aussage sei aus dem Kontext gerissen worden, aber er leugnete nicht, dass er sie getätigt hatte. Vielmehr Der Herald und The Age berichteten, dass Pell sich dadurch rechtfertigte, dass die Medien über manche moralische Skandale – wie die Abtreibung – zu wenig berichten würden.

Aus einem Text von The Age. Screenshot: CORRECTIV

Verurteilung wegen sexuellem Missbrauch

Im Dezember 2018 wurde Pell wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Jungen verurteilt. Das kam offiziell allerdings erst Ende Februar heraus, das australische Gericht hatte bis dahin eine Nachrichtensperre verhängt. In dem Zusammenhang wurde auch sein Statement wieder thematisiert. Inzwischen wurden mehrere Journalisten und Verlage angeklagt, die sich nicht an die Nachrichtensperre gehalten hatten.

Unsere Bewertung:
Die Behauptung stimmt größtenteils. Pell hatte im Jahr 2002 gesagt, Abtreibung sei ein größerer moralische Skandal als Missbrauch.

Bewertung: völlig falsch

Erfundener Autor: Falschmeldung über Absage wegen Greta Thunberg

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Greta Thunberg am 15. März bei einer „Fridays for Future“ Demonstration in Stockholm. (Foto: PONTUS LUNDAHL / TT NEWS AGENCY / AFP)

von Simon Wörz

Auf Facebook kursiert das Foto einer Zeitungsmeldung, in der es um die Absage eines Autors für die Verleihung der Goldenen Kamera geht. Der angebliche Grund: Die Ehrung von Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg. Die Meldung – und der Autor – sind frei erfunden.

Am 20. März 2019 veröffentlichte ein Nutzer auf Facebook das Bild einer Zeitungsmeldung mit der Überschrift: „Goldene Kamera: Erste Absage wegen Greta Thunberg“. In dem Text mit der Ortsmarke „Berlin“ wird behauptet, der „Star-Autor Tim Dillinger“ begründe sein Nichterscheinen mit der Verleihung des „Sonderpreises für Klimaschutz“ an die Klima-Aktivistin aus Schweden. 

Der zweite Abschnitt der Meldung besteht aus einem längeren Zitat Dillingers, das er in einer Erklärung verbreitet haben soll. Er bezeichnet Thunberg darin unter anderem als „Ikone der künstlich gehypten Ersatzreligion ‘Klimaschutz’“.

Screenshot des Facebook-Posts

Thunberg bekommt die Goldene Kamera verliehen

Die 16-jährige Thunberg ist die Begründerin der sogenannten „Fridays for Future“-Bewegung, bei der Schüler seit Monaten freitags für eine klimafreundliche Politik demonstrieren. Der Film- und Fernsehpreis Goldene Kamera ehrt die Schwedin in diesem Jahr mit dem Sonderpreis Klimaschutz, wie die Funke Mediengruppe, Initiator der Verleihung, am 19. März in einer Pressemitteilung bekannt gab.

Den „Bestseller-Autor“ Tim Dillinger gibt es nicht

Bereits am 21. März entlarvte die Webseite Der Volksverpetzer die Meldung über die angebliche Absage als Fälschung. Wer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek oder der virtuellen Buch-Suchmaschine des Karlsruher Instituts für Technik nach Tim Dillinger sucht, steht mit leeren Händen da. Es findet sich kein Werk des im Artikel betitelten „Bestseller-Autors“. Auch die Suche auf Amazon  nach einem Buch von ihm bleibt erfolglos.

Auf Facebook existiert eine Seite des vermeintlichen Autors mit 79 Gefällt-Mir-Angaben. Der Betreiber kommentiert das Geschehen mit sarkastischen Beiträgen über die Kritik an dem gefälschten Bild des Zeitungsartikels.

Screenshot des Profils von „Tim Dillinger“

Im Nachhinein machten mehrere Facebook-Nutzer öffentlich, auf die Fälschung hereingefallen zu sein, wie diese Beiträge zeigen. 

 

 

Unsere Bewertung:
Komplett falsch. Den Autor Tim Dillinger gibt es nicht, deshalb hat er auch keine Veranstaltung abgesagt. Die Meldung ist frei erfunden.

Bewertung: richtig

Ja, dieses Foto zeigt eine Augsburger Unterkunft für Asylsuchende

Augsburg
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Augsburg
Facebook-Post des Accounts „Freunde der Kartoffel“: (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

von Nathan Niedermeier

In Sozialen Netzwerken kursiert ein Foto eines vermüllten Innenhofs, das mit einem Asylbewerberheim in Augsburg in Verbindung gebracht wird. Die Aufnahme ist ein Ausschnitt aus einem älteren Video, zeigt aber tatsächlich den Außenbereich einer Gemeinschaftsunterkunft in Augsburg.

Seit Jahren wird das Foto im Netz geteilt, aktuell wieder verstärkt. Unter anderem veröffentlichte die Facebook-Seite „Freunde der Kartoffel“ das Foto am 17. Februar 2019 mit der Überschrift „Augsburg vor einem Asylantenheim“. Bisher wurde der Beitrag 9.292. Mal geteilt. In den Kommentaren unter dem Bild diskutieren Nutzer über die Echtheit des Fotos und den Kontext. Wir haben recherchiert. 

Unsere Rückwärts-Bildersuche mit den Suchmaschinen Google, Yandex und TinEye ergab als früheste Quelle für das Bild ein Youtube-Video mit der Unterschrift „Müll vor dem Asylheim in Augsburg“. Der Youtube-Kanal „Interessantes und Verrücktes“ veröffentlichte es im Oktober 2014. Seitdem wurde das Video 250.805 Mal geklickt.

Youtube-Video mit mehr als 250.000 Klicks. Wer den Müller verursacht hat, ist laut Regierung Schwaben unklar. (Screenshot: CORRECTIV)

Regierung Schwaben geht von der Echtheit des Bildes aus

Die Regierung Schwaben bestätigte CORRECTIV gegenüber, dass die Aufnahmen den Außenbereich einer Flüchtlingsunterkunft in Augsburg zeigen. „Der Urheber der Verunreinigungen ist uns nicht bekannt. Wir haben den Müll danach entsorgen lassen“, so die Regierung Schwaben. Auch der Urheber des Videos sei der Regierung Schwaben nicht bekannt.

Die Augsburger Allgemeine berichtete  im Mai 2015 in einem Artikel über das Video. Dort heißt es über die betreffende Unterkunft: „Die Wohnungen sind teils alt, das Haus ist übervoll. Zuletzt wohnten dort über 250 statt der früher 170 Menschen. Mütter leben mit mehreren Kindern in kleinen Räumen, sieben Familien teilen sich eine Küche.“

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Unsere Bewertung:
Richtig. Das Bild zeigt den Außenbereich der Asylunterkunft Schülestraße in Augsburg. Die Aufnahme ist 2014 oder früher entstanden. Wer den Müll verursacht hat, ist unklar.