Zwei Senioren, die in einem Park ihre Rente genießen.
Zwei Senioren, die in einem Park ihre Rente genießen.

von Marcus Bensmann

In Deutschland gibt es weniger Rente als in Österreich. Eine Bürgerversicherung könnte das Problem lösen.

In einem Facebookpost vom 18. August 2018 prangert eine Tafel die unterschiedlichen Rentenzahlungen in Deutschland und Österreich an. Der Post wurde über 68.000 Mal geteilt.

Die Tafel ist in schwarz gehalten, die Schrift ist weiß, und ins Bild ragen die Bettelhände einer alten Frau.

Screenshot vom Facebookpost/ Screenshot von CORRECTIV

Auf dem Bild steht, dass ein Rentner in Deutschland durchschnittlich 857 Euro bekäme, und in Österreich 1455 Euro. Dann folgt der Kommentar: „In Österreich können die Rentner den Ruhestand genießen, bei uns müssen sie Flaschen sammeln und zur Tafel gehen.“

Dann steht fettgedruckt in weißen Lettern der Aufruf: Schämt Euch!

Und in der Tat, der Unterschied zwischen den Renten in beiden Ländern ist deutlich, auch wenn die Zahl auf dem Bild nicht ganz aktuell ist.

Die Deutsche Rentenversicherung hat für 2017 eine Durchschnittsrente in Deutschland für 865 Euro errechnet, darunter fallen aber auch die Renten für Witwen und Erwerbsminderung. Die Regelaltersrente liegt demnach bei 902 Euro.

Screenshot Internetseite der Deutschen Rentenversicherung /Screenshot von CORRECTIV

Obwohl Deutschland und Österreich eine vergleichbare Sozial- und Wirtschaftsstruktur haben, bekommen die alten Menschen nach der Berufstätigkeit in Österreich mehr.

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler Stiftung hat in einer Studie vom September 2017 den Vergleich gemacht und die Gründe analysiert.

Die Studie stellte fest:

Männliche Rentner bekommen in Österreich fast 800 Euro mehr, Frauen immerhin über 600 Euro mehr als in Deutschland.

Screenshot Studie /Screenshot von CORRECTIV

 

Einerseits hat Österreich bessere demografische Bedingungen. Es gibt mehr junge Leute. Auf 100 Personen kamen 2015 in Deutschland 35 Rentner, in Österreich nur 30. Zudem sind die Rentenbeiträge in Österreich höher, und der Arbeitgeber zahlt einen größeren Teil der Rentenbeiträge, während in Deutschland Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleich viel zahlen: jeweils 9,4 Prozent des Bruttolohnes.

Aber der zentrale Grund für die höheren Renten in Österreich ist so einfach wie klar. Alle Berufstätigen zahlen ein – auch Beamte und Selbstständige.

Screenshot Studie /Screenshot CORRECTIV

 

Das ist der wichtigste Unterschied. In Deutschland fordern seit Jahren SPD, Linke und Grüne die Einführung einer Bürgerversicherung, in die auch Beamte und Selbstständige und da zum Beispiel auch die Ärzte einzahlen müssten. Ärzte haben ihre eigene Pensionskasse. Beamte zahlen keinerlei Rentenbeiträge, bekommen aber eine Pension vom Staat. Die bürgerlichen Parteien CDU und FDP sind gegen eine solche Änderung. In der AfD tobt in der Rentenfrage ein Richtungsstreit, über den die Partei im Sommer 2019 entscheiden will.

Wenn also alle in die gleiche Rentenversicherung einzahlen würden, so wie es in Österreich ist, würden in Deutschland die Renten steigen. Eine Bürgerversicherung wäre der Weg, dass auch in Deutschland die Rentner wie in Österreich mehr Geld bekämen.

 

Unsere Bewertung:
Ja, die Information stimmt, allerdings nennt die Tafel nicht den Grund für den Unterschied: Wenn in Deutschland Beamte und Selbstständige ebenfalls in die Rentenkassen einzahlen müssten, wären die Renten in Deutschland höher.

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Es gibt keine Belege dafür, dass deutschlandweit heimlich 5G-Stationen errichtet wurden. (Symbolbild: Pixabay / schwarzweisz).

von Kathrin Wesolowski

In einem Artikel wird behauptet, die Regierung lasse heimlich 5G-Stationen ausbauen. Dies sei beispielsweise in der Gemeinde Dießen am Ammersee bereits geschehen. Für die Behauptungen gibt es keine Belege.

In einem Artikel von Watergate.tv mit dem Titel „So lässt die Merkel-Regierung das gefährliche 5G heimlich ausbauen“ wird behauptet, die Bundesregierung installiere „offenbar heimlich“ 5G-Antennen, also Antennen zum neuen Mobilfunkstandard. Diese würden als solche nicht erkannt werden. In der Gemeinde Dießen seien beispielsweise bereits heimlich 5G-Stationen errichtet worden. 

Der Artikel wurde am 16. Juni 2020 veröffentlicht und bisher laut dem Analysetool Crowdtangle über 1.300 Mal auf Facebook geteilt. CORRECTIV hat die Behauptung überprüft. Die Pläne der Bundesregierung sind öffentlich einsehbar. Weder in noch um Dießen wurden bislang nach Behördenangaben 5G-Stationen errichtet. Es gibt also keine Belege für einen heimlichen Ausbau der 5G-Standorte. 

5G-Sendeanlagen sind unter anderem an Straßenlaternen und Ampeln möglich

„Die Mitnutzung vorhandener Infrastruktur wie zum Beispiel Ampeln, Straßenlaternen oder Gebäude ist für einen schnellen 5G-Ausbau unerlässlich“, wird Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in dem Artikel von Watergate.tv zitiert. Dieses Zitat ist auch in Medienberichten zu finden sowie auf der Webseite des Bundesverkehrsministeriums (BMVI). 

In dem Artikel wird zudem auf ein Papier des Bundesverkehrsministeriums über mögliche Standorte der 5G-Stationen verwiesen. Auf unsere Anfrage verwies das Bundesverkehrsministerium auf eine Broschüre mit dem Titel „Mitnutzungspotentiale kommunaler Trägerinfrastrukturen für den Ausbau der nächsten Mobilfunkgeneration 5G“. Diese ist laut BMVI erstmals bereits im Juni 2019 veröffentlicht worden und werde seitdem fortlaufend aktualisiert. Erstellt wurde sie von der AG Digitale Netze, zu der unter anderen das Bundesverkehrsministerium, die Deutsche Telekom und der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien gehören.

In der Broschüre werden mögliche Standorte der 5G-Stationen diskutiert und bewertet. Das BMVI schrieb uns per E-Mail, dass konkrete Standorte von den Mobilfunkanbietern gefunden und erschlossen würden.

Ausschnitt aus der E-Mail des Bundesverkehrsministeriums. (Screenshot: CORRECTIV)

Laut der Broschüre sollen zudem bereits vorhandene Mobilfunkstandorte ausgebaut, neue gefunden und auch sogenannte Kleinzellen, auch Small Cells genannt, angebracht werden.  Als besonders geeignet für die Standorte werden unter anderen Straßenlaternen, Ampelanlagen, Fahrgastinformationstafeln und Gebäudefassaden genannt. Baurechtliche Maßnahmen würden einen weiten Ausbau der Standorte bisher allerdings einschränken. Deshalb müsse ein rechtlicher Rahmen dafür noch geschaffen werden.

Gemeinde Dießen: Die Gemeinde ließ keine 5G-Stationen aufbauen

In dem Artikel von Watergate.tv heißt es zudem: „In der Gemeinde Dießen beispielsweise sind heimlich neue 5G-Stationen errichtet worden.“ Dabei wird angeblich ein Gemeindemitglied zitiert. Dem Gemeinderat soll gesagt worden sein, dass „eine neue Technik zur Messung der Luftverschmutzung und zur Verkehrsdichte nachgerüstet wird“. Zudem soll laut Artikel der Bau- und Umweltausschuss beschlossen haben, dass „Straßenlampen auf LED umgerüstet werden“. Dabei geht es dem Artikel zufolge um eine „heimliche Umrüstung auf 5G“.  Das ist unseren Recherchen nach komplett erfunden. 

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Auf unsere Anfrage schrieb uns die Bürgermeisterin der Gemeinde Dießen am Ammersee Sandra Perzul: „Grundsätzlich kann ich Ihnen mitteilen, dass die Gemeinde Dießen seit meinem Amtsantritt am 01.05.2020 keine 5G-Stationen aufstellen ließ und auch mein Vorgänger hat dies ebenfalls nicht.“

Laut der Mail der Bürgermeisterin von Dießen, Sandra Perzul, wurden dort keine 5G-Stationen errichtet. (Screenshot: CORRECTIV)

Sandra Perzul bestätigt, dass der Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde in seiner Sitzung am 25. Mai zugestimmt habe, die Straßenbeleuchtung in einigen Gemeindestraßen auf LED umzurüsten – „aber nicht zur Umrüstung auf 5G“.

„Bei der Umrüstung auf LED-Lampen geht es der Gemeinde um umweltschutz- und artenschutzrelevante Problematiken: Niedrigerer Energieverbrauch, Stromersparnis, eine längere Lebensdauer und eine geringere Wärmeentwicklung. Letztere wiederum sind besonders auch für die Insekten und die Tiere in der Nacht von besonderer Bedeutung, die geschützt werden sollen“, teilte uns die Bürgermeisterin der Gemeinde weiter mit.

Eine Netzwerkabdeckungskarte der Webseite „nperf“ zeigt, wo es in Deutschland bisher 5G-Stationen gibt. Laut der Karte, die durch Feldtests Daten sammelt, gibt es in Dießen am Ammersee keine 5G-Stationen. Die am nächsten gelegenen Stationen gibt es der Karte zufolge in München. 

Die Karte von „nperf“ zeigt mit lila Punkten, wo es bisher 5G-Standorte gibt. In Dießen am Ammersee laut „nperf“ bisher nicht. (Screenshot: CORRECTIV)

Keine Belege dafür, dass 5G gesundheitsgefährdend ist

5G steht für die fünfte Mobilfunkgeneration. Damit sollen Daten schneller übertragen und weniger Strom verbraucht werden. In Deutschland sind 5G-Stationen bisher nur vereinzelt installiert worden. Die Sendeanlagen sollen aber laut Bundesamt für Strahlenschutz deutlich ausgebaut werden. Einige Menschen gehen davon aus, dass dadurch die Strahlenbelastung steigen und gefährlich für den Menschen werden könnte. Auch in dem Artikel von Watergate.tv wird behauptet, die 5G-Antennen seien „hochgefährlich“. Dafür gibt es aktuell jedoch keine Belege, wie wir in einem Faktencheck bereits überprüften.

Karte von „nperf“, die anzeigt, wo es bisher 5G-Stationen in Deutschland gibt. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bundesumweltministerium schreibt dazu: „Die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Wirkungen elektromagnetischer Felder auf den Menschen sind auch für die derzeit für 5G zur Verfügung stehenden Frequenzen weitestgehend aussagekräftig: Innerhalb der gültigen Grenzwerte und bei Einhaltung der an Mobiltelefone gestellten Anforderungen gibt es demnach keine bestätigten Belege für eine gesundheitliche Wirkung des Mobilfunks.“

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es also weder abschätz- noch belegbar, welche Strahlenbelastung durch die neue Mobilfunktechnologie auf uns wirken könnte. Um sichere Aussagen dazu treffen zu können, müsste die Strahlenbelastung nach dem Ausbau gemessen werden und mehr Forschung zu ihrer Schädlichkeit stattfinden.

Einigkeit besteht darin, gewisse Vorsicht bei der Nutzung von Mobiltelefonen walten zu lassen. Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt folgende Hinweise, die allerdings nur wenige Menschen berücksichtigen dürften: „Auf ausreichenden Abstand des Smartphones zum Körper achten und beim Telefonieren Freisprecheinrichtungen und Headsets nutzen.“

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Belege dafür, dass in Deutschland heimlich 5G-Stationen errichtet wurden.

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Dieses Bild wird aktuell auf Facebook vielfach geteilt. Es unterstellt den Medien, die Menschen anhand der Farbgestaltung von Wetterkarten zu manipulieren. (Collage: CORRECTIV, Quelle: Facebook)

von Bianca Hoffmann

„Normale Sommertemperaturen“ würden auf Wetterkarten inzwischen blutrot bis schwarz angezeigt, um die Zuschauer zu „manipulieren“. Das suggeriert ein aktueller Beitrag der Facebook-Seite „Frieden rockt“. Das Problem ist: Die gezeigten Karten zeigen unterschiedliche Darstellungen des Wetters. Sie lassen sich nicht miteinander vergleichen.

„Fühlst du dich manipuliert?“ – diese Frage wird in einem Facebook-Bild gestellt, auf dem drei Wetterkarten übereinander dargestellt sind. Eine stammt dabei angeblich von 2009, eine von 2019 und eine von 2020. Die angebliche Manipulation liegt in der verwendeten Farbgebung in Kombination mit den Temperaturen: Während auf der Karte von 2009 die Farbtöne Grün und Gelb bei 36 Grad Celsius vorherrschen, wird – so scheint es jedenfalls – bei der gleichen Temperatur im Jahr 2019 die Farbe Rot verwendet. Und auf dem unteren Bild sogar die Farbe Schwarz. 

Dabei seien die Temperaturen im Sommer seit Jahrzehnten die gleichen, heißt es in dem Text der Facebook-Seite „Frieden rockt“, der zu der Collage geteilt wird. Die Farben in den Bildern würden der Manipulation und Panikmache dienen, um die Diskussion um den Klimawandel anzuheizen. Für diesen Vorwurf gibt es nach unseren Recherchen keine Grundlage.

Diese Collage wird aktuell bei Facebook geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Bei der Facebook-Collage gibt es gleich mehrere Ungereimtheiten. Während die oberen beiden Wetterkarten augenscheinlich von der ARD stammen, handelt es sich bei der unteren Wetterkarte um einen Videoausschnitt des Weather Channel. Und auch die Karten der ARD zeigen unterschiedliche Ansichten einer Wettervorschau. 

Die Wetterkarten der ARD kursieren schon länger im Netz

Die beiden Wetterkarten der ARD wurden bereits im vergangenen Jahr im Sommer verbreitet. Unser Faktencheck kam damals zu dem Urteil, dass die Bilder nicht miteinander vergleichbar sind, weil die eine Karte einen Tag zeigt, und die andere eine Drei-Tage-Vorschau. Für diese wird offenbar von der ARD stets ein anderer Stil verwendet.

Uwe Kirsch vom Deutschen Wetterdienst schreibt uns per E-Mail ebenfalls, dass der irreführende Vergleich schon länger im Netz kursiere. „Das Problem […] ist, dass die Grafik von 2009 eine allgemeine Wettervorhersage darstellt mit gezielten Hinweisen auf Temperatur (Zahlen), grafischen Elementen wie Bewölkung, Blitze, Sonnenschein sowie dem Wetter der Folgetage.“ Die Grafik von 2019 beschäftige sich hingegen ausschließlich mit den Temperaturen des Tages, „und das wird, um ein Zahlenmeer auf einer Karte zu vermeiden, üblicherweise durch Farbverläufe als Untergrund dargestellt, manchmal mit Legende oder hier ergänzt durch ein paar Temperaturangaben für Regionen zur schnellen Orientierung.“

Vergleichskarten der ARD zeigen: Es gibt keine Manipulation

Für die Leiterin der ARD-Wetterredaktion, Silke Hansen, sind die Wetterkarten ebenfalls nichts Neues. Sie schreibt uns per E-Mail: „Das Wetter von 2009 sind die Aussichten (da gibt es keine Temperaturfarben).“ Die ARD sei ebenfalls nicht zum ersten Mal mit den beiden Wetterkarten konfrontiert worden. 

Hansen schickt uns zum Vergleich die gegengleichen Grafiken aus den Jahren 2009 (Tagesansicht) und 2019 (Drei-Tage-Vorschau). Die Tagesgrafik von 2009 zeigt die Temperaturen des 18. August 2009, und auch hier sind die Temperaturen um die 30 Grad in Rot dargestellt. Es gibt also keinen Unterschied zur Farbgebung im Jahr 2019. Und die Drei-Tage-Ansicht vom 3. Juni 2019 kam genau wie die 2009 ohne rote Farben aus.

Zum Vergleich hat uns die Leiterin der ARD-Wetterredaktion die gegengleichen Karten von 2009 und 2019 zur Verfügung gestellt (rechts). Wir haben diese den Karten aus dem Facebook-Post (links) gegenübergestellt. (Collage: CORRECTIV, Quelle: ARD-Wetterredaktion, Facebook)

Moderator des Weather Channel: Farben sollen Gefahr für die Menschen signalisieren

Die dritte Wetterkarte von 2020 stammt allerdings nicht von der ARD, sondern vom Weather Channel. Das Video, aus dem der Ausschnitt stammt, wurde am 17. Juni 2020 auf der Webseite online gestellt. Die Wetterkarten lassen sich also nicht miteinander vergleichen.

Screenshot aus dem Video des Weather Channel vom 17. Juni 2020. (Screenshot: CORRECTIV)

In der vergangenen Woche hat der Wetterexperte des Weather Channel, Jan Schenk, bei Facebook in einem Live-Video (ab Minute 36:00) erklärt, was es mit den dunkelroten Temperaturzahlen auf sich hat. „Die Sache ist doch die: Ist es nicht egal, welche Farbe es ist? Es kommt doch darauf an, gibt es Gefahren für die Menschen, ja oder nein. Und wenn ich sage, ab 30 Grad mit ‘ner gewissen Feuchtigkeit habe ich mäßige bis starke Schwüle, also eine starke Hitzebelastung.“ Diese Hitze sei vor allem für Menschen mit Kreislaufbeschwerden gefährlich. 

Im weiteren Verlauf des Videos erklärt er, dass die Farben als Warnung verstanden werden sollten, so wie auch vor Sturm oder Gewitter gewarnt werde. Im vergangenen Jahr musste die Farbskala tatsächlich erweitert werden, so Schenk. Denn Temperaturen um 42 Grad, wie sie im vergangenen Sommer im Emsland erreicht wurden, waren darin nicht vorgesehen. 

Im Jahr 2019 wurden Temperaturen um 40 Grad beim Weather Channel mit der Farbe Lila dargestellt. „Aber wie oft gibt es 30 Grad? Das ist jetzt auch nicht so oft, und da müssen wir sagen: Das ist jetzt eine Ausnahmesituation, und darauf hinzuweisen ist kein Fehler, das ist sogar unser Job“, sagt Schenk vom Weather Channel (im Facebook-Live-Video ab Minute 37:30). Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV hat der Burda-Verlag, zu dem der Weather Channel gehört, bis Veröffentlichung dieses Artikels nicht geantwortet.

Durchschnittliche Temperatur im Sommer ist seit 1881 um 1,5 Grad angestiegen

Die Behauptung aus dem Text der Facebook-Seite „Frieden rockt“, die Temperaturen im Sommer hätten sich seit Jahrzehnten nicht geändert, ist ebenfalls nicht richtig. Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst schreibt uns dazu: „Mit Blick auf die in Deutschland seit 1881 flächendeckend vorliegenden Temperaturmessungen läßt sich ausrechnen, dass die Mitteltemperatur der meteorologischen Sommer (Juni, Juli, August) hierzuland von 1881 bis 2019 um 1,5 Grad gestiegen ist.“ 

Welche Farben von welchen Redaktionen oder Wetterdiensten gewählt werden, sei international nicht festgelegt, schreibt uns Kirsche. „Es ist aber offensichtlich, dass sowohl Medien als auch der DWD Wärme rot darstellen und diese Farbe um so „dunkler“ wird, je ‘heißer’ das dargestellte Wetter sein soll. Wo die jeweilige Grafik-Abteilung da welchen Farbton wählt, differiert.“ 

Fazit: Die drei verwendeten Karten lassen sich nicht miteinander vergleichen, weil sie unterschiedliche Ansichten zeigen und zudem aus unterschiedlichen Medien stammen. In den vergangenen 138 Jahren sind die Mitteltemperaturen im Sommer zudem um 1,5 Grad gestiegen und es kam zu Hitzerekorden wie im Sommer 2019. Der Weather Channel musste seine Farbskala deswegen im vergangenen Jahr für die höheren Temperaturen erweitern.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Es gibt keine Manipulation. Die Wetterkarten zeigen unterschiedliche Dinge und lassen sich nicht miteinander vergleichen.

MCDonalds Unsplash
Seit 2014 kursiert in Sozialen Medien ein Satire-Beitrag, in dem behauptet wird, in McDonalds Produkten sei Kinderfleisch entdeckt worden. (Symbolfoto: Unsplash/ Sepet)

von Uschi Jonas

Ein Beitrag auf Facebook suggeriert, dass in 90 Prozent der McDonalds-Filialen in den USA Kinderfleisch in den Produkten entdeckt worden sei. Das ist falsch. Bei dem verlinkten Artikel wird ein Satire-Blog als Quelle genannt.

In einem Beitrag auf Facebook wird behauptet: „Kinderfleisch zu 90 % in US-Mc Donald‘s Filialen ermittelt.“ Der Post stammt vom 23. Juni und wurde mehr als 750 Mal geteilt. Wie der Facebook-Nutzer selbst schreibt, stammt der Artikel, auf den er sich bezieht aus dem Jahr 2014 – was er allerdings nicht erwähnt: Der Ursprungs-Artikel ist Satire. Die Behauptung ist daher vollkommen falsch. 

Satire-Blog verbreitete 2014 Artikel über „Menschenfleisch“ bei McDonalds

Der gepostete Artikel stammt von der Webseite Daily Buzz Live, die sich in ihrem Artikel auf einen Artikel des US-amerikanischen Blogs Huzlers bezieht.

Daily Buzz Live gilt als fragwürdige Webseite. Die US-Webseite Media Bias/ Fact Check stuft Daily Buzz Live als extrem voreingenommen, Propaganda und Verschwörungstheorien fördernd ein und konstatiert, dass den Inhalten oft Quellen für glaubwürdige Informationen fehlen würden und die Seite häufig Falschnachrichten verbreite.

Huzlers wiederum gibt selbst an, ein Satire-Blog zu sein. In der Blog-Beschreibung steht: „Huzlers ist ein satirischer und fiktionaler Unterhaltungs-Blog, der Inhalte auf so komplexe Weise produziert, dass sie nirgendwo anders so wie bei Huzlers präsentiert oder dargestellt werden könnten.“ 

In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, es gebe Hinweise darauf, dass Menschenfleisch in McDonalds-Burgern in den USA gefunden worden sei. (Screenshot: CORRECTIV)

Unter anderem steht im Artikel von Daily Buzz Live: Verschiedenen Berichten zufolge haben forensische Ermittler Fabriken und Restaurants im ganzen Land inspiziert und an 90 Prozent der Orte Menschenfleisch gefunden. In 65 Prozent der Betriebe wurde Pferdefleisch gefunden.” Ein vermeintlicher FBI-Agent habe zudem gegenüber Huzler-Reportern behauptet, dass es teilweise Kinderfleisch gewesen sei, das gefunden wurde.

Bei all diesen Behauptungen bezieht sich Daily Buzz Live auf den Artikel von Huzlers und nennt keine eigenen Quellen. Dass es sich bei dem Artikel von Huzlers um einen fiktionalen Artikel handelt, wird nicht erwähnt. Folglich ist der Artikel von Daily Buzz Live mit dem Titel: Menschliches Fleisch in Fleischfabrik von McDonalds entdeckt“ eine Falschmeldung. 

Seit Jahren kursieren Falschmeldungen über Menschenfleisch in McDonalds-Burgern

Seit Erscheinen des Artikels McDonalds entlarvt für die Verwendung von menschlichem Fleisch!“ bei Huzlers im Jahr 2014 kursieren Screenshots des Artikels oder von Artikeln, die sich auf den Satire-Beitrag von Huzlers beziehen. Auch andere Faktenchecker wie beispielsweise Snopes (2014) oder Politifact (2017) haben berichtet, dass es sich bei dem Artikel um Satire handelt.

Fazit: Die Behauptung, dass in 90 Prozent der US-McDonalds-Filialen Kinderfleisch in den Produkten entdeckt wurde, ist falsch. Bei der Quelle für die Behauptung handelt es sich um Satire.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Die Behauptung, es sei Menschenfleisch in den Burgern von McDonalds gefunden worden, ist Satire.

Video auf Facebook
Auf Facebook empören sich Nutzer über ein Video, das zeigt, wie eine Frau ältere Menschen schlägt. Es fehlt sämtlicher Kontext: Die Aufnahme ist jedoch viele Jahre alt und aus den USA. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Auf Facebook wird ein Video geteilt, in dem eine Frau ältere Menschen schlägt, augenscheinlich in einer Pflegeeinrichtung. Es fehlt jedoch sämtlicher Kontext: Das Video stammt aus den USA und entstand mutmaßlich 2013.  

„Ehrt eure Alten und bringt die nicht in einem Pflegeheim“, schreibt ein Nutzer zu einem Video, das er am 24. Mai auf Facebook hochgeladen hat. Es zeigt mutmaßlich Aufnahmen einer Überwachungskamera. Man sieht eine Frau, die ältere Menschen in einem Raum mit Tischen schlägt. Auf einen Mann schlägt sie mehrfach mit einem Gegenstand wie einem Gürtel ein. Als ein weiterer, kräftiger Mann hinzu kommt, hilft er dem älteren Mann nicht, sondern schlägt ihn ebenfalls mehrfach mit der Hand. 

In den Kommentaren zeigen sich Nutzer entsetzt. Eine Frau schreibt: „Wo ist das aufgenommen worden? Schlimm…unsere Welt.“ Und eine andere kommentiert: „Diese Pflegekräfte sollten sofort zur Verantwortung gezogen werden.“ Das Video wurde mehr als 3.900 Mal geteilt. 

Dem Video fehlt sämtlicher Kontext. Es wird der Eindruck erzeugt, es sei aktuell und möglicherweise aus Deutschland. Nach Recherchen von CORRECTIV stimmt das nicht.

Das Video ist mutmaßlich bereits sieben Jahre alt und stammt aus den USA. Mit Hilfe einer Google-Bilder-Rückwärtssuche eines Screenshots aus dem Video fanden wir es in einem Video des Senders 11Alive. Dieser hatte Ausschnitte davon im Mai 2019 unter anderem auf Youtube veröffentlicht. Dem Beitrag zufolge soll das Video zeigen, wie eine Hausmeisterin einen Patienten in einer Einrichtung für Menschen mit geistigen Behinderungen in Georgia schlägt. Auch andere Seiten wie das britische Boulevardmedium Daily Mail berichteten darüber. Der Vorfall geschah demnach bereits 2013.

Video auf Youtube
Video des Senders 11Alive von Mai 2019 auf Youtube zeigt nach Angaben des Senders einen Vorfall 2013. (Screenshot: CORRECTIV)

Video wurde laut Medien von Familie des Opfers veröffentlicht 

Der Bericht von 11Alive auf der Webseite des Senders selbst war zum Zeitpunkt unserer Recherche nicht online abrufbar, archiviert lässt sich der Text jedoch noch lesen. Darin steht, die Familie des Patienten habe das Video veröffentlicht, und der Vorfall sei im November 2013 in einer Einrichtung namens „Total Care Personal Care“ in Gordon im Bundesstaat Georgia geschehen. 

Es gibt zudem weitere Medienberichte von 2014, in denen es heißt, die Einrichtung sei geschlossen worden, sowie von 2016 über eine Entschädigungssumme von 64,6 Millionen Dollar, die dem Opfer vor Gericht zugesprochen worden sei. In einem der Berichte über den Prozess steht, das Urteil sei gegen die Firma Columbus Medical Services, LLC gefällt worden, die Dienstleistungen in der Einrichtung in Gordon durchgeführt habe. Diese Firma, die offenbar Personal für Betreuung von Menschen mit Behinderungen vermittelt, gibt es noch. Zu der Einrichtung „Total Care Personal Care“ fanden wir jedoch nur einen alten Eintrag in einer Auflistung von Pflegeeinrichtungen des Georgia Department of Behavioral Health and Developmental Disabilities (DBHDD) von 2013.

Untersuchung ergab Hinweise auf Missbrauch und Vernachlässigung 

Das DBHDD ist eine Gesundheitsbehörde des Staates Georgia, mit einem Fokus auf mentale Gesundheit und Menschen mit Behinderungen. Auf Nachfrage teilte eine Sprecherin, Angelyn McDonald, CORRECTIV per E-Mail mit, das Department könne zur Echtheit des Videos keine Aussage treffen. Allerdings habe es nach den Vorwürfen gegen die Einrichtung tatsächlich eine Untersuchung gegeben, und man habe Hinweise auf Missbrauch und Vernachlässigung gefunden. Deshalb habe die Behörde die Zusammenarbeit mit der Firma beendet.  

E-Mail
Ausschnitt aus der E-Mail der Sprecherin des Georgia Department of Behavioral Health and Developmental Disabilities. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Das Video ist viele Jahre alt, es stammt aus den USA und zeigt ein Heim für Menschen mit geistigen Behinderungen. Sämtlicher Kontext fehlt in dem aktuellen Facebook-Beitrag, in dem es verbreitet wird. Gewalt gegen Menschen in Pflegeheimen, beziehungsweise Altersheimen, ist allerdings auch in Deutschland ein Problem. Immer wieder gibt es Medienberichte über Vorfälle, zum Beispiel berichtete der MDR im Mai 2020 über Gewalt gegen Bewohner einer Einrichtung in Hildburghausen. 

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Video wird ohne Kontext verbreitet. Es ist mutmaßlich sieben Jahre alt und stammt aus den USA.

George Floyd
George Floyds Tod war der Anlass weltweiter Proteste, wie hier in New York. Anschließend wurden im Netz Behauptungen verbreitet, die ihn diskreditieren sollten. (Symbolfoto: Marie Le Ble / ZUMA Wire / picture alliance)

von Alice Echtermann

Auf Facebook wird ein Foto einer verletzten Frau verbreitet, um Stimmung gegen den getöteten George Floyd und die „Black Lives Matter“-Bewegung zu machen. Die Frau sei von Floyd und Komplizen geschlagen worden, wird behauptet. Das ist falsch. Das Bild zeigt eine Studentin, die 2018 in Madrid überfallen wurde.

Auf Facebook wurde am 21. Juni ein Foto geteilt, das eine verletzte Frau zeigt. Darüber steht, ihr Name sei Aracely Henriquez. Sie sei von George Floyd und fünf weiteren Männern „entführt und brutal geschlagen“ worden und zu diesem Zeitpunkt schwanger gewesen. Floyd habe ihr gedroht, ihr Kind zu töten. 

Der Beitrag wurde bis zum 24. Juni mehr als 800 Mal geteilt. Das Foto zeigt nach Recherchen von CORRECTIV jedoch nicht das, was behauptet wird. Es stammt aus Spanien, ist von 2018 und hat nichts mit dem Schwarzen George Floyd zu tun, der im Mai in Minneapolis, Minnesota, bei einem Polizeieinsatz getötet wurde. Ein weißer Polizeibeamter kniete dabei minutenlang auf seinem Hals – der Vorfall löste weltweit Proteste unter dem Slogan „Black Lives Matter“ aus. 

Aracely Henriquez ist der Name einer Frau, die tatsächlich 2007 Opfer eines Raubüberfalls wurde, an dem George Floyd beteiligt war. US-Medien haben zu dieser Vorstrafe Floyds bereits recherchiert. Auf dem Foto, das auf Facebook geteilt wird, ist jedoch nicht Henriquez zu sehen, sondern eine andere Frau aus Spanien.

Der Beitrag auf Facebook mit dem falschen Foto. (Screenshot am 23. Juni 2020, Verpixelung und Schwärzung: CORRECTIV)

Mit einer Bilder-Rückwärtssuche bei Google fanden wir das Foto der Frau in einem Medienbericht von 2018 auf der englischen Version der Webseite von El PaísDarin heißt es, die junge Frau sei eine US-amerikanische Studentin namens Andrea Sicignano, die in Madrid von einem Mann überfallen und vergewaltigt worden sei. Sie selbst hatte das Foto und den Vorfall im Dezember 2018 auf Facebook publik gemacht. Laut El País wurde der Verdächtige bereits wenig später festgenommen, das habe die Polizei mitgeteilt.

Am 12. Juni 2020 schrieb Sicignano auf Facebook, sie sei „angewidert“ davon, dass Menschen ihr Foto für „politische Propaganda“ benutzen.

Falsches Foto wurde zuerst im englischsprachigen Raum verbreitet 

Das Foto kursierte mit der falschen Beschreibung zunächst auf Englisch. Internationale Faktenchecker, zum Beispiel von Snopes (12. Juni), recherchierten ebenfalls, dass das Bild nicht Aracely Henriquez zeigt. 

Snopes hat zudem die Vorstrafen von George Floyd anhand von Gerichtsdokumenten analysiert und über den Raubüberfall 2007 berichtet. Demnach wird der Vorfall, bei dem George Floyd gemeinsam mit fünf Komplizen eine Frau überfiel, in dem Facebook-Beitrag verzerrt dargestellt. 

Snopes berichtete, Floyd und fünf weitere Männer seien im August 2007 in Henriquez’ Haus eingebrochen, während sie zu Hause war, und hätten Drogen und Geld gesucht. Floyd habe sie mit einer Pistole bedroht, die er ihr auf den Bauch setzte. Henriquez sei auch geschlagen worden, als sie um Hilfe rief. Es gibt jedoch laut Snopes keine Belege, dass sie schwanger war, oder dass Floyd drohte, ihr Baby zu töten. Henriquez wurde demnach auch nicht entführt.

Das offizielle Dokument, das den Vorfall schildert, wurde von Factcheck.org ins Netz gestellt und kann hier eingesehen werden. Tatsächlich steht darin nichts von einer Schwangerschaft oder Drohung gegen ein Kind. George Floyd habe sich schuldig bekannt, sei wegen des Überfalls 2009 zu fünf Jahren Haft verurteilt und im Januar 2013 entlassen worden, schreibt Snopes

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Das Foto hat keinen Bezug zu George Floyd. Den Raubüberfall auf Aracely Henriquez gab es, der Vorfall wird jedoch nicht korrekt dargestellt.

WagnerAnne Pixabay
Die Behauptung, die Suizidrate sei angestiegen, beruht auf den Einsatzzahlen der Berliner Feuerwehr. (Symbolbild: WagnerAnne/Pixabay)

von Steffen Kutzner

Mehrere Webseiten behaupten, die Suizide in Berlin seien seit Beginn der Corona-Maßnahmen „um 300 Prozent“ gestiegen. Das ist eine irreführende Darstellung. Insgesamt sind die Notrufe wegen mutmaßlich suizidaler Handlungen von Januar bis April 2020 im Vergleich zu 2019 gesunken.

Auf mehreren Webseiten wird die Behauptung aufgestellt, die Suizidrate in Berlin sei seit Inkrafttreten der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus stark erhöht. „Suizide in Berlin steigen im ersten Quartal drastisch“ titelt etwa Tichys Einblick und bei Einreich heißt es „Dank Merkels Lockdown: Selbstmordrate steigt um 300 Prozent“. Das ist irreführend. 

Die Steigerung von 300 Prozent bezieht sich nur auf einen bestimmten Einsatzcode der Berliner Rettungsdienste: Den für Sprünge mit unterstellter suizidaler Absicht aus mehr als zehn Metern Höhe. Nach Recherchen von CORRECTIV haben die Notrufe wegen „suizidaler Vorfälle“ in Berlin insgesamt in den ersten vier Monaten 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum abgenommen. Gingen von Januar bis Ende April 2019 noch 3.348 Notrufe ein, die von der Leitstelle einen Einsatzcode mit Bezug zu selbstverletzendem Verhalten bekamen, waren es von Januar bis Ende April 2020 nur 3.172. Das entspricht einem Rückgang von 5,3 Prozent. Unsere Auswertung zu den Daten kann hier eingesehen werden.

Nicht die Suizidrate ist gestiegen, sondern eine bestimmte Art von Notrufen

Die Texte auf den Blogs Einreich, Journalistenwatch und Anonymous News sind dem Wortlaut nach fast identisch. Einreich gibt als Quelle auch den Beitrag auf Anonymous News an. Anonymous News wiederum verweist auf den Artikel von Tichys Einblick. In allen Texten wird die These aufgestellt, Suizide hätten seit den Corona-Maßnahmen stark zugenommen: „Mehr Schaden als Nutzen: 300 Prozent mehr Selbstmorde in Berlin wegen Lockdown“, heißt es auf Journalistenwatch und Anonymous News titelte „Dank Merkels völlig verfehlter Lockdown-Politik: Selbstmordrate in Berlin steigt um 300 Prozent“.

Tichys Einblick bezieht sich als Quelle auf eine Anfrage des Berliner FDP-Abgeordneten Marcel Luthe an die Landesregierung nach entsprechenden Einsätzen. Tichys Einblick schreibt: „Bis April gab es in Berlin nach den Feuerwehr-Daten sieben Todessprünge aus mehr als 10 Metern Höhe – so viel wie im gesamten Jahr 2019. Die Zahl der Sprünge ohne Höhenangabe lag bis April bei sechs – ebenfalls so viele wie im Jahr 2019.“ 

Weitere Zahlen in dem Artikel beziehen sich auf die „absichtliche Einnahme von Medikamenten-Überdosen mit ausgelösten Atembeschwerden“ (67 Fälle, Steigerung 31 Prozent), die „absichtliche Überdosis von trizyklischen Antidepressiva“ (17 Fälle, Steigerung 89 Prozent bis April) und die „Kombination von akuter Suizidgefährdung in Verbindung mit gewalttätigem Verhalten“ (69 Fälle, Steigerung 15 Prozent).

Die Zahlen stimmen. Eine Steigerung von 300 Prozent, die in zahlreichen Artikeln in der Überschrift genannt wird, bezieht sich allerdings nur auf die „Todessprünge“ aus mehr als zehn Metern Höhe. Die Zahlen als Steigerung der Suizidrate insgesamt darzustellen, ist irreführend.

In einer ersten Anfrage vom 25. Mai 2019 hatte Luthe sich erläutern lassen, welche Szenarien hinter den Einsatzcodes stecken. In einer zweiten Anfrage vom 30. Mai 2020 hatte er dann erfragt, wie oft Sanitäter und Feuerwehr für Einsätze zu 83 der Codes zwischen Januar 2019 und April 2020 ausgerückt sind. Das Berliner Innenministerium stellte CORRECTIV beide Antwortschreiben auf die Fragen Luthes zur Verfügung (hier und hier einzusehen).

Alle 83 abgefragten Codes stehen mit selbstschädigendem Verhalten oder einem vom Anrufer unterstellten suizidalem Hintergrund in Zusammenhang, etwa absichtliche Überdosierungen verschiedener Substanzen, vorsätzliche Sprünge aus großer Höhe oder selbst zugefügte Stichverletzungen. Luthe wählte diesen Weg mutmaßlich, weil zur Zahl der Suizide keine aktuelle Statistik vorliegt. Zur Anzahl von Suiziden im Jahr 2020 gibt es noch keine Auswertungen. Die aktuellsten Zahlen sind die für das Jahr 2018.

Aus geringen Fallzahlen lassen sich keine statistischen Tendenzen ableiten

Die von Luthe angefragten Einsatzcodes der Rettungskräfte in Berlin zeigen: Nicht die Suizidrate in Berlin ist seit Beginn des „Lockdowns“ Mitte März um 300 Prozent gestiegen, sondern die Häufigkeit eines einzelnen Einsatzcodes: 17D01J. Er steht für Personen, die mit unterstellter Suizidabsicht aus mehr als zehn Metern Höhe springen. Dieser Einsatzcode wurde im Februar 2020 dreimal vergeben, im März gar nicht und im April viermal. Es handelt sich also um sieben Einsätze im ersten Jahresdrittel 2020. Wie Tichys Einblick richtig feststellt, sind das so viele wie im ganzen Jahr 2019.

Bei so niedrigen Zahlen schwankt der Monatsvergleich jedoch sehr stark. Statistische Tendenzen lassen sich daraus nicht ablesen. 

Das zeigt sich an den früheren Daten: Im Jahr 2018 wurden laut der Daten, die der Berliner FDP-Politiker Marcel Luthe bei der Landesregierung angefragt hatte, zwölf Einsätze wegen des Codes 17D01J gefahren. Die Zahl hat sich von 2018 (12) auf 2019 (7) also fast halbiert. Vergleicht man März 2019 (1) und März 2020 (0) miteinander, ist die Zahl der Einsätze um 100 Prozent gesunken – von eins auf null. 

Einsatzcodes der Rettungsdienste bilden tatsächliche Suizide nicht zuverlässig ab

Die Berliner Feuerwehr wertet Suizide nicht aus, stellt keine Motive für Suizide fest und legt auch nicht fest, ob es sich um einen (versuchten) Suizid gehandelt hat oder nicht, erklärt uns eine Sprecherin der Berliner Feuerwehr. 

Die E-Mail einer Pressesprecherin der Berliner Feuerwehr. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Die Diagnose „Suizid“ stelle ein Leichenbeschauer, nicht die Feuerwehr, bestätigte uns zudem ein Sprecher der Feuerwehr telefonisch. Daher könne man aus den Einsatzcodes, die schon beim Notruf festgelegt würden, nicht die tatsächliche Zahl der Suizide ableiten. 

Die Zahlen sind also nicht belastbar, weil die Einsatzcodes schon bei Eingang des Notrufs erstellt werden – noch ehe Rettungskräfte die tatsächliche Lage vor Ort beurteilen können. Bei den Fallzahlen aus dieser Statistik handele es sich „nicht um bestätigte Einsatzszenarien“, betont auch ein Pressesprecher der Berliner Landesregierung in einer E-Mail an CORRECTIV. Es handelte sich um die Einschätzung der Person, die den Notruf absetzt.

Auszug aus der E-Mail eines Pressereferenten des Berliner Senats für Inneres. (Screenshot und Markierungen: CORRECTIV)

Die beim Notruf erstellten Einsatzcodes würden später auch nicht mehr verändert, wie uns der Sprecher der Berliner Feuerwehr telefonisch bestätigte. Auch dann nicht, wenn sich vor Ort ein anderes Einsatzbild abzeichne. Wenn zum Beispiel eine Person auf einem Dach gemeldet werde, sich dann aber herausstelle, dass sie aus einem anderen Grund dort oben war. 

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Sieht man sich die Zahlen zu allen 83 Einsatzcodes, die Marcel Luthe abgefragt hatte, genauer an, wird deutlich, dass die Behauptung, es gebe „300 Prozent mehr Suizide in Berlin“, nicht haltbar ist. Sie zeigen, dass die Einsätze wegen suizidaler Absichten von Januar bis April 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nicht „drastisch erhöht“, sondern von 3.348 auf 3.172 gesunken sind. 

Fazit: Die Zahlen, die in den Artikeln als Belege herangezogen werden, sind Statistiken zu Einsatzcodes der Rettungskräfte und belegen keine tatsächlichen Suizide. Da keine Todesfallstatistik zu den tatsächlichen Suizidzahlen in Berlin vorliegt, ist die Behauptung unbelegt. 

Wenn Sie Depressionen oder suizidale Gedanken haben, bekommen Sie Hilfe zum Beispiel bei der Telefonseelsorge (unter 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222) oder anderen Beratungsstellen.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Die Einsatzcodes belegen keine Entwicklung der Suizidzahlen. Es ist unklar, ob sie angestiegen sind. Die Berichte führen in die Irre, weil sie nur bestimmte Szenarien herausgreifen.

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In einem mittlerweile gelöschten Youtube-Video wurde behauptet, deutschlandweit seien Pflastersteine an als Baustellen getarnten Orten für Demonstrationen bereit gelegt worden. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Anhand verschiedener Fotos von Baustellen wird in Sozialen Netzwerken behauptet, die „Antifa“ habe für die Anti-Rassismus-Demonstrationen in deutschen Städten Pflastersteine „bereitgelegt“. Deutsche Behörden hätten diese Vorbereitungen abgesegnet. Beide Behauptungen sind falsch. Der Mythos tauchte zuvor bereits in den USA auf.

In einem Youtube-Video vom 5. Juni warnt eine Männerstimme: „Die deutsche Antifa und die deutsche Black Lives Matter Bewegung hat für morgen […] zu zahlreichen Protesten nach US-amerikanischem Vorbild in deutschen Städten aufgerufen.“ In den USA seien die Proteste von Radikalen unterwandert worden, behauptet der Sprecher. „Normalerweise sollte uns die Polizei vor solchen Szenen schützen und Schadensbegrenzung betreiben, stattdessen wurden mir heute diese Bilder über Telegram zugeschickt“. Die darauf folgenden Bilder zeigen Baustellen mit freiliegenden Pflastersteinen in mehreren deutschen Städten. 

Der Sprecher deutet damit an, deutsche Behörden und die Polizei würden die Bereitstellung von Pflastersteinen für Demonstranten unterstützen. Das Youtube-Video wurde mittlerweile gelöscht. Kurz vor der Löschung hatte es 189.000 Aufrufe. Auf mehreren anderen Youtube-Kanälen ist es weiter zu sehen. 

Auch auf Facebook wird die Falschmeldung verbreitet

Auch in einem Facebook-Beitrag vom 5. Juni sind die Bilder von Baustellen zu sehen, zusammen mit der Behauptung: „Damit schmeißen sie morgen die Geschäfte kaputt. Das Ganze wird weltweit von den Demokraten / radikalen Linken koordiniert und wurde von unserer korrupten Regierung abgesegnet. Sie wollen den gleichen Chaos wie in den USA weltweit erzeugen, weil sie wieder die Kontrolle haben wollen!“ Der Beitrag wurde mehr als 500 Mal geteilt.  

Facebook-Beitrag mit falschen Behauptungen vom 5. Juni 2020 (Screenshot: CORRECTIV)

Falschmeldungen aus den USA sollen in Deutschland reproduziert werden 

Die Beiträge in Sozialen Netzwerken beziehen sich auf die Demonstrationen in zahlreichen deutschen Städten gegen Rassismus am Wochenende des 6. und 7. Juni. Die Fotos sind offenbar der Versuch, ein in den USA kursierendes Narrativ in Deutschland zu reproduzieren. Dort gibt es anhaltende Proteste nach dem gewaltsamen Tod des Schwarzen George Floyd bei seiner Festnahme durch Polizisten am 25. Mai. In diesem Kontext tauchten in den USA Behauptungen auf, in gezielten Aktionen würden von linken Extremisten und Polizisten Paletten mit Ziegelsteinen in der Nähe der Proteste bereitgestellt. Diese Theorie verbreitete unter anderem die für irreführende Meldungen bekannte Webseite Law Enforcement Today, die sich wiederum auf die Webseite Breitbart bezog

Faktenchecker von Politifact haben die Behauptungen geprüft und kommen zu dem Schluss, dass sie größtenteils falsch sind. Auch ein Verifikationsteam des Senders NBC untersuchte die Vorwürfe in mehreren Städten und widerlegte sie. Teilweise handelte es sich nach den Recherchen der Journalisten um normale, bereits bestehende Baustellen, teilweise lagen diese gar nicht in der Nähe von Protestrouten. 

Das Weiße Haus veröffentlichte laut US-amerikanischen Journalisten ebenfalls auf Twitter ein Video mit der Behauptung, Fotos würden zeigen, wie die „Antifa“ Paletten mit Ziegelsteinen für Protestierende bereitstelle. Nach Hinweisen von Journalisten, dass diese Behauptungen schon widerlegt wurden, löschte das Weiße Haus das Video laut Medienberichten kommentarlos.  

Was steckt hinter den Behauptungen in Deutschland? 

Bilder aus neun deutschen Städten werden bei Facebook und Youtube im Kontext dieses falschen Narrativs geteilt. Unter anderem verbreitete außerdem die AfD Hannover einige dieser Fotos auf Twitter weiter. Wir haben alle geprüft. 

Retweet der AfD Hannover mit Behauptungen zu Pflastersteinen in Karlsruhe. (Screenshot: CORRECTIV)

1. Behauptungen zu Pflastersteinen in Mainz: Stadt und Polizei dementieren 

In dem Youtube-Video und in dem Facebook-Beitrag wird ein Bild vor dem Mainzer Hauptbahnhof gezeigt, das angeblich belegen soll, dass am 5. Juni eigens für die Demonstrationen Pflastersteine bereit gelegt wurden. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine reguläre Baustelle, die schon länger besteht.

Facebook-Beitrag über eine angeblich präparierte Baustelle in Mainz. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV schrieb die Stadt Mainz: „Die Bilder der Baustelle am Hauptbahnhof Mainz sind real, diese ist seit Mitte Mai eingerichtet, da Kabel neu verlegt werden für das Aufstellen einer Anzeigetafel der ‘Mainzer Mobilität’.“ Vergleichbare Anzeigen fänden sich bereits in der Nähe vor Ort. „Die Pflastersteine der Baustelle waren am Wochenende in dicke Planen eingewickelt, also nicht sichtbar. Bei der Demonstration gegen Rassismus – Veranstaltungsort etwa 2 km vom Bahnhof entfernt am Mainzer Rheinufer – waren circa 2.500 Personen. Der Protest verlief durchweg friedlich. Von Pflastersteinen, die vermeintlich geworfen wurden, ist nichts bekannt.“

Die Polizei Mainz bestätigte diese Angaben gegenüber CORRECTIV: „Die Baustelle steht in keinem Zusammenhang zu irgendwelchen Demonstrationen. Es wurden im Zusammenhang mit der Anti-Rassismus-Demonstration in Mainz keinerlei Störer geschweige denn Pflastersteine festgestellt.“

Antwort der Polizei Mainz vom 9. Juni auf eine Presseanfrage von CORRECTIV (Screenshot: CORRECTIV).

2. Stadt Köln: „Ganz normale Baustelle“

In dem Youtube-Video und bei Facebook werden auch Fotos der Kölner Schildergasse als vermeintliche Belege für das Narrativ verbreitet.  

Die Polizei Köln antworte auf eine CORRECTIV-Anfrage am 9. Juni: „Der Polizei Köln liegen keine Informationen darüber vor, dass am vergangenen Wochenende bei Demonstrationen in Köln und Leverkusen Pflastersteine geworfen wurden.“

Die Pressestelle der Stadt Köln bestätigte auf Nachfrage telefonisch am 9. Juni 2020: „Das ist eine ganz normale, reguläre Baustelle“. 

3. Stadt Wiesbaden: „Behauptung entspricht nicht den Tatsachen“ 

Im Zusammenhang mit dem Narrativ der bereitgestellten Pflastersteine wird auch ein Bild vor dem hessischen Landtag in Wiesbaden bei Facebook verbreitet. 

Das für Wiesbaden zuständige Polizeipräsidium Westhessen stellt auf Nachfrage von CORRECTIV klar: „Die von Ihnen angesprochene Behauptung entspricht nicht den Tatsachen. Das im Internet kursierende und von Ihnen angehängte Bild zeigt eine Baustelle vor dem Hessischen Landtag auf dem Wiesbadener Schlossplatz. In dem umzäunten Baustellenbereich finden bereits seit mehreren Wochen Erdarbeiten statt und die hierbei herausgerissenen Pflastersteine werden seitdem in den zu sehenden Kisten gelagert.“ Die Baustelle auf dem Wiesbadener Schlossplatz befinde sich über einen Kilometer Luftlinie vom Luisenplatz, dem Ort der Versammlung, entfernt. 

In einer Pressemitteilung vom 6. Juni bezeichnete die Polizei die Versammlung auf dem Luisenplatz in Wiesbaden anlässlich des bundesweiten Aktionstages zum Thema „Black Live Matters“ als „störungsfrei“.

Antwort des Polizeipräsidiums Westhessen auf eine Presseanfrage von CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Stadt Wiesbaden verwies auf Nachfrage von CORRECTIV auf eine Pressemitteilung, die sie bereits am 20. Februar veröffentlichte und in der sie über den Ausbau des Fernwärmenetzes und damit verbundenen Bauarbeiten informierte. In dem dort verlinkten Plan der Bauabschnitte ist deutlich markiert, dass auch vor dem Landtag Arbeiten stattfinden werden. 

4. Behauptungen zu Pflastersteinen in Karlsruhe: Stadt und Polizei dementieren 

Auch ein Foto aus Karlsruhe wird im Zusammenhang mit dem Pflasterstein-Narrativ bei Facebook und Youtube verbreitet. In dem Facebook-Beitrag vom 5. Juni steht unter anderem: „Am Donnerstag wurde diese ‘Baustelle’ errichtet.“ Mit den Anführungszeichen wird suggeriert, es handele es sich um keine richtige Baustelle, sondern nur eine Tarnung für die bereit gelegten Steine für Demonstranten. Das ist falsch. 

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV antwortete die Pressestelle der Stadt Karlsruhe: „Die Fotos zeigen eine eine echte Baustelle (Kabelverlegungsarbeiten der Telekom) in der Karlsruher Innenstadt mit natürlich völlig falscher Kommentierung. Genehmigt sind die Bautätigkeiten an dieser Stelle durch das Ordnungsamt der Stadt Karlsruhe bis einschließlich 12. Juni 2020.“ Weiter schrieb die Stadt: „Es gab keinerlei Vorkommnisse mit Pflastersteinen bei den Versammlungen am Wochenende. Im Gegenteil: Insgesamt 4.500 Menschen demonstrierten friedlich auf zwei Versammlungen im Stadtgebiet gegen Rassismus.“

Das Polizeipräsidium Karlsruhe bestätigte gegenüber CORRECTIV: „Die Versammlungen am Wochenende in Karlsruhe verliefen ohne Probleme (von zum Teil unzureichenden Abständen abgesehen). Erkenntnisse, dass von Seiten der Versammlungsteilnehmer Steine bereitgelegt wurden, gibt es beim Polizeipräsidium Karlsruhe nicht.“

5. Stadt Marburg: Kein Einsatz von Steinen bei Demos 

In einem weiteren Facebook-Beitrag wird auch ein Foto aus Marburg mit Säcken voll Steinen als vermeintliche Belege für das Narrativ verbreitet.  

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV schrieb die Stadt Marburg dazu: „Die Säcke mit den Pflastersteinen gehören zu der Baustelle am Rudolphsplatz, wo der Verbindungsweg von der Weidenhäuser Brücke zur Bushaltestelle Rudolphsplatz hergestellt wird. Die Säcke stehen aktuell noch dort, weil sie noch nicht verbaut werden konnten.“ Außerdem stellt die Stadt klar: „Bei der Demonstration gegen rassistisch motivierte Gewalt am Samstag, 6. Juni, in Marburg kam es nicht zum Einsatz von Pflastersteinen durch Demonstrierende. Es liegen auch keine Erkenntnisse vor, dass Demonstrierende gezielt im Vorfeld Steine bereitgelegt haben.“

6. Stadt Erfurt: Es gab gar keine Demo am Wochenende

In dem verbreiteten Youtube-Video vom 5. Juni wird auch ein Foto aus Erfurt als vermeintlicher Beleg für bereitgelegte Pflastersteine genutzt. 

Foto einer Baustelle in Erfurt in dem mittlerweile gelöschten Youtube-Video. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Pressestelle der Stadt Erfurt antwortete auf unsere Presseanfrage: „Zu sehen ist hier eine Lagerfläche der Firma Strassing. Diese Firma baut aktuell am Benediktsplatz, der sich rund 500 Meter entfernt inmitten der historischen Altstadt befindet. Hier ist es räumlich sehr eng. Deshalb hat die Firma Strassing auf dem Domplatz eine Lagerfläche beantragt und genehmigt bekommen.“

Die Landespolizeiinspektion Erfurt antwortete auf unsere Presseanfrage, ob Pflastersteine bei Demonstrationen am 6. und 7. Juni genutzt wurden: „In Erfurt haben keine Demonstrationen stattgefunden, somit ist die Frage hinfällig.“

7. Stadt Düsseldorf: „Ganz normale Baustelle“

Auch ein Bild aus Düsseldorf wird von den Urhebern des Youtube-Videos als angeblicher Beweis für das Narrativ genutzt. 

Bild aus Düsseldorf in dem mittlerweile gelöschten Youtube-Video. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV schickte die Pressestelle der Stadt Düsseldorf ein Bild der Baustelle: „Wie Sie sehen, ist das eine ganz normale Leitungsbaustelle. […] Als Landeshauptstadt Düsseldorf verwahren wir uns gegen die Unterstellung, wir hätten in irgendeiner Form Beihilfe zu geplanten Gewalttaten geleistet.“ 

Bild der Baustelle in Düsseldorf (Foto: Pressestelle Stadt Düsseldorf)

Das Polizeipräsidium Düsseldorf antwortete auf unsere Fragen, ob die Behauptungen in dem Youtube-Video zu den Pflastersteinen korrekt seien, und ob es bei den Anti-Rassismus-Demonstrationen am Wochenende des 6. und 7. Juni in Düsseldorf zum Einsatz von Pflastersteinen durch Demonstranten gekommen sei: „Ihre beiden Fragen können wir mit einem knappen ‘Nein’ beantworten.“

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8. Hamburg: Baustelle besteht schon seit Ende 2019 

Auch Fotos von Steinen am Hamburger Jungfernstieg werden in dem Youtube-Video und in dem Facebook-Beitrag verbreitet. 

Auf unsere Presseanfrage antwortete die Polizei Hamburg am 9. Juni: „Bei dem gezeigten Ausschnitt mit Hamburg-Bezug handelt es sich um die Baustelleneinrichtungsfläche Ballindamm, zwischen Bergstraße und Alstertor auf der Wasserseite. Dort finden seit Ende letzten Jahres umfangreiche Straßenbauarbeiten im Zusammenhang mit dem Ausbau der Velorouten 5 und 6 unter Federführung des Bezirksamtes Mitte statt. In der Baustelleneinrichtungsfläche wird Baumaterial gelagert.“ 

Die Baustelle ist demnach nicht erst seit kurzem und nicht eigens für die Demonstrationen errichtet worden. 

Weiter verwies die Polizei Hamburg auf eine Pressemitteilung vom 7. Juni, derzufolge Einsatzkräfte am Rande der friedlichen Demonstration mit Pyrotechnik, Flaschen und Steinen beworfen worden seien. „Uns liegen keine Hinweise darauf vor, dass dieses Bewurfmaterial gezielt bereit gelegt wurde.“

Die in dem Youtube-Video und dem Facebook-Beitrag gezeigte Baustelle besteht also bereits seit Ende 2019. Laut Polizei gibt es keine Hinweise, dass Steine gezielt bereit gelegt wurden. Polizisten seien jedoch mit Steinen angegriffen worden. 

Antwort der Polizei Hamburg auf eine Presseanfrage von CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

9. Bezirksamt Berlin: „Baustellen nicht für Demonstrationen beräumt“

Auch Aufnahmen aus Berlin tauchen in dem Youtube-Video und bei Facebook auf. Zu sehen ist eine Baustelle am Bahnhof Potsdamer Platz. Auf Nachfrage von CORRECTIV antwortete das Bezirksamt Mitte: „Die Baustelle […] wurde deutlich vor den Protesten (vor Corona) eingerichtet. Sie ist weiterhin aktuell. Mit Sicherheit können wir sagen, dass im Bezirksamt Mitte keine Baustellen für Proteste eingerichtet werden. Baustellen gibt es natürlich im Bezirk und in der ganzen Stadt. Diese werden nicht in Vorbereitung auf Demonstrationen beräumt.“ 

Die Polizei Berlin antwortete auf unsere Anfrage: „Die Polizei Berlin legte oder legt weder Pflastersteine bereit, noch unterstützt oder deckt sie derartige Unternehmungen!“

Unsere Bewertung:
Falsch. In allen Fällen handelt es sich laut Polizei und Städten um reguläre Baustellen. In keinem Fall ist den Behörden das Bereitlegen von Steinen bekannt, meist verliefen die Demonstrationen friedlich.

verhaftung fbi
Laut verschiedener Videobeschreibungen im Netz soll es sich bei diesem Mann um einen FBI-Agenten handeln. Das stimmt laut Polizei nicht. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

In Sozialen Netzwerken verbreiten sich Videos, die angeblich die versehentliche Verhaftung eines FBI-Agenten zeigen sollen. Der Betroffene und die zuständige Polizei in Rochester, Minnesota, widersprechen. Das Video ist ein Jahr alt und wird mit falschem Kontext verbreitet.

In einem tausendfach in Sozialen Netzwerken wie Facebook geteilten Video ist die Festnahme eines Schwarzen Mannes zu sehen. Im Zuge der aktuellen Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA verbreitet sich die Aufnahme viral. Der Mann in dem Video wird  wieder freigelassen, nachdem die Polizeibeamten seine Papiere überprüfen. 

In vielen Videobeschreibungen zu der rund fünfminütigen Aufnahme ist zu lesen, dass es sich bei dem Mann um einen Mitarbeiter der US-Sicherheitsbehörde FBI gehandelt habe. Das ist falsch.

Ein Facebook-Beitrag mit dem Video. (Screenshot: CORRECTIV)

Video ist ein Jahr alt – der Mann ist kein FBI-Agent

Ein Google-Suche nach den Stichworten „FBI agent arrested video“ führt zu mehreren US-Medien, die Faktenchecks zu dieser Behauptung veröffentlichten, darunter Snopes und Reuters. Demnach stammt das Video ursprünglich aus einem Instagram-Beitrag vom 31. Mai 2020. Dort wurde allerdings nicht behauptet, dass es sich um einen FBI-Agenten handele (auch der festgenommene Mann selbst sagt dies im Video nicht). Außerdem steht in der Bildbeschreibung, dass der Vorfall sich schon vor einem Jahr in Rochester, Minnesota, zutrug.

Auf Anfrage bei der zuständigen Polizeibehörde sendete uns eine Sprecherin eine Pressemitteilung der Stadt Rochester zum Vorfall. In der Mitteilung vom 6. Juni 2020 heißt es, der Vorfall sei am 1. Juni 2019 geschehen. „Die Beamten glaubten, eine Person erkannt zu haben, gegen die ein Haftbefehl wegen Körperverletzung vorlag. Die Person hatte ungefähr die gleiche Größe, das gleiche Gewicht und das gleiche Alter wie die Person, von der der Beamte glaubte, einen Haftbefehl zu haben.“ Und: „Während der kurzen Festnahme wurde ein Ausweis gefunden, der zeigte, dass er nicht die Person war, für die der Beamte einen Haftbefehl hatte. Die Person wurde sofort freigelassen. Entgegen den Gerüchten in den Sozialen Medien war die Person kein Agent des Federal Bureau of Investigations (FBI).“

Die Pressemitteilung der Stadt Rochester, Minnesota, zum Vorfall. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Faktenchecker der DPA recherchierten außerdem das Facebook-Profil des Verhafteten. Profilfotos und ein kürzlich veröffentlichtes Video über den Vorfall legen nahe, dass es sich tatsächlich um den Festgenommenen handelt. In einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite ist zu lesen: „Ich bin Atter Monydel, die Person, die von der Polizei in dem Video verhaftet wurde, das derzeit viral geht. […] Ich bin weder ein FBI-Agent noch arbeite ich für irgendeine Polizeibehörde. Ich glaube, dieses Video ist ein klarer Hinweis auf Racial Profiling. Wäre der Polizeibeamte mit einem moralischen Kompass des Respekts gekommen, hätte dies meiner Meinung nach vermieden werden können.“   

Statement zum Vorfall auf der Facebook-Seite von Atter Mogndal. (Screenshot: CORRECTIV)

„Racial profiling“ beschreibt – laut Definition der Bundesregierung – „das Herausgreifen bestimmter Personen bei Personenkontrollen aufgrund ihres Aussehens (z. B. ethnische Herkunft, Hautfarbe)“. Obwohl die Bundesregierung in ihrer Antwort schrieb, dass sich weder das Bundeskriminalamt noch die Bundespolizei solcher Instrumente bediene, berichten immer wieder Betroffene, auch in Deutschland. 

Kritik an „racial profiling“ ist Teil der aktuellen Proteste in den USA und weltweit. Sie wurden durch den Tod des Schwarzen George Floyd ausgelöst. Ein Video, in dem zu sehen ist, wie ein weißer Polizeibeamter minutenlang auf seinem Hals kniet, ging im Netz viral. Floyd starb am 25. Mai in Minneapolis, Minnesota.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Video wird mit falschem Kontext verbreitet. Es handelt sich bei dem festgenommenen Mann nicht um einen FBI-Agenten.

Headerbild
Übersicht der Aufstellung zu den Todeszahlen, die in Sozialen Netzwerken kursiert. (Screenshot: CORRECTIV)

von Steffen Kutzner

In Sozialen Netzwerken kursiert eine Aufstellung mit angeblichen Opferzahlen durch verschiedene Todesursachen im ersten Quartal 2020, zum Beispiel Suizid oder Krebs. Die Zahlen von der Plattform Worldometers.info sind jedoch unbelegt und die Statistiken nicht vergleichbar.

Auf Whatsapp und Facebook wird ein Bild mit einer Aufstellung geteilt, bei der angebliche Opferzahlen durch verschiedene Todesursachen einander gegenübergestellt werden. Sie enthält Zahlen zu Malaria, Verkehrsunfällen oder Hunger und vergleicht diese mit Todesfällen durch Covid-19. Der Zeitraum wird als 1. Januar bis 25. März 2020 angegeben. 

Als Quelle dafür wird die Webseite worldometers.info genannt. Es finden sich für alle in der Liste aufgeführten Todesursachen Zahlen auf der Webseite, und für alle Todesursachen lagen sie zum Zeitpunkt der Überprüfung durch uns höher als in der Aufstellung angegeben. 

Auszug einiger Zahlen, die Worldometers.info angibt. Stand: 29. April 2020. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Webseite hat keine Archivfunktion und die Betreiber der Seite haben bis zur Veröffentlichung nicht auf unsere Anfrage geantwortet, deshalb konnten wir nicht überprüfen, ob die angegeben Zahlen tatsächlich am 25. März auf der Webseite zu finden waren. 

Eine Ausnahme bildet die Angabe für die Coronavirus-Todesfälle. Laut dem auf Facebook und Whatsapp geteilten Bild lag die Zahl der Corona-Todesfälle am 25. März bei 21.297.

Das stimmt in etwa überein: Am 25. März waren es laut Worldometers.info 21.283 Fälle. Als Quelle dafür werden zum Beispiel offizielle Berichte von Regierungen und regionalen Medien genannt. 

Die WHO gibt abweichend davon für den 25. März 18.433 Tote an. Der Unterschied kann durch die unterschiedlichen Erhebungsverfahren zustande kommen.

Die Übersicht der Opferzahlen für das Coronavirus auf der Seite Worldometers.info. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Aufstellung auf Facebook und Whatsapp vergleicht jedoch die Zahlen mit anderen Krankheiten, Unfällen oder Hungersnot – völlig unterschiedliche Todesursachen, die nichts gemeinsam haben. Die einzigen Virus-Erkrankungen in der Aufstellung neben Covid-19 sind die Grippe und Aids.

Unsere Recherche ergibt zudem: Die Daten zu den anderen Todesursachen sind nicht aktuell. Worldometers.info legt seine Berechnungsmethode nicht offen, sondern erklärt, die Daten stammten aus offiziellen Quellen, würden aber nicht in Echtzeit erhoben. Sie würden lediglich auf Basis von teilweise mehrere Jahre alten Zahlen geschätzt, wie es auf der Webseite heißt: „Unsere Echtzeit-Schätzungen werde aus unserem Algorithmus gespeist, der auf den Analysen verfügbarer Daten und Statistiken basiert.“

Auszug aus der FAQ-Seite von Worldometers.info. (Screenshot: CORRECTIV)

Saisonale Grippe

Die Angabe der im Bild genannten 113.034 Toten durch die saisonale Grippe seit Anfang 2020 ist nicht nachvollziehbar. Worldometers.info gibt als Quelle für die Schätzung eine Pressemitteilung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC aus dem Jahr 2017 und eine Pressemitteilung der WHO aus demselben Jahr an.

Die WHO schätzt laut einer Übersichtsseite aus dem Jahr 2018 weltweit 290.000 bis 650.000 Grippetote pro Jahr. Auch die Johns-Hopkins-Universität geht von schätzungsweise 291.000 bis 646.000 Todesfällen pro Jahr aus. Die beiden Pressemitteilungen, auf die sich Worldometers.info bezieht, nennen dieselben Zahlen. 

Die Todesfälle der saisonalen Grippe und die von Covid-19 lassen sich aber nicht vergleichen, weil sie – zumindest in Deutschland – statistisch unterschiedlich erhoben werden, wie wir bereits in unserem Faktencheck vom 19. April beschrieben hatten. Die Grippefälle basieren auf Schätzungen, während die Covid-19-Zahlen tatsächlich gemeldete Todesfälle wiedergeben.

Malaria

Laut der Aufstellung sind im ersten Quartal diesen Jahres angeblich 228.095 Menschen an Malaria gestorben. Diese Zahl ist unbelegt. Worldometers.info verweist als Quelle auf eine Übersichtsseite der WHO, auf der die Zahlen für Malariatote jedoch nicht genannt werden.

Der World Malaria Report 2019 der WHO gibt für das Jahr 2018 weltweit schätzungsweise 405.000 Gestorbene an. Aktuellere Zahlen gibt es bisher nicht. Heruntergerechnet auf ein Quartal ergibt sich damit eine ungefähre Zahl von 101.000 Toten. 

Suizid

Als Quelle gibt worldometers.info eine Übersichtsseite der WHO zu Suizidraten an, auf der von „close to 800.000 people“ pro Jahr gesprochen wird. 

Die aktuellsten Zahlen, die die WHO zu Todesfällen durch Suizid erhoben hat, stammen aber aus dem Jahr 2016. Die Schätzung geht von 793.000 Suiziden weltweit aus. Auch im von der WHO herausgegebenen Bericht World Health Statistics 2019 wird sich noch darauf bezogen (Seite 31). 

Selbst wenn die Zahl auf 2020 übertragbar wäre, wären es etwa 198.000 Fälle pro Quartal. Die im Bild angegebene Zahl von 249.095 ist also mit diesen Daten nicht nachvollziehbar. 

Verkehrsunfälle

Für die behauptete Zahl von 313.903 Verkehrstoten im ersten Quartal 2020 gibt es keine direkte Quelle. Als Berechnungsgrundlage nennt Worldometers.info eine Pressemitteilung der WHO aus dem Jahr 2011, in der für das Jahr 2020 1,9 Millionen Tote durch Verkehrsunfälle vorausgesagt wurden. 

Dem Global Status Report On Road Safety der WHO aus dem Jahr 2018 zufolge sind 2018 1.354.840 Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben, Fußgänger und Radfahrer mit eingeschlossen. Heruntergerechnet entspricht das 339.000 Fällen pro Vierteljahr. Die Zahl der Verkehrstoten weltweit steigt seit Jahren.

Aids

Angeblich sind laut der Aufstellung im ersten Quartal diesen Jahres 390.908 Menschen an Aids gestorben. Worldometers.info nennt als Quelle die Organisation UNAIDS, auf deren Webseite sich die Zahl von 770.000 Todesfällen durch Krankheiten in Verbindung mit Aids im Jahr 2018 finden lässt. Es handelt sich jedoch um eine Schätzung, die Variable wird mit 570.000 bis 1,1 Millionen angegeben.

Screenshot aus dem Aids-Bericht der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Die im auf Whatsapp geteilten Bild angegebene Zahl von 390.000 im Jahr 2020 ist also nicht nachvollziehbar. 

Alkohol

Das Bild gibt 581.599 Tote durch Alkohol im ersten Quartal 2020 an. Berechnungsgrundlage für Worldometers.info ist eine Informationsseite der WHO, die die Zahlen von 2016 nennt (drei Millionen Tote durch Alkoholmissbrauch). Aktuellere Zahlen gibt es bisher nicht. Die Zahl im Bild ist daher unbelegt.

Rauchen

Worldometers.info gibt als Quelle eine Seite der WHO an, auf der jedoch keine jährlichen Opferzahlen genannt werden. Auch aktuelle Zahlen liegen hierzu nicht vor, deshalb kann die Zahl von 1,62 Millionen seit Anfang 2020, die in dem Bild genannt wird, nicht überprüft werden. 

Im Jahr 2016 starben laut dem von der amerikanischen Krebsgesellschaft herausgegebenen ‘Tabakatlas’ weltweit 7,1 Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Die WHO spricht auf einer zuletzt im Juli 2019 aktualisierten Webseite sogar von mehr als acht Millionen pro Jahr. Daraus ergeben sich für das Quartal rund 1,78 bis 2 Millionen Tote weltweit. 

Krebs

Krebstote laut Aufstellung der WHO aus dem Jahr 2018. (Screenshot: CORRECTIV)

Worldometers.info gibt als Grundlage für ihren Schätzwert von Krebs-Todesfällen eine Übersichtsseite der WHO an. Dort findet sich aber lediglich der gerundete Wert von 9,6 Millionen Krebstoten für das Jahr 2018. Das wären 2,39 Millionen pro Quartal. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. 

Für die 1,91 Millionen Todesfälle in dem Bild fanden wir also keine Belege. 

Hunger

Angeblich starben im ersten Quartal 2020 2,38 Millionen Menschen aufgrund von Hunger. Wir können diese Zahl nicht verifizieren. Es gibt hierzu keine aktuellen Daten. 

Worldometers.info gibt drei Quellen an: Die Hunger Map des World Food Programme von 2019, auf der jedoch keine Zahlen für Hungertote genannt werden. Eine Übersichtsseite der WHO für den World Health Report 2013, auf der ebenfalls keine Zahlen genannt werden. Und die Seite von UNICEF, die Links zu den jährlichen Berichten zum Status von Unterernährung und Kinderarmut bei Kindern bietet. Auch dort werden keine Zahlen zu Hungertoten genannt. 

Wir konnten in den Berichten der Vereinten Nationen, der WHO, der Welthungerhilfe, des FSIN und UNICEF keine aktuellen Zahlen finden. Presseanfragen an die WHO und die Welthungerhilfe wurden mit Verweis auf die Berichte beantwortet. Die Welthungerhilfe und die FAO schrieben uns, es lägen keine aktuellen Zahlen vor. Eine Pressesprecherin der WHO teilte uns mit, man wüsste von keinen jährlichen Berichten, die Angaben zu Hungertoten machten.

Auszug aus der Antwort-E-Mail der WHO auf die Frage, ob Zahlen zu Hungertoten bekannt seien. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Hilfsorganisation Mercy Corps gibt auf ihrer Webseite „mehr als neun Millionen Tote“ pro Jahr durch Hunger an, die Quelle für diese Zahl ist jedoch unklar. Auf das Quartal heruntergerechnet wären das 2,25 Millionen.

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Fazit

Die Zahlen der auf Whatsapp und Facebook verbreiteten Aufstellung sind bis auf diejenigen zu Covid-19 unbelegt. Wir fanden keine Quellen mit aktuellen Daten, anhand derer wir die Werte von Worldometers.info nachvollziehen könnten. 

Darüber hinaus gibt es zwei Probleme mit der Grafik.

Zum einen überschneiden sich die Zahlen der Aufstellung teilweise: So wird etwa eine Zahl für Krebstote angegeben und auch eine Zahl für Tote durch Rauchen. Raucher sterben aber zumindest zum Teil an Krebs. Das Deutsche Krebsforschungszentrum geht davon aus, dass bis zu 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle auf das Rauchen zurückzuführen seien. 

Ein anderes Beispiel ist die Unterscheidung von Alkohol und Verkehrstoten: Die WHO geht in ihrem Bericht von 2018 davon aus, dass 370.000 Menschen durch alkoholbedingte Verkehrsunfälle gestorben sind. Ob diese Zahl in der Aufstellung zur Kategorie Alkohol oder Verkehr gezählt werden, ist nicht klar.

Zum anderen werden in der Übersicht Zahlen nebeneinander gestellt, die teilweise geographische Schwerpunkte haben. Von den 405.000 offiziellen Malariatoten des Jahres 2018 zum Beispiel sind 380.000 in Afrika gestorben. Ähnliches gilt für Hunger: Im April 2020 veröffentlichte das Global Network Against Food Crises den Global Report On Food Crises 2020. Dieser verortet mehr als die Hälfte der von Hunger betroffenen Menschen in Afrika.

Grafik aus dem Global Report On Food Crises 2020. (Screenshot: CORRECTIV)

In der Aufstellung der Todeszahlen werden also Todesursachen, die vor allem die afrikanischen Länder betreffen, neben Todesursachen gestellt, die weltweit ein Problem sind. 

Die Vergleiche der Zahlen führen also insgesamt in die Irre. Dass mehr Menschen zum Beispiel an Alkoholmissbrauch sterben, bedeutet nicht, dass das Coronavirus ungefährlich ist.

Update, 4. Mai 2020: In der ursprünglichen Fassung des Textes hieß es, Malaria sei eine Viruserkrankung. Malaria wird jedoch von einem Parasiten verursacht. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Die Zahlen zu den verschiedenen Todesursachen sind unbelegt und nicht mit Covid-19 vergleichbar.

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Nein, diese Menschen urinierten nicht vor einer Kirche. Sie beteten. (Screenshot und Collage: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Seit Jahren teilen Menschen im Netz ein Foto, auf dem mehrere Personen vor einer Kirche zu sehen sind. Die Falschmeldung dazu: Sie hätten an die Kirchenwand uriniert. Das stimmt nicht. Sie beteten.

Manche Falschmeldungen tauchen immer wieder auf. So auch ein Foto von Menschen, die in einer Reihe vor einer Kirchenwand stehen. Mindestens seit 2016 behaupten Nutzer im Netz fälschlicherweise, die Menschen auf dem Foto würde an die Wand urinieren. Meist mit der Behauptung verbunden, es handele sich nicht um Deutsche. 

Eine Facebook-Nutzerin veröffentlichte das Foto nun erneut am 18. April auf Facebook und schrieb dazu: „Kirchenschänder in München!!!“. Der Beitrag wurde mehr als 1.400 Mal geteilt. Auf dem Foto selbst steht die Behauptung: „Sechs Neubürger urinieren an das christliche Gotteshaus“. 

Das ist falsch. 

Im August 2016 fand der Faktencheck-Verein Mimikama heraus, dass das Foto vor der St. Gertrud Kirche in München aufgenommen wurde. Die Kirche veröffentlichte damals auf ihrer Webseite eine Stellungnahme, die heute nicht mehr online ist. 

In der Stellungnahme stand: „Seit einigen Jahren wird einer der Räume unserer Kirche von der eritreisch-orthodoxen Gemeinde benutzt. Jeden Sonntag wird eine Eucharistie gefeiert. Junge Eritreer treffen sich oft auch nach der Messe am Wochenende diesem Raum. So hat sich eine gute ökumenische Beziehung zwischen der eritreischen Gemeinde und unserer katholischen Pfarrei St. Gertrud entwickelt. Ab und zu feiern wir gemeinsam ökumenische Gottesdienste. Nach der Tradition der orthodoxen Christen in Eritrea und Äthiopien gehen die Gläubigen oft nicht in die Kirche hinein, sondern beten draußen vor der Kirche. Sie lehnen sich an die Wand des Gotteshauses und beten. Die Männer auf diesem Bild beten gerade.“ 

Die Stellungnahme hat Mimikama mit Screenshots dokumentiert. Die Gemeinde wiederholte sie gegenüber CORRECTIV am 23. April per E-Mail. Dazu schrieb Pater Matthias Zlonkiewicz: „Ich kann bestätigen, dass die Männer, die auf dem Foto zu sehen sind, nichts Schlimmes tun. Sie stehen an der Kirchenwand und beten gerade. Jede Unterstellung, dass sie urinieren, ist einfach falsch.“ 

In einer E-Mail bestätigte Matthias Zlonkiewicz, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf der Seite der Gemeinde St. Gertrud wird auf die regelmäßigen Gottesdienste der eritreisch-orthodoxen Kirche verwiesen. 

Hinweis auf der Webseite der Gemeinde St. Gertrud in München. (Screenshot: CORRECTIV)

Neben Mimikama berichteten im August 2016 mehrere Medien über die Falschmeldung, darunter der Bayerische Rundfunk, Focus und die Münchener Abendzeitung

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Unsere Bewertung:
Falsch. Die Menschen auf dem Foto beteten.

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In der südkoreanische Serie „My Secret, Terrius“ erkrankt eine Figur an einem mutierten Coronavirus, das die Lunge befällt und eine Inkubationszeit von zwei bis 14 Tagen hat. Das beweist jedoch keine Verschwörung. (Quelle: Netflix/MBC)

von Steffen Kutzner

In einem Facebook-Post berichtet ein Mann, er habe „herausgefunden“, dass in der Handlung einer asiatischen Fernsehserie Parallelen zur aktuellen Corona-Pandemie auftauchen. Das liegt daran, dass verschiedene Coronavirus-Stämme häufig ähnliche Symptome verursachen.

Auf Facebook wurde am 2. April ein Video veröffentlicht, in dem ein Mann auf die im Netflix-Angebot enthaltene Serie „My Secret, Terrius“ hinweist. Er spielt auf einem Fernseher eine Szene der Serie ab, in der eine Ärztin eine Diagnose erklärt: Ein Patient sei an einem mutierten Coronavirus erkrankt. Das Virus greife die Atmungsorgane an, habe eine Inkubationszeit von zwei bis 14 Tagen und es gebe keine Impfung oder Heilmittel dagegen.

Nach dem Ende der Szene verweist der Mann in dem Facebook-Beitrag darauf, dass die Serie bereits 2018 produziert wurde und sagt, dies könne kein Zufall sein. Das Video wurde bereits mehr als 7.800 Mal geteilt. Die Andeutung, die Serie habe die Pandemie vorhergesagt, ist irreführend.

Die Fernseh-Ärztin beschreibt tatsächlich größtenteils Merkmale, die auch auf das aktuell grassierende Coronavirus SARS-CoV-2 passen. Sie erklärt jedoch auch, das fiktive Virus in der Fernsehserie sei optimiert worden und habe eine Sterblichkeitsrate von 90 Prozent. 

Das trifft auf SARS-CoV-2 nicht zu. Wie hoch die Rate tatsächlich liegt, ist noch unklar – aber alle bisherigen Auswertungen ergeben laut Robert-Koch-Institut (RKI) Werte von unter zehn Prozent. Wissenschaftler kommen aufgrund der bisherigen Forschungslage außerdem zu dem Schluss, dass das neuartige Coronavirus seinen Ursprung in der Natur, bei Fledermäusen, hat.

Ähnliche Symptome bei verschiedenen Coronaviren

Eine Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen und Symptome an den Atemwegen trafen laut RKI auch auf das Coronavirus MERS-CoV im Jahr 2012 zu. Im Jahr 2003 wurde bei SARS-CoV (das die Krankheit SARS auslöst) ebenfalls eine ähnliche Inkubationszeit festgestellt: „Die Inkubationszeit beträgt im Mittel 5 Tage, mit einer Zeitspanne von 2 bis 10 Tagen, wobei vereinzelte Berichte über Fälle mit längerer Inkubationszeit vorliegen”, erklärt das RKI auf einer Informationswebseite. Dort findet sich auch die Information, dass sich bei SARS in „schweren Fällen […] eine sich rasch verschlechternde Atemnot mit Sauerstoffbedarf“ entwickle. Das trifft auch auf das aktuelle SARS-CoV-2 zu.

Bisher gibt es für SARS-CoV-2 auch noch keinen Impfstoff. Die Entwicklung eines Impfstoffes oder eines spezifisch wirkenden Medikaments dauert mitunter mehrere Jahre, wie sich bei MERS zeigte: Erst sechs Jahre nach der MERS-Epidemie 2012 wurde der erste Impfstoff klinisch getestet. Für das aktuelle Coronavirus gibt es jedoch bereits mehrere Impfstoffkandidaten, von denen sich laut Robert-Koch-Institut seit Mitte März zwei in der klinischen Testphase befinden.

Fazit: Dass die Merkmale des fiktiven Coronavirus in der Serie „My Secret, Terrius“ denen des aktuellen Coronavirus SARS-CoV-2 so ähnlich sind, liegt daran, dass Coronavirus-Erkrankungen von derselben Virenfamilie verursacht werden und daher ähnliche Symptome hervorrufen und ähnliche Inkubationszeiten haben. Auch die Faktenchecker von Snopes kamen zu diesem Schluss.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die Symptome des fiktiven Virus in der Serie sind typisch für eine Infektion mit Coronaviren und kein Beleg für eine Verschwörung.

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Dieses Video wird aktuell auf Whatsapp geteilt. Die Aufnahmen entstanden im August 2019 in Hongkong – Monate vor dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Eine Whatsapp-Nachricht behauptet, in Hongkong würden Menschen aktuell 5G-Masten abreißen, weil sie im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen würden. Das ist falsch. Das Video zeigt Protestierende in Hongkong im August 2019 – lange vor dem Ausbruch von SARS-CoV-2.

Der neue Mobilfunkstandard 5G war schon vor dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 ein Thema, zu dem viele irreführende und falsche Meldungen im Internet kursierten. Aktuell verbreiten sich mehrere Videos und Nachrichten, die einen Zusammenhang zwischen schweren Verläufen der durch den Coronavirus ausgelösten Krankheit Covid-19 und 5G-Masten suggerieren. 

Per Whatsapp wird ein Video verschickt, in dem Menschen auf einer Straße einen Funkmast zu Fall bringen. Die Behauptung dazu: „Wegen Coronavirus: in Hongkong zerstören die Menschen die 5G Masten“. Das verlinkte Video führt zu der Webseite „Traugott Ickeroth“. 

Aktuell findet sich auf der Website  ein „Live-Ticker“ zu den Entwicklungen rund um das Coronavirus mit dem Titel „Der Sturm ist da“. Darin wurde am 24. März die Behauptung veröffentlicht: „In Honkong [sic!] legen sie 5G-Mobilfunkmasten um“ samt des Videos. Darauf folgt der Satz: „Würden sie es nicht tun, würde der Sendemast die Honkonger [sic!] umlegen.“ Der Ticker wurde bisher laut dem Analysetool Crowdtangle knapp 1.000 Mal bei Facebook geteilt. 

Ansonsten behandelt die Webseite Themen wie „UFO Sichtung beim WTC“, die Verschwörungstheorie der „Neuen Welt-Ordnung“ und impfkritische Inhalte

Wir haben den Hintergrund des Videos mit dem Funkmast geprüft. 

Das Video entstand im August 2019

Eine Google-Suche nach den Stichworten „lamp post protestors hong kong“ führt zum Originalvideo, das die britische Zeitung Guardian am 26. August 2019 mit der auf Englisch verfassten Überschrift „Hongkong: Anti-Überwachungsprotestler reißen ‘intelligenten’ Laternenpfahl ab“ veröffentlichte. 

Im Netz finden sich außerdem weitere Fotoaufnahmen der Szene aus anderen Perspektiven, die übereinstimmend den 24. August 2019 als Aufnahmedatum angeben. Zum Beispiel dieses Foto aus der Bilddatenbank Getty Images und dieses Foto in einem Artikel der Seite People’s Daily Online. Den Laternenpfahl brachten Demonstranten demnach zu Fall, weil sie gegen mögliche Videoüberwachung protestierten. 

Mehrere Merkmale belegen, dass die Fotoaufnahmen dieselbe Szene wie im aktuell bei Whatsapp verbreiteten Video zeigen: Das rote Gebäude im Hintergrund mit Ikea-Werbung, ein filmender Mann mit Warnweste auf einem Steinblock und ein brauner Regenschirm. Die Aufnahmen entstanden demnach am 24. August 2019 in Hongkong, lange bevor das neuartige Coronavirus bekannt wurde. 

Übereinstimmende Merkmale im Whatsapp-Video und in Medienberichten über die Proteste in Hongkong: Das rote Gebäude im Hintergrund mit Ikea-Werbung, ein filmender Mann mit Warnweste auf einem Steinblock und ein brauner Regenschirm. (Screenshots und Collage: CORRECTIV)

Der Standort der Laterne lässt sich bei Google Maps nachvollziehen und lieg in der Sheung Yuet Road im Hongkonger Stadtteil Kowloon. Die Gebäude im Hintergrund stimmen mit den Bildaufnahmen überein. 

Gegenüber den Faktencheckern von AFP bestätigte das Hongkong’s Office of the Government Chief Information Officer im September 2019 die Zerstörung einer „smarten“ Laterne bei Protesten. 

Doch was haben die Laternen mit dem Mobilfunkstandard 5G zu tun? 

In einer Pressemitteilung von Juli 2019 informierte die Regierung von Hongkong über den Zweck der Laternen. Als ein Punkt wird darin genannt: „Es ist vorgesehen, dass Mobilfunknetzbetreiber 5G-Basisstationen installieren, um die zukünftige Entwicklung von Mobilfunkdiensten der fünften Generation (5G) in Hongkong zu erleichtern und kostenlose Wi-Fi-Dienste anzubieten.“ Die Wut der Demonstranten richtete sich den übereinstimmenden Medienberichten zufolge gegen die Laterne, weil sie befürchten, damit könnten persönliche Daten gesammelt werden. Ob, die im Video zu sehende Laterne zum Zeitpunkt der Zerstörung 5G-Ausrüstung und Gesichtserkennungssoftware enthielt, ist unklar.

Auch in anderen Faktenchecks haben wir bereits Behauptungen zu 5G und Corona geprüft. Unter anderem die Behauptung, die Todesfälle durch das neue Coronavirus in Wuhan könnten auch einem von „5G verursachten Zellabbau“ zugeschrieben werden – die Strahlung könne zu „grippeähnlichen Symptomen“ führen. Das stimmt nicht. Die Todesfälle hatten nichts mit 5G zu tun. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck.

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Falsch. Das Video entstand im August 2019 in Hongkong. Mit dem Coronavirus hat es nichts zu tun.