Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte am 30. Juli einen Screenshot eines anderen Facebook-Beitrages. Auf dem Screenshot sind mehrere Personen zu sehen, die auf einem Friedhof grillen. Der Originalbeitrag ist nicht mehr verfügbar, aber die Person, die ihn ursprünglich veröffentlichte, markierte als Standort den Westfriedhof in Magdeburg und erweckte damit den Eindruck, dass das Foto dort entstanden sei.
Der Nutzer, der den Screenshot verbreitet, schreibt unter anderem dazu: „Wo bleiben da die Medien um davon zu berichten?“ Der Beitrag wurde mehr als 10.600 Mal geteilt. Wir haben recherchiert, ob das Foto tatsächlich auf dem Westfriedhof in Magdeburg entstanden ist. Nach unserem Besuch vor Ort und einer Anfrage bei der Stadt Magdeburg können wir das ausschließen.

Das Foto ist nicht auf dem Westfriedhof in Magdeburg entstanden
Der Westfriedhof in Magdeburg umfasst rund 62 Hektar, die in einzelne Abschnitte unterteilt sind. Während unserer Suche nach einer Stelle, an der das Bild entstanden sein könnte, haben wir uns an Anhaltspunkten wie den Grabsteinen orientiert. Trotzdem konnten wir keine entsprechende Stelle vor Ort finden.
Bitte nehmen Sie sich einen Moment Zeit.
Nachrichten und Recherchen sind unerlässlich, damit Sie sich eine Meinung bilden können. Aber die derzeitigen Bedrohungen der freien Presse und der Medienlandschaft sind alarmierend.
Wir fordern die Bundesregierung auf, Pressefreiheit und die Medienvielfalt in Deutschland umfangreich zu schützen. Machen Sie mit.
Deshalb haben wir das Foto vor Ort dem Magdeburger Friedhofsgärtner Ernst Martin Einecke vorgelegt. Auf Nachfrage, ob das Foto auf dem Westfriedhof entstanden sein könnte, sagt er: „Auf dem Westfriedhof glaube ich nicht, die engen Steine und die Einfassung, eigentlich gibt es das hier so in der Art auf dem Westfriedhof nicht.“

Zusätzlich haben wir das Foto aus dem Facebook-Beitrag der Pressestelle der Stadt Magdeburg vorgelegt. Auf Nachfrage bestätigt der Pressesprecher Michael Reif die Aussagen des Friedhofsgärtners: „Hiermit teile ich Ihnen […] mit, dass das Foto NICHT den Westfriedhof der Landeshauptstadt Magdeburg zeigt und auch nicht dort aufgenommen wurde.“

Die Herkunft des Fotos ist nicht geklärt
Wir haben das Foto durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen. Die Suchergebnisse zeigen: Das Bild wurde in mehreren Ländern verbreitet. Außerdem findet man eine Version des Fotos, auf dem der Himmel und grüne Hügel im Hintergrund zu sehen sind. Demnach muss der Friedhof in einem eher ländlichen Gebiet liegen.

Auch der österreichische Faktencheck-Verein Mimikama hat zu dem Foto recherchiert, konnte die Herkunft aber nicht klären. Mimikama bezieht sich auf Artikel der serbischen Webseiten Telegraf und Hronograf, in denen gemutmaßt wird, dass das Foto in Serbien entstanden sein könnte, genauer gesagt in der Stadt Šabac.
Dafür, dass der Friedhof in Šabac liegt, gibt es allerdings keine Belege. Der Stil der Gräber (schwarze Steine mit weißen Verzierungen links und rechts) ist zwar ähnlich wie auf einer Aufnahme von 2006, die in der Bilddatenbank Alamy zu finden ist. Ein Abgleich mit Satellitenaufnahmen von Google Maps zeigt jedoch, dass keiner der fünf Friedhöfe in der Stadt oder Umgebung in einem hügeligen ländlichen Gebiet liegt. Die grünen Hügel im Hintergrund des Fotos passen also eher nicht zu Šabac.
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.

CORRECTIV im Postfach
Lesen Sie von Macht und Missbrauch. Aber auch von Menschen und Momenten, die zeigen, dass wir es als Gesellschaft besser können. Täglich im CORRECTIV Spotlight.
Mit der Anmeldung willigen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung ein.